Spielbericht // Saison 2003/2004

 
FC Sachsen Leipzig
FC Sachsen Leipzig0:2Chemnitzer FC
Chemnitzer FC
1. Spieltag - Regionalliga Nord - Saison 2003/2004
Samstag, 02. August 2003, 14:00 Uhr
Alfred-Kunze-Sportpark, Leipzig
Zuschauer: 5.117
Schiedsrichter: Anklam (Hamburg)
FC Sachsen LeipzigTorfolgeChemnitzer FC
T Eckstein
A RadojicicGelbe Karte
A Bergner
A FriedrichGelbe Karte (42. Ferl)
M Stark (59. Kanitz)
M Bach
M Schönberg
M Cramer
M Müller
S Kujat
S Nemec (46. Koslov)

Trainer: Raab
0:1 Meissner (27.)
0:2 Wächtler (45.)

T Hiemann
A Ahlf
A Karl
A Teichmann
M Wächtler
M Zivic
M Göhlert
M MehlhornGelbe Karte
M Schindler (88. Gillert)
M Biermann (46. Meyer)
S Meissner (78. Rolleder)

Trainer: Rohde
Spielbericht

Glänzender Saisonstart mit Auftaktsieg im Sachsenderby

Von Frank Neubert

Als langjähriger CFC-Fan weiß man, daß der himmelblaue Trupp immer mal wieder für Überraschungen gut ist - allerdings sind diese zumeist mit unangenehmen Erinnerungen verbunden. Diesmal jedoch durften die Erinnerungen ins "Positiv-Kästchen" einsortiert werden, und zwar in jenes, wo man die CFC-Auswärtssiege aufbewahrt. Der Club blieb nämlich seinem zweijährigen Trend treu und gewann zum dritten Mal in Folge die Auftaktpartie zur neuen Regionalligasaison. Und dies immerhin mit 5 Neulingen in der Startformation - ein gutes Zeugnis für die Arbeit der Jungs in der Vorbereitung und ihren neuen Coach Frank Rohde.

Vor dem Sachsenderby bei den "Chemikern" überwogen im himmelblauen Fanlager eher die sorgenvollen Mienen, daß man beim ehrgeizigen Aufsteiger aus Leutzsch nicht unter die Räder kommen möge. Noch zu gut erinnerte man sich an den eigenen Schwung, mit dem damals die große Borussia in Liga 2 über den Haufen gerannt wurde. Der CFC hatte im Sommer einen totalen Umbruch zu verkraften - 13 Abgänge (über die gesamte Saison), 7 Neuzugänge, und einem in der RL unerfahrenen Neutrainer namens Frank Rohde. Viele Fragezeichen blieben vor allem hinter den Abgängen von Spielmacher Tchipev und Torjäger Demir stehen, und es war zu befürchten, daß der CFC diese Verluste nicht kompensieren konnte.

Knapp 1.000 CFC-Fans pilgerten gen Messe-Stadt, um sich die offenen Fragen zu den Himmelblauen live beantworten zu lassen. Die gut 250 Zugfahrer wurden gleich nach ihrer Ankunft von eifrigen grünen Männlein komplett durchgefilzt - viel Vergnügen, wenn man dies 2012 mit jedem Oly-Besucher machen will! Das nächste Unheil wartete am Kassenhäuschen. Anstatt 10 Kassierer und 1 Ordner aufstellen, machte es Sachsen Leipzig genau andersrum und sorgte somit für heftigstes Gedrängel an dem einen (!!) Kassenportal. Polizei und Ordner gingen rigoros gegen Fans vor, die im Gedränge ihren gesetzlich geschützten Körpern zu nahe kamen - Glanzleistung, liebe WM-Stadt 2006! Kurz vor knapp kam man auf die Idee, noch 2 fliegende Verkäufer einzusetzen - und siehe da, die Lage entspannte sich.

Im Gästeblock herrschte dichtes Gedränge und es gab keine einzige Stelle am Zaun, die nicht beflaggt worden wäre. Daraus resultierend hatte man eine schlechte Sicht auf das vor einem liegende Tor - der einzige Vorteil war, daß der Gästeblock im Gegensatz zum übrigen Stadion im Schatten lag, welches bei praller Sonne einen Waffenschein als schneller Brüter gebraucht hätte. Insgesamt hatten sich 5.117 offizielle Zuschauer eingefunden, eine Zahl, die man nach eigenen Ermessen wohl eher im Bereich zwischen 7- oder 8.000 angesiedelt hätte. Kurz vor dem Einlaufen der Teams zogen die Chemiker ihre Blockfahne hoch und auf Chemnitzer Seite wurde eine schicke Doppelhalter-Parade dargeboten.

Vom Anstoß weg versuchten die Leipziger zu zeigen, wer im Alfred-Kunze-Sportpark Herr im Hause ist. Mit viel Laufarbeit wurde der Ball in den eigenen Reihen gehalten und versucht, die CFC-Abwehr unter Druck zu setzen. Noch in der letzten Saison wäre dem geneigten himmelblauen Fan dabei das Herz in die Hosentasche gerutscht - diesmal hatte man jedoch das Gefühl, daß ein paar aufgeregte Wellen gegen eine felsige Steilküste schwappten. Wie bereits ein Meißner und Biermann ihre Gegenspieler beackerten, diese von Zivic und Schindler übernommen wurden, und schließlich in der Abwehr von Mehlo, Ahlf und vor allem Karl ausgebremst wurden, nötigte Respekt ab. Da in letzter Zeit selten gesehen, fiel sofort auf, daß Gegenspieler auch einmal gedoppelt wurden, wenn sie sich dem CFC-Strafraum näherten. Kurz, die Abwehrleistung der gesamten Truppe war vorbildlich - Beweis dafür auch das Nichtvorhandensein von zählbaren Einschußmöglichkeiten für Grün-Weiss während des gesamten ersten Durchganges!
Nach ca. 20 Minuten wurde der Club munterer und beschäftigte sich vermehrt mit der Erforschung des gegnerischen Strafraumes. Vor allem über Neuzugang Schindler liefen mehrere klug gespielte Konter. Biermann zeigte auf der linken Seite eine starke kämpferische Vorstellung und konnte als Vorlagengeber für Meissner mehrfach nur durch Fouls gebremst werden. Nach 2 - 3 guten Versuchen ging in der 27. Minute richtig die Post ab - Schindler setzt sich auf der rechten Seite geschickt durch und flankt nach innen - wo Meissner völlig ungedeckt zum 1:0 für die Guten vollstreckt. Der Jubel der Gästekurve setzte aufgrund der verdeckten Sicht nur kettenweise ein - die Optimisten jubelten sofort, die meisten Fans folgten dem Jubel der Spieler, und die letzten Zweifler krähten ihren Torschrei erst beim Wiederanstoß für Chemie in die schwülwarme Luft. Die Himmelblauen nun besser im Spiel und der Aufsteiger angeknockt. Bis zur Pause entwickelte sich ein ganz passables RL-Spielchen, in dem der CFC im Falle des Ballbesitzes mit geschickten Doppelpässen (ei' guck!) für die bessere optische Note sorgte.
Kurz vor der Pause wird Biermann beim Nachschuß nach einer Ecke erneut rüde gefoult. Zum fälligen Freistoß tritt der neue "Eisenfuß" des CFC, der hünenhafte Neuzugang Steffen Karl, an. Der Hammer kracht in die Mauer, der Nachschuss ebenfalls - das Runde prallt Wächtler vor die Füße, und der CFC-Rückkehrer knallt das Spielgerät aus 16m fulminant unter die Latte des Eckigen. Yeah !! Diesmal gab's auch einen kollektiven Jubelschrei, da das Zappeln des Netzes von jeder Stelle des Gästeblocks deutlich zu sehen war. Mit einem schicken 2:0 für C-Town bat der Schieri kurz darauf die Teams in die Kabinen zum Pausentee.

Zum Beginn der zweiten HZ zeigten die Chemie-Ultras ihr neuestes Bastelwerk in Form eines Transpis mit der Aufschrift "CFC-Schlossteichbrühe" und sorgten damit für allgemeines Rätselraten unter den himmelblauen Anhängern, denen der tiefere Sinn dieses Spruches verborgen blieb. Aber vielleicht hatten ja einfach nur die UC recht, die mit ihrem Transpi aus der ersten HZ "Endlich wieder 3. Liga, endlich wieder dumme Gegner" bereits den Finger in die Wunde legten ;-)...
Auf dem Rasen lief derselbe Film wie in Halbzeit 1, Chemie rannte eifrig, aber planlos, gegen das Chemnitzer Betonfachwerk an, ohne irgendwelche Bruchstellen im Putz zu hinterlassen. Hohe Bälle in den Chemnitzer Strafraum wurden zur Beute von Teichmann und Ahlf, und falls das Leder doch einmal bis zu Karl kam, bekam es von diesem einen ordentlichen Hieb verpasst und entfernte sich tunlichst aus dessen Wirkungskreis. Selbst der Leipziger Torschützenkönig der Oberliga und Ex-CFC-Aufstiegsheld Ronny Kujat kam zu keiner einzigen gefährlichen Tormöglichkeit. Mitte der zweiten Halbzeit vollführte der gesamte Gästeblock unter Anleitung von Ikone "Rucksack" eine Block-Uffta, welche die ansonsten für ein Derby ziemlich maue Stimmung etwas aufpeppte. Auch von Leipziger Seite war für ein Sachsenderby vergleichsweise wenig zu hören.
So gut die himmelblaue Abwehr auch stand - so wenig fanden jetzt gescheite Konter statt. Wenn es etwas an der Auswärtsleistung des CFC zu bemängeln gab, dann war es dieser jetzt ausbleibende Umkehrfussball zur Entlastung der Abwehr. Ob es nun an der drückenden Hitze lag, oder an der fehlenden Konzentration - himmelblaue Tormöglichkeiten fanden jedenfalls nicht mehr statt. Somit blieb die Frage offen, was mit dem CFC passiert, wenn man auswärts nicht bei einem Aufsteiger kickt, sondern diese Mauertaktik bei gestandenen RL-Vereinen ausprobiert. Ein bißchen mehr Kick und Spiel darf es dann schon sein...
Zehn Minuten vor dem Schlußpfiff merkte man den Chemikern an, daß sie wohl selbst nicht mehr daran glaubten, heute ein Tor erzielen zu können. Ähnlich sahen dies auch die ersten Fans der Grün-Weissen, die sich langsam und gargekocht aus dem Alfred-Kunze-Backofen entfernten. Sie verpassten damit die beste Möglichkeit ihres Teams - nach einer Ecke kommt Ferl am langen Pfosten an das Leder und scheitert aus 2m am glänzend reagierenden Routinier Holger Hiemann. Fünf Minuten später pfiff der gute Herr Anklam in sein Trillerpfeifchen und besiegelte den ersten Sieg der Himmelblauen in der neuen Saison. Die Spieler feierten mit dem vor Glück und Schweiß triefenden Anhang aus der geilsten Stadt der Welt eine kleine Laola-Welle und kamen danach zum kollektiven Abklatschen an den Zaun. Den Spielern folgte ein sichtlich erleichterter und freudestrahlender Coach Frank Rohde, der jeden Handschlag am Zaun mitnahm und dabei viele lobende Worte der Fans einheimsen konnte.

Fazit: Erster Sieg im ersten Spiel - was will man mehr!? Noch dazu mit einer homogenen Mannschaftsleistung, die absolut für den neuen Trainer und die Integration der Neuzugänge spricht. Vielleicht einmal der Reihe nach - letztlich hat der erfahrene Regionalligist den eifrigen Aufsteiger "nur" eiskalt ausgekontert. Schöne Ansätze gab es im Spielverständnis mit mehreren klugen Doppelpässen zu sehen. Soweit, so gut. Fraglich bleibt, ob diese taktische Ausrichtung mit einem (!) nominellen Stürmer auch bei anderen RL-Teams funktionieren wird. Gerade in der zweiten Halbzeit ist viel zuwenig an Entlastung gekommen, so daß nur vermutet werden kann, wie lange die Abwehr einer solchen Dauerbelastung bei besser besetzten RL-Teams standhält. Man darf ebenso gespannt sein, wie sich der CFC beim ersten Heimspiel präsentieren wird, wenn es darum gehen wird, selbst das Spiel zu bestimmen und gegnerische Konter zu verhindern. Die Kölner Amateure sind in diesem Fall als nächster Gegner wohl der rechte "kleine" Prüfstein für diese Fragen, bevor im weiteren Saisonverlauf die wirklichen Brocken kommen. So gesehen kann der CFC im nächsten Spiel der neuen Saison weiterhin "nur alles richtig machen"...

Wertung: 2,5

Beste Himmelblaue: Biermann, Schindler, Karl

Pressestimmen

Leipziger Volkszeitung
Zwei Chancen, zwei Treffer: Chemnitz düpiert FC Sachsen [..] Beginnen wir die Aufarbeitung der Leutzscher 0:2-Pleite gegen den Chemnitzer FC mit dem Arbeitsnachweis Steffen Karls. Der 33-jährige CFC-Libero musste am Sonnabend in keinen einzigen (!) entscheidenden Zweikampf, sparte sich ungestraft jedweden (!) Sprint, verbrachte viele der 90 Minuten stehend;die Hände in den ausladenden Hüften geparkt, im fröhlichen Dialog mit Cheftrainer Frank Rohde. "Fünf Meter links, fünf rechts - mehr nicht, Steffen!", beschnitt "Wuschi" Rohde den sowieso überschaubaren Bewegungsdrang seines Duzfreundes ("Alles im Griff - bleib' ruhig, Wuschi!") zusätzlich. Minimaler Aufwand, maximaler Ertrag - Karls "Pensum" war beispielgebend für die Verhältnisse im mit 5117 Zuschauern nur mäßig bevölkerten Glutofen des Alfred-Kunze-Sportparks. [..] "Am Ergebnis gibt es leider nix zu deuteln", meinte der vom puren Zuschauen ausgelaugte Präsident Christian Rocca. "Chemnitz hat aus zwei Chancen zwei Tore gemacht. Wir hatten glaube ich gar keine richtige Chance."

Freie Presse Chemnitz
CFC: Jetzt wird Fußball wieder gearbeitet [..] Eigentlich nichts Neues beim Chemnitzer FC: Wie in den vergangenen zwei Jahren gewannen die Himmelblauen ihr Saisonauftaktspiel. [..] Geändert hat sich vermutlich doch einiges, auch wenn eine Schwalbe noch keinen Sommer macht. Klar sichtbar wurde aber bei 40 Grad Celsius im Glutofen des Alfred-Kunze-Sportparks: Beim CFC wird Fußball wieder mehr gearbeitet.

Morgenpost
Karl klare Nummer 1 auf Liberoposition [..] Faustpfand für den CFC-Sieg war die Abwehrarbeit mit dem Uralt-System eines Liberos. Rohde dazu: "Ich bin froh, dass Karl diesen Part mit Auge, Verstand und Lautstärke so ausfüllt, dass wir erfolgreich sind. Da interessiert mich kein Gequatsche von Dreier- und Vierer-Kette."

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