Polster gegen CFC – so lief die Zeugenvernehmung
11.12.2025, 16:15 Uhr | 3.801 Aufrufe

Im Rechtsstreit zwischen Polster und dem Chemnitzer FC über die Rechtmäßigkeit der außerordentlichen Kündigung der Catering-Verträge im Sommer 2023 durch den CFC stand am heutigen Donnerstag am Oberlandesgericht in Dresden die Zeugenvernehmung an. Geladen waren Romy Polster (ehemalige Prokuristin der GmbH, Geschäftsstellenleiterin, Vorstandsvorsitzende, Gesellschafterin und Inhaber des Catering-Unternehmens), Marc Arnold (ehemaliger Sportgeschäftsführer der CFC GmbH), Matthias Polster (Inhaber Polster Catering), und Grit Hoffmann (ehemalige Prokuristin, Aufsichtsrätin, Gesellschaftervertreterin und kaufmännisch Verantwortliche in der GmbH).
Knut Müller (ehemaliger Aufsichtsratschef und Gesellschafter) sowie Kathrin Jost (ehemalige Geschäftsführerin bei Polster) fehlten.
Von CFC-Seite waren u.a. Tommy Haeder und Chris Löwe anwesend.
Einzige Kernfrage der Vernehmung war die Frage um die ominöse 70.000 €-Zahlung von Polster für die beiden Sonderspiele der Saison 2022/23, dem DFB-Pokalspiel gegen Union Berlin und dem Sachsenpokal-Viertelfinale gegen die Unblauen. Stand die Zahlung schon vorher fest oder wurde diese erst nach Bekanntwerdung der
Vorwürfe über die gedeckelten Cateringverträge und der unlauteren Bereicherung durch den Caterer an den hohen Einnahmen in den Sonderspielen getätigt? Diese Frage galt es zu klären.
Romy Polster, Arnold und Hoffmann stellten die Sachlage allesamt gleich dar: Sie hätten sich am 25.7.2022 auf der Geschäftsstelle getroffen und über die finanzielle Schieflage beim CFC beraten. Dabei wäre herausgekommen, dass der CFC zwingend weitere 100.000 € benötigen würde, um nicht in ein negatives Eigenkapital zu rutschen. Bei diesem Treffen wäre eine mündliche Vereinbarung getroffen wurden, dass Polster (nach Rücksprache zwischen den Eheleuten Polster) keine 100.000€, dafür aber 70.000€ dem CFC sponsoren würde. Wörtlich war von einer „Finanzspritze“ die Rede. Bedingung – das Ganze sollte diskret behandelt werden und die Zahlung erst am Ende der Saison erfolgen. Auch um unter der Belegschaft von Polsters-Unternehmen nach der Corona-Krise keine Unruhe aufkommen zu lassen und da das Geld auch erstmal erwirtschaftet werden müsste – so Matthias Polster. Eine schriftliche Vereinbarung oder gar ein Vertrag zwischen Polster und dem CFC über das Sponsoring wurde nicht geschlossen. Hier argumentierte Hoffmann, dass ja auch mündliche Verträge gelten würden. Aus „pragmatischen Gründen“ sollte die Vereinbarung an die Sonderspiele, dem damals bereits feststehenden Pokalspiel gegen Union und einem „erhofften“ Sachsenpokal-Heimspiel mit viel Zuschauern, gekoppelt werden.
Wie das Gericht der Darstellung der Polster-Fraktion bewertet, blieb im Gerichtstermin offen. Doch es gab Nachfragen und Aussagen, die zumindest Zweifel an dieser Darstellung zurücklassen.
So wurde ein Antwortschreiben auf Fragen des Aufsichtsrates von Romy Polster und Marc Arnold im Mai 2023 zitiert, wo explizit drinsteht, dass „derzeit keine ausgekoppelte Vereinbarung bezüglich der Sonderspiele“ bestünde, was ja der mündlichen Vereinbarung widerspricht. Interessanterweise waren lt. Grit Hoffmann auch auf der Gesellschafterversammlung vom 15. Mai 2023, der zum
Rücktritt der Führungsriege führte, die 70k€ zusätzliche Einnahmen zu Saisonende durch Polster kein Thema. Und das obwohl bei der Versammlung die Existenz des gesamten Vereins auf der Kippe stand und nur durch eine zusätzliche Einlage der Gesellschafter von 500.000 € eine erneute Insolvenz abgewendet werden konnte. Auch die Unterschrift über den Beleg für die 70k€ entstand erst nach der Gesellschafterversammlung vom 15. Mai.
Die CFC-Seite beantragte eine Vereidigung von Grit Hoffmann, doch das Gericht lehnte diesen Antrag ab.
Nach knapp vier Stunden wurde die Anhörung beendet und ein neuer Termin wird dann für 2026 angesetzt werden. Dann dürfte auch die Vernehmung von Müller und Jost erfolgen. Fortsetzung folgt…
Marc Arnold dürfte gleich in Sachsen bleiben. Für ihn steht am Freitag vor dem Landgericht in Chemnitz die Verhandlung über die Rechtmäßigkeit seiner außerordentlichen Kündigung als CFC-Geschäftsführer auf dem Programm.