Die Abrechnung - Matthias Schulz über seine Zeit in Chemnitz

18.11.2002, 18:35 Uhr | 210 Aufrufe
Der Ex-Coach im InterviewKnapp 2 Jahre begleitete Matthias Schulz den Chemnitzer FC, 8 Monate als Co-Trainer an der Seite von Dirk Karkuth, nach dessen Entlassung übernahm er die komplette Verantwortung für die Regionalligaelf. Aber nach zuletzt 7 sieglosen Regionalligaspielen und dem peinlichen Pokalaus in Plauen musste sich Matthias Schulz den Regeln der Branche beugen und wurde bezeichnenderweise am Reformationstag (31.10.2002) entlassen. 2 Wochen nach seiner Amtsenthebung hat CFC-Fanpage.de noch einmal mit dem Ex-Trainer der Himmelblauen gesprochen.

Herr Schulz, wie haben Sie die letzten Tag nach der Beurlaubung verbracht?
Ich habe viele Freunde besucht und ein paar Sachen geklärt. Und ich habe in den Zeitungen und im Internet genau verfolgt, was im Spiel gegen Babelsberg passiert ist. Außerdem war ich bei dem super Konzert von Herbert Grönemeyer in Leipzig.

Sie haben oft betont, wie sehr es Ihnen beim CFC gefällt. Wie schwer ist Ihnen die Trennung gefallen?
Nachdem ich die Reaktion der Mannschaft gesehen habe, war der Abschied nicht so schwer wie damals beim DSC.

Welches war für Sie das schönste oder beste Spiel des CFC unter Ihrer Leitung als Cheftrainer?
Viele werden denken, das 3:0 in Aue. Für mich waren es aber die beiden 5:0-Spiele gegen Wattenscheid und Essen. Da haben wir Fußball gespielt, wie er sein muss. Beispielsweise hatte der Gegner den Ball, wusste aber nichts damit anzustellen. Die sind regelrecht an uns zerbrochen.

Und das schlimmste?
Paderborn. Da war gar nichts von der Mannschaft da. Das war wie ein Horrorfilm für mich.

Sie wirkten am Spielfeldrand immer sehr ruhig...
Ich bin kein Showhase, der für die Leute rumhüpfen muss. Und großen Einfluss auf das Spielgeschehen hat man ja eh nicht. Man kann zwar taktische Anweisungen geben, aber den Rest müssen die Spieler schon allein machen.

Die Spieler sagen, Sie hätten öfters mal "auf den Tisch hauen" müssen. Sehen Sie das im Nachhinein auch so?
Was bringt es auf den Tisch zu hauen? Zwar bin ich intern ab und zu schon mal laut geworden, aber grundsätzlich versuche ich eher auf die Spieler einzugehen. Ich kann mich da auch nicht ändern, weil das dann nicht von mir kommt.
Aber vielleicht hätte ich wirklich mal vor versammelter Truppe ein Zeichen setzten solle. Bitti war zwar so ein Zeichen, aber ich habe es nicht alleine gesetzt.


Apropos Bittermann: Es scheint, als wäre sein Rausschmiss der Bruch im Verhältnis zwischen Ihnen und der Mannschaft gewesen.
Bitti hatte großen Einfluss im Verein. Das hat Einigen im damaligen Vorstand nicht gepasst und war mit ein Grund für seinen Rausschmiß.
Was die Mannschaft angeht: einige der Spieler, die gegen Uerdingen mit Bittermann-T-Shirts aufgelaufen sind, haben ihn selber abgeschossen. Gewisse mannschaftsinterne Sachen wussten urplötzlich auch Leute vom Vorstand. Die Frage ist nur, woher sie das wussten - von mir mit Sicherheit nicht!


Herr Schulz, hatten Sie zuletzt das Gefühl, dass einige Spieler des CFC gegen Sie gespielt haben?
Schon allein weil die Siegprämien zu hoch sind, hätte keiner gegen mich gespielt. Und jeder Spieler hat mir auch bestätigt, dass das Training absolut professionell war und dass das nichts mit den gezeigten Leistungen zu tun hatte. Rainer Krieg zum Beispiel sagt mir einmal, dass er hier die beste Vorbereitung seiner Karriere gehabt hätte.
Doch leider gab es Spieler, die nicht ehrlich ihre eigne Leistung einschätzen konnten. Gerne hätte ich mal den einen oder anderen Spieler auf der Bank gelassen, aber mir fehlten einfach die Alternativen. Ingo Walther zum Beispiel hat letztes Jahr oft nicht gespielt, weil wir bessere Leute hatten. Jetzt ist er ein Führungsspieler - das sagt doch alles.


Einige Spieler prangern an, sie hätten oft mit Ihnen über Verbesserungen des Trainings gesprochen, dann aber doch alles beim alten gelassen. Was sagen Sie zu einer solchen Aussage?
Das kommt als Ausrede von Spielern, die schon bei vielen Vereinen tätig waren. Aber das ist wie in einer Beziehung, wenn man anfängt zu Vergleichen, dann ist es aus...

Ebenso kam von Ihrer ehemaligen Mannschaft Kritik an den Auswertungen nach den Spielen...
Das ist auch so eine typische Aussage von Spielern, die sich nur selbst schützen wollen. Leider sind die Charaktere im Team zu labil um eigene Fehler einzugestehen.

Herr Schulz, wie geht es nun für Sie nach der Entlassung weiter?
Ich habe jetzt erst einmal 8 Monate bezahlten Urlaub. Aber ganz ehrlich, mir geht das jetzt schon auf den Geist. Ich würde am liebsten sofort wieder als Trainer arbeiten. Aber bisher gibt es nur zwei lose Anfragen von Vereinen aus Sachsen.

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