Sollte es dem Chemnitzer FC unter Chef-Trainer Benjamin Duda am Samstag darum gegangen sein, evtl. anwesende Vertreter des Bergvolkes vor dem Sachsenpokal-Halbfinale in Sicherheit zu wiegen, so ist ihnen das glänzend gelungen. Denn beim 0:1 gegen den die Youngster von Hertha BSC konnten die Himmelblauen nur eine Viertelstunde überzeugen, ansonsten dominierten die Hauptstädter.
Dass der CFC verletzungsgeplagt ist, ist allgemein hin bekannt. Zu den bekannten Ausfällen von Eppendorfer, Bochmann, T. Müller, Erlbeck, Grimaldi, Ekui und Bozic kam kurzfristig noch der Ausfall von Stammkeeper Adamczyk dazu, der sich mit einem Magen-Darm-Infekt abmeldete. So kam U19-Spieler Philipp zu seinem Startelf-Debüt und mit Mensah stand ein weiterer Nachwuchsspieler von Beginn an auf dem Platz.

Die ersten Minuten gehörten dem CFC, der nach der nach der Luftnummer beim BFC Preussen unter der Woche etwas gutzumachen hatte. Eine Flanke von Walter leitete nach 6 Minuten die erste gute Chance für den Club ein, seine Flanke verlängerte Marx auf Baumgart, der aber aus Nahdistanz an Hertha-Schlussmann Goller scheiterte. Auch den Nachschuss von Mergel griff sich Goller. Nach etwa zwanzig Minuten war es mit der himmelblauen Herrlichkeit vorbei und Hertha ergriff die Initiative. Die in gelb spielenden Herthaner liessen Ball und Gegner laufen und überzeugten durch ordentlichen Kombinationsfussball, während beim Club vieles nur Stückwerk war. Ein Fehler von Wunsch leitete die Berliner Führung ein. Unter Bedrängnis geriet der Abschlag der Nummer 22 zu kurz, Herthas Routinier Ben-Hatira schnappte sich das Leder und zog aus 20 Metern ab - abgefälscht und Wunsch auf dem falschen Fuß erwischt - trudelte der Ball ins Tor. Kein Jubel im Gästeblock - da kein Berliner da war, lange Gesichter bei den knapp 4000 Clubfans auf der Fischerwiese.

Wer nach der Pause eine Leistungssteigerung des CFC erwartet hat, wurde enttäuscht. Die jungen Herthaner spielten abgezockt die Partie runter und mussten sich dabei noch an die eigene Nase fassen, dass sie nicht auf 2:0 oder 3:0 stellten. Die Chancen dafür waren da, so wie für Ben-Hatira in der 50. Minute (drüber) oder Ogbaidze, der nach einem Baumgart-Fehler, einen Konter nicht zu Ende spielte und den Ball neben das Tor setzte (57.). In der 67. Minute fischte Wunsch eine Direktabnahme nach einer Ecke der Berliner noch raus - stark! Und der CFC? Wechselte dreifach, brachte nach einer Stunde Alberico, Pistol und Damer, was aber nur kurz für Belebung sorgen sollte. Auf Berliner Seite kam Joel Richter ins Spiel, dessen Vater Hans vor vielen Jahren für den FCK auf der Fiwi stürmte. Einen Kopfball von Marx (74.) und einen Drehschuß des Bozic-Ersatz (80.) konnte der Chronist noch verzeichnen, dann war die 11. Saisonniederlage besiegelt. Pfiffe und Duda-raus Rufe auf den Rängen waren die Quittung.
Fazit: Wir haben Frühling in Chemnitz aber so wirklich wollen die Frühlingsgefühle nicht aufkommen. Ja, der Club hat viele Ausfälle - insbesondere Bozic und Grimaldi werden schmerzlich vermisst - trotzdem war auch dieser Auftritt erschreckend blutleer!