Vorbericht // Saison 2020/2021

 
Chemnitzer FC
Chemnitzer FC4:5 n.E.TSG 1899 Hoffenheim
TSG 1899 Hoffenheim
1. Runde - DFB-Pokal - Saison 2020/2021
Sonntag, 13. September 2020, 15:30 Uhr
Fischerwiese, Chemnitz
Zuschauer: 3.095
Schiedsrichter: Hanslbauer (Altenberg)
Vorbericht

CFC vor dem "leichtesten Spiel" der Saison beim Hoffenheimer Comeback nach …

Von Timo Görner

… dem bislang einzigen Auftritt in Chemnitz vor knapp 12 Jahren. "Leichtestes Spiel" weil es im Grunde keinen Druck für die Berlinski-Truppe gibt. Der Club kann am Sonntag eigentlich nur gewinnen.

Das letzte Spieljahr unseres Gegners:

Endete mit einem Spiel was in die Rubrik "Komischer Fußball" nach der Heimsuchung aus China passte, in Dortmund wurde mit 4:0 gewonnen nach dem der BVB im Heimspiel zuvor bereits gegen Abstiegskandidat Mainz überraschend mit 0:2 verlor. Bereits zuvor wurde Union Berlin mit 4:0 vom Rasen gefegt und somit der Startplatz in der Europa League sicher gemacht. Damit war das Saisonziel, das internationale Geschäft erreicht.

Grundstein für die erfolgreiche Saison die Auswärtsstärke, welche die eher maue Heimbilanz kompensierte. Auf Gegners Platz konnte 8x gewonnen werden, wurde nur 3x vergeigt. Nur 4 waren besser. Vor allem defensiv erwiesen sich die Kraichgauer stabil, kassierten nur 16 Gegentreffer als drittbeste Gäste-Abwehr. Dagegen blieb die Ausbeute im eigenen Stadion Negativ. Es gab 9 Pleiten gegen 7 Siege.

Zur Winterpause wurde eine ordentliche Ausgangsposition (7.) erreicht. Mit 27 Punkten war sogar die Champions League mit 3 Zählern in Sicht. Dabei kamen die Blau-Weißen nur schwer in Gang, bei nur 5 Punkten aus 6 Partien. Enttäuschten zu Hause gegen Freiburg, Gladbach (0:3). Mit dem überraschenden 2:1 beim FC Bayern kam die Wende, bis zur Winterpause ergaben 11 Begegnungen 22 Punkte. Neben dem Sieg in München ließen die Erfolge gegen Dortmund (2:1), bei Hertha BSC (3:2), gegen Paderborn (3:0) positiv aufhorchen. Kopfschütteln hingegen beim 1:5 gegen Mainz und 2:4 gegen Augsburg.

Für das Frühjahr 2020 sollte der Europapokal-Platz fest gemacht werden. Dazu blieb auch noch der DFB-Pokal, aus dem man Mitte Februar im Achtelfinale nach erneut starkem Auftritt (3:4) in der "Allianz-Arena" ausschied. Bis zur Spielpause nach dem 07.03.2020 blieben die Badener dran am EC-Ticket. Das es nicht mehr wurde - die Heimschwäche. Wolfsburg siegte mit 3:2 in Sinsheim, Bayern sogar mit 6:0.

In den verbleibenden 9 Begegnungen ab Mitte Mai konnte dann geliefert werden, auswärts wurde nicht mehr verloren. Zu Hause blieb es wackelig. Zum "Restart" 0:3 gegen Hertha, dann noch mal 0:2 gegen RBL. Letztendlich ohne Folgen, Platz 4 für die "Zasterliga" war längst nicht mehr zu schaffen.

Delegierungen für diese Saison bislang:

Es gab neben dem neuen Cheftrainer ein paar Änderungen im Kader. 5 gingen, 10 kamen dazu. Damit wurde das Aufgebot vergrößert, auch im Hinblick auf die Mehrbelastung durch den Europapokal.

Im defensiven Mittelfeld musste Ex-Nationalspieler und Schalke-"Leihgabe" Sebastian Rudy (30) (vorerst) wieder zu den "Knappen" zurück. Die anderen Abgänge spielten keine Rolle. Damit konnten bis auf Rudy alle Leistungsträger gehalten werden.

Bei den Neuen wurden immerhin 4 aus dem eigenen Nachwuchs nach oben geholt, die Qualität der dortigen Abteilung sollte bekannt sein.

Für das Tor trifft dies auf Luca Philipp (19) zu, 2013 zur TSG gekommen.

Für die Innenverteidigung erhielt der Niederländer Melayro Bogarde (18), ebenfalls U19 die Beförderung. Aktueller U18-Kicker des Nachbarn. Kasim Adams (25) auf gleicher Position war nach Düsseldorf "verliehen", ab Ende der Hinrunde kaum noch aufgeboten. Ex-Kapitän Kevin Vogt (28) ging auf "Leihbasis" im Januar nach Bremen, dort feste Größe. Bogardes Landsmann Joshua Brenet (26) auf Rechts sollte bei Vitesse Arnheim im Frühjahr 2020 Praxis sammeln. Was zunächst gut lief, bis dort abgebrochen wurde.

Im Mittelfeld offensiv konnte der Serbe Mijat Gacinovic (25) aus Frankfurt/M. verpflichtet werden. Zuvor immerhin 5 Jahre bei der Eintracht mit 157 Einsätzen – 10 Tore und 18 Vorlagen. Für ihn wurden 3 Mio. € Ablöse bezahlt. Ein "Allrounder" für alle Positionen in diesem Bereich. Nationalspieler des Balkanstaates mit 18 Spielen und 2 Treffern.

Im Angriff sind 2 interne Wechsel mit dem Brasilianer João Klauss (23) und Maximilian Beier (17) aus der U19 zu verzeichnen. Beides Mittelstürmer. Klauss war 2019/2020 allerdings für den Linzer ASK in der Bundesliga aktiv, überzeugte dort mit 12 Toren in 28 Spielen. Linksaußen Bruno Nazário (25) spielt für den Sonntag keine Rolle, der Brasilianer kehrt Jahresende von Botafogo Rio de Janeiro zurück. Der 3. Brasilianer im Angriff Felipe Pires (25) durfte ab Mitte Februar in Kroatien bei HNK Rijeka Praxis sammeln. Dort aber in der Reservistenrolle.

Wer am Sonntag mit im Kader stehen oder gar spielen wird, bleibt eher fraglich. Denkbar das der eine oder andere Rückkehrer keine echte Perspektive beim Erstligisten hat.

Die sportliche Leitung:

Neue Saison, neuer Trainer. Sebastian Hoeneß (37) gastierte 2020 schon mal hier beim 1:0 des CFC gegen die II. des deutschen Rekordmeisters. Er war Wunschkandidat der Vereinsführung, folgte auf die Interimslösung Marcel Rapp (41) der für die letzten 4 Spiele Chef war. Zuvor trennten sich die Wege der TSG und des Niederländers Alfred Schreuder (47) wegen Differenzen über die Ausrichtung.

Die große Karriere als Spieler blieb verwehrt, er kam in der 3. und 4. Liga zum Einsatz. 1999 ging es zu Hertha BSC II. 2006 nach Hoffenheim, damals drittklassig und 1 Jahr später bereits wieder zurück an die Spree. 2010 dann auch das Karriere Ende bei Hertha BSC II.

Als Co-Trainer fungieren Matthias Kaltenbach (35), in der Funktion seit 2016, zuvor Coach der U19. Dazu wie bei Bayern II David Krecidlo (36). Torwart-Trainer ist Michael Rechner (48), Stationen als Spieler u. a. Sachsen Leipzig und Waldhof Mannheim. Maximilian Vollmar (34) ist Teammanager.

Das Kollektiv:

Stand jetzt geht die TSG mit einem 30 Mann starken Kader in die Saison, in der 1. Bundesliga nicht so extrem viel. Denkbar aber auch, das noch "Leihgaben-Rückkehrer" den Verein verlassen werden.

4 Torhüter stehen im Aufgebot, von denen Oliver Baumann (30) auch am Sonntag als Nr. 1 gilt. Seinen Vertreter muss man hier wohl nicht vorstellen, schön das mit Philipp Pentke (35) oder "Penne" eine Identifikationsfigur des CFC vorbeischaut. Auch wenn er vermutlich auf der Bank Platz nimmt. Vergangene Saison kam er zu 4 Spielen in Liga 1 und 2 im DFB-Pokal.

In der Innenverteidigung waren letzte Saison der Österreicher Stefan Posch (23) und Kapitän Benjamin Hübner (31) die festen Größen. Ex-Spielführer Kevin Vogt (28) will hier neu angreifen. Wie auch der Bosnier Ermin Bicakcic (30), der Norweger Havard Nordtveit (30) und Kevin Akpoguma (25). Links konnte sich der Däne Robert Skov (24) einbringen, ein "Allrounder" für Abwehr, Mittelfeld und Angriff.

Im defensiven Mittelfeld ist der Österreicher Florian Grillitsch (25) potentieller Stammspieler, mehrmals in der Anfangself im Vorjahr aus Mali Diadie Samassékou (24). Gut lief es da auch für Dennis Geiger (22), "Eigengewächs" und U21-Kicker des DFB. Fast schon logisch das der FC Bayern auf ihn ein Auge geworfen hat. Siehe die Abgänge Richtung Isar. Im rechten Mittelfeld war der Tscheche Pavel Kaderabek (28) der Eckpfeiler 2019/2020. Den offensiven Bereich sollen der Österreicher Christoph Baumgartner (21) und "Königstransfer" Mijat Gacinovic (25) bedienen.

Der Angriff zählt 7 etatmäßige Stürmer. Von denen ist zweifellos der Kroate Andrej Kramaric (29) der herausragende Akteur. 2019/2020 kam er auf 12 Tore, in nur 19 Spielen aufgrund von Verletzungen. Er war Teil der Mannschaft, die 2016 Vizeweltmeister wurde. Dort in allen Spielen auf dem Platz. Ihlas Bebou (26/6) aus Togo war die Nr. 2, der Armenier Sargis Adamyan (27/5) spielte bis Februar 2020 auch gut mit, fiel dann wegen Verletzung länger aus. Munas Dabbur (28/4) ist Israeli, Anfang Januar vom FC Sevilla gekommen. Mit guter Frühjahrsrunde. Der Däne Jacob Bruun Larsen (21) wechselte Januar 2020 aus Dortmund, auch eine Alternative.

Keine "Ansammlung von Superstars", aber von Nationalspielern die zum größten Teils in ihren Auswahlteams feste Größen sind. Von den genannten sind dies Posch, Bicakcic, Kaderabek, Grillitsch, Samassékou, Gacinovic, Skov, Adamyan, Bebou, Bruun Larsen, Dabbur.

Mit 22 "Legionären" ist die TSG Spitzenreiter neben Wolfsburg. 13 Länder sind vertreten. Eine "kleine Weltauswahl". Das Potential wieder den Europapokal kommende Saison zu erreichen ist fraglos gegeben.

Die aktuelle Saison bislang:

Beginnt mit dem Sonntag, während der CFC immerhin 7 Spiele seit dem 15.08. absolviert hat.

Nach der 1. Runde in Chemnitz, wo nur ein Sieg und das Weiterkommen zählt geht es am nächsten Wochenende zum Bundesliga-Auftakt nach Köln, wo letzte Saison ein 2:1 gelang. Danach wird es gleich richtig "knackig" wenn der Rekordmeister kommt, ein 0:6-Debakel wie in diesem Frühjahr will man natürlich vermeiden. Auch der Gegner im 2. Heimspiel ist ein "Hochkaräter" mit Vizemeister Dortmund.

In die Vorbereitung wurde vor 4 Wochen gestartet. Gleich das erste Testspiel gegen Zweitligaabsteiger Wehen Wiesbaden wurde klar (7:1) gewonnen. Es folgte ein Trainingslager am Tegernsee. Zwei weitere Duelle gegen Mainz 05 konnten ebenfalls gewonnen werden, jeweils 2:1. Dagegen stand ein 2:5 gegen Zweitligist Nürnberg.

International geht es voraussichtlich erst am 22.10.2020 los, mit dem 1. Spieltag der Gruppenphase. Welche Gegner die TSG dort erwarten ist ungewiss. Ebenso ob wieder mit oder ohne Zuschauer.

Das Krankenlager / Strafbank / Parteistrafen:

Der norwegische Innenverteidiger Havard Nordtveit (30) laboriert seit Ende Juni an einem Fußbruch. Termin der Rückkehr noch unbekannt. Kapitän Benjamin Hübner (31) zog sich am Mittwoch eine Kapselverletzung zu, Einsatz damit fraglich.

Bilanz gegen die TSG Hoffenheim:

Sieht erst 1 Begegnung, am 10.08.2008 kamen die Süddeutschen als Erstligaaufsteiger zum 1:0. Erst nach 77 Minuten überwand der aktuelle Schalker Vedad Ibisevic den damals besten Chemnitzer Sebastian Klömich im Tor zum entscheidenden Treffer. Zuvor war es eine solide Abwehrschlacht des CFC gegen einen wie erwartet dominanten Gegner vor rund 7.000 Besuchern.

Das Umfeld / Stimmung / Wirtschaft:

Der Verein aus dem Süden der Republik spaltet nach wie vor die Fußball-Gemeinde, gilt dabei mittlerweile selbst bei einigen Gegnern irgendwie als das "kleinere Übel" gegenüber dem Konstrukt aus der Messestadt in Sachsen. Zwei signifikante Unterschiede werden da ausgemacht, zum einen ist hier eine mehr oder weniger "normale Mitgliedschaft" möglich – immerhin 10.500 haben sich bis heute dafür entschieden und zum anderen hat sich hier ein Mäzen eine Art "Lebenswerk" in seiner Region neben der beruflichen Karriere geschaffen währendessen in Leipzig ein Unternehmen sein Produkt vermarktet. Undenkbar wohl auch das die Hoffenheimer in Regionen mit anderen Profivereinen oder Amateurvereinen in der Regionalliga recht aktive PR für sich betreiben. Der Kleinkrieg großer Teile der aktiven Fanszene bleibt, eskalierte unmittelbar vor der Corona-Zwangspause speziell aus Richtung Bayern München und Dortmund.

Beim Zuspruch kann im Grunde wohl nur der Schnitt aus der Saison 2018/2019 als realistisch betrachtet werden. Da kamen pro Heimspiel 28.456 Fußballfreunde in die mittlerweile als "Prezero-Arena" – ein Entsorgungsdienstleister, benannte Spielstätte im badischen Sinsheim. Im dortigen Sprachgebrauch aber oft auch als "Rhein-Neckar-Arena" geführt. 30.150 Plätze (davon 6.750 Stehplätze) stehen dort zur Verfügung, in der Europa-League muss man aber auch hier die Kapazität durch die bekannten UEFA-Forderungen beschränken, auf 25.641. Finanziert wurde der 60 Mio. € teure Bau durch Mäzen Dietmar Hopp und Unternehmen der Region. Welch Kontrast zu den mühseligen Projekten in Mitteldeutschland.

Das Spiel am Sonntag ist auch hier mittlerweile ein Duell mit Vereinen deren Profiabteilung als GmbH geführt werden. Beim Gast ist es die "TSG 1899 Hoffenheim Fußball-Spielbetriebs GmbH", hier ist der e. V. allerdings ein "kleines Licht" mit 4% Anteil. 96% hält der SAP-Gründer. Als Geschäftsführer fungiert Dr. Peter Görlich neben Frank Briel, maßgeblich für die Finanzen zuständig. Dieser konnte für 2019/2020 trotz der bekannten Umstände einen Rekordumsatz vermelden, der erstmals die 200 Mio. € Marke knackte nach "nur" 167 Mio. € in 2018/2019.

Für die aktuelle Spielzeit wurde ein Transferplus von 11 Mio. € erwirtschaftet. Ausgaben gab es nur für Gacinovic. Und die waren siehe oben eher "überschaubar", aus Hoffenheimer Sicht. Leonardo Bittencourt wurde für 7 Mio. € endgültig nach Bremen abgegeben. Zahlen, die als himmelblauer Fan die Stirn runzeln lassen, geht bei uns da wohl um "Peanuts". 2 Welten prallen am Sonntag aufeinander.

Die Bilanz

 AnzahlSiegeRemisNiederlagenTore
Alle Spiele10010:1
Heimspiele10010:1
Auswärtsspiele00000:0
Ligaspiele00000:0
Pokal-/Relegationsspiele10010:1

Der Ergebnisrückblick

2008/2009DFB-Pokal1. RundeChemnitzer FC - TSG 1899 Hoffenheim0:1 (0:0)