Spielbericht // Saison 2004/2005

 
SV Werder Bremen II
SV Werder Bremen II0:0Chemnitzer FC
Chemnitzer FC
21. Spieltag - Regionalliga Nord - Saison 2004/2005
Sonntag, 12. Dezember 2004, 14:00 Uhr
Weserstadion, Platz 11, Bremen
Zuschauer: 250
Schiedsrichter: Thielert (Buchholz)
SV Werder Bremen IITorfolgeChemnitzer FC
T Jürgen
A Mohr
A Pekrul
A Stallbaum
M Heidenreich
M SchierenbeckGelbe Karte
M Fütterer
M Meinecke
S Brückner (63. Kacan)
S ter Heide
S Hunt

Trainer: Wolter
Tore Fehlanzeige

T Süssner
A Mehlhorn
A Ahlf
A Baumann
M Stark (79. Lenk)
M  KarlGelbe Karte
M Göhlert
M Kanitz
M Okeke
S FillingerGelbe Karte
S Pinto (90. Schindler)

Trainer: Barsikow
Spielbericht

Zwei himmelblaue Tore und eine Heldentat

Von Frank Neubert

Nach dem Abpfiff von Schiedsrichter Thielert aus Buchholz wussten die anwesenden himmelblauen Jungs - wie bereits nach dem Spiel bei den BvB-Bubis - nicht so recht, ob man sich über den einen erkämpften Punkt freuen oder ärgern sollte. Optimisten rieben sich die Hände, den mit dem Punktgewinn konnte sich der grün-weisse Konkurrent nicht absetzen und der CFC hielt den Abstand von vier Punkten konstant. Pessimisten beklagten die ausgelassenen Großchancen und wiesen darauf hin, dass der CFC mit einem Sieg in einem Abstand von nur einem Punkt zum rettenden Ufer hätte überwintern können. Die Wahrheit lag wohl irgendwo in der grauen Mitte von Platz 11 des Weserstadions, auf dem am frühen Morgen noch die Werder-Profis ihre Waden nach dem Kick gegen Kaiserslautern ausgeschüttelt hatten. Aber lest und entscheidet selbst...

Gleich zu Spielbeginn rauften sich die ca. 70 mitgereisten Chemnitzer Fans zum ersten mal die Haare, als Pinto mit einem klugen Pass Fillinger auf die Reise schickte, dieser aber am herausstürzenden Torwart Jürgen scheitert. Der CFC spielte zu Beginn einen guten Ball und deutete an, dass man den himmelblauen Aufschwung auch in Bremen fortzusetzen gedachte. Mitten in diesen guten Start platzte der erste Warnschuß der Bremer, als Hunt urplötzlich aus 20m abzieht und der Ball an die Querlatte des Chemnitzer Tores klatscht. Ahlf prügelte gedankenschnell das Spielgerät vor dem nächsten Bremer aus der Gefahrenzone. Der hektische Beginn setzte sich bereits im nächsten Spielzug fort, als in der 10. Minute Okeke den Ball zum Jubel der Fans zum 1:0 für die Guten in die Maschen schiebt. Doch der insgesamt schwache Schiedsrichter entschied auf Abseits und gab den Treffer nicht.

Nach diesem furiosen Auftakt schienen beide Truppen ihr Pulver verschossen zu haben, denn die Partie wurde lang, länger, langweiliger. Erst nach einer halben Stunde kam es wieder zu einem kleinen Aufreger, als der Werderaner Brückner mit Göhli, dem Ball und sich selbst im Kreis tanzt, im Abschluß aber an Tanzlehrer Süssner scheitert. Kurz vor dem Pausentee raffte sich der Club - ganz nach Art der Boxer, am Ende der Runde noch einmal Eindruck schinden zu wollen - über Karl auf, welcher eine massgenaue Flanke auf Stark schlägt. Der Ex-Leipziger kommt kurz vor dem Bremer Keeper an den Ball, spitzelt diesen jedoch genau an das Lattenkreuz! Kollektives Aufstöhnen im Gästeblock und verzweifelte Gesichter ob dessen, dass der Club soeben seine zweite Hundertprozentige versemmelt hatte.

Die zweite Halbzeit begann dort, wo die schlechteren Abschnitte der ersten Halbzeit zu Grabe getragen wurden. Ein müdes Gewurstel im Mittelfeld, welches zu genau null Torszenen führte, konnte die insgesamt 250 Zuschauer nicht wirklich erquicken. Karl ließ sich vom Schieri zur Abwechslung mal den gelben Karton zeigen und Okeke versuchte, den Ball volley bis in die Weser zu dreschen. Bei soviel Unterhaltungswert boten auch die Karl-Marx-Städter Fans Spitzenleistungen: Eine IKEA-Tüte wurde zum Capo auf dem Zaun, welche später sogar einen Joint paffte und die Jungs probten einen manierlichen "Wäh, Wäh" - Sinnlossupport. Auf der anderen Seite des Tribünendaches versuchten ca. 25 Ultras aus der Hansestadt die fehlende Spielkultur mit ihren Fahnen eifrig herbeizuwedeln.

In der 71.Minute gab es dann den herbeigesehnten Aufreger: Ecke von Fillinger, in der Mitte steigt Baumann hoch und befördert das Leder per Kopf in die Maschen. Ecke - Tor!! Eine ziemlich seltene Kombination beim CFC. Dies dachte sich wohl auch der Schiedsrichter - und verwehrte dem Treffer prompt die Anerkennung. Angeblich hätte sich Baumann beim Kopfstoss aufgestützt. Barsikow tobte sich an der Seitenlinie aus. Verständlich, da dies nun schon der zweite himmelblaue Treffer war, der an diesem Tage keine Anerkennung fand! Nach dem Nicht-Tor blieb der Club trotzdem weiter am Drücker und versuchte, die drei Punkte doch noch zu erzwingen. Ausdruck dessen auch die Einwechslung von Lenk, der die letzten 10 Minuten im Sturm wirbeln durfte.

Als die Zeiger der Uhr eine verbleibende Spielzeit von 2 Minuten verkündeten, passierte das Unmögliche: Heidenreich setzte sich auf der linken Seite durch und schnippelte eine maßgenaue Flanke über Ahlfs Kopf hinweg auf seinen Sturmpartner Werner, welcher aus 3m Entfernung scharf und platziert köpft. Tor. Klare Sache - dachten zumindest alle Zuschauer während der einen Sekunde Flugzeit des Balles - und rieben sich verwundert die Augen. Weshalb der Ball doch nicht einschlug, kann man nur Steffen Süssner fragen, der mit einem menschlich nahezu unmöglichen Reflex den Ball aus Nahdistanz über die Querlatte lenkte. Eine unglaubliche Heldentat in Himmelblau. Immernochbibber! Nachdem das Herz von der Hose wieder in die Brust hochgerutscht war, pfiff Thielert in sein Spielzeug und ließ grübelnde Fans zurück, die angesichts der letzten Szene eher dazu neigten, dass an diesem Tage ein Punkt gewonnen wurde.

Fazit: Der CFC hat nach dem kleinen Aussetzer gegen die cleveren Lübecker seinen Aufwärtstrend unter Barsikow weiter fortgesetzt. Für die himmelblaue Moral war es enorm wichtig, den direkten Abstiegskonkurrenten von der Weser keine drei Punkte zukommen zu lassen. Der Trend des CFC zeigt nach wie vor kontinuierlich nach oben - man hat ein Spiel weniger als die Tabellennachbarn und besitzt gute Aussichten, den überlebenswichtigen Strich in den nächsten Spielen überschreiten zu können. Es wäre gut, wenn als weiteres Signal vielleicht 1-2 neue Stammkräfte in der Winterpause zur Verstärkung des Teams geholt werden könnten, um den Funken der Hoffnung weiter anzuheizen und am Ende des Jahres ein Hexenfeuer des Klassenerhalts feiern zu können.


Wertung: 3,0

Beste Himmelblaue: Süssner, Kanitz

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