Pokalspiel der etwas anderen Art an der Gellertstraße …
von Timo Görner
… denn der CFC ist der Gastgeber, aber für einen Verein der Kreisoberliga Leipzig. Die als Stadtliga läuft, nach der aktuellen Ligastruktur die 8. Liga. Die Favoritenrolle ist damit natürlich klar vergeben. Allerdings wird der Gegner alles in die Waagschale werfen, um nach dem Spiel zufrieden die Heimreise antreten zu können. .
Die letzten Jahre unseres Gegners:
Den FC Blau-Weiß Leipzig in der jetzigen Version gibt es so noch nicht lange. Die Wurzeln an sich reichen aber bis vor dem 1. Weltkrieg. 1911 gründete sich der VfK Südwest Leipzig, einer der Arbeitervereine in der Weimarer Republik. Im Gegensatz zu den größeren bürgerlichen Vereinen wie Dresdner SC zwangsläufig ein Opfer der Machthaber ab 1933, die den Club dann auch auflösten. Mit Ende des 2. Weltkrieges gab es aber kein Zurück und ein Weiter unter diesem Namen. Die damaligen "antifaschistisch-demokratischen Umwälzungen" der Besatzungsmacht und Verantwortlichen in der SBZ gingen auch an den Leipzigern nicht vorbei. So entstand die BSG Motor Südwest Leipzig. Diese konnte in der DDR überregional nie in Erscheinung treten, spielte maximal viertklassig in der Bezirksklasse. Der Unterbau der Bezirksliga, beide Ligen konnte man aus heutiger Sicht als eine Regionalliga bezeichnen. Erfolge wurden wenn auf Ebene der Kreisklasse feiern, zuletzt 1984 als Kreismeister.
Wie man weiß, war die Zeit der BSG dann mit dem grundlegendem Umbruch im Osten vorbei. Die Trägerbetriebe hatten andere Baustellen, verschwanden teilweise aus dem Wirtschaftsleben. Am 20.05.1990 die Wiedergeburt des VfK Südwest durch ehemalige Mitglieder der BSG. Wenig später stießen die Fußballer der BSG Baukombinat Leipzig dazu. So gab es die nächste Veränderung zum VfK Blau-Weiß Leipzig. Februar 1999 verließ die 5. Mannschaft den Club und sammelte sich im Szene-Stadtteil Connewitz, so begann die Geschichte von Roter Stern Leipzig. 2005 ging es sportlich aufwärts, gelang der Aufstieg in die Bezirksliga Leipzig, damals 6. Liga im Spielbetrieb vor der Umstrukturierung der Ligen darüber und darunter. Wie bekannt wurden Oberliga und Regionalliga neu aufgeteilt, ebenso entstanden dann die Kreisoberligen. 2008 der Sprung in die Landesliga. 2011/2012 schloss sich die Erste aber der BSG Chemie Leipzig an. Welche dadurch in diese Liga kam. Auch Lok kam so nach dem Neustart ganz unten etwas schneller voran.
Die Zweite war damals in der achtklassigen Stadtklasse aktiv, wurde "über Nacht" Flaggschiff des Vereins. 2016 ging es dann in die Landesklasse, bis heute 7. Liga. 2017 das vorläufige Ende der Entstehungsgeschichte. Wieder durch eine Fusion, diesmal durch Zusammenschluss mit TuB Leipzig und Leipzig United F.C. zum FC Blau-Weiß. 2019 ging es zurück in die Landesliga, die man 4 Jahre halten konnte. Auch hier griff Corona ein. Im ersten Jahr konnten nur 17 statt 30 Spiele bestritten werden. Es reichte zu Platz 10, ohne Absteiger wuchs die Staffel von 15 auf 22 Mannschaften an. Diesmal war schon nach 7 Begegnungen Ende, wurden 6 Punkte aus 6 Spielen geholt. Richtig gut lief es dann 2021/2022 mit Platz 3. Man erinnert sich noch an diese Zeiten, diesmal wurde die Saison unterbrochen und eine Deadline Juni für den Abschluss gesetzt. 2023 der Abstieg, Rang 14 der 18er Staffel war der zweite Abstiegsplatz bei nur 2 sportlichen Absteigern. 3 zogen ihre Mannschaft zurück. 2023/2024 ging es in der Landesklasse an den Start, wo man sich eigentlich sehr wacker schlug und 48 Punkte holte. Was für Platz 6 gereicht hätte, man zog sich aber aus dieser Liga zurück und 2024/2025 nun Kreisoberliga.
Das letzte Spieljahr unseres Gegners:
Fand nun in der Kreisoberliga Leipzig statt, in der übrigens mit dem LFV Sachsen Leipzig ein 2014 gegründeter Verein ansässig ist, der an die Tradition des FC Sachsen Leipzig anknüpft und auch das Logo verwendet. Dazu die SG Rotation Leipzig, welche ihr Sachsenpokal-Spiel im Vorjahr aus gleichen Gründen beim 1. FC Lok austrugen. Mit dem ersten Jahr hier konnten die Verantwortlichen durchaus zufrieden sein, Ergebnis am Ende Platz 2 wenn auch mit deutlichem Rückstand zum Staffelsieger Leipziger SC 1901 bei 11 Punkten und zudem 53 Toren. Der FC Blau-Weiß zeigte sich heimstark, verlor nur 2 der 15 Begegnungen auf eigenem Platz gegen 15 Siege. Auf Reisen wurde man zweitbestes Kollektiv, konnte 9-mal mit 3 Punkten wieder abfahren. Es reichte letztendlich aber nicht, um den überlegenen Primus aus dem gleichen Stadtteil bzw. im Grunde "um die Ecke" ernsthaft zu gefährden. Die Spielstätten beider Vereine trennen nur knapp 3 km mit dem PKW. So stieg der LSC in die Landesklasse Nord auf.
Der FC kam gut in die Saison, konnte 4 der ersten 5 Spiele gewinnen und 14:8 Tore verbuchen. Mit einer Niederlage begann es, 3:6 gegen den LVF Sachsen. Gegensatz ein 5:1 gegen den SC Eintracht Schkeuditz. Spieltag 6 die 2. Pleite mit dem 1:2 bei der II. der SG Taucha 99. Bis zur Winterpause ließ man sich davon aber nicht großartig beeindrucken, gab es nur eine kleinere Ergebniskrise mit 1 Punkt aus 3 Begegnungen. Dabei das 1:2 beim "Kleinzschocher-Derby" als Gast in der Nachbarschaft beim späteren Aufsteiger (1:2). Davon abgesehen wurden 5 weitere Partien gewonnen, so mit 6:1 bei der SG Motor Gohlis und 4:0 beim Leipziger SV Südwest. Auch im Frühjahr wurde vor allem offensiv geliefert. Dabei Revanchen für die Hinspiel-Klatschen genommen. Die SG Taucha 99 II wurde 6:0 abgewatscht, der LFV Sachsen sogar auswärts 7:1 abgefertigt. Dazu durfte der Heimsieg gegen Meister LFC (2:1) gefeiert werden. Teil einer feinen Serie von 5 Siegen zum Ende dieser Spielzeit. Tiefpunkt ein 1:5 bei der SV Schleußig 1990. Im Kreispokal ging es bis ins Endspiel, verloren knapp mit 0:1 in Markranstädt beim Double-Sieger. Die Finalteilnahme gegen den nun Landesklasse-Verein berechtigte nun zum Sachsenpokal 2025/2026. So wie im Vogtland der FC Fortuna 91 Plauen als Endspiel-Verlierer in den Wettbewerb kam neben dem VfB Schöneck.
Die sportliche Leitung:
Trainer der Ersten Mannschaft ist Olaf Kaplick (50), das seit 2019. Zuvor war er 8 Jahre Co-Trainer von Sven Hawranke (44). Der wiederum diese Funktion seitdem inne hat. Beide gelten als Idenfikationsfiguren der Blau-Weißen. Genießen im Verein höchstes Ansehen. Schafften es, den sportlichen Totalabsturz nach dem Abgang der Ersten Mannschaft zur BSG Chemie Leipzig zu verhindern. Dazu kommt als weiterer Assistent Fabian Berger (37).
Das Kollektiv:
Bekanntere Namen sucht man natürlich vergebens. Deshalb ein kurzer Blick auf die wichtigsten Akteure, die vermutlich auch am Sonntag auf dem Platz stehen werden.
Im letzten Spiel stand Til Grunert im Tor, das zum ersten Mal in dieser Saison. Sebastian Ertl ist ein weiterer Kandidat für die Anfangself am Sonntag. David Rene Wiese durfte auch schon mal ran. Wer dann die Ehre hat, wird man sehen.
Als Stammspieler in der Abwehr wird vor allem Manndecker Tillmann Robitzsch angesehen, kam Januar 2025 von Lipsia Eutritzsch. Im Mittelfeld taucht der Name Tom Leischker (30) auf, dazu Franz Eisfeld (22), Omid Bechmann (28) und Kilian Stephan (29). Bechmann und Stephan waren Spieler, die damals aus der II. in die Erste aufrückten. Eckpfeiler im Vorjahr war zudem Oliwier Lojszczyk.
Im Angriff gilt Valentin Swoboda als Torjäger, erzielte bereits 4 Treffer in der laufenden Spielzeit. Im Vorjahr war Felix Depner im Sturm einer der Leistungsträger mit der passablen Quote von 9 Torerfolgen in 22 Spielen.
Das Krankenlager / Strafbank / Parteistrafen:
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Die aktuelle Saison:
Nach 4 Spieltagen hat man zumindest mehr Punkt als wir auf dem Konto mit 10. Steht damit natürlich wieder oben an der Tabelle, derzeit auf Rang 4 und damit knapp vor Roter Stern. Der FC Blau-Weiß ist noch ungeschlagen und wie man unschwer errechnen kann wurden 3 der 4 Begegnungen gewonnen. Den ersten Punktverlust gab es am vergangenen Wochenende beim 2:2 gegen die SG Taucha 99 II, wurde zweimal der Rückstand ausgeglichen. Daneben konnten die Zuschauer einige Tore beim 6:4 gegen die II. des SSV Markranstädt sehen, mit einer Achterbahnfahrt der Gefühle für die Beteiligten. Die Gäste drehten das 2:0 der Gastgeber zum 2:3. Das in nur 18 Minuten. Den Ausgleich zum 3:3 beantworten die Kicker aus dem Leipziger Umland noch mal zum 3:4. In der Schlussphase baute der FC dann das 4:4 mit 2 Toren zum 6:4 aus. Nicht nur in diesem Spiel wird ersichtlich, dass unser Gegner vom Sonntag derlei Begegnungen in den letzten Minuten zu seinen Gunsten gestalten kann.
Im Sachsenpokal verdiente sich die Mannschaft den vermutlichen Höhepunkt der letzten Jahre durch das 3:1 gegen Ligakonkurrent SV Naunhof 1920. Erfahrung mit Auswärtsspielen im Pokal bei einem größeren Traditionsverein haben Trainer und einige Spieler. Am 03.09.2021 ging es nach Leutzsch zur BSG Chemie, wo man sich durchaus achtbar schlug und beim damaligen späteren Pokalfinalisten – bei uns, bis in die letzten 10 Minuten nur 0:2 hinten lag. "Fallobst" wird man am Sonntag sicherlich nicht sein wollen, es verbietet sich jede Gering– und Unterschätzung.
Die Bilanz gegen den FC Blau-Weiß Leipzig:
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Das Umfeld / Stimmung / Wirtschaft:
Gerne hätte man den CFC wie die BSG Chemie Leipzig 2021 im "Stadion der Freundschaft" im Stadtteil Kleinzschocher empfangen für ein Fußballfest. Letztendlich bleibt es aber für die kleineren Vereine im Pokal in der Regel ein organisatorischer und finanzieller Kraftakt mit einem entsprechenden Risiko. Ein Grund das dies nicht zustande kam, waren andere Paarungen im Wettbewerb. So wurde dem SV Lindenau 1848 Pokalverteidiger und Regionalliga-Meister 1. FC Lok Leipzig zugelost. Die SG Taucha 99 aus dem Norden der Stadt wiederum bekommt es mit dem Verein aus dem Lößnitztal zu tun. Diese Begegnungen am gleichen Nachmittag austragen zu lassen, erschien den Verantwortlichen des Bereichs Sicherheit zu riskant. Erst Recht mit dem CFC als dritten Gastverein in der gleichen Stadt mit entsprechend gleichen Anreisewegen. Somit wäre nur der Freitagabend für den FC Blau-Weiß geblieben, nicht möglich da die kleine Arena nicht über das notwendige Flutlicht verfügt.
Trotz des nicht gerade freiwilligen Umzugs freut man sich im Club auf dieses Spiel und versucht möglichst viele Fans und Freude für die Reise in die Bezirkshauptstadt zu motivieren. Wer mag, kann für ganz günstige 10 € mit dem Bus an die Gellertstraße fahren. Tickets für den Block2, der ausschließlich unseren Gästen vorbehalten ist können bequem online über unsere Ticketportal erworben werden. Dazu sollen 11 Kinder ihre blau-weißen Kicker vor dem Anpfiff auf den Rasen zur Begrüßung begleiten. Das bei freiem Eintritt und kostenloser Busfahrt. Als Teamsponsor der 1. Mannschaft unterstützt die MDI, eine Immobiliengesellschaft mit Sitz in der Messestadt. Daneben engagieren sich u. a. die örtliche Sparkasse und arbeitet man eng mit der Stadt Leipzig zusammen. Unser Gast vom Sonntag hebt sich in mehreren Punkten von den meisten Vereinen ab. So wird in der Satzung die Unterstützung für den Straßenfußball festgeschrieben und auch gelebt. Die Nachwuchsabteilung ist mehr als beachtlich, so stehen insgesamt 14 Mannschaften im Spielbetrieb von der F bis zur A-Jugend. Eben diesen Spielern dort will man auch eine berufliche Perspektive bilden, kümmert sich in guter Kooperation mit vielen Firmen um ihre Ausbildung.