Spielbericht // Saison 2004/2005

 
FSV Budissa Bautzen
FSV Budissa Bautzen1:3Chemnitzer FC
Chemnitzer FC
Achtelfinale - Sachsenpokal - Saison 2004/2005
Dienstag, 28. September 2004, 19:00 Uhr
Stadion Müllerwiese, Bautzen
Zuschauer: 1.000
Schiedsrichter: Viehrig (Dresden)
FSV Budissa BautzenTorfolgeChemnitzer FC
T Schier
A Ovecka (82. Rothenburger)
A Rietschel
A Kapocsi
A Wollermann
M  ZichnerGelbe Karte
M RettigGelbrote Karte
M Wecker
M Becker (60. Waurick)
S Vokal (60. Schaumkessel)
S Koernig

Trainer: Hentschel
0:1 Ahlf (33.)
1:1 Koernig (54.)
1:2 Lenk (56.)
1:3 Fillinger (90./Elfer)

T Süssner
A Karl
A AhlfGelbe Karte
A GillertGelbe Karte (55. Jendrossek)
M Wächtler (60. Stark)
M GöhlertGelbe Karte
M Kanitz
M FillingerGelbe Karte
M Meyer (63. Priso)
S Schindler
S Lenk

Trainer: Barsikow
Spielbericht

Schwacher CFC besiegt noch schwächere Bautzener letztlich verdient

Von Michael Mally

Mit dem CFC qualifizierte sich der einzige Regionalliga-Vertreter in der aktuellen Auflage des Sachsenpokals nach einem mühevollen und glanzlosen 3:1 beim Landesligisten FSV Budissa Bautzen als erste Mannschaft für das Viertelfinale des Wettbewerbs.

Kuchen: Die Chemschaeler ahnten bereits vorher, dass es etwas zu feiern gibtHerbstlich kühles Nieselwetter, das schmuck sanierte Stadion Müllerwiese, ein zwar überschaubares, dafür aber leckeres und preislich akzeptables Angebot an Speis und Trank, zahlreich angereiste, aber angenehm relaxte grüne Ordnungskräfte und aufmerksames, flexibles Bautzener Vereinspersonal (u.a. der „fliegende“ Kartenhändler) bildeten den Rahmen für das zweite Aufeinandertreffen beider Teams. Aus diesem Anlaß hatten sich nach offiziellen Angaben rund 900 Zuschauer ins Stadionrund begeben, etwa 90 davon hofften auf einen positiven Ausgang für die Himmelblauen. In etwa die gleiche Anzahl Leute war wohl irregeführt, bildeten diese sich doch ein, auch Dynamo würde mitspielen. Aus dieser Konstellation schöpften die Fanlager denn auch die Motivation für die verbalen Duelle während und vor allem nach dem Spiel. Getrennt durch staatliche Ordnungshüter blieb aber alles im Rahmen, obwohl die Bautzener dem ganzen Geschehen schon kurz nach Spielschluß durch das Ausschalten des Flutlichts ein heimeliges Fluidum bescherten.

Im Vergleich zum Köln-Spiel schickte Dirk Barsikow bis auf die Personalie Tino Wächtler statt Stefan Meißner die gleiche Startelf ins Rennen. Als Spitzen fungierten nominell Robin Lenk, Sebastian Meyer und Falk Schindler. Der CFC setzte die ersten Achtungszeichen u.a. mit einem Kopfball von Lenk nach Flanke Wächtler, der sein Ziel nur knapp verfehlte. In der Folge entwickelte sich ein Spiel auf mäßigem Niveau, in dem die Himmelblauen von zwei schwachen Teams das etwas zwingendere stellten. Von daher nicht gänzlich unverdient auch das 1:0 durch Markus Ahlf in der 33. Minute, als ihm der Ball nach einem Kanitz-Freistoß und Kopfballablage von Lenk am Fünfmeterraum vor die Füße fiel und er selbigen überlegt am Torwart vorbei ins Tor schieben konnte. Mit diesem Treffer zog etwas mehr Ruhe ins Spiel des CFC ein, der das Spiel bis zur Pause kontrollieren und auch ein, zwei weitere Torchancen verzeichnen konnte. Nachdem Lenk einen weiteren Freistoß am langen Pfosten nur knapp verpasste, wurde die Bautzener Mauer dann kurz vor der Pause durch die Versuche von Karl und Kanitz auf ihre Standfestigkeit geprüft und bestand diesen Test.

Beide Teams kamen zum zweiten Durchgang personell unverändert aus der Kabine, doch deuteten die Bautzener sofort an, dass sie den Zwischenstand zu ihren Gunsten verändern wollten. Dies führte alsbald zum Erfolg, als sich der Bautzener Kapitän Rettig nach zwei vergebenen Chancen (die sich aus haarsträubenden Fehlpässen im himmelblauen Spielaufbau ergaben) bei seinem energischen Dribbling durchs Mittelfeld auch nicht von drei ihn nacheinander stellenden Himmelblauen aufhalten ließ und schließlich Koernig halblinks bediente. Dieser ließ Süssner mit seinem von Ahlf noch abgefälschten Flachschuß aus zehn Metern ins kurze Eck keine Chance.
An der Stelle ist dem CFC positiv ins Stammbuch zu schreiben, dass sofort die erneute Führung gesucht wurde. Diese fand bereits drei Minuten später Robin Lenk, der nach einem durch die Mitte vorgetragenen Angriff eher zufällig halbrechts an den Ball kommt, seinem Gegenspieler noch einen Knoten in die Beine dribbelt und schließlich halbhoch zum 2:1 einschießt. In der Folge bekam das Spiel etwas mehr Biß, was sich in den nun verteilten gelben Karten niederschlug. Bautzen suchte abermals nach einer Antwort auf den Rückstand, kam jedoch vorerst zu keinen nennenswerten Chancen. Ganz anders die Himmelblauen, bei denen inzwischen Jendrossek, Stark und Priso für Gillert, Wächtler und Meyer im Spiel waren. Aus leicht abwartender Haltung und wohl auch dank nachlassender Kräfte beim Landesligisten eröffneten sich große Räume zum Kontern, was zu einem halben Dutzend guter bis bester Gelegenheiten zur endgültigen Entscheidung führte. Doch selbst Vier-gegen-Eins-Überzahlsituationen wurden jämmerlich und durch möglichst umständliches Spiel vergeigt, verstolpert, vertan. Quergeschiebe, Verantwortung loswerden, ständig die komplizierte Lösung suchend, dazu das marginale Problem der „Flanken“ und „Pässe“ - unklar blieb, ob man über diese Darbietung noch lachen oder doch besser weinen sollte. Letzteres wäre wohl angesagt gewesen, hätte die Bautzener Schlussoffensive zum Ausgleich geführt, als die CFC-Abwehr nicht nur wegen des Nieselwetters mächtig ins schwimmen kam.
Seltenheitswert: Kaum zu glauben, aber der CFC kann doch noch gewinnen Für die endgültige Entscheidung sorgte dann Mario Fillinger in der Nachspielzeit, als er einen Foulelfmeter souverän verwandelte. Zuvor hatte er selbst dankbar die Einladung des Bautzener Verteidigers angenommen, der im Strafraum ein Tackling versuchte. Rettig holte sich schließlich noch gelbrot ab, weil er wohl eine andere Ansicht zur Elferfrage hatte als der insgesamt unauffällig agierende Schiedsrichter.

Letztlich ist der Erfolg des CFC wohl als verdient zu bewerten, wenngleich die Mannschaft den Nachweis ihrer Regionalligatauglichkeit über das gesamte Spiel schuldig blieb. Zu selten fand man sich zum Kombinationsspiel, viele Fehlpässe, unsinnige Laufwege, vieles blieb Stückwerk, Einzelaktionen sorgten noch am ehesten für Gefahr. Hinzu kamen besonders in der Schlussphase Unsicherheiten in der Abwehr mit teils katastrophalem Stellungsspiel, fragwürdigem Kopfballtiming und Abstimmungsproblemen. Abermals negativ herausragend in der Beziehung der ehemalige Zweitligakicker Kai-Uwe Jendrossek, von dem man zumindest in diesen Disziplinen mehr Souveränität erwarten können sollte. Wirklich positiv zeigte sich kein Himmelblauer, am auffälligsten präsentierten sich noch Kanitz, Schindler und Lenk sowie Süssner als aufmerksam mitspielender und fehlerloser Rückhalt des Teams. Wahrscheinlich war's Oberliganiveau, welches die Himmelblauen zeigten. Dies genügte zwar, um Bautzen zu bezwingen, aber Optimismus für die weitere Regionalligasaison ist aus diesem Erfolg allerdings nicht zu ziehen.

Wertung: 4,5 (Pokalkick zwischen Oberliga- und Landesliga-Niveau)

Beste Himmelblaue: Süssner, Kanitz, Schindler, Lenk

Pressestimmen

Sächsische Zeitung
Bautzen scheidet nach 1:3 aus [..] Dabei war über weite Strecken der umkämpften Partie kein Klassen-Unterschied erkennbar. Bei Nieselregen offenbarte das favorisierte Regionalliga-Schlusslicht viele spielerische Defizite.

Freie Presse
Robin Lenk richtet's mit einem Traumtor [..] Pflichtaufgabe erfüllt. [..] Wie im Punktspielalltag zeigte sich auch gegen den Landesliga-Vierten die mangelnde Durchschlagskraft in der Offensive. Zwingende Chancen blieben in der ersten Halbzeit bis auf zwei Ausnahmen (Lenk/Kanitz) Mangelware. [..] Danach agierten die CFC-Akteure in ihren Konterbemühungen so haarsträubend wie bereits in der ersten Pokalrunde in Plauen.

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