Chronologie und Resümee der Ereignisse am Millerntor: Verlierer ist der Fußball !!

04.04.2006, 13:37 Uhr | 778 Aufrufe
Das Regionalligaspiel zwischen dem gastgebenden FC St.Pauli und dem Chemnitzer FC wird wohl noch längere Zeit die Medien beschäftigen, eine Vielzahl polizeilicher Ermittlungen nach sich ziehen, und den Verantwortlichen beider Vereine in puncto Konsequenzen einige schlaflose Nächte bereiten. Trotz eines mehr erzielten Tores auf der Habenseite des FC St. Pauli gab es eigentlich nur einen großen Verlierer am Millerntor: Den Fußball und dessen normale, friedliche Anhänger.

Bereits in den Vorjahren hatte es bei Gastspielen des CFC stets kleinere Reibereien und provokante Aktionen auf beiden Seiten gegeben, welche zumeist aus den unterschiedlichen politischen Ansichten beider Fanlager resultierten. In diesem Jahr eskalierte die Situation, da sich im Gästeblock neben den ca. 100 mitgereisten, normalen Chemnitzer Fans eine Zahl von ca. 150 rechtsorientierten Typen einfand, die durch Auftritt und Parolen massiv ihre menschenfeindliche Gesinnung zum Ausdruck brachten. Mittlerweile ist bekannt, dass diese Zahl sogar noch höher hätte ausfallen können, da sich der rechte Mob in der Hamburger Hochbahn Schlägereien mit Ausländern lieferte und dabei durch die Polizei teilweise festgenommen werden konnte.

Negativer Höhepunkt der politischen Provokationen war eine "Choreo" beim Einlaufen der Mannschaften, welche aus sieben roten Fahnen bestand, in denen ein weißer Kreis zu sehen war. Was dort in der Mitte gerade noch fehlte, konnte man sich denken. Ein absolutes Armutszeugnis für den Chemnitzer Block und "das" rote Tuch für die Linksradikalen im Hamburger Fanlager. Es gibt Vermutungen, dass diese Fast-Hakenkreuzfahnen eine Antwort auf das Hamburger Verbot von Textilien der Marke "Thor Steinar" gewesen sein könnten - denn ursprünglich war laut Insidern eine andere Choreo geplant gewesen. Egal wie, fakt bleibt, solche Fahnen sowie dumpfe ausländerfeindliche und rechtsgerichtete Parolen haben in einem Stadion nichts aber auch gar nichts zu suchen! Es geht um Fußball, und nicht um Werbung für das nächste Kameradschaftstreffen. Traurig stimmt dabei auch, daß durch derartige Aktionen die friedlichen Gästeanhänger zutiefst in Mitleidenschaft gezogen werden, da sie durch ihre Mit-Anwesenheit im Block in braune, politische Sippenhaft genommen werden.

Blickte man während des Einlaufens der Mannschaften auf den Heimblock von St.Pauli, konnte man sich allerdings ebenso eines Kopfschüttelns nicht erwehren. Bei einem Regionalligaspiel per Transparent die Freilassung aller linken politischen Gefangenen zu fordern, zeugt ebenfalls nur vom Verbiegen des Fußballs zu einer politischen Plattform.

Als hätte die politische Aktion zu Spielbeginn nicht schon gereicht, kam es während der ersten Halbzeit - bei Führung des CFC - zum Skandieren von rechten Parolen und zu Randale im Gästeblock. Erst wurde schwarzer Rauch entzündet, welcher in hellen Flammen aufloderte und auf die angrenzende Tribüne und das Spielfeld zog. Dann flogen noch 2 ohrenbetäubende Knaller auf das Spielfeld, so dass der Schiedsrichter die Partie für 5 Minuten unterbrechen musste. In dieser Phase versuchten auch ca. 15 Chemnitzer Chaoten, den Abtrennungszaun zur Westtribüne zu übersteigen, was jedoch von sofort erscheinenden Ordnern unterbunden wurde. Nach diesen neuerlichen Vorfällen verließen die Ordner des FC St. Pauli den Gästeblock und die Polizei einschließlich Sondereinsatzkommando strömte in den Gästeblock.

In der Halbzeitpause gab es von den Verantwortlichen des FC St. Pauli die Forderung, den kompletten Gästeblock zu räumen, was jedoch von der Polizei abgelehnt wurde. Man befürchtete, dass nach einer solchen Aktion linksradikale Paulianer sich aus dem Stadion entfernen und sich eine Straßenschlacht mit der Polizei und den Chemnitzern liefern würden. Wie weise diese Vorraussicht war, sollte sich nach Spielende bestätigen. Schon während der zweiten Halbzeit konnte vom Stadion aus beobachtet werden, daß auf der Strasse hinter dem Stadion bereits Wasserwerfer der Hamburger Polizei in Stellung gingen.

Im Gästeblock blieb es während der zweiten Halbzeit angesichts der Ausgangslage relativ ruhig. Lediglich am oberen Zaun hatte sich nunmehr eine der Fahnen aus der "Choreo" eingefunden. Nachdem diese dort einige Zeit hing, und auch nicht von den anwesenden Polizisten entfernt wurde, liefen in einer fixen Aktion drei Offizielle des FC St.Pauli, darunter der Fanbeauftragte und der Vizepräsident, durch den Gästeblock und entfernten diese Fahne aus dem Stadion.

Nach dem Abpfiff bekam der Chemnitzer Block die "Rechnung" für seinen Auftritt präsentiert: Das gesamte Stadion brüllte während des Verlassens des Gästeblocks "Nazis Raus!" und rund um das Millerntor warteten wütende St.Pauli-Fans darauf, den Chemnitzer Gästen ordentlich heimleuchten zu können. Rund 750 Anhänger des Kiezklubs lagerten zu beiden Seiten des Abmarschweges und warteten mit Steinen und Flaschen darauf, "die Faschisten aus dem Osten" gebührend zu verabschieden. Auf Chemnitzer Fans, welche in Vorahnung der nachfolgenden Ereignisse das Stadion eher verlassen hatten, wurde zu diesem Zeitpunkt bereits gnadenlos Jagd gemacht. Ohne Unterschied, ob rechtsradikales Erscheinungsbild, oder nicht.

Die Polizei ließ keine Chemnitzer aus dem Block, was sich angesichts obiger Jagdszenen als richtig herausstellen sollte - auch wenn die Fraktion der Autofahrer dafür wenig Verständnis zeigte. Im Hintergrund hörte man stets nur Lautsprecherdurchsagen und den wütenden Straßenmob vor dem Stadion. Unwillkürlich hatte man Bilder von Straßenschlachten vor den Augen, welche man von den Maikrawallen in Berlin, oder aus Hamburg von den Hausbesetzern der Hafenstraße kannte. Nach einer Stunde geduldigen Wartens flogen aus Richtung des Toilettentraktes drei Flaschen in Richtung des Gästepulks, welche aber glücklicherweise niemanden verletzten.

Nach dem fast zwei Stunden ins Land gegangen waren, trafen drei Niederflurbusse des Hamburger Stadtverkehrs ein, welche die Chemnitzer Gäste sicher aus der Stadt bringen sollten. Nach Aussagen der Polizei hatte man eine Gasse zum Abtransport frei geräumt. Beim Einstieg in die Busse wurde klar, dass diese bereits vom randalierenden Mob stark in Mitleidenschaft gezogen worden waren. Eingeschlagene und beschädigte Front- und Seitenscheiben deuteten darauf hin, daß dem linksradikalen Mob selbst das Leben der einheimischen Busfahrer ziemlich egal war. Bei der schnellen Fahrt vom Stadion hinweg wurde von allen Seiten, trotz Einsatz der Wasserwerfer, immer wieder mit Flaschen und Steinen nach den Bussen geworfen, welche zumeist ihr Ziel auch fanden. Verletzte gab es aber keine zu beklagen.

Am Zielort in Hamburg-Altona angekommen, wurden die Chemnitzer Gäste auf ihre dorthin gelotsten Reisebusse verteilt und die Zugfahrer zum Bahnhof geleitet. Angeschmiert waren die Autofahrer, welchen dringend empfohlen wurde, sich keinesfalls dem Stadionumfeld zu nähern, da die Beamten noch an dem Straßenmob "arbeiten" würden. Einige Besatzungen nutzen die "Freizeit" zur Einkehr, andere Besatzungen wurden mit Hilfe des Chemnitzer SKB zu ihren Fahrzeugen zurückgebracht. Soweit bekannt, sind letztlich alle Autobesatzungen zu frühnächtlicher Stunde in Chemnitz heil wieder angekommen.

Resümee: Die Ereignisse rund um dieses Spiel lassen trotz des Sieges von St.Pauli nur einen Schluss zu: Der Fussball und seine friedlichen Fans haben verloren !! Als Vorzeichen für die in 2 Monaten beginnende WM ist dies ein bedenkenswert schlechtes Zeichen. Kein vernünftiger Fußballanhänger will im und am Stadion irgendwelche Gewaltausbrüche erleben. Diese Täter, egal, ob nun rechter oder linker Gesinnung, gehören in kein Stadion dieser Welt. Und kein ehrlicher Fußballfan braucht politische Parolen, Symboliken oder Fahnen entsprechender Gesinnungen in seinem Stadion. Durch diese politischen Trittbrettfahrer, welche den Fußballsport für ihre Losungen als Plattform missbrauchen, wird der gemeine Fan in Mitleidenschaft gezogen und es kommt zu Exzessen wie bei diesem Spiel gesehen. Ja, der rechtsradikale Chemnitzer Mob hat mit seinen einschlägigen Fahnen und der Randale eine unglaubliche Provokation abgeliefert, über die im Chemnitzer Fanlager tunlichst zu sprechen sein wird! Das ist fakt! Nichtdestotrotz darf man aber auch vor der völlig überzogenen Reaktion der radikalen Pauli-Fans nicht die Augen verschließen. Nur weil man dort partiell die Meinung vertritt, daß wenn die Polizei den Gästepöpel nicht entfernt, dies dann mit anarchistischen Methoden "selbst in die Hand zu nehmen", darf dies keine Begründung für die gewalttätigen Erscheinungen nach dem Spiel sein, mit denen man das Leben unschuldiger Menschen massiv bedroht. Beide "Parteien" sollte jeweils im eigenen Lager ganz klar die Rote Karte gezeigt werden !!

KEINE POLITIK IM STADION !!!

GEGEN RECHTE UND LINKE GEWALT !!!

UNSER CFC IST HIMMELBLAU - NICHT BRAUN !!!

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