Kanitz Traumtor reichte nicht
von Pierre Schönfeld
Die Abendsonne schien über der Wuhlheide bei wunderbar frühlingshaften Temperaturen. Aus den Boxen röhrte Berlins Punk Oma Nina Hagen ihr "Eisern Union" während sich ca. 400 Clubfans auf den Einlauf ihrer Helden vorbereiteten. Die wurden beim Einlauf stimmgewaltig und mit einer himmelblau-weissen Schalchoreo begrüßt, während die Unioner auf der anderen Seite eine schicke Choreo mit einem fetten Keiler, der angeblich immmer noch "Biss" hat, hochzogen.Dieses einfach nur geile Flair empfing einen an diesen Donnerstagabend an der alten Försterei - kein Vergleich zu den Stimmungsfriedhöfen der Amateurherden. Und irgendwie bedauerte man es, dass man diesen Ground in der kommenden Saison definitiv nicht besuchen würde...
Aber Schluss mit dem Geschmuse. An der alten Försterei ging es diesmal nur um eins, drei existenziell wichtige Punkte für den Chemnitzer FC gegen das Tabellenschlusslicht Union Berlin. Und als nach sieben Minuten Nico Kanitz die Abwehr der Eisernen einfach mal "links liegen" liess, aus 20 Metern abzog und die Kugel rechts oben einschlug, schien man dem Ziel einen grossen Schritt näher. Noch dazu, da sich die Berliner als ausgesprochen harmlos in ihren Angriffsbemühungen zeigten und keine echte Torchance herausspielen konnten. Die himmelblaue Abwehr stand sicher, doch vorne versäumte man es, den zweiten Treffer nachzulegen. Die dicksten Chancen dazu hatten erst Fillinger, der aus Nahdistanz den Unioner Ersatzkeeper Glinker nur anschoss und Okeke, der den Abpraller an den Aussenpfosten setzte (25.).
So ging es mit dem knappen 1:0 Vorsprung in die Pause. Trotzdem hatte man ein gutes Gefühl, denn Union schien nicht wirklich gefährlich. Es hätte also alles gut sein können, wenn Mehlo nur 3 Minuten nach der Pause nicht einen folgenschweren Aussetzer gehabt hätte. Im Strafraum stieß er den Unioner Kapitän Bergner um. Elfer für die Eisernen. Die Chance ließ sich Hauswald nicht entgehen und haute die Pille ins rechte Eck. Süssner war zwar noch dran, aber es stand 1:1.
Ein Punkt?! Zu wenig für den Club, also wurde alles nach vorne geworfen und der Unioner Strafraum berannt. Dann, 52 Minuten waren gespielt, Fille zog aus 20 Metern ab, doch zu was erdreistet sich dieses freche runde Leder? Es knallt an den rechten Innenpfosten, hoppelt die Linie entlang um dann doch nicht im Tor liegenzubleiben! Kollektives Entsetzen dahinter im Gästeblock. Dort ging es kurze Zeit später ordentlich rund, als einige Clubfans der Meinung waren, ihre Meinungsverschiedenheiten auf nonverbale Art zu klären und die Grünen dazwischengingen. Das alles war eingehüllt in weißen Rauch, in der sich einer erblödete, eine Rakete zu zünden. Einfach nur sinnlos. Genauso sinnlos wie gewisse, einfach nur dumme, Anti-Rufe. So bleibt ein gewisser fader Beigeschmack zum an sich, zumindest phasenweise, guten Gästesupport.
Doch zurück zum Spiel. Dort wollte das Runde einfach nicht ins eiserne Eckige obwohl ein himmelblauer Angriff dem nächsten folgte. Kanitz per Kopf (56.), Okeke aus Nahdistanz (70.), Mehlo mit einem Freistoß aus 20 Metern (73.) - alle scheiterten am Heimkeeper oder dem eigenen Unvermögen. Union konterte, hatte aber nur noch eine echte Chance bei einem Konter durch Prokoph der freistehend vor dem Tor deutlich verzog (77.). Demuth brachte mit Pinto, Arzt und Callicchio noch drei frische Offensivkräfte. Doch es nützte nichts. Am Ende waren die himmelblauen Kämpfer einfach nur platt doch an der Anzeigetafel stand immer noch nur eine "1" auf der Gästeseite.
Fazit: Ein Punkt beim nun designierten Absteiger Union Berlin - das ist zu wenig und ein herber Rückschlag beim Kampf um den Klassenerhalt. Doch viel kann man den Jungs nicht vorwerfen. Sie haben alles versucht und dass spielerisch keine Glanzleistungen zu erwarten sind, weiß man. Ansonsten würde man nicht in den Niederungen der Regionalliga-Abstiegszone rumgurken. Trotzdem, der Punktverlust in Berlin ist bitter und gegen Paderborn muss man punkten, will man weiter im Rennen bleiben. Sonst wäre selbst ein eventueller Gewinn des Sachsenpokal nicht viel wert.


