Spielbericht // Saison 2003/2004

 
Borussia Dortmund II
Borussia Dortmund II0:2Chemnitzer FC
Chemnitzer FC
34. Spieltag - Regionalliga Nord - Saison 2003/2004
Samstag, 05. Juni 2004, 14:00 Uhr
Stadion Rote Erde, Dortmund
Zuschauer: 1.100
Schiedsrichter: Kemmling (Burgwedel)
Borussia Dortmund IITorfolgeChemnitzer FC
T Kleinsteiber
A Knoche
A BrzenskaGelbe Karte
A Metzelder (14. Risser)
A Kohlmann (68. Saka)
M Hoffmann
M Senesie
M Rammel (75. Wood)
S Bugri
S Akgün
S Aledrissi

Trainer: Köppel
0:1 Meyer (26.)
0:2 Fillinger (64.)

T Süssner
A Karl
A Ahlf
A Wächtler
A Göhlert
M Schindler
M Zivic
M Fillinger
S Meyer (89. Prymula)
S Rolleder
S MeissnerGelbe Karte (80. Lenk)

Trainer: Rohde
Spielbericht

Totgesagte leben länger - CFC nutzt seine letzte Chance

Von Pierre Schönfeld

5 Jahre wäre er in dem einen Jahr beim Chemnitzer FC gealtert, meinte CFC-Coach Wuschi Rohde nach dem Saisonfinale in Dortmund. Eine Aussage die nachvollziehbar ist, nach einer Saison voller Höhen und Tiefen und einem Finale welches auch dem härtesten Clubfan das Wasser in die Augen trieb. Zu Tode betrübt, bar jeder Hoffnung und am Boden zerstört - so kann man am besten die Stimmung beschreiben, die nach der Begegnung am vorletzten Spieltag gegen Schalke herrschte. Es sollte der entscheidende Schritt zum Klassenerhalt werden, am Ende kam das 0:6 gegen Schalke einer Hinrichtung gleich. Es gab nicht Wenige, die sich an diesem Tag bereits mit dem dritten Abstieg innerhalb von acht Jahren abgefunden hatten. Zu negativ war der Trend bei den Himmelblauen, zu unwahrscheinlich ein Aufrappeln der Mannschaft nach diesem brutalen Niederschlag und der fünften Pleite in Folge.

Die Spannung vor dem Showdown in Dortmund ging ins Unerträgliche, die Stimmung unter den Fans schwankte zwischen Depression und gedämpften Optimismus. Ein wenig für Hoffnung sorgte die insgesamt recht dürftige Bilanz der Dortmunder seit der Winterpause und die Tatsache, dass die Borussen den Klassenerhalt bereits geschafft hatten. Einen übermächtigen Gegner hatte man also nicht vor sich. Nur wer sollte die Tore für die Chemnitzer schiessen? Auch hier gab es einen kleinen Hoffnungsschimmer: U21-Nationalspieler Mario Fillinger meldete sich unverhofft zum Showdown in Dortmund wieder einsatzbereit. Mit Schindler, Meyer und Meissner brachte Wuschi Rohde zudem drei neue Kräfte für die in den letzten Wochen lahmende Offensivabteilung.

Klare Ansage: Arsch aufreissen für den CFC!Als der erfahrene Referee Kemmling die Partie pünktlich um 14 Uhr anpfiff, hatten sich 1.100 Zuschauer im Stadion Rote Erde, welches vom gigantischen Borussentempel Westfalenstadion überragt wird, eingefunden. Mehr als die Hälfte davon stand auf der Seite der Himmelblauen. Einige Fans hielten zu Beginn der Partie ein Transpi hoch. "Arsch aufreißen für den CFC" stand darauf geschrieben und die Mannschaft schien begriffen zu haben. Bereits in den erste Minuten war zu erkennen, daß die Himmelblauen gewillt waren ihre allerletzte Chance zu ergreifen. Mit kompromißlosen Zweikampfverhalten und hohem läuferischen Einsatz beeindruckten sie die Borussen, liesen sie gar nicht erst ins Spiel kommen. Wurde der Ball einmal erobert ging die Post sofort, meist über die agilen Meyer, Fillinger und Schindler, in Richtung Tor von Borussen-Keeper Kleinsteiber ab.
Geradezu zwangsläufig ergaben sich die Chancen für den CFC. Nach 5 Minuten wurde Meissner bei seinem Sturmlauf noch durch den Schiri gestoppt, in der 10. Minute köpfte er nach Zivic-Freistoß den Ball über den Kasten. Dann versuchte sich Fillinger mit einem Seitfallzieher aus 20 Metern aber Kleinsteiber pariert. Dann die 26. Minute. Süßner hatte aus der eigenen Hälfte den Ball nach vorne geschlagen, Rolleder mit dem Kopf verlängert. Meissner kommt an den Ball und rennt, eskortiert von zwei Borussen, auf den BVB-Keeper zu. Der kann Meissners Schuss noch abwehren doch in diesem Moment spritzt der kleine Sebastian Meyer in die Lücke und knallt das Leder unter die Latte. 1:0 für den CFC! Was für ein Glücksgefühl bei den mitgereisten Fans. Ein geradezu orgiastischer Jubel läßt den gesamten Block erzittern, es wird gepogt, sich geherzt und die Erleichterung von der Seele geschrien. Und es steigt eine fette schwarze Rauchsäule auf. Der fast schon abgeschriebene Klassenerhalt ist plötzlich wieder zum Greifen nahe, man konnte die Steine förmlich plumpsen hören. Der Club war - endlich mal wieder - in Führung gegangen. Und die Himmelblauen spielten weiter nach vorn, wohlwissend, dass das 1:0 kein Polster zum Ausruhen war. Denn mittlerweile hatte sich auch etwas auf den anderen Plätzen getan. Schalke führte und Münster auch.
45 Minuten waren gespielt, zuvor hatte Schindler noch eine gute Schusschance gehabt, als Rolleder an der Mittellinie einen Stellungsfehler von Risse nutzen kann und sich den Ball erkämpft. Der gesamte himmelblaue Block geht enthusiastisch mit wie Rolleder, verfolgt von Risse, auf den BVB-Keeper zustürmt, doch an der Strafraumgrenze zieht Rolleder ab und der Ball geht am Tor vorbei. Das war 'ne Tausendprozentige! Noch einmal ging vor der Pause ein Raunen durch die Massen: Freistoß für den Club durch Zivic und Kleinsteiber hat Mühe den Ball wegzufausten. Nach dieser Aktion bat Kemmling zum Pausentee.

In der Halbzeitpause dann die erste Analyse: der Club steht sicher, spielt gut nach vorn und führt. Klasse! Schalke liegt mittlerweile gegen Paderborn hinten, Münster führt 1:0. Bei diesem Zwischenstand wäre der CFC sogar bei einem Unentschieden gegen Dortmund gerettet. Der Klassenerhalt war somit mehr als nur greifbar nah. Mittenrein in die Pausengespräche platzte eine Ansage vom Stadionsprecher. Schiri Kemmling drohte bei wiederholter Pyroshow mit Spielabbruch. Daran sollte man sich noch erinnern...

Zu Beginn der zweiten Halbzeit wurden die Borussen stärker. Scheinbar hatte der scheidende Borussen-Coach, Horst Köppel, seinen Jungs gesagt, dass er sich seine Verabschiedung so nicht vorgestellt hatte. Chancen ergaben sich nun auf beiden Seiten. Die besten Gelegenheiten vergaben Meissner, der aus 20 Metern nur knapp am Kasten vorbeischoss (55.) und auf der Gegenseite Kohlmann mit einem Freistoß, den Süßner parieren konnte. Dann entschloß sich Senesie zum Flankenlauf auf der rechten Seite, flankt nach innen direkt auf Hoffmann. Dieser bekommt 5 Meter vor dem Tor die Kugel nicht unter Kontrolle und setzt das Leder neben den Kasten. Riesenglück für den CFC (59.)! Diese Chance für den BVB war nochmal wie ein Wecksignal für die Himmelblauen, die in Folge wieder Gas gaben. Eine Ecke von Zivic nimmt Göhlert direkt, nur knapp fliegt das Leder über das Gehäuse (61.). Dann Meissner, schön von Schindler freigespielt, allein vor Kleinsteiber schiebt er den Ball aber am langen Eck vorbei (64.). Dann wieder Ecke für den CFC, erneut getreten von Zivic. Wunderschön segelt das Leder in den Strafraum und wie aus dem Nichts kommt Fillinger angeflogen und nischelt die Kugel unter die Latte. Ausgerechnet Fillinger, der eigentlich gar nicht hätte spielen können. 2:0! Die Entscheidung! Die Erlösung? Der Klassenerhalt? Denkste, denn es folgen Augenblicke, die, wenn man an sie zurückdenkt, einem auch in dieser Nachbetrachtung noch gewaltig den Kamm schwellen lassen. Im riesigen Jubelpulk der himmelblauen Fans tickt ein Idiot aus und wirft einen Bengalo aufs Spielfeld. Worauf ein paar (wenige) Gestörte meinen über den hüfthohen Zaun klettern und Richtung Spielfeld rennen zu müssen. Zum Glück werden diese sofort von Ordnern und anderen Fans aufgehalten und auch der Bengalo wird umgehend im Sandeimer "entsorgt". Trotzdem, ein banger Blick gilt dem Schiri. Wird er seine Drohung wahrmachen und das Spiel abbrechen? Nein, es geht weiter. Nicht auszudenken, wenn der Klassenerhalt hier an dieser geisteskranken Aktion gescheitert wäre...
Kein Halten mehr nach dem Abpfiff...Vor dem Block bekommen indessen die Ordner und vernünftige himmelblaue Fans die Lage recht schnell wieder in den Griff. Auch wenn sich Ersatzspieler und Offizielle des Vereins demonstrativ vor den Block stellen, so beruhigen in erster Linie die Fans selbst die Lage. Die UC rufen via Megaphon zur Besinnung auf und vor dem Zaun postieren sich einige "schwergewichtige" Fans.
Das Spiel lief weiter und die wahren Fans gaben noch mal alles, wie bereits das ganze Spiel über. Die gesamte zweite Halbzeit wurde durchgesungen und die Mannschaft angefeuert...
Auf dem Spielfeld passierte nicht mehr viel, die Begegnung war entschieden. Und als Kemmling gegen 15.45 Uhr endlich abpfiff gab es kein Halten mehr. Jubelnde Fans stürmten das Spielfeld und feierten eine Riesenparty in Himmelblau. Die Mannschaft und Trainer wurden gefeiert als hätte man gerade den Aufstieg geschafft. Dabei war man gerade so auf dem letzten Pfiff dem Abstieg in die Oberliga entkommen. La Ola auf der Tribüne mit halbnackten Spielern, nicht enden wollende Gesänge, Schlachtrufe und Männer die weinten - die Bilder vom 5.6.2004 werden die Dabeigewesenen wohl nicht so schnell vergessen.

Fazit: Es geht doch CFC! Mit Herz und Leidenschaft seid ihr dem Abstieg noch einmal entkommen und habt den Löffelschnitzern ordentlich die Sargparty versaut. Eine turbulente Saison ist damit nun doch noch zu einem guten Abschluß gekommen, der Gang in die Oberliga wäre ein sportliches und finanzielles Desaster für den Verein geworden. Insofern kann man nur froh sein, dass der Kelch des Abstiegs noch einmal an Wuschi Rohdes Mannen vorbeigegangen ist. Und auch wenn die Party nach dem Spiel richtig geil war... so schnell möchte ich so etwas nicht wieder erleben. Ziehen wir einen Schlußstrich unter diese Saison. Auf ein Neues CFC in der Saison 2004/2005 - in Liga 3!
Eins will ich nicht vergessen, herzlichen Glückwunsch an die Aufsteiger in die 2. Liga, an Dynamo und Essen und an die Rot-Weißen aus Erfurt. Viel Glück da oben ... und macht die Schachtis ordentlich nass ;o)

Wertung: 2,0. Ein nie gefährdeter Sieg.

Bester Himmelblauer: Gesamte Mannschaft.


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