Wir wollen ganz vorne mitspielen! - Uwe Hildebrand im grossen CFC-Fanpage-Sommerinterview

25.07.2026, 09:00 Uhr | 1.802 Aufrufe
Endlich geht es wieder los, die Regionalliga-Saison 2026/27 startet auch für unseren Chemnitzer FC. Der passende Anlass um sich kurz vor dem Saisonauftakt in Berlin mit unserem Geschäftsführer Uwe Hildebrand zum großen Sommer-Interview, in seiner bereits 5. Auflage, zu treffen und die spannenden Themen rund um die Himmelblauen ausführlich zu beleuchten.

Uwe Hildebrand nimmt dabei kein Blatt vor dem Mund, spricht offen über die neue Mannschaft, überraschende Abgänge, die Zukunft des Vereins, Finanzen und den Kampf um die Regionalliga-Spitze. Ein spannendes und umfangreiches Interview mit zahlreichen Einblicken hinter die Kulissen.


Hallo Uwe, schön dass es wieder mit unserem alljährlichen Sommer-Interview geklappt hat.
Zunächst der Blick zurück auf die letzte Saison. Wie fällt dein sportliches Fazit aus?


Das sportliche Ergebnis ist für uns nicht zufriedenstellend gewesen. Wir haben uns mehr versprochen in dieser Saison und waren eigentlich von Spieltag sechs, sieben an schon im Mittelmaß und hatten weder Kontakt nach oben noch nach unten. Das ist nicht unser Anspruch, im Mittelmaß zu versinken.

Und wie fällt dein Fazit in Bezug auf die generelle Entwicklung des Chemnitzer FC in der vergangenen Saison aus? Beispielweise die Geschäftsstelle, was das Thema Sponsoren angeht oder auch die Entwicklung des Vereins an sich?

Von der Entwicklung bin ich wirklich positiv überrascht. Wir haben bereits große Schritte gemacht, um den Verein besser aufzustellen: Wir sind fannäher, haben höhere Zuschauerzahlen als noch vor drei Jahren und verfügen über eine gute Struktur in der Geschäftsstelle. Dennoch bleibt es ein langer Weg. Bestimmte Dinge brauchen Zeit, und der Erfolg stellt sich meist erst später ein. Beim Sponsoring sind wir im Vergleich zum Vorjahr konstant geblieben. Natürlich wäre vieles einfacher, wenn auch der sportliche Erfolg da wäre – der ist in der letzten Saison leider ausgeblieben. Genau daran gilt es in der neuen Spielzeit zu arbeiten. Generell ist die Entwicklung aber positiv und bietet ein gutes Fundament für die nächsten Jahre.

Vereinsgeburtstag, Abgänge, Causa Bittermann

Der FCK/CFC hatte Anfang Januar seinen 60. Geburtstag gefeiert. Was bleibt dir in diesem Zusammenhang besonders in Erinnerung?

Uwe Hildebrand beim großen CFC-Fanpage SommerinterviewFür mich war dieser Spieltag schon was ganz Besonderes. Die Choreo unserer Fans in der Kurve war einmalig – das habe ich in der Regionalliga, glaube ich, noch nie so gesehen. In der Bundesliga gibt es zwar auch schöne, aber das war wirklich top. Dazu haben wir das Spiel gewonnen. Und was natürlich auch ein absoluter Bringer war: unser limitiertes Sondertrikot, das wegging wie warme Semmeln. Das war wirklich ein richtiges Highlight, genau wie das ganze Drumherum. Wir haben unsere komplette Homepage und die Logos danach ausgerichtet – das hatte für mich schon einen riesigen Stellenwert.
Auch die Legendenelf gehört einfach dazu. Wir haben halt viele verdienstvolle Spieler hervorgebracht. Und es gehört sich einfach, sie immer wieder zu ehren und den Fans zu zeigen. Ich meine, dafür sind wir früher als Kinder ins Stadion gegangen, um genau diese Spieler zu sehen. Wenn man die dann im Alter noch einmal wiedersieht, ist das jedes Mal ein Highlight.

Zu den Abgängen: Da haben doch einige überrascht, insbesondere Daniel Adamczyk, Tobi Müller oder Eigengewächs Niclas Walther. Kannst du etwas zu den Beweggründen sagen?

Tobi Müller haben wir ein angepasstes Angebot unterbreitet – nicht mehr als Führungsspieler, sondern als Teil der Mannschaft. Wir hätten ihn sehr gerne weiter in der Kabine gehabt. Aus sportlicher und familiärer Sicht hat er das Angebot jedoch nicht angenommen, was wir vollkommen akzeptieren. Er wusste zu diesem Zeitpunkt selbst noch nicht, ob er seine Karriere fortsetzt oder doch aufhört.
Bei Niclas Walther war es eine Entscheidung über die gesamte Saison. Er hatte zu Beginn eine wirklich schlechte Phase mit vielen unnötigen Fouls, Gelben Karten und einer Roten Karte. Zwar hat er sich danach gesteigert, aber wir haben intern frühzeitig geklärt, dass wir nicht mit ihm verlängern wollen.
Auch bei Daniel Adamczyk war es so: Mit seiner sportlichen Leistung waren wir zwar im Großen und Ganzen zufrieden, aber wir haben uns zeitig darauf geeinigt einen anderen Typ von Torwart zu suchen.

Was war der Grund, dass die sicher geglaubte Vertragsverlängerung von Dejan Bozic am Ende nicht geklappt hat?

Ja, wie gesagt, das sind dann die Spielchen im Fußball. Man muss einfach sagen, wir haben ihm vor dem Schacht-Spiel ein Angebot unterbreitet zu selben Konditionen für zwei Jahre plus Option. Dies wurde erstmal nicht angenommen. Und im späteren Verlauf hätte sich sein Vertrag, wenn er die restlichen Spiele gemacht hätte, was auch der Fall gewesen wäre, automatisch um ein Jahr verlängert. Und wir hatten dann vor dem Altglienicke-Spiel kurz zuvor eine Krankmeldung von ihm. Und da war uns klar, dass hier ein falsches Spiel gespielt wird mit uns. Wir haben dann klipp und klar für uns gesagt, dass wir darauf nicht eingehen und deswegen für uns eine Verlängerung nicht mehr in Frage kommt.

Kommen wir noch zu einem weiteren Abgang. Der unfreiwillige Abschied von Torsten Bittermann in der vergangenen Woche bewegte die Gemüter der Fans. Kannst du etwas zu den Hintergründen sagen?

Wir haben uns gegenseitig darauf geeinigt, dazu keine Stellung zu nehmen – also dass wir das einvernehmlich so händeln und keine schmutzige Wäsche waschen. Ich kann nur so viel sagen: Ohne Grund würden wir niemals Legenden aus dem Verein entfernen oder ihnen kündigen. Bei uns waren das vor allem finanzielle Gründe. Die Position war für uns in der Regionalliga mit diesem Gehalt einfach nicht mehr tragfähig, da auch der Gegenwert nicht gepasst hat.
So leid es uns tut, aber wir bewegen uns in der freien Marktwirtschaft und der CFC schwimmt nicht im Geld, als dass wir Legenden einfach so durchschleppen könnten. Wir müssen aufs Geld schauen. Wenn wir an einer Stelle einsparen können, müssen wir das zum Wohl des Vereins einfach tun.

Rückblick, Pressesprecher, Geschäftsführung

Vor drei Jahren hast du deine Mission als Geschäftsführer begonnen. Mit welchen Gefühlen schaust du heute auf diese Zeit zurück? Welche Dinge sind dir besonders gelungen und welche hättest du vielleicht anders gemacht?

Das Wichtigste ist, dass sich der Verein in den letzten drei Jahren so entwickelt hat, dass er wieder zukunftsfähig ist. Vor drei Jahren standen wir nach der eigentlichen Insolvenz im Grunde schon wieder vor dem nächsten Kollaps. Ich habe damals ehrlich gesagt gedacht: Das schaffen wir nicht, den Verein wird es nicht mehr lange geben. Dass wir da noch einmal den Turnaround geschafft haben, war eigentlich das größte Wunder.
Wir haben viele Dinge angekurbelt, die dem Verein wirklich helfen. Zum Beispiel stehen wir in einem sehr guten Austausch mit den Fans – das gab es in den Jahren zuvor so nie. Wir sprechen regelmäßig mit den Ultras, stimmen uns ab und begegnen uns auf Augenhöhe, was extrem wichtig ist. Zudem versuchen wir, das Stadionerlebnis stetig zu verbessern, was in den letzten drei Jahren durch die Kündigung des Catering-Vertrags natürlich nicht einfach war. Auch an der Infrastruktur arbeiten wir: Allen voran das Ticketing haben wir komplett digitalisiert und entwickeln es laufend weiter.
Unter dem Strich bin ich mit dieser Entwicklung wirklich sehr zufrieden. Man muss aber auch realistisch bleiben: Im Fußball ist das ein verdammt harter Weg und wir stehen erst am Anfang. So ein Prozess dauert viele Jahre, wenn man ohne große Investoren ein tragfähiges Modell für die Zukunft aufbauen will.

Gibt‘s auch was, was du anders gemacht hättest, jetzt so rückblickend in der Zeit?

Ach, da gibt es sehr, sehr viele Dinge. Angefangen bei bestimmten Mannschaftsverstärkungen oder Spielern, wo ich manchmal schon Bauchschmerzen hatte und mir im Nachhinein gesagt habe: Hätte ich das mal lieber nicht gemacht! Vor allem, wenn es um Gehaltserhöhungen ging und die Leistung am Ende ausgeblieben ist. Auch in der Geschäftsstelle gab es Entscheidungen, wo man Mitarbeiter eingestellt hat, die dann doch nicht so überzeugt haben. Das waren zum Glück nicht viele, aber trotzdem ein paar.
Und sonst gilt natürlich: Man macht nie alles richtig. Fehler sind da, aber meistens waren es minimale Dinge, die sich korrigieren lassen. Das Einzige, was wir wirklich noch nicht geschafft haben, ist, schwarze Zahlen zu schreiben. Wir haben zwar eine sehr gute Entwicklung, aber das muss man uns negativ ankreiden: Der Ertrag ist noch nicht positiv. Es ist eben ein extrem schwerer Spagat, sportlichen Erfolg zu peilen und gleichzeitig eine schwarze Null zu halten – weil man am Anfang der Saison mit vielen Annahmen und Wünschen kalkuliert, was im Fußball unheimlich schwer ist.

Apropos Personalien: warum hat Henry Buschmann den Verein schon wieder verlassen?

Na ja, das war von Anfang an so besprochen: Den Arbeitsvertrag nur auf zwei Jahre zu befristen. Er hat dann zwar gemerkt, dass der Fußball absolut sein Ding ist, kam aber nun mal aus Dresden und es gab da auch ein paar Reibereien. Nach anderthalb Jahren hat er für sich festgestellt, dass es zwar eine schöne Zeit war, er den Vertrag aber nicht verlängern möchte. Und das muss man akzeptieren.
Trotzdem hat er in der Pressearbeit über die zwei Jahre wirklich Top-Leistungen gebracht und uns in diesem Bereich enorm nach vorne gebracht. Man müsste das einfach mal mit den Jahren zuvor vergleichen – wie viele News wir veröffentlicht haben und was alles entstanden ist. Ich kann mich bei Henry da nur bedanken. Aber man muss es eben akzeptieren, wenn jemand sagt, dass das nicht seine Zukunft ist und er wieder was anderes machen möchte.
Wir haben aber eine gute Nachfolge gefunden und ich glaube, dass die Stelle adäquat besetzt wurde. Mit Nicole, die das ja früher schon mal gemacht hat, haben wir wieder einen richtigen CFC-Fan an Bord. Henry war am Ende zwar auch CFC-Fan – das Projekt hat ihn schon fasziniert –, aber so ist das Leben: Es ist immer ein Kommen und Gehen.

Tommy Haeder hat im Laufe der letzten Saison die Rolle als zweiter Geschäftsführer übernommen. Wie teilt ihr die Aufgaben zwischen euch auf?

Also ich muss sagen: Tommy übernimmt den größten Teil der Aufgaben. Ich muss ihn da wirklich loben. Ich glaube, er ist in dieser Position – ob jetzt als Geschäftsführer oder überhaupt als Mitarbeiter – der beste Mann, den der CFC haben kann. Er versteht vom Menschlichen her einfach, wie ein Verein funktioniert. In bestimmten Bereichen hat er natürlich noch Lernbedarf, aber dafür bin ich da, da helfe ich ihm gerne.
Wenn er nicht wäre und ich das alleine hätte machen müssen, hätte ich diese Entwicklung nie so vorantreiben können. Dafür kann ich mich bei ihm nur bedanken – für diese Leistung, diesen enormen Arbeitsaufwand, als Mitarbeiter, als Geschäftsführer und vor allem als Mensch.
Man muss ihm aber auch bei Misserfolgen die nötige Zeit geben. Man findet schließlich nicht von Anfang an sofort die perfekten Leute. Oft muss man nach einem oder anderthalb Jahren nachjustieren, weil man merkt, dass es doch nicht so passt. Aber prinzipiell sollte eigentlich jeder Außenstehende sehen, dass ein deutlicher Fortschritt da ist und es vorangeht.

Verein und GmbH, Polster, Projekte, Sponsoring

Auf der letzten Mitgliederversammlung wurde eine positive Entwicklung in den GmbH-Zahlen sichtbar, während beim e.V. genau das Gegenteil der Fall war und der e.V. nur durch Spenden der Gesellschafter über Wasser gehalten werden konnte. Ist der e.V. überhaupt eigenständig überlebensfähig? Und müsste es nicht einen regelmäßigen finanziellen Ausgleich der GmbH an den e.V. geben – beispielsweise dafür, dass die GmbH die Markenrechte des Vereins nutzt und der e.V. Spieler für die Profimannschaft ausbildet? Wie siehst du das?

In der jetzigen Struktur ist der e.V. so, wie er die letzten Jahre aufgestellt war, nicht überlebensfähig. Nach der Ausgliederung kam ein großes jährliches Defizit zum Vorschein, weil die Ausgaben im Vergleich zu den Einnahmen schlicht viel zu hoch waren. Viele Kosten wurden dabei von der GmbH abgefedert, um Löcher zu stopfen. Aber rechtlich muss der e.V. zwingend gesund sein – geht der e.V. pleite, ist schließlich auch die GmbH und damit der ganze Verein weg.
Unser vorrangiges Ziel ist es daher, den e.V. wieder tragfähig aufzustellen. Aktuell leiten wir dafür sogar Einnahmen, die eigentlich der GmbH zustünden, an den e.V. weiter, um eine drohende Insolvenz abzuwenden. Das ist auf Dauer aber kein Zukunftsmodell.

Um den e.V. nachhaltig zu sanieren, setzen wir an zwei Stellschrauben an:
  • Einnahmen steigern: Ein essenzielles Grundgerüst ist die Erhöhung der Mitgliederzahlen – 1.000 neue Mitglieder bedeuten schließlich knapp 90.000 Euro mehr im Jahr. Dafür machen wir auch die Mitgliederkampagne.
  • Kosten senken & Strukturen anpassen: Wir hinterfragen die teuren DFB-Zertifizierungsanforderungen. Es bringt nichts, zwingend ein Zwei-Sterne-Zertifikat mit hauptamtlichen Trainern und Spezialisten zu erzwingen, wenn man dadurch 100.000 Euro Minus im Jahr macht. Dann begnügen wir uns lieber mit einem Stern und setzen im Nachwuchs wieder mehr auf ehrenamtliche oder geringfügig beschäftigte Trainer sowie schlankere Abläufe.

Ein fester finanzieller Ausgleich der GmbH an den e.V. – etwa als Ausbildungsentschädigung für nachrückende Nachwuchsspieler – ist zwar ein denkbarer Ansatz, für die GmbH als eigenständige Gesellschaft aktuell aber schwer darstellbar. Derzeit unterstützen wir den e.V. schlicht dadurch, dass die GmbH viele erbrachte Leistungen und Infrastrukturkosten nicht in Rechnung stellt. Wenn die Strukturen im Verein erst einmal komplett gesund sind, kann man über feste jährliche Ausgleichszahlungen sicher neu sprechen.

Das Gericht hat im Polster-Prozess zugunsten des CFC entschieden. Wie froh bist Du, dass es jetzt endgültig vorbei ist? Und wie ist der Stand die Kioske und eine eventuelle Schadensersatzforderung das eine Vertragsjahr betreffend?

Ich bin einfach froh, dass wir Recht bekommen haben. Das bestätigt im Nachhinein genau das, wofür wir über all die Jahre eingestanden sind: Wir wollten das konsequent durchziehen. Viele haben damals zu uns gesagt: ‚Versucht das doch gütlich zu beenden.‘ Aber meine Meinung – und auch die von Tommy – war ganz klar: Wir müssen für das, was da vorgefallen ist, offiziell Recht bekommen.
Wir sind extrem glücklich, dass es so gekommen ist. Jetzt können wir endlich mit dem gesamten Catering weiterplanen. Das ist enorm wichtig für den Verein und für die Spieltagsbetreuung der Fans, um sie ordentlich zu bedienen. Es war ein richtungsweisender Schritt – auch wenn uns der Rechtsstreit vor Gericht natürlich trotzdem Geld gekostet hat.
Das Thema ist jetzt endgültig abgehakt. Die Familie Polster hat sich bei der Räumung der Kioske wirklich fair verhalten und keine Steine mehr in den Weg gelegt, sodass wir einen guten Übergang schaffen konnten. Da gibt es aktuell keinen Streit mehr.
Die Kioske sind mittlerweile leer. Sie werden vorerst aber noch nicht alle voll genutzt, da unser Interimscaterer nicht das Risiko eingeht, alle Kioske neu zu bestücken – er weiß ja noch nicht, ob er ab nächstem Jahr der feste Caterer wird. Ab dem 01.01.27 ist es unser Ziel, nach der offiziellen Ausschreibung die gesamte Infrastruktur vor Ort wieder voll einzubinden.
Was eine mögliche Schadensersatzforderung von Polster angeht: Von ihrer Seite kam bisher noch nichts, aber es könnte bezüglich des Restvertragsjahres noch eine Klage folgen. Eine Riesensumme kann das aber nicht sein, da sie nach ihren eigenen Aussagen und Unterlagen beim CFC nie viel verdient haben. Die menschlich beste Lösung wäre sicher ein außergerichtlicher Vergleich mit einer Summe X, um endlich einen Strich unter die Sache zu ziehen. Beide Seiten haben der Rechtsstreit schließlich viel Geld gekostet. Wir wollen nicht mehr zurückblicken, sondern nach vorne schauen.

Welche Projekte konntet ihr letztes Jahr abschließen und welche sind für die kommende Saison geplant?

Uwe Hildebrand beim großen CFC-Fanpage SommerinterviewRiesige Großprojekte hatten wir zuletzt zwar nicht, aber wir haben an vielen Stellschrauben gedreht. Zum Beispiel haben wir unser Ticketing digitalisiert und noch einfacher gestaltet – auch wenn Anpassungen mit dem Ticketanbieter im System natürlich Geld kosten. Auf dem Parkplatz haben wir neue Beschilderungen angebracht und im VIP-Bereich über der Terrasse eine LED-Bande installiert. Das kostet zwar erst einmal Geld und spielt den Ertrag über Jahre ein, lässt uns aber flexibel reagieren, um Sponsoren eine Fläche zu bieten. Zusammen mit den Ultras haben wir das Hochzieh-Element umgesetzt und auch die Fans selbst haben das Stadion verschönert – sei es an den Containern draußen oder den Aufgängen auf der Südtribüne.
Das größte Projekt ist aber unsere neue Homepage, an der wir fast zwei Jahre gearbeitet haben und die jetzt an den Start geht. Sie ist zu 99 Prozent fertig, sieht klasse aus und ist deutlich moderner als die alte. Wir haben den Launch-Termin mehrfach verschoben, denn bevor man etwas Halbfertiges online stellt und sich alle aufregen, warte ich lieber ein halbes Jahr länger auf ein richtig gutes Produkt.
Für die kommende Saison gehen wir zudem neue Wege bei Test- und Freundschaftsspielen in der Vorbereitung: Wir vermarkten diese Auswärtsspiele jetzt selbst, betreiben eigenes Catering und stellen eigene Fanshop-Stände auf. Früher haben wir da dem Gastgeberverein alles überlassen und nichts eingenommen. Heute generieren wir so bei jedem Spiel spürbare Zusatzeinnahmen. Das sind viele kleine Puzzleteile, die am Ende ein großes Ganzes ergeben.

Kommen wir zum Thema Sponsoring. Wie leicht oder schwer ist es, aktuell Sponsoren vom CFC zu überzeugen?

Eigentlich ist es wie immer: schwer. Es gibt Phasen, da fällt es etwas leichter, und Phasen, da ist es extrem mühsam – nach so einer Niederlage wie im Schacht-Spiel braucht man gar niemanden anzusprechen. Wenn du eine gute Phase hast, läuft es einfacher. Am Ende ist der sportliche Erfolg entscheidend: Stimmen die Ergebnisse, gewinnst du auch leichter Unterstützer.
Die Sponsoren, die uns seit Jahren die Treue halten, tun das nicht nur aus reinen Marketinggründen. Die hängen mit dem Herzen am Verein, sind lange verbunden und wollen schlicht helfen – auch wenn das Sponsoring für ihr eigenes Geschäft nicht unbedingt den Ausschlag für mehr Aufträge gibt. Für sie ist wichtig zu sehen, dass im Verein etwas vorangeht. Wenn dann noch der sportliche Erfolg dazukommt, können wir den nächsten Sprung machen.
Aktuell sind wir stabil aufgestellt: Wir konnten die Zahl der Sponsoren in der Partner-Familie erweitern. Die Summen sind dadurch zwar nicht riesig gesprungen, aber wir verzeichnen ein leichtes Plus. Gemessen an der bisherigen sportlichen Ausbeute bin ich damit fast schon zufrieden.

Sind denn neue Gesellschafter für die GmbH in Sicht?

Ja, erst kürzlich haben wir einen neuen Gesellschafter dazu bekommen, der 1% der GmbH-Anteile erworben hat.

Neuzugänge, Kader, Altglienicke

Zur nächsten Saison. Wenn du jetzt auf die Neuzugänge schaust: Auf welchen bist du besonders stolz, dass ihr ihn von Chemnitz überzeugen konntet?

Eigentlich bin ich auf jeden einzelnen Neuzugang stolz, den wir von einem Wechsel zu uns überzeugen konnten. Es gibt schließlich zwei Argumente: einerseits das Finanzielle, andererseits den Standard, den wir hier bieten. Ich kenne viele Spieler bei uns, die für ein überschaubares Gehalt gekommen sind, weil sie diese Bedingungen schätzen und hier ihren nächsten Entwicklungsschritt machen wollen.
Dieses Jahr haben wir zudem gezielt Akteure geholt, die bereits eine gewisse Vita mitbringen und im Fußball schon etwas nachgewiesen haben – wie etwa Geipl, Slamar, Löhmannsröben oder Berlinski. Das sind Typen, die hierherkommen, um etwas zu erreichen.
Da haben Chris und der Trainer wirklich hervorragende Arbeit geleistet. Sie überzeugen die Jungs am Ende, zeigen ihnen das Stadion und vermitteln ihnen klar den Weg, den wir als Verein gehen wollen. Das sind schon drei, vier Spieler, die eine spürbare Qualität mitbringen.

Gibt's für dich so was wie einen Königstransfer?

Wenn du mich erst nach der Saison fragst, könnte ich das natürlich genauer sagen. Aber ein Geipl ist zum Beispiel schon so einer mit einer echten Vita – allein vom Namen her hatten viele Respekt davor, dass wir ihn holen konnten. Er wollte seine Karriere eigentlich schon beenden und dass er sich in dem Alter noch einmal für die Regionalliga entscheidet und mit anpacken möchte, ist stark.
Mein heimlicher Favorit ist aber Tchouangue, unser Linksverteidiger. Den finde ich fußballerisch einfach spitze – vielleicht ist er am Ende sogar der echte Königstransfer. Nicht umsonst war er zweimal Spieler der Saison im Norden.
Aber auch ein Fesser, der eigentlich eher als Backup geholt wurde, erinnert mich stark an Grimaldi 2.0. Das sind genau die Spielertypen, die für überschaubares Geld zu uns kommen, um hier ihren nächsten Schritt zu machen.
Genau das muss auch immer unser Weg sein: Entwicklungsfähige Spieler holen, bei denen wir Potenzial sehen. Komplett fertige Spieler können wir uns schlicht nicht auf allen Positionen leisten. Man muss eben immer ein Stück weit ins Risiko gehen.

Wie bewertest du den aktuellen Kader im Vergleich zum letzten Jahr?

Ja, ich muss schon sagen: Der Kader ist besser. Wenn ich das nicht so sehen würde, hätten wir schließlich etwas falsch gemacht. Er ist zwar auch etwas teurer als im Vorjahr, aber am Ende entscheidet sich das eben immer auf dem Platz – das Phrasenschwein lässt grüßen, aber es ist einfach die Wahrheit.
Wenn wir nach der Hinrunde wieder nur auf Platz 9 oder 10 stehen, stehen wir am Ende als die Dummen da. Unser Anspruch ist es schon, mindestens unter den ersten fünf zu landen – mir persönlich wäre Platz 1 bis 3 am liebsten, damit wir konstant um den Titel mitspielen können. Dann hätten wir vieles richtig gemacht.

Mit Tänzer und Philipp vermisse ich zwei U19-Spieler im aktuellen Kader, die schon Einsätze in der Regionalliga hatten. Kannst Du zu denen was sagen?

Sie haben von uns keine Angebote bekommen. Wir kennen unseren Kader schließlich genau: Tänzer ist zwar ein gutes Talent, aber was willst du machen? Du hast auf rechts zwei Spieler und auf links zwei Spieler. Wenn du Tänzer dahinter setzt, kann er sich auch nicht richtig entfalten, nur weil er im Nachwuchs gut war. Bei solchen Spielern musst du einfach zusehen, dass man sich im Guten trennt. So kann man ihre Entwicklung beobachten und sie vielleicht später wieder zurückholen.

Wie oft hast du dich eigentlich über den Spruch von Chris Löwe vom Griff ins höhere Regal geärgert?

Ja, das ist halt so passiert. Einerseits hat er natürlich Recht: Er konnte sich bei drei, vier Spielern in einem Regal umschauen, das für uns vor ein paar Jahren noch völlig unerreichbar war. Aber in der Öffentlichkeit klingt das jetzt fast so, als würden wir am laufenden Band gestandene Dritt- oder Zweitligaspieler verpflichten. Das hat er so nicht gemeint und das wäre auch zu hochtrabend.
Die Realität ist: Wir haben unser Budget um 200.000 Euro erhöht. Seine Aussage bezog sich einfach darauf, dass wir im Verhältnis nun die Möglichkeit hatten, auch mal zweitligaerfahrene Spieler überhaupt anzufragen. Wenn du solche Kaliber ansteuerst, muss der Rest des Kaders budgetär natürlich schlanker gehalten werden. Aber wir konnten eben erstmals drei, vier Akteure kontaktieren, bei denen wir früher gar nicht erst anklopfen brauchten, weil wir finanziell meilenweit entfernt waren.
Ihm war im ersten Moment vielleicht nicht ganz bewusst, welche Eigendynamik so eine Formulierung entwickelt. Unter dem ‚höheren Regal‘ versteht man eben Spielertypen wie Geipl oder Slamar. Um solche Männer zu überzeugen, musst du im Gespräch neben den Rahmenbedingungen am Ende auch eine entsprechende Zahl vorlegen – mit Beträgen von 1.000 oder 2.000 Euro brauchst du bei denen gar nicht erst anzufangen. Genau das meinte er damit.

Wenn man jetzt mal nach Altglienicke schaut: Da wurde personaltechnisch ja in das noch höhere Regal gegriffen. Wie bewertest du das?

Eigentlich steht mir da gar keine Bewertung zu, weil ich dieses Finanzkonstrukt ehrlich gesagt gar nicht durchblicke. Man weiß nie genau, wie die Gehälter der Spieler dort bezahlt werden, wie das abläuft und wo das Geld am Ende herkommt. Ich weiß nur, dass sie einen großen Investor haben, der extrem viel Geld in die Mannschaft buttert. Das gab es in der Vergangenheit schon bei Tennis Borussia oder Viktoria Berlin – Vereine, die danach tief gefallen sind. Der Club ist zwar ein alter Berliner Regionalligist, hat aber im Grunde keine Fankultur, kaum Zuschauer und kein eigenes Stadion. Aber so etwas gibt es bei Berliner Vereinen eben immer wieder.
Die eigentliche Ursache liegt aber in den Regularien des NOFV. Es gibt dort kaum klare Rahmenbedingungen und vor allem keine echte wirtschaftliche Überprüfung: Man muss für die Lizenz weder solide Zahlen vorlegen noch eine nachgewiesene Personalstruktur offenlegen. Dadurch entstehen extrem viele Schlupflöcher bei den Spielergehältern, die solche Vereine natürlich ausnutzen. Deswegen kann man dem Club nicht einmal einen Vorwurf machen – sie nutzen einfach die Spielräume aus, die man ihnen lässt.
Als Traditionsverein heißen wir so etwas natürlich nicht gut, aber damit schlagen wir uns in Berlin seit Jahren herum und das wird wohl auch so bleiben. Unsere Antwort muss auf dem Rasen liegen: Wir müssen sie auf dem Fußballplatz schlagen, dann hat sich das Thema von selbst erledigt.

Etat, Erwartungshaltung, Zuschauer, Saisonauftakt

Mit welchem Etat geht der CFC in die neue Saison?

Unser Etat für die erste Mannschaft liegt bei 1,875 Millionen Euro. Da sind wirklich alle Kosten drin – also der gesamte Staff drumherum, die Physiotherapeuten, die VBG, alles komplett abgedeckt. Auch Siegprämien.
Die Geschäftsstelle läuft separat. Das ist noch einmal extra, da liegen wir ungefähr bei rund 650.000 Euro für den laufenden Betrieb.

In dieser Saison gibt's ja wieder 'nen direkten Aufstiegsplatz. Und die Konkurrenz ist natürlich äußerst namhaft. Wenn du jetzt mal so durchgehst, gerade unsere ersten Spiele. Wen erwartest du ganz vorn und wo siehst du den CFC?

Ich denke, ganz vorne werden die Unblauen eine Rolle spielen. Zudem schätze ich Jena extrem stark ein. Dahinter sehe ich Erfurt, Zwickau und uns aus Chemnitz. Lok Leipzig glaube ich dieses Jahr eher nicht – zweimal knapp zu scheitern und danach sofort wieder die Motivation aufzubringen, ist als Verein mental kaum zu verkraften. Bei Altglienicke hoffe ich einfach, dass sie nicht mit oben reingrätschen. Im Grunde gibt es aber acht bis neun Mannschaften, die um den Titel mitspielen können.
Die Vorzeichen bei uns Traditionsvereinen sind dabei fast überall identisch: Wir haben tolle Stadien, die aber extrem viel Geld verschlingen. Wir bezahlen beispielsweise rund 1,4 Millionen Euro pro Jahr nur für den Spielbetrieb hier im Stadion – also rein dafür, dass wir mit der gesamten Infrastruktur hier spielen können. Ein Verein wie Altglienicke mietet sich irgendwo ein und zahlt vielleicht 5.000 Euro pro Spieltag, was aufs Jahr hochgerechnet vielleicht 200.000 Euro sind.
Da sieht man die Diskrepanz: Wir haben zwar hohe Zuschauereinnahmen, aber durch die enormen Stadionkosten bleibt bei vielen Spielen unterm Strich kaum etwas hängen. Im vergangenen Jahr hatten wir nach Abzug aller Spieltagskosten von den gesamten Ticketeinnahmen einen Überschuss von gerade einmal rund 600.000 Euro – und davon geht dann noch die Steuer ab. Das Verhältnis von Einnahmen zu Ausgaben stimmt da schlichtweg nicht, weil wir ein Top-Stadion unterhalten, das entsprechend kostet.

Was ist der Break-even? Wieviel Zuschauer braucht der Club an einem Spieltag um abzüglich aller Kosten im Plus zu sein?

Wir müssen im Schnitt knapp über 5.000 Zuschauer haben, um bei Plus-Minus-Null herauszukommen. Natürlich hängt das immer noch ein bisschen vom jeweiligen Spiel und den Sicherheitskosten ab, aber als Richtwert gilt: Bei 5.000 Zuschauern trägt sich der Spieltag. Das muss sich einfach jeder klar machen.
Hätten wir im Schnitt nur 3.000 Zuschauer, dürften wir aus wirtschaftlichen Gründen gar nicht in diesem Stadion spielen, weil es für die GmbH schlichtweg nicht tragfähig wäre. Als Geschäftsführer müsste ich dann ganz klar sagen: So schön das Stadion auch ist, ich kann hier nicht spielen – ich muss die GmbH schließlich vor dem Ruin schützen. Aber wir sind da auf einem wirklich guten Weg, das zeigen unsere aktuellen Zahlen.

Wieviel Dauerkarten habt ihr bislang verkauft?

Das sind im Moment ca. 1800.
Das Fernziel als Verein ist es natürlich, irgendwann eine Warteliste für Dauerkarten einführen zu müssen – wie man das aus Dresden oder von Union Berlin kennt. Wenn du das einmal geschafft hast, hast du eine ganz andere Basis.
Wenn man sich die historischen Zahlen anschaut, hatten wir – selbst zu Zweit- oder Drittligazeiten – meist einen Schnitt zwischen 5.000 und 8.000 Zuschauern. Im Schnitt lagen wir eigentlich nie nachhaltig über 10.000, auch wenn einzelne Topspiele natürlich voll waren. Wir sind hier schlichtweg nicht die Stadt, die automatisch die Massen ins Stadion zieht.
Umso entscheidender ist es, unseren festen Zuschauersockel Schritt für Schritt aufzubauen. Nach der Insolvenz gab es Zeiten mit gerade einmal 1.500 bis 1.900 Besuchern. Inzwischen haben wir uns ein solides Fundament von rund 4.000 Fans erarbeitet, die eigentlich zu jedem Spiel kommen – das haben wir diese Saison fast immer geschafft. Unser nächstes Ziel muss es sein, diesen harten Kern auf 5.000 aufzustocken. Das sind die Leute, die auch dann ins Stadion kommen, wenn es mal scheiße läuft. Die restlichen Zuschauer und Erfolgsfans kommen bei Highlights wie dem Zwickau-Spiel oder in einer Erfolgsphase dann von ganz alleine dazu.

In den letzten Spielzeiten stand ja schon relativ zeitig fest, dass der CFC nicht ganz oben mitspielen wird. Warum wird das diesmal nicht der Fall sein?

Wie heißt es so schön: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Erst einmal sind Chris, der Trainer und wir als Geschäftsführung voll von der neuen Mannschaft überzeugt – das ist die Grundvoraussetzung. Unsere Ziele stehen fest: Wir wollen ganz vorne mitspielen.
Welchen Weg wir einschlagen, wird gleich das Auftaktprogramm zeigen, denn das hat es wirklich in sich. Das ist ein echtes Hammerprogramm. Da kann es nach dem achten oder neunten Spieltag heißen, wir sind das Top-Team der Liga. Aber wenn du jede Woche ein Spitzenspiel hast, kann so etwas genauso gut nach hinten losgehen. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir dieses Jahr oben mitmischen werden.

Und was erwartest du vom Saisonauftakt am Samstag in Berlin?

Für mich zählen prinzipiell nur drei Punkte. Das Wichtigste ist aber, dass wir offensiv und aggressiv auftreten und sofort zeigen, wer der Herr im Hause ist. Ich will da einfach eine couragierte Leistung sehen. Wenn wir das auf den Platz bringen, holen wir auch den Sieg – mit einem Unentschieden gebe ich mich jedenfalls nicht zufrieden.
Ich werde im Stadion live dabei sein und mir das anschauen. Ich bringe zwar eigentlich nicht besonders viel Glück, aber vor zwei Jahren war ich beim Hertha-Spiel auch vor Ort und wir haben gewonnen. Damals hatten wir nach zwei Spieltagen direkt vier Punkte auf dem Konto.

Die CFC-Fanpage dankt Uwe Hildebrand für das spannende Interview und wünscht weiterhin bestes Gelingen.

Das Interview für die CFC-Fanpage führte Pierre Schönfeld.

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