Der letzte Vorhang der Saison: ein Fußballfest mit dissonanten Tönen
von dFT
Zum letzten Heimspiel der Saison gastierte der FSV Zwickau an der Gellertstraße und es wurde, wie nicht unüblich zu diesem Zeitpunkt der Saison, ein Nachmittag zwischen den Zeiten. (Heim-)Abschluss einer Saison, von der sich mancher mehr erhofft hatte, Abschied von Spielern, die das Geschehen hier kürzer oder länger geprägt haben, der Ausblick auf einen Neubeginn zur neuen Saison, der zumindest in sieben noch unbekannten Ausführungen schon trockene Tinte aufweist. Auf dem Platz ist an solchen Tagen das eine, das Drumherum ist dann doch in vielen Punkten ebenso wichtig und im Gegensatz zum sportlichen Ertrag war die himmelblaue Bilanz in diesem Bereich am Samstag nicht ganz so glänzend.
Nach der Enttäuschung im Halbfinale und dem deswegen ruhigen Rahmen gegen Meuselwitz wurde heute auf den Rängen das Standardprogramm arrangiert, Fahnen, Support, aber auch nicht mehr. Dissonant dann die Ouvertüre. Aus „Zeitgründen, weil man noch so viele Programmpunkte“ hat, wurde die Hymne nach dem ersten Durchlauf abgebrochen, was auf ausgesprochen wenig Verständnis stieß. So wurde auf der Süd parallel zum ersten der „vielen Programmpunkte“ zurecht trotzig weiter intoniert. Einer dieser „vielen Programmpunkte“ war dann gleich die Verabschiedung der vielen Abgänge. Und auch hier grummelte es da und dort, ging der ganze Zauber doch sehr rasch über die Bühne. Man ahnt es, die „vielen Programmpunkte“. Diffuse Gemengelage, denn bei vielen Personalien herrscht ja zugleich Einigkeit, dass ein Neuanfang anderswo für beide Seite die bessere Lösung ist. Rasch noch eine Bahn zur Aufstiegsreform in die Kameras gehalten – und dann konnte es auch schon losgehen. Presse, Funk und Fernsehen waren nun zugeschaltet.
In Halbzeit eins entwickelte sich ein von den taktischen Vorgaben geprägtes Spiel. Zwickau sehr tief stehend und auf Umschaltmomente nach himmelblauen Fehlern wartend, die Chemnitzer eben diese Fehler durch einen möglichst sehr kontrollierten Spielaufbau weitgehend vermeidend. Oder anders: Strafraumszenen und Großchancen waren Mangelware. In Minute 20 ein Bozic-Hammer aus ganz spitzem Winkel als Abschluss einer schnellen, mehrteiligen Ballstafette, wie man sie gern öfter und nicht erst an Spieltag 33 gesehen hätte und eine Viertelstunde später Marx mit einem Kopfball ins Eck, den Hiemann jr. in alter Familientradition gut rauskratzt – das die himmelblaue Bilanz. Auf FSV-Seite hingegen nach einem gelungenen Pass in die Tiefe ein Sezer-Knaller an die Querlatte und ein Nachschuss, den Adamczyk entschärfen kann. Pause.
In selbiger schien dann verabredet worden zu sein, dass man jetzt das Geplänkel weglässt und einfach loslegt. Szene 1, 46. Minute: Der CFC spielt PSG. Fliegt uns nur beinahe als Slapstick um die Ohren, weil die Zwickauer aus ihrem Einwurf an der eigenen Eckfahne einen veritablen Konter fahren. Szene 2, 51. Minute: Ballstafette von der rechten Außenbahn ins Zentrum, Bozic legt ab und Walther schweißt die Kugel im kurzen Eck unter die Latte. Eine der Geschichten, die nur der Fußball schreibt. Szene 3, 54. Minute: Weil Szene 1 so hohen Unterhaltungswert hatte, kommt ein eigener Abstoß postwendend zurück in den Strafraum, in den Zweikampf kommt man auch nicht mehr, also murmelt der Prasse-Ball abgefälscht ins entlegene Eck. Szene 4, 57. Minute: Walthers Hammertor war schick, also kracht auch Stockinger die Kugel aus >20 m auf den Kasten, den Hiemann jr. auch in alter Familientradition ;-) nicht gut rauskratzt. Derart euphorisiert fahren die Chemnitzer in den nächsten Minuten im Mai mit den Zwickauern Schlitten, Bozic und Stockinger verpassen aber die nächste Bude. Dann bringt Sachsenring den unverwüstlichen Zimmermann und der macht eben Zimmermann-Sachen. 2:2. Phänomenal. Zum Glück für alle Nichtzwickauer beendet er seine Karriere. Die anderen waren aber noch nicht fertig, mit offenen Visieren ging es weiter hin und her, bis dann noch die Szene kam, die zuletzt immer kam: Ecke CFC, Tor durch Müller. Und weil unsere 26 zuletzt eben immer das letzte Wort hatte, führte das bisweilen luftige Verteidigungsverhalten auch nicht mehr zum Ausgleich.
Ein sportlich schöner Ausklang, der nur dennoch nicht alle Misstöne der abgelaufenen Saison überdecken konnte, weshalb das Feiern zwischen Südkurve und Mannschaft doch arg gebremst ausfiel. Ein kurzer Applaus, eine Huldigung unseres scheidenden Kapitäns, der aber partout nicht auf den Zaun wollte, dann ging man auseinander. Spürbar, dass in dieser Konstellation eine gemeinsame Zeit abgelaufen ist. Den Abgängen anderswo alles Gute (und auch wenn das traditionell anders läuft: natürlich nicht grad gegen uns) und den Hierbleibenden ein gelingendes Reset in neuer Besetzung. Langweilig wird die Sommerpause sicher nicht.
Wertung: 2,5
Beste Himmelblaue: Stockinger, Walther