Vor Saisonstart: Großes Interview mit Geschäftsführer Uwe Hildebrand

28.07.2023, 09:00 Uhr | 3738 Aufrufe
Vor erst einem knappen Monat übernahm Uwe Hildebrand die Geschäfte bei der Chemnitzer Fußball GmbH und musste den Club in kürzester Zeit wieder zurück in die Spur bringen. Wie ihm das das gelungen ist, welche Strategie er dabei verfolgt, welche Herausforderungen er weiterhin sieht und welche Vision er für seine zweite Amtszeit als Geschäftsführer für den CFC hat, verrät er im Interview mit der CFC-Fanpage.

Hallo Uwe, die letzten Wochen waren sicherlich sehr stressig für Dich. Was hat Dich am meisten beschäftigt?

Uwe Hildebrand im CFC-Fanpage-Interview Am meisten hat mich das Defizit aus der letzten Saison beschäftigt und die Frage, wie wir dieses wieder ausgleichen können. Darüber hinaus natürlich die Zukunft des Vereins. Es ging darum, weiterhin funktionsfähig in der Geschäftsstelle zu sein und mit unseren finanziellen Möglichkeiten eine konkurrenzfähige Mannschaft aufzustellen. Wichtig waren zudem die Sponsorengespräche. Wir haben unseren Partnern die aktuelle Situation erklärt und versucht sie auf unseren eingeschlagenen Weg mitzunehmen. Deshalb freue ich mich, dass alle Sponsoren, mit denen ich gesprochen habe, ihr Engagement entweder verlängert oder sogar erhöht haben.

Wichtig war für uns, Liquidität zu schaffen. Deshalb auch die Dauerkartenaktion. Da war ich positiv überrascht, dass sie von den Fans so gut angenommen wurde.

Apropos Sponsoren. Bei der Trikotpräsentation fiel auf, dass „28 Black“ nicht mehr auf der Brust ist. Bei der Präsentation von vor einem Jahr war von einem 3-Jahresvertrag die Rede. Was ist da passiert?

Wir hatten grundsätzlich nur einen Einjahresvertrag mit „28 Black“. Eine Option auf Verlängerung wurde nicht gezogen. Vielleicht war ja am Anfang mal eine längerfristige Partnerschaft angedacht. Fakt ist, dass „28 Black“ bei den meisten Vereinen (z.B. Viktoria Berlin) von der Brust verschwunden ist. Nur bei Hansa Rostock sind sie noch engagiert.
Wir sind derzeit im Gespräch mit einem überregionalen Sponsor, den wir hoffen für uns gewinnen zu können.
Derzeit haben wir aus der Not eine Tugend gemacht und das Trikot mit dem „CFC“ auf der Brust herausgebracht, in Anlehnung an die Historie unseres Vereins. Finanziert wird das Ganze von den Gesellschaftern, die für die ersten drei Spieltage 20.000€ (netto) geben. Bis dahin wollen wir einen neuen Brustsponsor gefunden haben. Klappt das nicht, bestünde noch die Möglichkeit, dass die Gesellschafter ihr Engagement verlängern.

Wie war der Kontakt zu Deinem Vorgänger, Marc Arnold? Gab es eine Übergabe?

Marc Arnold war krankgeschrieben. Nach seiner Krankheit haben wir uns getroffen und ich habe ihm die Situation erklärt und freigestellt. Das Ganze lief professionell ab. Aber eine direkte Übergabe gab es nicht.

Nach dem Bekanntwerden des letztjährigen Defizit hieß es, daß der Club keine Transfers tätigen, sondern den Kader nur mit "Nachwuchsspielern" auffüllen kann. Nun gab es doch bislang acht Neuzugänge, darunter viele erfahrene Regionalliga-Spieler. Wie war das möglich?

Wir haben mit unseren Sponsoren gesprochen, wer dem CFC treu bleibt. Davon abgeleitet haben wir eine kurzfristige Budgetplanung aufgestellt. Das Budget in dieser Saison für Mannschaft und Staff beträgt mit 1,4 Millionen Euro knapp 400.000 Euro weniger als in der Vorsaison. Nur Spieler, die auch in die Budgetplanung passen, wurden verpflichtet. Diese Rahmenbedingungen hatten wir zudem bereits abgeklärt, bevor ein Spieler zu uns zum Probetraining aufgelaufen ist.

Sind nun noch Änderungen (Abgänge oder Zugänge) im Kader geplant?

Stand jetzt nicht. Aber der Fußball ist schnelllebig. Allein durch Verletzungen kann man immer gezwungen sein noch reagieren zu müssen. Trainerteam und Spieler müssen jetzt schauen, wie jeder Akteur im neu zusammengestellten Kader zum Einsatz kommen kann. Eventuell kommt da auch eine Leihe in Frage. Aktuell sehe ich noch eine Baustelle auf der Außenbahn.

Wie stark empfindest Du die Mannschaft im Vergleich zum Vorjahr?

Das ist schwierig einzuschätzen. Generell denke ich, dass von der Qualität der einzelnen Spieler, die Mannschaft letztes Jahr einen Tick besser war. Ich glaube aber, dass gerade unsere jungen Spieler es als Chance beim CFC begreifen, um sich weiterzuentwickeln. Gerade mit Blick auf das Umschaltspiel kann ich mir vorstellen, dass wir in der kommenden Saison schneller und somit stärker sein könnten. Ich hoffe, die Mischung stimmt. Unsere Zielstellung ist ein Platz im gesicherten Mittelfeld. Zusammen mit den erfahrenen Akteuren kann das ein guter Mix werden.

In den Aktionen der letzten Wochen (z.B. Dauerkarten, Kids4Free, Trikotaktion) ist eine neue, stärkere, Fanorientierung spürbar. Steckt hier eine bewußte Strategie dahinter?

Uwe Hildebrand im CFC-Fanpage-InterviewAuf jeden Fall. Unser Ziel ist es, mehr Zuschauer ins Stadion zu locken und das Stadionerlebnis in Gänze zu verbessern. Es ist etwas anderes, wenn 6.000 Zuschauer im Stadion sind anstatt "nur" 3.000. Deshalb haben wir auch die Dauerkarten noch attraktiver als in den Jahren zuvor gestaltet und besondere Angebote für die Kinder geschaffen. Denn die Kinder sind die Zukunft des Vereins. Die wollen wir begeistern und als Fans gewinnen.

Wenn die Saison dann am Samstag beginnt, was wird dann dein Hauptaugenmerk sein?

Wir werden uns daran machen, die Geschäftsstelle zu optimieren und die Abläufe zu verbessern. Hinzu kommt das Thema Sponsoren. Gerade die städtischen Unternehmen wollen wir gern zurückholen. Die brauchen wir einfach, um höhere Ziele anzugehen. Die meisten anderen Vereine der 3. Liga oder Regionalliga haben diesen Rückhalt in der Stadt. Da bedarf es langfristigen Vertrauensaufbau durch solide und ehrliche Arbeit. Die ersten Gespräche mit der GGG hatten wir bereits und, so viel kann ich verraten, diese waren positiv.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit dem neuen Vorstand?

Sehr gut. Klar, alle Vorstandsmitglieder müssen sich erst einmal einarbeiten und eine Übergabe muss noch stattfinden. Die Themen sind mit dem NLZ und den zahlreichen Mitgliedern sehr vielfältig. Als Geschäftsstelle helfen wir, wo wir können.

Du bist als Geschäftsführer in der Not eingesprungen. Wieviel Spass macht Dir der Job und wie lange willst Du ihn ausüben?

Der Job macht mir viel Spaß - Weil wir ein super Team haben. Auf der Geschäftsstelle und auch im Trainerteam. Das war bei meinem ersten Einsatz, 2019, noch anders. Damals hatten wir keine funktionierende Geschäftsstelle.

Wir arbeiten kooperativ und demokratisch zusammen. Wenn wir in der Geschäftsstelle Themen zur Entscheidung haben, dann setzen wir uns zusammen und jeder darf seine Meinung sagen. So war es beispielsweise auch bei den diesjährigen Trikots. Der CFC-Schriftzug kam als Idee auf und wurde in verschiedenen Varianten zur Abstimmung gebracht. Das Ergebnis scheint mit Blick auf die ersten Reaktionen, das richtige zu sein.

Mein Einsatz ist dieses Mal auf jeden Fall auf längere Zeit ausgelegt. Ich habe mit dem Verein die Vision mal in die 3. Liga aufzusteigen. Da möchte ich gerne hin. Diese Saison wird ein Jahr der Konsolidierung. Da ist ein solider Mittelfeldplatz in Ordnung.

Du willst mit dem CFC in die 3. Liga. Wie kann das realisiert werden?

Um eine konkurrenzfähige Mannschaft für einen möglichen Drittliga-Aufstieg aufzubauen, braucht man mindestens eine Million Euro im Etat mehr als jetzt. Das gelingt nur, wenn wir die städtischen Betriebe zurückgewinnen. Im Moment fehlen einfach die „Big Player“. Mit ehrlicher und offener Arbeit kann man aber meiner Meinung nach auf sich aufmerksam machen.

Was sagst Du den Chemnitzern, warum sie am Samstag oder generell wieder ins Stadion kommen sollen?

Wir haben eine fantastische Mannschaft, mit der sich die Fans identifizieren können. Wir wollen ein Stadionerlebnis schaffen, welches die Fans begeistert. Zudem ist die Liga sehr attraktiv. Rechnen wir die Berliner Mannschaften raus, dann haben wir ja schon fast eine DDR-Oberliga mit spannenden Duellen. Bei Spielen wie gegen Union Berlin oder den unsere Nachbarn aus dem Erzgebirge in der letzten Saison konnte man sehen, welche Wucht die Stadt und der Verein eigentlich hat.

Für uns steht die ehrliche Arbeit im Mittelpunkt. Sodass die Fans aus Überzeugung sagen können, das ist mein Verein. Diesen Weg werden wir gehen.

Die CFC-Fanpage dankt Uwe Hildebrand für das offene und ehrliche Gespräch und wünscht weiterhin bestes Gelingen.

Das Interview für die CFC-Fanpage führte Pierre Schönfeld.

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