Es war die sechste Minute der Nachspielzeit im ewig jungen Derby zwischen den Himmelblauen und den Schachtern, als Maximilian Fesser zum 3:1 traf und damit den Derbysieg perfekt machte. Im Übrigen den ersten Derbysieg in einem Liga-Heimspiel seit
1999, was sage und schreibe 27 Jahre her ist! Was im Normalfall zu einer epischen Eruption in Fußball-Chemnitz geführt hätte, wurde jäh durch einen medizinischen Notfall auf der Gegengerade gestoppt. Hier kollabierte ein Fan und mußte reanimiert werden. Die Folge - gespenstische Stille statt ausgelassener Jubel auf der proppenvollen Fischerwiese. So endete ein besonderer Fußballtag in einer gewissen Schockstarre. Die besten Genesungswünsche gehen an dieser Stelle an den betroffenen Zuschauer...
Doch der Reihe nach.
Über 1.500 Clubfans hatten sich vor dem Spiel versammelt und mit einem Fanmarsch auf das Derby eingestimmt.
Benjamin Duda vertraute der Mannschaft, die zuletzt in Halle einen Punkt geholt hatte. Ron Berlinski saß zunächst wieder auf der Bank, für ihn stürmte Marx.
Vor der Partie wurde dem in dieser Woche verstorbenen CFC-Ehrenmitglied, langjährigem Clubfunktionär und Meisterspieler Peter Müller gedacht. Es war ein sehr würdevoller Moment zu dem Olaf Kadner bewegende Worte sprach. Den Moment des Gedenkens hielten alle 13.100 Zuschauer und auch die Gäste ein - Danke dafür.
Dann ruhte wie in allen Spielen der Regionalliga Nordost zunächst der Ball und Olaf sprach dringliche Worte zur Aufstiegsreform, die endlich kommen muss, um wieder Gerechtigkeit im deutschen Fussball einziehen zu lassen. Denn eins ist klar: "Meister müssen aufsteigen!". Entsprechende Transpis gab's auch an beiden Fanblöcken.
Jetzt rollte der Ball und das zunächst besser in den Reihen der Gäste, die in den Anfangsminuten die Spielkontrolle übernahmen. Die Himmelblauen wirkten da sichtlich nervös und versuchten viel hintenrum zu spielen, was auch einmal beinahe schief gegangen wäre. Eine Bilanz von 0:4 nach Ecken bei zehn gespielten Minuten spiegelte die Überlegenheit der Schachter zu Beginn, die auch zu Abschlüssen durch Bär und Skarlatidis kamen.
Der CFC kämpfte sich erst so langsam in die Partie, insbesondere die beiden Außen Grimaldi und Tchouangue zerrten an den Ketten und sorgten für Gefahr. Eine halbe Stunde war gespielt, dann - nach einem Paß im Strafraum von Grimaldi - wurde Marx gefoult. Strafstoß! Tom Baumgart, Chemnitzer Eigengewächs mit lila-weißer Vergangenheit, tritt an und verlädt den jungen Uhlig im Kasten der Schachter. 1:0 und das Stadion explodiert! Nur wenige Zeigerumdrehungen später Baumgart fast mit dem Doppelpack, als er Uhlig mit einem Schuß aus Metern zur Parade zwang. In der 41. Minute war es dann aber doch so weit: Ecke Alberico, Uhlig segelt untendurch und Baumgart steht am langen Pfosten und schiebt ein. Chemnitz 2, Schacht 0!! Dann war Pause.
Zur Halbzeit blieb der gelbverwarnte Stockinger draußen, für ihn kam Vogt ins Spiel. Ein Zeichen für die höhere Qualität auf der Bank in dieser Saison.
Die erste Viertelstunde nach der Pause gut überstehen und dann vielleicht mit dem dritten Treffer den Decken drauf machen. Dieser Plan klang gut, gelang aber nicht. Denn in der 53. Minute stand Bär bei einer Hereingabe von Skarlatidis genau richtig und netzte ein. Der Anschluß und Auftakt in eine heiße letzte halbe Stunde.
Das Spiel wogte jetzt hin und her. Der Club hätte den Deckel drauf machen können, so Alberico in der 61. Minute (vorbei) oder Vogt, der Uhlig acht Minuten später zur Glanzparade zwang. Auf der Gegenseite verpassten Bär (per Kopf) und Maciewsky bei einem Konter die Gelegenheiten auf den Ausgleich. So blieb es bis in die Schlussekunden spannend, bis Baumgart weit in der Nachspielzeit den eingewechselten Fesser bediente, der mit einer Einzelleistung endgültig auf Derbysieg stellte.
Dem grenzenlosen Jubel folgt der Schock...
Fazit: Die Reaktion der Verantwortlichen beim CFC auf den Notfall war gut und richtig. Wenn ein Menschenleben in Gefahr ist, dann kann man nicht im Stadion den Derbysieg feiern.
Sportlich war es für den Club ein Kraftakt bei zwei Mannschaften auf Augenhöhe. Am Ende war der CFC einen Ticken besser als die Lila-Weißen, deshalb Glückwunsch zum Derbysieg!
Nachtrag: Am Sonntagnachmittag kam vom Verein die Nachricht, dass der betroffene Fan es nicht geschafft hat und im Krankenhaus verstorben ist. Ein herzliches Beileid an dieser Stelle an Familie und Freunde des Betroffenen.