Vorbericht

8. Spieltag - Regionalliga Nordost - Saison 2022/2023
VSG Altglienicke
VSG Altglienicke
3:3
Chemnitzer FC
Chemnitzer FC

CFC als Außenseiter unterwegs im Berliner Westen …

von Timo Görner

… wo man auf die VSG Altglienicke aus dem Südosten der Stadt trifft. Hoffen kann und darf man ja, ob die Trendwende ausgerechnet bei den offensiv starken Hauptstädtern gelingt, bleibt abzuwarten.

Blick zurück auf die letzte Saison:

Nach den jeweils zweiten Plätzen in den vorzeitig beendeten Spieljahren hinter Lok und Viktoria reichte es diesmal zum 4. Rang mit 10 Punkten Rückstand zum BFC. An sich aber wertlos, denn wie der CFC verzichtete die VSG diesmal auf die Lizenzierung zur 3. Liga. Gründe waren die nicht genügende Infrastruktur für die dritthöchste Spielklasse.

Die VSG präsentierte sich betreffs Heim – und Auswärtsspiele ausgeglichen. 34 Punkte wurden es auf eigenem Platz, 38 in der Fremde. In beiden Sphären waren die Blau-Weißen oben dabei. Bemerkenswert, auf Reisen wurden nur 3 der 19 Begegnungen verloren. Dafür 11-mal gewonnen, u. a. abgeklärt in Chemnitz. Man stellte mit Lok und Jena die beste Defensive im fremden Stadion, kassierte lediglich 18 Gegentore.

Die ersten Spiele sehr zufriedenstellend, ohne Niederlage. Mühsam das 1:1 gegen Absteiger Rathenow, stark die Auswärtssiege in Jena (2:1), beim BAK und CFC – je 2:0. Erst Lok setzte mit 3 Toren den ersten Dämpfer. Zur Winterpause wurden 38 Punkte aus 20 Spielen vermeldet, 7 hinter dem späteren Staffelmeister als 6. Machbar mit starker Frühjahrsrunde 2022. Herausragend die Siege in Cottbus und Halberstadt (3:0), gegen Eilenburg (6:0). Ärgerlich die Patzer bei Tasmania (1:1), Lichtenberg (0:3), gegen Hertha BSC II (1:3). Auch das Treffen beim BFC (0:2) brachte keinen Erfolg.

Verpatzt der Start 2022 gegen TeBe (0:3) im Lokalderby. Die Südost-Berliner nicht geschockt, lieferten auch nach dem Lizenzverzicht starke Spiele, aber auch Stolperer. Positiv vor allem die Dreier gegen den BAK und CFC (4:1), Cottbus (3:0), Tasmania (5:1), bei Lok (3:1) und Luckenwalde (3:0). Stirnrunzeln nach einem 0:1 in Eilenburg, 2:2 in Auerbach. In den letzten beiden Pflichtspielen musste man Niederlagen registrieren, die Weinrot-Weißen sicherten sich bei der VSG den Staffelsieg. schmerzlicher die Endspiel-Pleite im Pokal gegen Viktoria (1:2).

80:47 Tore wurden gezeitigt, zweitbeste Offensive und siebtbeste Defensive. Altglienicke präsentierte sich bis auf Ausnahmen erneut als Spitzenmannschaft. Der erneute verpasste Sprung in die 3. Liga machte aber auch Abgänge von ambitionierten Leistungsträgern zwangsläufig.

Das Personalkarussell:

Drehte sich vor der Saison recht heftig mit 12 Ab – und 14 Neuzugängen. Mit dem Österreicher Christian Derflinger (28/Offenbach) ging der Spielmacher nach 1 Jahr. Kam auf 10 Tore und 10 Vorlagen. Christian Skoda (31/RW Ahlen) war 5 Spielzeiten da, wechselte in die West-Staffel, ebenfalls zentral offensiv. "6er" Berk Inaler (22/Viktoria) blieb in Berlin. Mit Mittelstürmer Johannes Manske (22/Meppen) zog der "Knipser" in Liga 3, Empfehlung: 12 Tore. Bruder und Rechtsaußen Paul Manske (21/4) folgte. Beide beim SVM bislang ohne Bedeutung. Der Rest spielte keine oder keine wichtige Rolle. Mit Derflinger, Skoda, J. und P. Manske sind 4 Eckpfeiler weg oder anders: 30 Treffer.

Für das Tor kam Jonas Dieseler (22/TSG Backnang) aus Baden-Württembergs Oberliga. Als Innenverteidiger heuerte Charmaine Häusl (26/BAK) an, Heimat die Seychellen. Für Links der Berliner Gordon Büch (26), zuletzt feste Größe bei Luxemburgs Erstligist RFC Union. Mittelfeld zentral defensiv sollen der Türke Tolcay Cigerci (27/Samsunspor), Jonas Dirkner (20/Hertha BSC II), Philip Fontein (28/BAK) helfen. Cigerci von 2020 bis 2021 bei der VSG, danach Viktoria und zuvor BAK. Offensiv wie der Schwede Kolja Oudenne (20/Tasmania), Steve Zizka (18/Bischofswerda), Benito Fritzsche (18/ U19). Die linke Bahn besetzt Connor Klossek (21/Fürstenwalde). Im Angriff wurden 3 Mittelstürmer vermeldet. Der Kosovare Arlind Shoshi (28/Straelen) stieß aus Staffel West dazu. Der Ghanae Peterson Appiah (22/Greifswald) empfahl sich mit 12 Toren und 10 Vorlagen beim Aufsteiger. Rechtsaußen Aleksandrs Guzlajevs (25/Auerbach) ist Lette und war einer der Lichtblicke beim Absteiger. Erzielte 5 Treffer. Appiahs Landsmann Shean Mensah (22/Blau-Weiß Berlin) ist auf dem linken Flügel zu Hause.

Die Sportliche Leitung:

Karsten Heine (67) ging in die 4. Saison als Chef der Mannschaft. Sein Vertrag läuft noch bis Ende der Saison. Die Vereinsführung ist sehr zufrieden mit unserem Ex-Coach. Seine Bilanz bis heute: 98 Spiele – 65 Siege – 15 Remis – 18 Niederlagen, 296:118 Tore. Co-Trainer sind weiter Ex-Profi Torsten Mattuschka (41) und Dan Twardzik (31). Die Torhüter betreuen Oliver Hähnke (57) und Roman Linke (36).

Sportlicher Leiter ist seit 2017 Lothar Hamann (70), WM-Teilnehmer 1974 für die damalige DDR. Marco Schröder (49) führt die Geschäfte. Recht stabile Personalien auf der Leitungsebene.

Das aktuelle Planjahr:

Das 0:4 am vergangenen Wochenende im Spitzenspiel beim Berliner AK war die erste Niederlage der Saison, der Doppelschlag in Minute 11 und 18 brachte die VSG relativ früh mitentscheidend ins Hintertreffen. Statt den BAK zu überholen oder zumindest den Abstand von 1 Punkt zu halten, wurden es 4. Ein Dämpfer nach einer bis dato sehr soliden Saison an der Tabellenspitze.

Nach 8 erfolgreichen Testspielen ohne Niederlage mit 6 Siegen und 37:7 Toren war auch der Auftakt gelungen gegen "Lieblingsgegner" Cottbus. Nach zweimal 3:0 im Vorjahr hieß es 2:0. Fortgesetzt mit 2:1 in Leutzsch, Rückstand gedreht in Halbzeit 2. Spektakulär das Gastspiel in Babelsberg, Keeper Leon Bätge macht in Minute 90+6 den Ausgleich und sorgt für lange Gesichter bei 03. Umgekehrtes Bild gegen Luckenwalde, wurde das erneute 2:2 in Minute 93 kassiert. Meuselwitz war dann in Berlin beim 2:5 chancenlos, nach 44 Minuten war mit 4:1 quasi alles klar. Im Landespokal, der auch diesmal klares Ziel ist, wurden die ersten beiden Hürden locker übersprungen. Torreich bei Kreisligist (A) SpVgg Tiergarten (14:1) in Runde 3 und 13:1 davor bei BSC Kickers, Kreisliga B.

Das Kollektiv:

Im Tor ist Leon Bätge (25/1) klar gesetzt vor Florian Horenburg (20) und Jonas Dieseler (22). Bätge wie erwähnt sogar vor dem Kasten des Gegners erfolgreich. Die Abwehr agiert in der Regel als Viererkette mit Kapitän Philipp Zeiger (32), in den ersten 5 Spielen vor seiner Suspendierung war zudem Tim Häußler (25) gesetzt. Ersetzt zuletzt durch Linksverteidiger Stephan Brehmer (29). Mit Charmaine Häusl (26) fehlt hier ein potentieller Stammkader. Zeiger mit Erfahrung aus Dresden, Halle, Plauen und RW Essen bis 2020. Lucas Albrecht (31) ist eine Alternative. Gordon Büch (26/1) hat sich auf Links etabliert. Rechts setzen die Trainer auf Florijon Belegu (29).

Defensiv zentral vor der Abwehr hat Philip Fontein (28) gute Karten. Mit Jonas Dirkner (20) und John Liebelt (20) kommen 2 junge Akteure dahinter. Eckpfeiler Jamil Dem (29) kam noch nicht zum Einsatz, plagt sich im Grunde seit September 2021 mit Verletzungen am Sprunggelenk. Für die offensive Note hat Rückkehrer Tolcay Cigerci (27) die Erwartungen bislang erfüllt, herausragend mit 4 Toren und 2 Vorlagen. Nebenmann Kolja Oudenne (20) bereitete 2 Treffer vor.

Im Angriff hat sich Patrick Breitkreuz (30/3) als Mittelstürmer an die Spitze gesetzt. Die VSG beginnt auch mal mit 3 Sturmspitzen. Auf dem rechten Flügel konnte sich der Ghanae Shean Mensah (22) durchsetzen, war 3-mal Vorbereiter. Landsmann Peterson Appiah (25) kommt knapp dahinter. Keine Chance für Aleksandrs Guzlajevs (25). Mit Linksaußen Tugay Uzan (28/2) haben die Blau-Weißen eine weitere Kraft auf gutem Regionalliga-Niveau im Kader. 26 stehen im Team inkl. 3 Torhüter. 24,8 Jahre im Schnitt überbieten 4 Mannschaften, u. a. der BFC. Ein schlagkräftiges Aufgebot trotz der Abgänge, die im offensiven Bereich ganz gut aufgefangen wurden.

Strafbank / Krankenlager / Parteistrafen:

Manndecker Tim Häußler (21) fehlte in den letzten 2 Spielen wegen muskulären Problemen. Zuvor gesetzt. Nebenmann Charmaine Häusl (28) muss nach schwerer Verletzung bis Mitte Juni (Schienbeinbruch) noch Trainingsrückstand aufarbeiten. Jamil Dem laboriert noch an den Folgen seiner Sprunggelenksverletzung.

Die Bilanz gegen die VSG Altglienicke:

Erst 4 Duelle gab es, auch nur 1 Sieg für die Himmelblauen gleich im ersten Spiel beim 2:1 in Berlin zur Aufstiegssaison 2018/2019. Danach blieben wir 3-mal sieglos mit dem 4:4 im Rückspiel und den beiden Niederlagen im Vorjahr von 0:2 und 1:4. Macht 7:11 Tore.

Prognose:

Die VSG bleibt auch diesmal ein Kandidat für die ersten 3 Plätze, sofern die genannten Abgänge kompensiert werden können. Man spielt auch bis in die Schlussphase oben mit, am Ende wird es wohl aber eher nicht für den großen Wurf reichen.

Das Umfeld:

Sollte die VSG diesmal auf Platz 1 landen, bleibt die Frage, ob man an der Lizenzierung zur 3. Liga teilnimmt. Es fehlt ein drittligataugliches Stadion, der Zuspruch überschaubar mit 387 im Schnitt. Es müsste zudem ein Etat in siebenstelliger Höhe gestemmt werden, um sportlich mithalten zu können. Eine enorme Herausforderung. Die Heimstätte ist wie bekannt die "Willi-Sänger-Sportanlage" an der Köpenicker Landstraße. 2020 war geplant, dies regionalligatauglich zu machen. Mit 3.000 Zuschauern würde es aber keine Genehmigung für die 3. Liga bekommen. Für die 3. Liga wird der "Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark" angepeilt, den man sich dann mit dem FC Viktoria teilen müsste.

So muss man momentan im Stadion von Hertha BSC II und den anderen Nachwuchsmannschaften des großen Ortsrivalen antreten, wo zuletzt gegen Meuselwitz 101 die Ränge belegten. Voller war es zum Auftakt gegen Cottbus mit 860, davon rund ¾ Rot-Weiße. 5.400 dürfen hier rein, die Arena erfüllt alle Anforderungen für den Regionalliga-Spielbetrieb. Das sich seit Jahren drehende "Stadionkarussell" und Wechselspiel bei Aufstiegen macht eine Problematik der Liga deutlich, die unterschiedlichen Rahmenbedingungen. In Berlin können die Clubs wie die VSG auf die Kommune bauen, in anderen Bundesländern wiederum ist sich der Verein weitestgehend selber überlassen.

An der Sponsorenfront finden sich keine bekannten Namen, was die finanziellen Verhältnisse anbetrifft, ist kaum etwas bekannt. Die Regionalligamannschaft arbeitet unter Profibedingungen, offenbar wirtschaftlich untermauert. Beachtlich für einen Club, der noch vor 15 Jahren in der Kreisliga A beheimatet war, also der 9. Liga. Ab da ging es über die Bezirksliga bis 2017 in die Regionalliga Nordost. Fußball in Berlin unterhalb der 2. Bundesliga hat einen enorm schweren Stand, die Übermacht der beiden großen Platzhirsche aus Charlottenburg und Köpenick ist dementsprechend.
8. Spieltag - Regionalliga Nordost - Saison 2022/2023
Freitag, 07. Oktober 2022, 19:00 Uhr
Olympiapark-Amateurstadion, Berlin
Zuschauer: 201
Schiedsrichter: Rose (Neukloster)


Tore

Die Tabellenverläufe

Tabellenhistorie

Der Vergleich