Fan-Meeting: Ein drohender Zeigefinger ohne echte Ergebnisse

25.08.2005, 15:26 Uhr | 954 Aufrufe
Ursprünglich sollte es nur eine Aussprache zwischen der Vereinsführung und den Künstlern der Choreo werden, die am Samstag kurz vor dem Spiel gegen Jena verboten wurde und mit einem Sitzstreik der Südkurve während der ersten Halbzeit endete. Aufgrund des regen Interesses wurde der Diskussionskreis von der Fanbeauftragten Peggy Schellenberger jedoch erweitert und somit fanden sich gestern im Sportforum 25 Personen ein, um Probleme zwischen Verein und Fans anzusprechen. Aus dem Bereich der Fans waren u.a. Vertreter der Ultras, der New Society, den Sky Strikers, dem Rittersgrün Komitee, den Forever Friends Chemnitz und den Clubsurfern, und von Seiten des Vereins Vorstandsmitglied Thomas Steger, Geschäftsstellenleiter Peter Müller, sowie die SKB's Wolfgang Rücker und Kay-Uwe Freudenthal zum Gespräch gekommen.

Vorstandsmitglied Thomas Steger im Gespräch mit den Fans Erster Diskussionspunkt war natürlich die vorbereitete Choreo, welche, so die Argumentation des Vereins, aus strafrechtlichen Gründen verboten worden ist. Rücker legte dar, dass das Motiv (FCC-Wappen, auf welches mit einem Hammer eingeschlagen wird) in mehreren Punkten rechtlich angreifbar ist, u.a. wegen Gewaltverherrlichung oder auch Beleidigung. Im Falle der Zulassung einer solchen Choreo müsste der CFC einkalkulieren, aus Jena eventuell eine Klage auf den Tisch zu bekommen. Als zweiten Punkt sprach der Verein die in letzter Zeit gestiegene Gewaltbereitschaft einiger Gruppierungen an, für welche man keinerlei Verständnis habe und somit auch derartige Choreo-Motive verbieten würde. Rücker führte dazu Vorfälle von den Zug-Rückfahrten aus Düsseldorf (letzte Saison) und Zwickau (CFC II) an, wo es z.B. bei der letzteren Fahrt nach dreimaligen Ziehen der Notbremse und der Zerstörung eines Waggons (dem CFC liegt dazu ein Video der Polizei vor) zu 80 Personalien-Feststellungen kam. Klare Ansage war, dass solche Dinge beim CFC in keinster Weise toleriert werden, wie damals schon beim Vorgehen des Vereins gegen die Flyer zum Auswärtsspiel in Braunschweig zum Ausdruck gebracht wurde.

Peter Müller verwahrte sich gegen Falschdarstellungen im Internet und in der Presse, dass die Choreo angeblich schon genehmigt gewesen wäre. Er selbst sei in der letzten Woche überhaupt nicht in der Fanhalle gewesen. Erst drei Tage vor dem Spiel habe ihn die Anfrage zu einer Genehmigung erreicht, worauf er wegen Zeitmangels um das Zusenden einer Skizze per Fax bat, wie es sonst bei Choreos üblich gewesen war. Es kam aber kein Fax. Auch eine zweite Anfrage zur Abnahme schlug fehl, da der CFC an jenem Freitag gerade in Vertragsverhandlungen mit Homola steckte. So wurde letztlich ein Termin kurz vor dem Spiel an der Fanhalle vereinbart, bei welchen das frustrierende Verbot zustande kam. Ein vom CFC vorgeschlagener Kompromiss, das FCC-Wappen abzudecken, wurde von den Choreo-Bastlern nicht angenommen. Letztlich blieb als Resümee der Diskussion haften, dass bei den nächsten Großaktionen der Südkurve sowohl die Motivwahl durchdachter, als auch zeitiger an den Verein herangetreten werden sollte. Genauso, wie es in den letzten Jahren unter Führung der UC bestens geklappt hatte.

Der zweite Teil der Diskussion zog sich über mehrere Themenbereiche hinweg. Zur Debatte stand der zu beobachtende Trend zum verbalen Niedermachen des Gegners, wo vor 2-3 Jahren noch viel mehr Gesänge für das eigene Team gebracht wurden. Auch rechte Symboliken und Parolen hätten sich im Stadion gehäuft. Die älteren Semester stimmten in diese Kritik ein, die anwesenden Ultras beteuerten ihr Bestes zu versuchen, und in der Ecke der New Society herrschte überwiegend Schweigen. Lösungsansätze wurden nicht aufgezeigt. Auch das Thema Gewalt keimte noch einmal auf, und die NeSo zog dabei einen Vergleich zu den Anfangsjahren der Ultras, wo bei allen Vorfällen automatisch die UC verdächtigt worden sind. Von der NeSo wurde angedeutet, dass es sowohl nicht organiserte Fans als auch eine namentlich neue Vereinigung gebe, die bei den von Rücker angesprochenen Vorfällen wohl am Start gewesen wäre. Schlußpunkt dieser Diskussion war letztlich eine klare Ansage des Vereins, bei den nächsten, allerkleinsten Vorkommnissen den entsprechend bekannten Pappenheimern Hausverbote zu erteilen.

Letzte Themenschwerpunkte waren die Fanhalle und der Topzuschlag. Die Fanhalle soll in Zukunft wieder bewirtschaft werden, soll heissen, dass darin wohl ein Stand der Firma Reimann eröffnen wird, welche auch in den Blöcken für das Catering verantwortlich ist. Bei einem ersten Termin wäre jedoch der wüste Zustand der Fanhalle aufgefallen, in dem diese vorgefunden wurde. Nach kurzem Disput ergab sich, dass die Ultras ihre Materialien aus der Fanhalle nunmehr umgelagert hätten und der Schlüssel zur Fanhalle zukünftig im Fanshop mit Schlüsselbuch verwaltet wird. Emotionen gab es auch noch einmal zum Thema Top-Zuschlag, welcher von Peter Müller mit den erhöhten Kosten für das Spiel gegen Jena begründet wurde. Ein normales Heimspiel in der RL koste den CFC ca. 5.000 Euro, wogegen bei einem Spiel wie gegen den FCC doppelt so hohe Kosten entstehen würden. Da man auf eine Preiserhöhung im Sommer verzichtet hatte, müsse man so versuchen, die Kosten mit dem Zuschlag wieder einzuspielen.

Nach einem Schlußwort von Peggy Schellenberger endete das Meeting mit der gerade im Fenster untergehenden Abendsonne. Bleibt zu hoffen, dass das Treffen im Gegensatz zur Sonne nicht einfach in den Köpfen untergeht, sondern diejenigen Teile der Fanszene zum Nachdenken anregt, welche sich ob der Gewaltbereitschaft, der politischen Parolen und wegen der Stimmung im Stadion angesprochen fühlen sollten - oder zumindest die Möglichkeit besitzen, auf diese Teile einzuwirken.

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