Regionalliga Nord 2004/05 - Wieder eine "Amateurliga"

24.06.2004, 09:50 Uhr | 349 Aufrufe
Karte der Regionalliga Nord 2004/05So richtig weiß man nicht was die Regionalliga eigentlich ist - Profi- oder doch Amateurliga. Spätestens ab der kommenden Saison 2004/05 dürfte das klar sein - zumindest wenn man den Begriff Amateurliga aus einem anderen Blickwinkel betrachtet: In der neuen Spielzeit werden 7 von 19 Mannschaften durch die Amateurteams von 1. und 2. Bundesligisten gestellt.

Mit den Amateurabteilungen von Borussia Dortmund, Werder Bremen, dem Hamburger SV und dem 1. FC Köln existieren ja teils schon Jahre andauernde Bekanntschaften. Von den Schalke-Amateure musste man sich ja verabschieden, dafür stellen sich 3 neue Nachwuchskader vor.
Aus dem Nordosten stoßen die Hertha BSC Berlin-Amateure in die Liga. Mit 5 Punkten auf den Zweiten aus Babelsberg und gar 10 auf die drittplazierten Hansa Rostock/A. holten dich die kleinen Höness-Jünger souverän den Staffelsieg im Nord-Nordosten. In der anschließend fälligen Relegation schoss man dann den Süd-Nordost Staffelsieger Plauen in deren Stadion mit 4:2 ab, freilich nicht ganz ohne Profihilfe. So konnte man sich zu Hause auch eine 2:3 Niederlage leisten, um dennoch in die nächst höhere Klasse versetzt zu werden.
Aus der Oberliga Westfalen kommen die Amateure des Erstliga-Aufsteigers Arminia Bielefeld. In einem spannenden 4-Kampf wurden schließlich der SC Verl, die VfL Bochum-Amateure und Lokalrivale Fichte Bielefeld auf die Plätze 2 bis 4 verwiesen.
Die Krönung der "Amateurisierung" stellt aber der Aufstieg der Amateure des VfL Wolfsburgs dar. Gelten deren Profis in der Bundesliga schon nur als bedingt attraktiv, so dürfte sich das bei der 2. Garnitur noch potenzieren. Sportlich kamen die VfL-Amateur nur denkbar knapp als Sieger ins Ziel, lediglich 7 Tore trennte sie von der punktgleichen Nordhorner Eintracht. Jedoch arbeiteten die Beiden auch 10 Zähler auf den 3. Wilhelmshaven heraus.
Der vierte Aufsteiger im Bunde ist die traditionsreiche Düsseldorfer Fortuna. Jedoch sind die Rot-Weißen der einzigste Aufsteiger, der nicht Meister wurde. In der Oberligastaffel Nordrhein holte sich nämlich die SpVgg Velbert Rang 1 mit 4 Toren Vorsprung, verzichtete aber aus wirtschaftlichen Gründen auf das Aufstiegsrecht. Fortuna konnte sich deshalb auch 3 sieglose Partien in den letzten 4 Begegnungen und damit das Verspielen eines komfortablen 9 Punkte-Vorsprungs (30. Spieltag) leisten.

Doch nicht nur aus der Oberliga kommt frisches Blut, auch aus der 2. Bundesliga verstärken 3 Teams die Regionalliga Nord. Das ist auch der Grund, warum die Spielzeit 2004/05 ein wenig länger dauern wird, denn sie wird auf 19 Mannschaften aufgestockt. Das bedeutet auch, dass es in der kommenden Saison 5 Absteiger geben wird, um die vorgesehene Staffelgröße von 18 Teams wieder herzustellen.
Alle Absteiger sind in der Liga alte Bekannte. Voran geht der VfB Lübeck, der zwar im DFB-Pokal bis ins Halbfinale vorstieß und dort den späteren Sieger und Meister Werder Bremen in die Verlängerung zwang (2:3), doch in der Liga letztlich zu lethargisch agierte. Konnte man kurz nach der Winterpause (20.Spieltag) sogar noch im Aufstiegsrennen mitmischen, kam dann jedoch ein Einbruch mit nur noch 2 Siegen in den letzten 14 Spielen. Der Abstand zum "rettenden Ufer" betrug schließlich schon fast stattliche 4 Zähler.
Nach 3 Spielzeiten in der 2. Bundesliga muss der 1.FC Union Berlin wieder in die Regionalliga zurückkehren. Und jetzt ist man sogar fast noch froh darüber. Denn nach dem der Abstieg schon längere Zeit unabwendbar schien, drohte eine Lizenzauflage - fast 1,5 Mio. EUR mussten als Liquiditätsnachweis aufgebracht werden - den Wuhlheidern das Genick zu brechen, sprich: Durchmarsch in die Oberliga oder noch schlimmer. Doch nach einem Kraftakt von Fans und Sponsoren kam schließlich am 11. Juni 2004 die frohe Kunde für Union aus der DFB-Zentrale.
Am längsten für die Regionalliga planen konnte der VfL Osnabrück. Seit dem 17. Spieltag permanent auf dem letzten Platz rangierend, standen die Niedersachsen schon lange als Absteiger fest - rechnerisch jedoch erst seit dem 31. Spieltag. Für Osnabrück ist es nach 2000/01 bereits der zweite direkte Wiederabstieg. Mit dem Ex-Uerdinger Klaus-Peter Wollitz soll aber schon im Jahre 2005 Osnabrück wieder zweitklassig sein.

Was darf nun der CFC bzw. seine Anhänger von der neuen Saison erwarten? Auf jeden Fall wird es ein Heimspiel mehr geben, und logischerweise auch ein Auswärtsspiel mehr. Doch das wird kein Ausgleich für die beiden verlorenen Derbys gegen Dresden und Leipzig sein. Auch in Union Berlin kann kein gleichwertiger Ersatz gesehen werden. So kann die Attraktivität der Spiele ausschließlich aus der sportlichen Situation resultieren, was jedoch bedeutete, das die Himmelblauen in der Spitze mitspielen müssten. Angesichts der Konkurrenten aus Braunschweig, St. Pauli, Paderborn, Osnabrück, Lübeck, Berlin und sicher auch der einen oder anderen Überraschungsmannschaft aus einem Kreis um Wuppertal, Düsseldorf, Kiel, Uerdingen oder Münster ein schwieriges Unterfangen. Und nicht zuletzt werden auch die Amateur-Teams wieder kräftig in den Spitzenplätzen wildern.
Die Liga dürfte sich insgesamt ausgeglichen und unberechenbar wie nie zuvor präsentieren, jedoch zumindest aus Fan-Sicht auch unattraktiv wie nie zuvor. Lassen wir uns also ab dem 31. Juli 2004 überraschen und freuen wir uns auf eine hoffentlich spannende Saison 2004/05, auch wenn die Vorfreude durch die Staffelzusammensetzung etwas getrübt ist.

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