Tag der Wahrheit in Dresden und Frankfurt
25.03.2026, 07:54 Uhr | 1.170 Aufrufe
Der heutige Mittwoch ist ein ganz besonderer Tag - für den Chemnitzer FC im Speziellen und für den deutschen Fußball im Allgemeinen. Denn heute ist einerseits die Entscheidung in der Causa Polster zu erwarten, gleichzeitig findet die vielleicht letzte Sitzung der AG Aufstiegsreform statt.
Hop oder Top in Dresden

Die Augen der CFC-Fans dürften sich vorrangig in Richtung Dresden richten. Dort ist am Oberlandesgericht für 13:30 Uhr die Verkündung des Urteils im nunmehr fast zweieinhalb Jahre währenden
Rechtsstreit zwischen Polster Catering und dem Chemnitzer FC zu erwarten. Der Vertrag zwischen dem CFC und dem langährigen Caterer war im
August 2023 von der neuen GmbH-Führung außerordentlich gekündigt worden. Polster hatte gegen diese Kündigung und für die Erfüllung des bis 2039 (!) geltenden Vertrag geklagt. Der Rechtsstreit zog sich über mehrere Instanzen und wurde zuletzt vor dem Oberlandesgericht in Dresden verhandelt. Im September 2024 hatten die Mitglieder in einer
Außerordentlichen Mitgliederversammlung mit klarer Mehrheit für eine Berufung in zweiter Instanz votiert, nachdem der CFC erstinstanzlich den Prozess verloren hatte.
Der Prozess bezog sich weniger auf die moralische Frage, ob Polster Catering sich durch Fabelverträge am Verein, möglich geworden durch Ämterhäufung im GmbH und Verein sowie der Platzierung von Interessensvertreteren in den Gremien (und damit im Grunde mit sich selber), einen unlauteren Vorteil verschafft hat. Im Kern der Verhandlung stand am Ende die konkrete Frage, ob Polster bei den Sonderspielen 2023/24 (Union / Schacht) Prozessbetrug begangen hat, sprich die Sonderzahlung vor der Saison bereits feststand oder sich erst nachträglich überlegt wurde.
Bekommt der CFC recht und war die Kündigung rechtens, kann die Akte Polster beim Club endgültig geschlossen werden. Gewinnt Polster dürften sie (theoretisch) das Catering bei den Heimspielen des Chemnitzer FC wieder übernehmen. Gleichzeitig dürften Schadensersatzforderungen Polsters im Raum stehen. Die eh schon schwierige Situation beim Club würde sich noch verschärfen.
Durchbruch in Sachen Aufstiegsreform?

CFC-Geschäftsführer Tommy Haeder dürfte das Urteil aus der Ferne wahrnehmen, während er in Frankfurt am Main einen zweiten, globaleren Kampf, für den deutschen Fußball kämpft. Es geht um die
Aufstiegsreform von der vierten in die dritte Liga, die unter dem Motto "Meister müssen aufsteigen" steht. Der Initiative, die im Februar 20025 begann, haben sich mittlerweile deutschlandweit 70 Vereine von der ersten bis zur fünften Liga angeschlossen. Die Bemühungen, den Mißstand zu beseitigen, dass die Meister des Nordostens, Nordens und Bayerns nicht direkt aufsteigen, mündeten in der Gründung der vom DFB moderierten "AG Aufstiegsreform".
Die AG, in der Vertreter von Verbänden und Vereinen sitzen, präsentierte zuletzt einen spannenden Kompromiß-Vorschlag, das sogenannte "Kompass-Modell", wo es zukünftig vier dynamische Regionalliga-Staffeln geben soll, die nach Ausrichtung, Fahrzeiten und regionale Besonderheiten (wie Derbys) optimiert zusammengesetzt werden soll. Alle Meister der Staffeln können aufsteigen.
Widerstand gegen das allseits gelobte Modell kommt von einigen Verbandschefs, die um das Bestehen ihrer Verbände und damit Verlust von Macht und Einfluß fürchten.
Es ist somit ein dickes Brett, welches für Tommy Haeder und seine Mitstreiter in Frankfurt zu bohren gilt. Ein Durchbruch am Mittwoch wäre ein sensationeller Erfolg für die Initiative.