Spielbericht // Saison 2006/2007

 
Chemnitzer FC
Chemnitzer FC0:0FC Sachsen Leipzig
FC Sachsen Leipzig
5. Spieltag - Oberliga Nordost-Süd - Saison 2006/2007
+++ Nachholespiel +++
Mittwoch, 04. Oktober 2006, 19:15 Uhr
Fischerwiese, Chemnitz
Zuschauer: 5.102
Schiedsrichter: Lämmchen (Meuselwitz)
Chemnitzer FCTorfolgeFC Sachsen Leipzig
T Klömich
A Kunert
A BaumannGelbe Karte
A Thönelt
A SieberGelbe Karte
M Tomoski (54. Wölfel)
M Adamu
M Schumann
M Bachmann
S Kellig
S Schlosser (86. Sinaba)

Trainer: Müller
Tore Fehlanzeige

T Twardzik
A Rozgonyi
A Kittler
A RadaGelbe Karte
A BoltzeGelbe Karte
M Oswald
M OgungbureGelbe Karte
M Guie-Mien
M Garbuschewski (62. Ivanovic)
S  Soltau (69. Racanel)
S Semmer

Trainer: Leitzke/Geyer
Spielbericht

Himmelblauer Punktgewinn sorgt für Wachablösung auf Leutzscher Trainerbank

Von Frank Neubert

Das in diesem Spiel der Tabellenzweite auf den Tabellenneunten treffen würde, hätten sich beide Lager vor der Saison nur wenig vorstellen können. Und wenn, dann höchstens unter der Maßgabe, daß die Chemnitzer im Mittelfeld der Oberliga herumdümpeln und die mit einem Etat von 2,6 Mio Euro ausgestatteten Leipziger um die Spitze spielen würden. Nun, bekanntlich verlief die Saison bisher etwas anders, als von so manchen Experten erwartet. Auch die Verschiebung dieses Spiels - der CFC traf am ursprünglichen Termin im DFB-Pokal auf Aachen - änderte nichts an diesen Voraussetzungen. Das dieses Spiel im Vorfeld überhaupt als Spitzenspiel angekündigt werden konnte, durfte sich sogar der CFC auf seine Fahnen schreiben, hatten doch Baumann &. Co. durch ihre bisherigen Auftritte mutig an der Tabellenspitze angeklopft. Dort erwartet hätte man vor der Saison aber vielmehr die Leipziger, welche zudem mit reichlich Mißmut die Reise nach Chemnitz antraten. Erst vor drei Tagen hatte man im Duell gegen Halle eine bittere Heimniederlage erlitten und die Leipziger Medien spekulierten daraufhin heftig, ob bei einem erneuten Mißerfolg in Chemnitz der Leutzscher Sportdirektor Eduard Geyer nicht an die Stelle von Noch-Trainer Hans-Jörg Leitzke rücken würde. Und so stand dieses Spiel eigentlich mehr unter dem Fragezeichen, ob die jungen Chemnitzer Wilden die Messestädter weiter auf Distanz halten würden, oder ob der Staffelfavorit endlich seinen eigenen Ansprüchen gerecht werden würde. Nun, zumindest gab es 24h nach dem Spiel zu konstatieren, daß der CFC mit dem 0:0 erneut an die Tabellenspitze der OL zurückgekehrt ist und das in Leipzig der Cheftrainer ab sofort Geyer heisst.

Die torlose Punkteteilung ging letztlich in Ordnung, auch wenn der CFC vornehmlich in der ersten Halbzeit einem Führungstreffer bedeutend näher war als die Gästeelf. Vor allem über Bachmann setzte der Club auf der rechten Seite viele Akzente, und bei zwei Vorstößen war der drahtige Blondschopf drauf und dran, die Führung für die Himmelblauen zu erzielen. Dank eines gut aufgelegten Twardzik blieb es aber beim 0:0. Diese zwei Chancen, und eine Freistoßgelegenheit für Schlosser (34.), bei der der Sachsen-Keeper gedankenschnell in die Ecke hechtete, blieben die einzigen prickelnden Strafraumszenen, welche vor beiden Toren über die vollen 90 Minuten zu verzeichnen waren. Nein, das Spiel als solches war kein schlechtes, aber beide Mannschaften neutralisierten sich im Mittelfeld und legten viel Wert auf konsequente Deckungsarbeit. Trotzdem blieb erstaunlich, daß selbst Hochkaräter wie ein Rolf-Christel Guie-Mien (81 x 1.Bundesliga, 9 Treffer) im grün-weissen Trikot keinerlei Torgefahr austrahlen konnten. Wobei wiederum die himmelblauen "wilden Kerle" um Baumann und Thönelt in der CFC-Abwehr ganz sicher standen und über die gesamten 90 Minuten keinerlei "Hundertprozentige" für die Leutzscher zuließen. Das torlose Remis schmeichelte am Ende viel mehr den Leutzschern, als dem CFC.

Geniale Choreo in derSüdkurveUnd noch etwas schmeichelte den Leipzigern: Referee Lämmchen, der an sich keine schlechte Leistung bot, hätte zumindest bei drei Spielszenen auch andere Entscheidungen treffen können. In der 37. Minute sprang auf Höhe der Mittellinie Ogungbure mit gestreckten Beinen in Schlosser hinein, der daraufhin längere Zeit behandelt werden mußte. Lämmchen gab Vorteil, welchen der CFC per Sieber nicht ausnutzen konnte. Warum aber Ogungbure für sein krasses Einsteigen noch nicht einmal Gelb bekam, blieb unverständlich. Strittig ebenfalls zwei Szenen, die sich jeweils im Strafraum vor Twardziks Kasten abspielten. Kurz vor der Pause stieß der agile Bachmann in den Leipziger Strafraum und wird dort von Rozgonyi gefällt. Der Unparteiische entschied auf Schwalbe - dagegen sprach jedoch dessen heftiger Protest und das betretene Schweigen des Gästeblocks, vor dessen Augen sich diese Szene unmittelbar abgespielt hatte. Die nächste, höchst umstrittene Spielszene folgte in der 47. Minute, als Kellig an der Strafraumgrenze von Ogungbure gelegt wird und dieser nur den gelben Karton erhält. Zum Einen hätte es für das Foul an Schlosser bereits eine (mindestens gelbe) Karte geben können, und noch dazu war Ogungbure in dieser zweiten Szene letzter Mann. Glück gehabt, liebe Leutzscher. Kurz vor Schluß hatte "Chemie" erneut das Glück auf seiner Seite, als Schieri Lämmchen bei einem Handspiel eines Leipzigers nicht auf Handstrafstoß, sondern auf Weiterspielen entschied. Beileibe - diese Aufzählung soll kein Nachtreten sein, sondern vielmehr ein Indiz dafür, daß der FC Sachsen mit diesem Remis mehr als gut bedient war.

Wenn es ein Ereignis des Tages gab, dann fand dieses zu 100 Prozent in der Südkurve der Fischerwiese statt. Seit geraumer Zeit herbeigesehnt, gab es nunmehr endlich die Gelegenheit, bei nächtlichem Himmel und Flutlicht wieder einmal eine stimmungsvolle Choreo durchzuführen. Den über 5.000 Besuchern dieses Spiels präsentierten daraufhin die Utras Chemnitz 99' zum Einlaufen der Mannschaften einen Gänsehaut bereitenden Augenblick. So, wie die beiden Teams aus dem Spielertunnel kamen, zündeten in der Südkurve mehrere Bengalos und Fontänen, die die auf große Folien getünchten Riesenletter "FCK" eindrucksvoll untermalten, bzw. hinterleuchteten. Ganz großes Kino, und ein Riesenkompliment an die Jungs in der Kurve mit dem ultrahimmelblauen Blut in den Adern !! Im Gästeblock, der mit gut 600 Leutzschern besetzt war, gab es zum Intro ein paar bengalische Feuer zu bestaunen. Später wurde bekannt, daß den Gästen die ihrerseitige Choreo verboten wurde. Schade, aber vielleicht haben dort auch Auswirkungen des letztjährigen Halbfinales im Sachsenpokal, als Leipziger Fans im Alfred-Kunze-Sportpark Jagd auf Chemnitzer Spieler machten (welche zudem vom NOFV bis heute ungeahndet blieb!), in der Geschäftsstelle des CFC eine nicht unerhebliche Rolle gespielt.

Fazit: Der CFC hat den Staffelfavoriten weiterhin mit fünf Punkten Vorsprung auf Distanz gehalten und letztlich dafür gesorgt, daß dort mit Eduard Geyer ein neuer Cheftrainer berufen wurde. Ob dies nun tatsächlich nützlich oder eher kontraproduktiv war, läßt sich sowieso erst im weiteren Laufe der Saison beantworten. Und ebenso Fakt bleibt auch, daß derartige Spitzenduelle zwar wichtig, aber nicht ligaentscheidend sind. Rein aus dieser Sicht hat der CFC seinen aufstrebenden Trend weiterhin bestätigt, währenddessen Leipzig den Bock erneut nicht umstoßen konnte. Die junge himmelblaue Truppe sollte nunmehr mit bestätigten Selbstbewußtsein die Aufgabe beim FC Eilenburg angehen, denn die Tabellenposition, wo man jetzt erneut steht, ist gerade nach dem Spiel gegen den Staffelfavoriten, längst kein Zufall mehr...


Wertung: 2,5

Beste Himmelblaue: Bachmann, Adamu, Thönelt - und die UC'99

Pressestimmen

Leipziger Volkszeitung
Umkämpfte Nullnummer [..] FC Sachsen holt Punkt in Chemnitz unter Trainer Leitzke [..] Nach dem 0:0 in Chemnitz zeigte sich auch, dass die Ansprüche der Chefetage an ihre mies gestarteten Profis kleiner geworden sind. 'Das war unser bestes Saisonspiel', meinte Präsident Rolf Heller im Brustton der Überzeugung. Opitz und Manager Achim Jungnickel nickten eilfertig. Tom Stohn, Co-Trainer von Dynamo Dresden, hatte Anderes gesehen. 'Wenn das euer bestes Spiel war, wie war dann euer schlechtestes?' [..] Während des gesamten Matches musste CFC-Torhüter Klömich nicht einmal ernsthaft eingreifen. [..] Tierisches Fazit: Gut, dass Lämmchen seinem Namen aller Ehren machte. Und Leitzke hat nach wie vor einen Gei(y)er im Genick.

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