Als der VfB Glauchau den PSV Chemnitz und den CBC ärgerte
18.08.2026, 13:05 Uhr | 568 Aufrufe
Der Chemnitzer FC absolviert morgen Abend auf der Fischerwiese (19.08.26, Anstoß 19 Uhr) ein
Testspiel gegen den
VfB Glauchau. Die Westsachsen setzten im November 2024 ein Ausrufezeichen im Sachsenpokal, als sie den FSV Zwickau im Achtelfinale mit 2:1 besiegten. Aber auch in Chemnitz haben die Glauchauer Fußballer Spuren in der Sportgeschichte hinterlassen. Die Fanpage ist tief ins Archiv gestiegen, um wieder einmal in der Historie des PSV und des CBC zu stöbern.
Im Jahre 1933 wurde der Fußball im Deutschen Reich komplett umstrukturiert. Statt den bisherigen kleinen und großen Verbandsmeisterschaften - der
CBC und
PSV spielten bis dahin unter den Fittichen des VMBV - wurde der Fußball nun zur Ländersache.
Sachsen bekam eine eigene "Gauliga", wo alle bis dahin in den einzelnen Verbänden organisierten sächsischen Teams direkt aufeinandertrafen. Ebenso wurde in allen anderen Gauen (Bayern, Hessen, Thüringen, etc.) verfahren. Die einzelnen Landesmeister spielten dann in einer Endrunde den jährlichen Deutschen Meister aus.

In der
Saison 1933-34 war Chemnitz durch seine beiden besten Vereine, den PSV Chemnitz und den Chemnitzer BC, zweifach in der Gauliga Sachsen vertreten. Diese umfasste elf Teams, obwohl eigentlich nur zehn geplant waren. Daraus ergab sich, dass die drei letzten Vereine absteigen würden, um ab 1934 mit zehn Teams zu kicken. Auch der
VfB Glauchau (Westsachsen-Meister im VMBV) spielte ab 1933 in der Gauliga, und er sollte den Chemnitzern in schlechter Erinnerung bleiben. Ende Oktober 1933 besiegte Glauchau völlig überraschend den
PSV mit 3:0 und gab deren Meisterschaftsambitionen einen gehörigen Dämpfer. Immerhin konnte sich der PSV im Rückspiel mit 5:0 ordentlich revanchieren. Noch viel schlimmer traf es den
CBC, der beide Spiele gegen den VfB Glauchau verlor und am Saisonende abstieg.

Als besonderes Dilemma erwies sich dabei das CBC-Heimspiel in Chemnitz. Der erste Versuch wurde am zweiten Weihnachtsfeiertag im Dezember 1933 beim Stande von 0:0 wegen Unbespielbarkeit des Platzes abgebrochen, und der Nachholer in den April 1934 verlegt. Bis dahin war der Chemnitzer BC aber in schwere Abstiegsnöte geraten, die zwei Punkte gegen Glauchau wurden dringend gebraucht. Die gesamte Gauliga hatte bereits alle Spiele absolviert - nur die
Nachholpartie in Chemnitz stand noch aus, und der CBC stand auf dem 9. Tabellenplatz (= Abstieg). Mit einem Sieg hätte man sich vor Planitz (Zwickau) schieben können, aber der CBC zeigte Nerven und vermasselte die Partie mit 1:3. So blieb dem CBC nur der
Abstieg in die zweitklassige Bezirksliga.
Wir haben für euch die
Spielberichte zu diesen fünf Partien des PSV und CBC gegen den VfB Glauchau in der Saison 1933-34 aus dem Archiv gefischt.
VfB Glauchau - PSV Chemnitz 3:0 (29.10.1933)
Die größte Überraschung gab es vor 3.000 Zuschauern in Glauchau, wo die Chemnitzer Polizisten eine sensationelle Niederlage einstecken mußten, durch die ihre Meisterschaftsaussichten beinahe gänzlich vernichtet wurden. [..] Die Glauchauer gingen bereits in der 3. Minute durch einen von Fuchs verwandelten Elfmeter, den Weggel durch hartes Angehen verschuldet hatte, in Führung. Gleich nach Wiederbeginn konnte der Glauchauer Linksaußen Winkler auf 2:0 erhöhen und damit war die Polizei bereits erledigt. Die Chemnitzer drängten wohl zeitweise stark, konnten aber nichts erreichen und mußten sich sogar noch [..] einen dritten vom Rechtsaußen Winkelmann erzielten Treffer gefallen lassen. [..]
Chemnitzer BC - VfB Glauchau 0:0 (Spielabbruch, 26.12.1933)
In der sächsischen Fußball-Gauliga sollte am zweiten Weihnachtsfeiertag mit den letzten drei Punktspielen die Herbstspielreihe abgeschlossen werden. Von den drei Spielen fiel jedoch die Plauener Begegnung zwischen dem 1. Vogtl. FC Plauen und SC Planitz aus, während das Chemnitzer Treffen zwischen dem Chemnitzer BC und VfB Glauchau in der ersten Halbzeit beim Stand von 0:0 wegen des glatten Bodens abgebrochen wurde. [..]
VfB Glauchau - Chemnitzer BC 4:2 (21.01.1934)
[..] Die erste Hälfte brachte einen erbitterten Kampf zweier gleichwertiger Gegner. Die Glauchauer gingen durch ein Eigentor des Gegners in Führung, doch sorgte Nieher für den Ausgleich. Bald nach Wiederbeginn erhielten die Einheimischen einen Elfmeter zugesprochen, den Fuchs verwandelte. Von da an waren die Chemnitzer stark deprimiert, mußten noch zwei Tore von Häusler und Hofmann einstecken und verbesserten erst ganz zum Schluß durch den in den Sturm gegangenen Hösel, der einen Elfmeter einsandte, auf 4:2.
PSV Chemnitz - VfB Glauchau 5:0 (18.02.1934)
Vor 5.000 Zuschauern mußten die Chemnitzer um den Sieg weit mehr kämpfen, als es nach dem Ergebnis den Anschein hat. [..] Ein kurz vor der Pause erzieltes Tor von Munkelt blieb die ganze Ausbeute der Chemnitzer bis zur 75. Minute, wo Helmchen auf 2:0 erhöhte, nachdem vorher der Ausgleich ständig in der Luft hing. [..] Zuletzt setzten die Chemnitzer zu einem großen Endspurt an, der die Westsachsen völlig aus dem Konzept brachte. Helmchen konnte noch drei Tore erzielen, so daß der Endsieg noch klar ausfiel.
Chemnitzer BC - VfB Glauchau 1:3 (Nachholspiel, 22.04.1934)
Zu dem Spiel hatten sich 12.000 Zuschauer eingefunden, die einen recht spannenden Kampf zu sehen bekamen, der von beiden Mannschaften in der besten Besetzung bestritten wurde. [..] Verloren wurde das Spiel für Chemnitz durch die schlechtere Stürmerreihe, die die taktisch ausgezeichnet arbeitende Glauchauer Hintermannschaft fast nie überwinden konnte. Die erste Halbzeit stand völlig im Zeichen der Glauchauer, die in der 5. und 24. Minute durch den Linksaußen Winkler und den Mittelstürmer Fuchs zweimal erfolgreich waren. [..] In der zweiten Spielhälfte war das Bild völlig umgekehrt. Der CBC griff ununterbrochen an und bestürmte mit größter Heftigkeit das Glauchauer Tor, war jedoch nur einmal und zwar in der 50. Minute durch einen schönen Schuß des Linksaußen Wildau erfolgreich. [..]

Mit dem 1:3 am 22. April 1934 stieg der Chemnitzer BC nach nur einem Spieljahr aus der Gauliga ab. 1936 scheiterte der
CBC in der Aufstiegsrunde und tauchte erst 1939 wieder in der höchsten sächsischen Spielklasse auf. Der
PSV wiederum eröffnete im
Mai 1934 die Fischerwiese und holte sich 1935 und 1936 vor dem Dresdner SC den
Meistertitel in der Gauliga. In der Endrunde der Deutschen Meisterschaft drang die Helmchen-Elf 1935 bis ins Halbfinale vor, verlor dort aber
knapp mit 2:3 gegen Schalke 04. Der
VfB Glauchau stieg 1935 als Tabellenletzter aus der Gauliga ab. Zusammen mit dem CBC stiegen die Glauchauer 1939 wieder in die Gauliga auf, mussten aber 1941 wieder runter.
Quellen: Riesaer Tageblatt 1933 und 1934 (SLUB), private Sammlung