Spielbericht // Saison 1990/1991

 
FC Hansa Rostock
FC Hansa Rostock1:1Chemnitzer FC
Chemnitzer FC
19. Spieltag - NOFV-Oberliga - Saison 1990/1991
Freitag, 05. April 1991, 18:00 Uhr
Ostsee-Stadion, Rostock
Zuschauer: 9.000
Schiedsrichter: Dr. Scheurell (Wusterhausen/Dosse)
FC Hansa RostockTorfolgeChemnitzer FC
T Hoffmann
A März
A Alms
A Werner
M Weichert
M Wahl
M Caligiuri
M Schlünz (78. Arnholdt)
M Babendererde
S Fuchs
S Röhrich (37. Weiland)

Trainer: Uwe Reinders
0:1 Heidrich (22.)
1:1 Alms (56.)

T Hiemann
A Barsikow
A Bittermann
A Laudeley
A Illing (61. Seifert)
M Köhler
M Keller
M Ziffert
M Mehlhorn
S Heidrich
S SteinmannGelbe Karte

Trainer: Hans Meyer
Pressestimmen

FUWO

Wehe, wenn Rico in Schwung kommt

Wer soll das noch bezahlen? Der Sicherheitsaufwand, der derzeit bei Oberligaspielen betrieben werden muß, ufert weiter aus. In Rostock waren 1000 (!) Beamte zur Stelle, um mögliche Randalierer in Schach zu halten. Ordner des FC Hansa, die Mitarbeiter von privaten Wach- und Schließgesellschaften, die Polizei und nicht zuletzt der Bundesgrenzschutz. Vier Hundertschaften waren ins Ostseestadion abkommandiert. Ein Einsatz, der derzeit noch nicht zu Lasten des Hansa-Säckels geht. Wenn es denn in der Bundesliga einmal so weit sein wird, sind für den Einsatz einer Hundertschaft Bundesgrenzschutz 25 600 Mark zu berappen. Da kann ein Klub aus der Oberliga ganz schnell arm werden.
Rostock - Titel- und Bundesligaanwärter Nummer 1, dazu auch noch Pokalfinalist, hat jetzt 29 Punkte auf seinem Konto. Selbst Trainer Reinders, der 30 Zähler als Limit für das Erreichen des bezahlten Fußballs ansetzte, hat aufgehört seiner Lieblingsbeschäftigung nachzugehen, der Tiefstapelei nämlich. Rostock ist durch - ohne Wenn und Aber.

Bleibt die Frage, ob der Chemnitzer FC in der Lage ist, dem 1. FC Dynamo Dresden den erwarteten Kampf um den zweiten Platz in der Bundesliga zu liefern. Nach dem 1:1 in Rostock kann ich die Frage nur bejahen. Dafür gibt's mehrere Gründe:
(1) Die Mannschaft stellte sich athletisch in bester Verfassung vor. Auch wenn man berücksichtigen muß, daß die Hanseaten nach einem Härteprogramm schwer geschlaucht waren - wie die Gäste in der ersten Halbzeit "Dampf" machten, läßt ihre Chancen für das Restprogramm intakt erscheinen.
(2) Spiele werden bekanntlich in der Abwehr gewonnen. Die Chemnitzer kassierten nach nunmehr 774 Minuten (letztes Gegentor vor der Partie in Rostock am 11. November des vergangenen Jahres beim 1:1 in Brandenburg) wieder einen Treffer. Libero Barsikow und seine Vorderleute erwiesen sich auch in Rostock als ein Bollwerk, das gleichermaßen konsequent wie spielverständig wirkte.
(3) Die endlosen Querelen um Steinmanns Weggang in die Bundesliga (zum 1. FC Köln) sind beendet. Damit hat sich die Mannschaft abgefunden. Steinmann selbst, das zeigte er in Rostock, ist auf dem Weg zu guter Form. Wie er den gewiß nicht schwachen Werner in der ersten Halbzeit mehrmals aussteigen ließ, das erinnerte schon wieder an den "alten" Rico.

Alles in allem: Viel bessere Spiele als das zwischen dem Tabellenführer und dem Dritten der Oberliga hat es im Verlaufe der Saison nicht gegeben. Auch wenn Kritiker zu Recht anmerken, daß Hansa in den ersten 45 Minuten unter Form spielte, die Gäste sich von den "langen Kerls" des FC Hansa später so stark unter Druck setzen ließen, daß sie kaum noch zu eigenen Angriffsaktionen fanden.

(Rainer Nachtigall)

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