30 Jahre CFC-Fanpage: Sportliche Zeitreise in den Herbst 1995
28.10.2025, 08:00 Uhr | 1.097 Aufrufe

Und noch einmal:
Hoch die Tassen! Die CFC-Fanpage feiert in diesen Herbsttagen ihren 30-jährigen Geburtstag! Im
ersten Teil sind wir auf das Geburtsdatum, die Entstehungsgeschichte und die Entwicklung der "Pätsch" eingegangen, im zweiten Teil möchten wir auf die sportliche Situation im
Herbst 1995 zurückblicken, welche hochfliegenden Zukunftspläne es für den Club gab, wie tragisch diese endeten, und was im Sportforum und bei den CFC-Fans damals Tagesgespräch war. Kommt mit auf unsere Zeitreise!
Zunächst noch einmal zum tollen 5:1-Heimsieg gegen
Arminia Bielefeld am 22.10.95 im Chemnitzer Sportforum. Wir haben neben dem ersten eigenen
Spielbericht der CFC-Fanpage nun auch den Bericht des
Kickers für euch zum Nachlesen da. CFC-Stürmer und Doppeltorschütze Henry Fuchs schaffte es in dieser Kicker-Nummer sogar in die "Elf des Tages" der 2. Bundesliga.
Henry Fuchs war nicht zu halten
Chemnitz legte einen Blitzstart hin. Der zuletzt gesperrte Fuchs ließ bereits in der vierten Minute Gegenspieler Molata zum erstenmal stehen und zog unhaltbar zur Führung ab. Kurze Zeit später stieg Hecker nach einem Freistoß von Milanko am höchsten und köpfte unhaltbar zum 2:0 ein. Bielefeld bemühte sich in der Folge, angetrieben von Hobday und von Heesen, das Spiel zu machen, die Angriffe verpufften aber an der sattelfesten FC-Abwehr um den souveränen Libero Wahl. Von Heesen gelang zwar noch der Anschlußtreffer, doch nach dem zweiten Tor des überragenden Fuchs stellten die Gäste ihre Gegenwehr ein. Chemnitz spielte nun seine technische Überlegenheit aus und gewann auch in dieser Höhe verdient.
Jens Wohlgemuth
(Kicker, Heft Nr. 86, Jg. 1995)

Bei diesem 5:1 musste ein Mann fünfmal hinter sich greifen, der damals als schillernde Ikone im Fußballsport unterwegs war: Keeper
Uli Stein. Er begann seine Karriere 1976 bei der Bielefelder Arminia und war nach den Stationen Hamburger SV und Eintracht Frankfurt im Sommer 1995 wieder nach Bielefeld zurückgekehrt. Er galt als Idol, aber auch als Enfant terrible. Stein stand immerhin sechs Mal im Kasten der
Nationalmannschaft, legendär wurde dabei sein "Auftritt" bei der WM 1986 in Mexiko. Der junge Teamchef
Franz Beckenbauer hielt zwar viel von Stein, aber spielen durfte er nicht. Er wurde sogar zum dritten Torwart zurückgestuft, was Stein veranlasste, den Teamchef als "
Suppenkasper" zu bezeichnen, weil dieser in den 60er Jahren bei einem Suppen-Werbespot im TV zu sehen war. Stein musste wegen dieser
Suppenkasper-Affäre den Heimflug antreten. 1990 wollte Beckenbauer den Keeper in die Nationalelf zurückholen, aber der DFB stellte sich quer.

Nach diesem Heimsieg belegte der CFC in der Tabelle der 2. Bundesliga mit 17 Punkten den 8. Platz, Aufsteiger Arminia Bielefeld rangierte auf Platz 5 mit 20 Punkten. Alles schien save & sicher. Der Club auf dem stetigen Weg nach oben. Denn irgendwie saß der Frust über die verkorkste letzte Oberliga-Saison der DDR von 1990-91 immer noch tief, wo Chemnitz als Top-Favorit für die 1. Bundesliga gehandelt wurde und gescheitert war (man landete in der 2. Bundesliga). Von diesem vermeintlich "guten Weg" zeugt auch der Bericht von der
CFC-Mitgliederversammlung des Jahres
1995, die just in jenem Herbsttagen stattfand. Man beachte die hochfliegenden Zukunftsträume des damaligen CFC-Präsidenten Winfried Maier bezüglich der
1. Bundesliga.
Bericht zur MV aus dem CFC-Programmheft Nr. 66 vom 05.11.95:
"Am 23. Oktober 1995 fand im Kleinen Saal der Stadthalle Chemnitz unsere vorgezogene Mitgliederversammlung statt. [..] Der größte wirtschaftliche Erfolg war die Erhöhung des Etats von 5 Millionen auf 8,128 Millionen DM. Und das trotz des Flops des durch das frühere Präsidium abgeschlossenen Vertrages mit einer Nürnberger Firma. [..] Die nun geschaffenen, natürlich notwendigerweise noch weiter auszubauenden, wirtschaftlichen Möglichkeiten, gestatten und fordern geradezu, so der Präsident, das Angehen anspruchsvoller sportlicher Zielstellungen. In dieser Saison muß sich unser Team zu einer Spitzenmannschaft der 2. Bundesliga entwickeln und damit die Voraussetzungen für den Aufstieg in die 1. Bundesliga 1996-97 schaffen."
Was passierte aber!? Am Ende der Saison 1995-96 stieg die just mit 5:1 geschlagene Arminia als Tabellenzweiter in die 1. Bundesliga auf und der Club als Viertletzter und
Absteiger mit der besten Punktebilanz aller Zeiten (42 Punkte!) aus der 2. Bundesliga ab. Aus die Maus! Ausgeträumt! Absturz in die RLNO! Statt der für 1997 geplanten Auswärtsfahrt zum Hofbräuhaus und dem FC Bayern ging es ab 1996 nach Spandau und Eisenhüttenstadt!
Vor der Saison 1995-96 hatte die FIFA in allen Verbänden die
3-Punkte-Regel durchgesetzt, was natürlich zu vielen Diskussionen führte. Aber auch mit der alten 2-Punkte-Regel wären die Himmelblauen abgestiegen: Ebenso Viertletzter mit 31 Punkten, bei -8 Gegentoren gegenüber Lübeck mit -5 in der Torbilanz (auch 31 Punkte). Die heftigen Debatten über die neue Regelung (1 Sieg = 3 Punkte) wurden damals mit prominenter Besetzung kontrovers im Kicker (Heft Nr. 86, Jg. 1995) geführt.
Joseph S. Blatter (FIFA-Generalsekretär): "Unser Grundgedanke war ein ganz einfacher: Eine Mannschaft geht mit einer völlig anderen Einstellung aufs Feld, wenn es drei statt zwei Punkte für einen Sieg gibt. Bisher konnte man sich mit einer Serie von Unentschieden durch eine Saison hangeln, das geht nun nicht mehr. [..] Anders als manche Kritiker behaupten, haben wir von der FIFA sehr wohl Experten befragt, bevor wir vor Beginn dieser Spielzeit die Drei-Punkte-Regelung in allen Fußballverbänden der Welt eingeführt haben."
Erich Ribbeck (Cheftrainer Bayer Leverkusen): "Für mich ist die Drei-Punkte-Regelung der größte Humbug, der je eingeführt worden ist! Spannung in einer Liga entsteht, wenn die Abstände zwischen den einzelnen Mannschaften klein gehalten werden. Die neue Regel bewirkt genau das Gegenteil, die Abstände werden schnell unheimlich groß, was sich psychologisch sehr ungünstig auswirkt. [..] Ich hoffe nur, daß dieser Unsinn so schnell wie möglich wieder abgeschafft wird."

Auf welche Gegner sich die Himmelblauen ab dem Sommer 1996 in der
Regionalliga Nordost freuen durften, verrät ein Blick auf die Kicker-Tabelle vom Herbst 1995. Der Club war bis zum Abstieg 1996 tatsächlich der ranghöchste sächsische Verein - für die jüngeren Anhänger heutzutage kaum vorstellbar - und durfte in jener Zeit die himmelblauen Fanartikel zu Recht mit Slogans wie "Sachsens Nummer 1" bedrucken lassen. In der RLNO (damals dritthöchste Spielklasse) tummelten sich vor 30 Jahren bekannte Namen wie Union Berlin, Dynamo Dresden, Energie Cottbus und unsere speziellen Freunde aus Schachthausen. Der heutige Zweitligist 1. FC Magdeburg gurkte in der Oberliga NOFV-Nord (vierte Spielklasse) herum, der Hallesche FC gönnte sich gar einen Ausflug in die Landesliga Sachsen-Anhalt (5. Liga). Der Chemnitzer FC sollte allerdings drei Jahre benötigen, bis
1999 unter
Vereinslegende und Kulttrainer
Christoph Franke auf der
Fischerwiese der Wiederaufstieg aus der RLNO in die 2. Bundesliga gelang.