Spielbericht // Saison 1992/1993

 
Chemnitzer FC
Chemnitzer FC2:1 n.V.SV Werder Bremen
SV Werder Bremen
Viertelfinale - DFB-Pokal - Saison 1992/1993
Dienstag, 01. Dezember 1992, 19:30 Uhr
Sportforum, Chemnitz
Zuschauer: 15.600
Schiedsrichter: Löwer (Fürth)
Chemnitzer FCTorfolgeSV Werder Bremen
T Hiemann
A BarsikowGelbe Karte
A Seifert
A Veit (67. Bittermann)
M Mehlhorn
M Keller
M Heidrich
M Laudeley
S Torunarigha (111. Zweigler)
S Boer
S Renn

Trainer: Hans Meyer
1:0 Renn (91.)
2:0 Heidrich (95.)
2:1 Allofs (120.)

Besondere Vorkommnisse:
Gelb-Rote Karte für Herzog (86.) wg. wiederholten Foulspiel
Rote Karte für Bratseth (96.) wg. Schiedsrichterbeleidigung

T Reck
A BorowkaGelbe Karte
A BratsethRote Karte
A Wolter
M Legat (68. Allofs)
M HerzogGelbrote Karte
M Eilts
M Votava
M BockenfeldGelbe Karte
S Bode
S Rufer

Trainer: Otto Rehhagel
Pressestimmen

Kicker

Ein taktischer Schnitzer von Trainer Otto Rehhagel

Um 21.53 Uhr war der Knockout des Europapokalsiegers perfekt. Nicht die glücklichere, sondern die bessere Mannschaft enschied das dramatische Match für sich. Hans Meyer stellte sein Team blendend ein. Der junge Seifert bekam als Einziger eine Sonderaufgabe und schaltete Rufer bis zur Bedeutungslosigkeit aus. Dagegen wurde die zweite Bremer Spitze Bode im Wechsel von Laudeley und Veit übernommen. Rehhagel dagegen unterlief ein taktischer Schnitzer, weil er offensichtlich nur mit einem Angreifer gerechnet hatte. Wolter wurde aber durch das Tandem Boer/Torunarigha zusammen mit Borowka in die Manndeckerrolle gezwungen, sah dabei nicht gut aus. [..]

Die Chemnitzer operierten aus einer leichten Konterstellung. Überlegtes Agieren aus der Abwehr heraus über Renn und Heidrich, dazu zwei unermüdliche Spitzen sorgten für ein spielerisches (!) Übergewicht der Gastgeber, denen die begeisterte Kulisse im erstmals seit Jahren ausverkauften Stadion wie ein belebendes Wunderland vorkam. Renn und Heidrichs Treffer und die Unbeherrschtheiten von Herzog und Bratseth eskalierten innerhalb von zehn Minuten. Die Bremer stolperten über sich selbst. Taktisch und spielerisch, nicht zuletzt durch Disziplinlosigkeiten.

(Jürgen Nöldner)

Kicker

Renn und Heidrich die Chemnitz-Renner

Den Jubel verlegten die Chemnitzer von der Kabine ins Stadion. Die stehenden Ovationen noch Minuten nach dem Abpfiff ließen bei manch hartgesottenen Kicker einen Schauer über den Rücken laufen. Jan Seifert stürmte gar bis auf die Tribüne. "War das heute ein Tag. Auf Rufer hatte ich mich richtig gefreut. Und ich glaube, das war eines meiner besten Spiele. Daß er eine einzige Chance bekam, ärgert mich nicht, denn einen Klassemann kann man nicht ganz ausschalten". Fast hätte der Manndecker schon kurz vor Ende der regulären Spielzeit für die Entscheidung gesorgt, doch sein Kopfball segelte drüber. "Das wär' ein Ding gewesen".

Olaf Renn schoß die Chemnitzer auf die Siegesstraße, weil er nicht die Schwalbe versuchte, sondern seinen Vorteil nutzte. "Ich war einen Schritt voraus. Da dachte ich nur noch, jetzt mußt du es machen. Geglaubt an den Sieg hatte ich erst beim zweiten Tor." Regisseur Steffen Heidrich zeigte dabei seine Torjäger-Qualitäten. Beherrscht überwand er Reck. "Den Sieg verdienten wir uns durch unsere größere Leidenschaft und unseren Behauptungswillen, gewannen dadurch die Mehrzahl der Zweikämpfe." Trainer Hans Meyer blieb bei aller Euphorie sachlich. "Vielleicht bemerkten nur wenige, daß wir schon in den letzten fünf Spielen kein Tor zuließen. Und in der 2. Liga spielen wirklich keine Blinden".

Die Bremer haderten mit dem Referee, aber auch mit sich selbst. "Der Schock sitzt tief. Wir nutzten unsere Chancen nicht. Aber man muß den Chemnitzern auch ein Kompliment machen, wie engagiert sie kämpften und auch spielerisch überzeugten," gab sich Dieter Eilts als fairer Verlierer. [..] Als reuiger Sünder zeigte sich Rune Bratseth. "Ich habe, weil ich sehr erregt war, ein wenig schönes deutsches Wort benutzt. Wie es heißt? Ich muß erst mal im Wörterbuch nachsehen. Der Platzverweis war berechtigt". Und was sagte der Referee? Es war der wahrlich unschöne Autofahrergruß mit dem kreisrunden Bild der Finger. [..]

(Jürgen Nöldner)

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