Spielbericht // Saison 2004/2005

 
Chemnitzer FC
Chemnitzer FC0:11. FC Köln II
1. FC Köln II
10. Spieltag - Regionalliga Nord - Saison 2004/2005
Samstag, 25. September 2004, 14:00 Uhr
Fischerwiese, Chemnitz
Zuschauer: 2.040
Schiedsrichter: Kasper (Kattlenburg-Lindau)
Chemnitzer FCTorfolge1. FC Köln II
T Süssner
A KarlGelbe Karte
A Ahlf
A Gillert
M Fillinger
M Göhlert
M Kanitz
M Schindler
S Meyer
S Meissner (76. Priso)
S LenkGelbe Karte (64. Stark)

Trainer: Barsikow
0:1 Bröker (29.)

T Leese
A Tosun
A Polak
A NiedrigGelbe Karte
A KiskancGelbe Karte (88. Müller)
M Achenbach
M AlushiGelbe Karte
M Zeh (76. Heinrichs)
M ChitsuloGelbe Karte (69. Zinke)
M Federico
S Bröker

Trainer: Johne
Spielbericht

Das himmelblaue Drama bekommt ein weiteres Kapitel

Von Frank Neubert

"Der Fußballgott kann kein Chemnitzer sein..." - mit diesem Satz verließen wohl die meisten der 2040 Zuschauer am Samstag das altehrwürdige Stadion an der Gellertstrasse. Zuvor hatten sie einen leidenschaftlich kämpfenden CFC gesehen, der im ersten Spiel nach der Beurlaubung von Chefcoach Frank Rohde überhaupt keinen Zweifel daran aufkommen ließ, alles für den ersten Sieg der Saison 04/05 unternehmen zu wollen. Die von Interimscoach Dirk Barsikow gut eingestellte Truppe spielte, kämpfte, dribbelte, und schoss auf's Tor - aber nach 90 gespielten Minuten blieb erneut nur der Platz für die Fortsetzung einer geradezu erschütternden Bilanz: Kein Sieg, kein Punkt. Nein, noch nicht einmal ein Tor war den Himmelblauen an diesem Tag - trotz guter Leistung - vergönnt.

1 Kölner behauptet den Ball gegen 3 ChemnitzerViele Fans hatten ihre Hoffnung darauf begründet, daß nach der Beurlaubung von "Wuschi" Rohde ein Signal zum Aufbruch gegeben sein könnte. Auch die in den Medien angedeuteten internen Querelen waren durch Aussprachen in der Mannschaft ad acta gelegt worden. Selbst kleinere taktische Änderungen waren zu beobachten: Lenk spielte zentrale Spitze, Karl rückte sehr oft ins Mittelfeld auf, und Fillinger agierte direkt hinter den Spitzen, um bei sich bietender Gelegenheit auch selbst einmal abzudrücken. Ergebnis dessen war eine erfreulich offensive Partie in der ersten Halbzeit, welche in den ersten zehn Spielminuten die Kölner nahezu in der eigenen Hälfte band. Als auffällig stark erwies sich während der gesamten Spielzeit Nico Kanitz, über dessen linke Außenbahn viele Angriffe eingeleitet wurden. So auch in der 14. Minute, als er nach einem Doppelpass mit Daniel Göhlert allein auf den Kölner Keeper zustürmt, jedoch durch einen zweifelhaften Abseitspfiff von Schieri Kasper gebremst wird. Der CFC ließ sich jedoch nicht beirren und rannte durch einen Hinterhaltschuß von Meissner (18.min) und einem Freistoss von Karl (20.min) weiter an.

Nach knapp einer halben Stunde dann der erste Angriff der Domstädter. Der Club hatte im Mittelfeld den Ball verloren und Kiskanc kommt vor Ahlf zum Hereinschlagen der Flanke. In der Mitte setzt sich Bröker gegen drei (!) himmelblaue Gegenspieler durch - und nickt zum Entsetzen der Heimfans gegen den chancenlosen Süssner zum völlig überraschenden 0:1 ein! Fassungslosigkeit im weiten Rund und natürlich großer Jubel bei den ca. 20 mitgereisten Gästefans, welche durch 10 Zaunfahnen Präsenz zeigten. Wer nun befürchtet hatte, daß der CFC - wie bereits oft gesehen - zum Nervenbündel wurde, sah sich getäuscht. Der Club tat das einzig Richtige: Kämpfen! Weiterspielen! Beinahe wäre vor der Pause durch einen Freistoss von Schindler noch der Ausgleich geglückt - aber Torwart Leese lenkte den Ball mit den Fingerspitzen gerade noch über die Querlatte. Unmittelbar vor dem Pausentee gab es noch eine böse Szene zwischen Meyer und Saluschi, in der der Kölner beim Kampf um den Ball ganz klar mit gestreckten Bein in Meyer hineinspringt, worauf dieser behandelt werden muß. Unverständlich die Entscheidung von Referee Kasper, diese Aktion lediglich mit "Gelb" zu ahnden.

Dunkle Wolken ziehen über der Fischerwiese auf...Gleich nach dem Wiederanpfiff gab es die drei besten Tormöglichkeiten des ganzen Spiels in unmittelbarer Folge zu bestaunen. Bei einem Gegenangriff der Geißböcke mußte Süssner gegen den Torschützen Bröker sein ganzes Können aufbieten, um einen Kopfball gerade noch aus dem Dreiangel zu fischen. Fast im Gegenzug spielte sich Lenk nach vorzüglicher Kombination mit Meissner durch die Kölner Abwehr, um dann aus 15m Entfernung den Ball leider knapp neben den linken Pfosten zu setzen. Die Gemüter der Heimfans hatten sich ob der besten himmelblauen Chance kaum abgekühlt, als erneut Bröker allein vor Süssner auftaucht, abzieht, und der Ball durch einen katzenartigen Reflex des CFC-Keepers gerade noch am Pfosten vorbeiflutscht. In diesem Stadium verdiente sich das Spiel durchaus das Prädikat "ansehnlich" - mit klaren Torchancen auf beiden Seiten. Den eingefleischten himmelblauen Fan packte aber bereits zu diesem Zeitpunkt das niederschmetternde Gefühl, daß heute eher der Nischel vom Sockel kippen würde, als daß der Ball im richtigen Netz einschlagen würde. Und dabei blieb es dann auch - zwar stürmte gegen Ende des Spieles sogar Steffen Süssner mit durch den gegnerischen Strafraum - allein, es half Alles nichts! Nach 93 gespielten Minuten reckten die Kölner Bubis glücklich ihre Arme in den Himmel und bejubelten den 4. Sieg in Folge.

An Stelle eines Fazits der CFC-Fanpage möchte der Autor des Berichtes einfach die Worte offerieren, die Daniel Göhlert an seinem 24. Geburtstag ins Mikrofon des MDR sprach: "Ich weiss nicht, was wir als Mannschaft verbrochen haben, daß wir einfach kein Tor schiessen. Ich denke, wir waren auf keinen Fall die schlechtere Mannschaft. Ich denke, wir haben unverdient verloren - ja - aber wir müssen dort einfach weiter machen. Wenn wir so weiter spielen, werden wir auch Tore schiessen und Punkte holen". Diesen Worten ist nix mehr hinzuzufügen, außer vielleicht, daß nunmehr alle Daumendrückerei auf das nächste Spiel in Osnabrück konzentriert werden sollte.


Wertung: 2,5

Beste Himmelblaue: Lenk, Fillinger, Kanitz, Meyer

Pressestimmen

Freie Presse
"Stürmer" Süßner: Brauchen keinen Trainer [..] Eigentlich war es so wie immer. Dirk Barsikow betrat Minuten vor dem Anpfiff den Rasen, schleppte dabei den großen Alukoffer zur Bank. [..] Doch wie fast immer auch überließen die Hauptdarsteller des Chemnitzer FC dem Kontrahenten die Punkte. Glück, Pech, Wenn und Aber - wer wollte diese Worte nach neun Spielen ohne Sieg noch bemühen? Barsikow wirkte so ratlos wie alle im himmelblauen Lager. Schließlich halfen die höheren Mächte in der Erklärungsnot: "Man hat heute gesehen, dass der Fußballgott wahrlich kein Chemnitzer ist."

<< 9. Spieltag Achtelfinale Sachsenpokal >>