"Bin beim Club" - Die Geschichte des Chemnitzer FC's und seiner Fans

06.08.2007, 11:20 Uhr | 868 Aufrufe
Bin beim Club - das gilt natürlich auch für den AutorGut 6 Jahre ist es her, daß das Buch "100 Jahre Chemnitzer Fußball" im Verlag der Freien Presse erschienen ist. In ihm wurde weitestgehend die Sportgeschichte des FCK und des CFC's erzählt. Was fehlte, war der Blick auf die Ränge und auf die himmelblauen Fans. Und genau dort setzt das jetzt erschiene Werk "Bin beim Club" von Autor Norman Schirmer an. Auf 280, reichlich mit Text und Bildern versehenen Seiten, wird die Entwicklung der himmelblauen Fanszene beschrieben. FCK-Veteranen berichten von ihren Auswärtsfahrten in der DDR und geben alte Erinnerungen an so manche Schlacht im damaligen Dr. Kurt-Fischer-Stadion preis. Aber auch Vereinslegenden wie Hans Meyer, Joachim Müller und Ulf Mehlhorn kommen zu Wort und schildern den sportlichen Werdegang des Vereins, der trotz des intensiven Blicks auf die Ränge den Leitfaden des Buches abgibt. Ein spezielles Kapitel widmet sich den Versuchen der Stasi, die Fanszene des FCK zu überwachen. Mit Beginn der späten 90er Jahre schildert der Autor, der als Schreiber des "Krachtums" bereits seit Jahren geschätzt ist, die Entstehung und den Werdegang der Chemnitzer Ultras, die in der heutigen CFC-Fanszene als Aktivposten und Impulsgeber in der Südkurve gelten. Das in erfrischenden Mex'schen Jargon geschriebene Werk kann man auf der Homepage des Autors für 22.90 Euro bestellen. Flächendeckend wird die Lektüre ab Ende August vorhanden und lieferbar sein.

Zur Buch-Rezension in der Bücherecke der CFC-Fanpage

Bin beim Club - die TitelseiteDie CFC-Fanpage stellte anläßlich des Erscheinens des Buches "Bin beim Club" dem Autor ein paar neugierige Fragen:

Mex, was war der Anlass für dich, ein solches Buch über unseren Verein und uns als Fans zu schreiben?

Ich schreibe ja schon seit 1998 für diverse Magazine, bin also da schon etwas vorbelastet. Es war schon immer ein großer Wunsch von mir, eines Tages mal ein Buch zu schreiben. Das es dann so ein Buch geworden ist, war nach 20 Jahren beim FCK nur logisch.
Die Situation in den letzten Jahren war ja nicht mehr auszuhalten. Also für mich und viele andere konsequente Stadiongänger. Es hätte ja jeden Tag passieren können, dass der Laden dichtgemacht wird. Was wäre geblieben von den 40 Jahren FCK? Was wäre aus den ganzen Leuten, den Fans geworden? Auch das war Antrieb für mich, dieses Buch zu schreiben. So kann man jetzt die Geschichte des Vereins und seiner Fans in einem Buch nachlesen. Beides gehört zusammen und das eine wäre ohne das andere nicht denkbar. Deswegen auch keine reine Sportchronik und auch keine reine Fangeschichte, sondern ein Buch, was beides gleichberechtigt beinhaltet.

Mit den vielen, hochinteressanten Kapiteln hättest du aber auch die "Krachtürme" der nächsten 10 Jahre füllen können!?

Das ist wohl wahr. Aber der Krachturm ist ja eher von alternativerer Ausrichtung und schwelgt auch nicht nur in der Vergangenheit. Der Unterschied zwischen einem schief getackerten Schwarz-Weiß-Heft und einem sauber gelayouteten Buch ist schon nicht zu verleugnen. Die Möglichkeiten sind bei einem Buch einfach ganz andere.

Wann hast du mit den Recherchen für das Buch angefangen und welchen Aufwand hast du dabei betrieben?

Vor ungefähr zwei Jahren habe ich angefangen, das erste Material zu sammeln und meine Erinnerungen lose aufzuschreiben. Im Lauf der Zeit hat sich dann Stück für Stück das Buch zusammengesetzt. Für die Recherchen habe ich auf Pressearchive, private Archive und die Unterlagen der Gauck-Behörde zurückgegriffen. Allein letztere haben mir Einblick in über 700 Seiten Stasi-Material gewährt - das war der Hammer. Auch die FuWo-Jahrgänge von 66-92 liefen durch meine Hände, unzählige Programmhefte und Berge von Fotos, Artikeln, Statistiken und Berichten aus allen Epochen. All das musste gesichtet, be- und verarbeitet werden. Bei mir sah es manchmal aus wie auf einem Wertstoffhof. Und natürlich habe ich mit Zeitzeugen gesprochen, sie mit Fragen gelöchert. Mit Fans verschiedener Generationen, aber auch mit ehemaligen FCK-Größen wie Ulf Mehlhorn oder Joachim Müller. An dieser Stelle noch mal Tausend Dank an alle, die mich dabei unterstützt haben. Und natürlich war mir auch das Nachrichten-Archiv der Fanpage eine große Hilfe.

Zartbesaitete Gemüter könnten bemängeln, daß an mehreren Stellen beschrieben wird, wie u.a. "Backpfeifen neue Besitzer erhielten". Würdest du denen von der Lektüre eher abraten oder lieber empfehlen, sich mit der Komplexität des Fußballs und seinem Umfeld auseinanderzusetzen?

Eins vorneweg: Es ist ein Fußballbuch, und ab und an auch ganz bewusst durch die himmelblaue Brille geschrieben. Dass da der Erzfeind auch mal richtig in den Arsch gekniffen wird, gehört dazu. Dennoch wird hier nicht von der ersten bis zur letzten Seite geholzt, sondern vor allem viel Fußball gespielt. Natürlich sind die lebendigen Erinnerungen der Veteranen an ihre wilde Zeit von einem anderen Schlag als vielleicht eine sachliche Sportchronik. In den Erinnerungen der Fans bleibt eben weit mehr hängen als nur das Geschehene auf dem Rasen. Auch das gehört zu ihrer Geschichte vom Club. Gerade das Kauzige, das Ungeschönte und Ehrliche macht doch den Charme aus. Und diese Sachen sind ja letztendlich auch alle passiert. Ob da nun Backpfeifen neue Besitzer erhielten oder jemand auf's Maul kriegt... Mit dem Thema Fußballgewalt setzt sich dieses Buch ja auch auseinander und es ist weiß Gott nicht so, dass da irgendetwas verherrlicht oder verniedlicht wird. Ganz im Gegenteil. Es gibt irgendwo auch Grenzen und das mache ich hier auch klar. So gesehen ist dieses Buch natürlich auch für überzeugte Pazifisten interessant. Die von Dir angesprochene Komplexität des Zusammenhangs zwischen dem Fußball und seinen Fans wird im Buch auf jeden Fall deutlich. Der Fußball war noch nie ein Ponyhof und er wird es auch nie sein. Das will, glaube ich, auch keiner. Aber es gibt da bestimmte Sachen, die können einem den Sport schon ziemlich vergällen. Auch das kommt zur Sprache.

Ausschnitt aus dem Buch Du beschreibst in deinem Buch das ewige Auf- und Ab des Vereins, die rar gesäten Glanzpunkte und das es eben nicht gerade leicht ist, ein Club-Fan zu sein. Was würdest du dem Verein und seinen Fans für die Zukunft wünschen?

Ich für meinen Teil wünsche mir in erster Linie, dass hier weiter Fußball gespielt wird, damit unser aller Wochenende weiter einen Sinn hat. Natürlich hat der Club nichts in Liga 4 verloren, aber wir spielen nun mal dort und sind noch eine halbe Ewigkeit von einer Dritten Liga entfernt. Mit der aktuellen Mannschaft ist ein wichtiger Grundstein für die Zukunft gelegt. Wie viele Jahre haben wir auf solche Spiele wie gegen Aachen oder Cottbus gewartet, uns regelrecht danach gesehnt? Ich habe lange nicht mehr soviel Spaß im Stadion gehabt, wie in der abgelaufenen Spielzeit. Auch ohne das Happy End. Hoffen wir, dass dieser eingeschlagene Weg weiter ruhig, ohne Rosinen im Kopf und ohne diese unsäglichen vereinsinternen Querelen der letzten Jahre gegangen wird. Mehr kann und sollte man sich erstmal nicht wünschen. Dafür sind wir dem Tod zu knapp von der Schippe gesprungen. Die Fans halten weiter dazu, da gibt's nichts zu diskutieren. Auf die war immer Verlass und so wird es auch weiter sein. Kurzum: Ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass die Geschichte des CFC weiter geht und eines Tages vielleicht mal wieder von jemandem aufgeschrieben wird.

Was darf man von Mex als Nächstes erwarten ? Ein neuer "Krachturm", eine literarische Kunstpause, oder die Vorarbeiten zu dem in zehn Jahren erscheinenden Buch "Bin - immer noch - beim Club" ;) !?

Also das Schreiben ist ja nun eine kleine Passion von mir. Ich denke, ich werde irgendwann mal noch ein Buch schreiben. Vielleicht einen Roman oder einen Fußballkrimi. Ich kenn da so einen Verein, also da könnte man bestimmmt... Na ja, mal sehen!! Aber erstmal mach ich Pause und komme wieder etwas runter.

Die CFC-Fanpage dankt für das Interview und wünscht dem Autor fulminante Verkaufszahlen!

Zur Homepage des Autors und zur Buchbestellung

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