Wieder mal gewinnen und das Ticket für das Achtelfinale lösen
von Timo Görner
Das muss das Ziel des CFC im Oberen Erzgebirge lauten. Die Aufgabe beim VfB 09 in Annaberg-Buchholz dürfte dabei aber kein Selbstläufer werden – zumal man dort in einer Hochburg des Erzrivalen antritt.
Die letzten Jahre unseres Gegners
Auch die Vergangenheit des VfB Annaberg 09 war eine sehr bewegte – vor allem durch die gesellschaftlichen Veränderungen. Die Wurzeln reichen, wie man unschwer erkennen kann, bis ins Jahr 1909 mit der Gründung unter dem heutigen Namen. 1923/1924 wurde man im Gau des Obererzgebirges erstklassig, qualifizierte sich als Sieger der Liga für die mitteldeutsche Meisterschaft und traf dort – bemerkenswerterweise – auf den Chemnitzer BC. Beim Stand von 0:5 wurde die Begegnung abgebrochen und für den CBC gewertet. 1929/1930 gelang dies noch einmal, Gegner war damals die SpVgg Meerane 07, heute bekannt als Meeraner SV. Das war der letzte sportliche Höhepunkt vor dem Zweiten Weltkrieg.
Mit den damals als „antifaschistisch-demokratische Umwälzungen“ definierten Prozessen in der sowjetischen Besatzungszone begann auch für den VfB eine neue Zeit. Es folgte eine wahre „Namens-Odyssee“. Zunächst spielte man als „Einheit Annaberg“, dann als „Konsum Annaberg“. Sportlich blickte man in Richtung Bezirksklasse, im Kreis war man die dominierende Mannschaft. 1955 feierte man den Sieg in der zugehörigen Staffel. Zwischendurch gab es erneut Namenswechsel zu „Wismut Annaberg“ und „Medizin Annaberg“. Das vorläufige Ende dieser Wirrungen bildete der Zusammenschluss mit „Motor Annaberg“ zur BSG Motor Annaberg – eine Geschichte, die bis 1990 andauerte.
In dieser Zeit gelang der Aufstieg in die Bezirksliga Karl-Marx-Stadt, damals die dritte Etage des DDR-Clubfußballs. Nach drei Abstiegen sollte der Sprung nach oben noch dreimal gelingen – in den Jahren 1972, 1986 und 1987.
1990 erfolgte schließlich das Comeback des VfB 09, ausgegliedert aus der Fußballabteilung der BSG Motor. 1992 ging es erneut hinauf in die Bezirksliga, diesmal jedoch in die des Bezirks Chemnitz – nunmehr als Sechstligist. 1994 folgte der Abstieg, doch in der Bezirksklasse darunter schlug sich der VfB wacker und war stets oben mit dabei. 2008 konnte wieder ein Aufstieg bejubelt werden, ehe 2012 der Rückschlag in Form des Abstiegs in die Kreisoberliga folgte. Sechs Jahre später gelang der erneute Sprung in die Landesklasse, der man seit 2022 angehört.
Erfreulicherweise konnte man sich mehrmals für den Sachsenpokal qualifizieren – mit dem Highlight im Vorjahr beim Gastspiel des Drittligisten aus dem Lößnitztal. Im Laufe der Jahre schafften es auch einige Spieler, sich über den VfB für höhere Ligen zu empfehlen: etwa der langjährige Auer Stammkeeper Uli Ebert, Christian Mauersberger, Felix Uduokhai und nicht zuletzt Mirko Ullmann, einer der CFC-Aufstiegshelden von 1999.
Das letzte Spieljahr unseres Gegners
Die Saison endete mit einem sehr guten 3. Platz in der Landesklasse Staffel West, wo sich mehrere Ex-Pokalgegner des CFC tummelten – unter anderem der SV Merkur 06 Oelsnitz, die SG Motor Wilsdruff, der BSC Freiberg oder der BSV 53 Irfersgrün. Nur drei Punkte fehlten auf Staffelsieger SV Tanne Thalheim und ein Punkt auf Vize FC Stollberg.
Der VfB überzeugte mit einer starken Offensive und erzielte 70 Tore in 30 Begegnungen – kein Team traf häufiger. Die 42 Gegentore verhinderten jedoch eine noch bessere Platzierung. Im eigenen Revier gewann man elf Partien und verlor vier, kletterte in der Tabelle somit um zwei Ränge im Vergleich zum Vorjahr.
Die Blau-Gelben starteten hervorragend in die Saison und blieben zwölfmal ungeschlagen – Lohn war die Tabellenführung mit einem Polster von sechs Punkten. Von 36 möglichen Zählern wurden 28 geholt. Besonders spektakulär waren die 7:1-Gala gegen Rapid Kappel und das 7:3 in Thalheim.
Im Frühjahr 2025 folgte ein kleiner Abschwung: 23 Punkte bedeuteten am Ende Rang 3, fünf Zähler hinter Thalheim. Entscheidend waren die beiden Niederlagen in Reichenbrand (0:3) und gegen Irfersgrün (0:1).
Im Landespokal schafften die Annaberger den Sprung in die 3. Hauptrunde, wo sie auf den FC Erzgebirge trafen – fast ein „Lokalderby“. Der Drittligist siegte 2:0, tat sich dabei aber schwer. Zuvor hatte der VfB den Landesligisten Neugersdorf mit 4:1 ausgeschaltet.
Die sportliche Leitung
Seit Anfang Oktober 2023 steht Lars Walther an der Seitenlinie der Ersten Mannschaft. Zuvor betreute er die Zweite. Er ist ein ehemaliger Spieler des VfB und beendete 2001 seine aktive Laufbahn im Verein.
Das Kollektiv
Bekannte Namen sucht man hier vergeblich – fast alle Akteure stammen aus der eigenen Jugend oder der zweiten Mannschaft.
Im Tor ist Franz Sander die etatmäßige Nummer 1, sein Vertreter ist Manuel Wägner. In der Abwehr zählen Leon Reichelt, Danny Nixdorf, Quentin Schubert, Moritz Lang, Aaron Küttner und Edgar Wohlgemuth zu den Stammspielern. Im Mittelfeld führen Tommy Meyer, Richie Schulze, Lucas Walther und Tom Dietze das Team an.
Im Angriff sticht Florian Weiß hervor – mit sechs Treffern bislang erfolgreichster Schütze. Beim 6:1 gegen Mülsen war er mit drei Toren der Matchwinner. Neben ihm agieren Devon Klitzke und Rückkehrer Thomas Haase.
Eine Mannschaft also, die für den CFC eine weitgehend unbekannte Größe ist – aber zweifellos alles daran setzen wird, für eine Überraschung zu sorgen.
Das Krankenlager / Strafbank / Parteistrafen
Derzeit sind keine Ausfälle oder Sperren bekannt.
Die aktuelle Saison
Die Spielzeit 2025/26 verläuft bislang durchwachsen – ein Spiegelbild der Rückrunde 2025. Noch fehlt die nötige Konstanz in Ergebnissen und Leistungen. Nach sieben Spieltagen beträgt der Rückstand auf Tabellenführer VfB Schöneck bereits 15 Punkte, auf Rang 2 acht. Der Blick geht momentan eher nach unten, Rang 13 ist der erste Abstiegsplatz – der Abstand beträgt nur einen Punkt.
Am vergangenen Wochenende gelang immerhin ein wichtiger Befreiungsschlag, der für etwas Ruhe gesorgt haben dürfte. Zum Saisonstart gab es einen Sieg gegen den Oelsnitzer FC (4:1), danach folgte eine Schwächephase. Besonders bitter war das 4:5 gegen den VfB aus dem Vogtland, als man eine 2:0-Führung verspielte. Auch in Freiberg (1:3) blieb man ohne Ertrag.
Die Generalprobe vor dem Pokalspiel verlief dagegen perfekt: Beim 6:1 über den SV Blau-Gelb Mülsen überzeugte der VfB auf ganzer Linie.
Im Pokal besiegte Annaberg zunächst den FC Fortuna 91 Plauen (3:1) und anschließend den Radefelder SV 90 (4:1). Der Einzug ins Achtelfinale wäre der größte Erfolg in der Vereinsgeschichte des Wettbewerbs.
Die Bilanz gegen den VfB Annaberg 09
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Das Umfeld / Stimmung / Wirtschaft
Die Region um Annaberg-Buchholz war nach dem großen politischen und wirtschaftlichen Umbruch 1990 stark betroffen. Betriebe schlossen, viele Menschen wanderten ab. Die Stadt war zeitweise vor allem durch das zentrale Arbeitsamt bekannt, das kaum Arbeitsplätze vermitteln konnte.
Heute präsentiert sich Annaberg-Buchholz als Große Kreisstadt und Verwaltungszentrum des Erzgebirgskreises mit rund 19.000 Einwohnern. 2019 erklärte die UNESCO die historische Altstadt samt St.-Annen-Kirche und umliegenden Bergbaulandschaften zum Weltkulturerbe.
Mit der allmählichen Aufwertung kamen auch neue Unternehmen in die Stadt, die nicht nur Arbeitsplätze schufen, sondern auch den lokalen Sport fördern. Der VfB kann sich daher seit Jahren auf einen Kreis verlässlicher Sponsoren stützen – darunter die Sparkasse, Stadtwerke, ein Autohaus und mehrere Gaststätten. Hauptsponsor ist ein Unternehmen der Industrie- und Dichtungstechnik mit Sitz in Essen und einer Niederlassung in Annaberg-Buchholz.
Die Anlage des VfB, der „Kurt-Löser-Sportplatz“ an der B95, kann sich sehen lassen. Im Vorjahr kamen 2.500 Zuschauer zum Pokalspiel gegen den Drittligisten aus Aue. Auch am kommenden Wochenende dürfte das Stadion gut gefüllt sein – über 1.000 Besucher werden erwartet.