Spielbericht // Saison 2020/2021

 
Chemnitzer FC
Chemnitzer FC4:2Berliner AK 07
Berliner AK 07
9. Spieltag - Regionalliga Nordost - Saison 2020/2021
Samstag, 03. Oktober 2020, 13:30 Uhr
Fischerwiese, Chemnitz
Zuschauer: 1.727
Schiedsrichter: Kluge (Zeitz)
Chemnitzer FCTorfolgeBerliner AK 07
T Jakubov
A Vidovic
A Campulka
A Hoheneder
A Milde
M Bickel (90. Köhler)
M Kurt (46. GrymGelbe Karte)
M Freiberger (87. Roscher)
M Knechtel (46. Schimmel)
M T. Müller
S Breitfelder (46. Dartsch)

Trainer: Berlinski
0:1 Tezel (2.)
0:2 Abu-Alfa (13.)
1:2 Freiberger (48.)
2:2 Bickel (51.)
3:2 Freiberger (75.)
4:2 T. Müller (87.)

Besondere Vorkommnisse:
Gelb-Rote Karte für Kauter (89.)

T Kühn
A Tezel (74. Cirillo)
A KauterGelbrote Karte
A GerlachGelbe Karte
A Meyer
M Häusl
M Lämmel (57. FonteinGelbe Karte)
M Yajima
M Abu-Alfa (57. Yildirim)
S El-Jindaoui (74. BeleguGelbe Karte)
S Ulrich (9. Beyazit)

Trainer: Meyer
Spielbericht

Pfui und Hui – der CFC macht Werbung für den Stadionbesuch

Von dFT

Falls der CFC jemals in finanzielle Schieflage geraten sollte – er hätte zweifellos einen Trumpf im Ärmel: Die Himmelblauen könnten ganz einfach die Rechte an einem Film über die -äh- tollen Jahren des Vereins verkaufen. Eins stünde von Vornherein fest: langweilig wäre der Streifen nicht.

Nach dem nicht ganz gelungenen Saisonstart bemühte sich in den Tagen vor dem Spiel die Boulevard-Journaille darum, unbedingt Unruhe in Form der „üblichen Mechanismen“ ins Teamumfeld zu tragen. Nicht ganz zu Unrecht angesichts der Leistungen und Ergebnisse zuletzt vielleicht. Hilfreich aber auch nicht. Es knisterte also schon ein wenig, als Sportfreund Kluge die Partie am Samstagmittag frei gab. Auf dem Platz für die Himmelblauen weitgehend die zu erwartenden Protagonisten, angesichts des kleinen Kaders und der Verletzten nicht zu überraschend. Diese hatten Form und Nerven der vergangenen Auftritte mitgebracht und so wurde die rechte Abwehrseite in Minute 2 erstmals überlaufen und auch am Fünfmeterraum konnte niemand mehr den BAK-Tezel am erfolgreichen Abschluss hindern. Same procedure wie jedesmal sozusagen. Zu einem von gut eingestellten Berlinern seriös umgesetzten Konzept fiel den Unsrigen nicht nur keine geeignete Erwiderung ein. Nein, dazu kam nun sofort auch noch ein veritables Kopfkino. Der CFC zwar noch mit 11 Spielern auf dem Platz, ansonsten nicht mehr beteiligt. Nach vorn ging gar nichts, nach hinten alles schief. Nach 13 Minuten praktisch die Vorentscheidung, als auch noch die Stütze Jakubov patzt, den Fehler der Vorderleute (rumgestolper, niemand blockt den Fernschützen) nicht ausbügelt sondern fortschreibt und den Ball vor die Füße des von Beginn an überdrehten, dafür aber eben auch wachen Abu-Alfa prallen lässt, der sich mit dem 0:2 bedankt, während die guten Innenverteidiger die Szene wohl schon abgehakt hatten. Ach Mist, die heimische Kaffeetafel wäre die deutlich bessere Nachmittagsbeschäftigung gewesen. Resignation, Auflösungserscheinungen. Auf den Rängen. Und eben vor allem auch auf dem Feld. CFC - Berliner AK 4:2 Einzig Jakubov bügelte seinen Fehler mehrfach aus, verhinderte mit großen Paraden drei, vier weitere gut mögliche Einschläge, die immer wieder nach dem gleichen Muster vorbereitet werden: schlampiger Standfußball beim CFC ohne jede Idee nach vorn, ohne Mut (ja, klar, woher auch?!), Fehlpässe, völlig falsch stehende Spieler, das Überlaufen der Abwehr auf Außen, vor allem über unsere rechte Seite, Pässe in die Mitte, Abschluss. Der CFC mit dem 0:2 mehr als gut bedient.

Ein Experte auf der Gegengerade tippt auf ein Endergebnis von 4:2 für die Guten. Hatte wohl zu viel Sonne abbekommen. Immerhin, gutes Wetter.

Aus der Pause kommt der CFC mit 3 neuen Spielern. Man müsste nachprüfen, ob dies mehr Wechsel waren als in allen bisherigen Spielen zusammen. Dartsch, Grym und Schimmel ersetzen Breitfelder, Kurt und Knechtel. Mehr als 5 Wechsel sind ja auch nicht erlaubt, etwas Reserve braucht man auch noch auf der Bank. Entgegen des Boulevardgeknisters scheint der Trainer die Mannschaft doch zu erreichen (und dies ohne Kenntnis der Chemnitzer Verhältnisse 1995/96!). Irgendwie signalisiert das Auftreten in den ersten Situationen nebst aufgepeppter Körpersprache, dass man sich doch nicht gänzlich aufgegeben hat. Gleich schraubt man das Eckenverhältnis auf 2:0, wenngleich die Ecke abgewehrt wird. Man setzt nach und Bickel bringt den Ball mit feinem Unterschnitt nochmal an den Fünfmeterraum, wo Freiberger zeigt, dass man nicht 1,90 groß sein muss, um einen Kopfball ins Netz zu rammen. Geht da etwa doch noch was? Ja, geht. Die Himmelblauen kommen nun endlich auch im Mittelfeld in die Zweikämpfe, erstochern und behaupten dort den Ball, Ablage Richtung Anstoßpunkt und Bickel fügt seinem Album eine neue Anekdote hinzu: Berlins Kühn wird weit vor seinem Tor von diesem Geniestreich überrascht: 2:2, alles auf Null. Was ist denn hier los? Den Berlinern zieht dieser Ausgleich den Stecker. Ja, man spielt weiter mit, vor allem will man es dieser Truppe, die man doch eben noch so klar beherrscht hatte, mit Hacke und Trallala zeigen. Nur, dass diese Truppe nun eben im Spiel angekommen ist. Ein, zweimal brechen die Roten dennoch durch, scheitern an Jakubov. Frust macht sich breit. Man labert rum, Kauter, der Kapitän ganz vorndran, setzt ein Zeichen und checkt Dartsch ins Seitenaus, der aus der Szene aber ohnehin nichts mehr hätte rausholen können. Gelb – logisch. CFC - Berliner AK 4:2Verstand Kauter gar nicht und wollte es wieder und wieder erklärt haben. Und nochmal. Freundete sich fortan mit allen Himmelblauen und vor allem mit Dartsch an, der sich klugerweise nicht provozieren ließ. Das Publikum honorierte diesen Sympathieträgerauftritt der roten 5 fortan mit gellenden Pfiffen bei jedem Ballkontakt. Und diese Episode endete auch, wie es zu erwarten war. Nach einer Freistoßentscheidung für den BAK hatte Kauter wieder Erklärungsbedarf, bat Grym um ein Vieraugengespräch. Vom guten, weil unauffällig und fehlerfrei pfeifenden Schiedsrichter gabs Gelb für beide. Tschüß, Kauter. Zu dem Zeitpunkt war das Spiel aber schon entschieden (also: soweit ein Spiel mit himmelblauer Beteiligung schon entschieden sein kann), denn der CFC ließ sich von den Berliner Mätzchen nicht anstecken und blieb, nicht immer fehlerfrei, aber doch immer sicherer und klarer in den Aktionen, am Ball. Dartsch vergab einen Riesen, Freiberger nicht. Milde offensiv wie immer wesentlich profitabler als defensiv, brach mehrfach durch und flankte schick auf den langen Pfosten, wo der kleine 16er mit dem zweiten Kopfballtreffer das Spiel völlig dreht. Als dann Müller nach einem Freistoß, den der Berliner Torwart unterläuft, den Ball zum 4:2 ins Tor sitzt, birst das Stadion trotz des spärlichen Besuchs und man staunt über den Halbzeitexperten.

Was bleibt neben den 3 Punkten? Zu klären ist, wie ein Totalausfall wie in HZ 1 passieren kann und welche Mittel man hat, darauf sofort zu reagieren. Festzuhalten bleibt, dass Berlinski in der Pause drei treffliche Wechsel vornahm und die 11 Spieler mit einem deutlich besseren Plan auf den Platz schickte. Dass die Jungs in HZ 2 die Regionalliga angenommen, sich reingekämpft haben. Zu klären ist, ob die bessere Offensive in HZ 2 am grundsätzlich anderen Auftreten oder an den Umstellungen vorn drin festzumachen ist. Grym gefiel mit großer Ballsicherheit und Übersicht in der defensiv interpretierten Zentrale. Milde gehört offensiv eingesetzt, Campulka hinten eine Wand.

Kein langweiliger Film also. Kundenorientiert eigentlich zwei Filme in einem Spiel. Erst eine Tragödie, dann die Auferstehung wie Phönix aus der Asche. Und dann läuft beim CFC ja immer auch der Film zwischen den Spielen, den alle via Presse, Funk und Fernsehen verfolgen können. Spielverläufe wie heute, das Salz im Fandasein, sind es, die zum nächsten Spiel hoffentlich den einen oder anderen Absenten mehr wieder ins Stadion locken.

Wertung: HZ 1 – 6,0, HZ 2 – 2,5

Beste Himmelblaue: Campulka, Jakubov, der Mannschaftsgeist der zweiten Halbzeit


Trainerstimmen

Andre Meyer (BAK) im Berliner Kurier:
"Trotz unserer Führung hat sich das schon in der ersten Halbzeit angedeutet, dass Chemnitz noch einmal zurückkommen könnte. Wir haben in unserer Druckphase einfach verpasst, das 3:0 zu machen. Auch mit dem Spiel gegen den Ball war ich nach der 25. Minuten nicht mehr zufrieden und haben den CFC ins Spiel kommen lassen. Die schnellen Tore im zweiten Abschnitt haben dem CFC dann natürlich sehr gut in die Karten gespielt."

Daniel Berlinski (CFC) bei mdr.de:
"Wir haben in der Halbzeit klar Dinge angesprochen, die wir besser machen müssen. Das haben die Jungs dann einfach super umgesetzt und da gehört auch viel Eigenmotivation dazu. Nach einem 0:2-Rückstand so zurückzukommen, großen Respekt an meine Jungs. Besonders die Wechsel haben gefruchtet. Der Sieg geht im Endeffekt absolut in Ordnung."

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