Spielbericht // Saison 2010/2011

 
VfL Wolfsburg II
VfL Wolfsburg II0:4Chemnitzer FC
Chemnitzer FC
34. Spieltag - Regionalliga Nord - Saison 2010/2011
Samstag, 28. Mai 2011, 13:30 Uhr
Stadion am Elsterweg, Wolfsburg
Zuschauer: 1.808
Schiedsrichter: Stein (Homburg am Main)
VfL Wolfsburg IITorfolgeChemnitzer FC
T Deumeland
A Schulze
A Klamt
A Karimow
A Schlimpert
M Granatowski (57. Schulze)
M Polter
M Klos
M Könnecke
S Fomitschow (34. Kreuels)
S Thölke

Trainer: Köstner
0:1 Bankert (14.)
0:2 Bankert (28.)
0:3 Garbuschewski (56.)
0:4 Tüting (85.)

Besondere Vorkommnisse:
Schmidt hält Foulelfer von Schulze (69.)

T Schmidt
A Bankert
A Richter
A Trehkopf
A Schaschko
M Wilke (84. Peßolat)
M Sträßer
M Tüting
M Garbuschewski
S Löwe (61. Schlosser)
S Förster (75. Dobry)

Trainer: Schädlich
Spielbericht

Verfolger gedemütigt: Himmelblaues Meisterstück in Wolfsburg

Von Frank Neubert

Wolfsburg II gegen Chemnitz. Der Zweite gegen den Ersten. Oder: Der Erste der Rückrundentabelle gegen den zweitbesten Verein der Rückrunde. Es hätte ein dramatisches Spiel um den Staffelsieg werden können, aber gottseidank hatte der Cub sich dieses nervenzerfetzende Endspiel erspart und war mit dem 1:0 gegen RB Leipzig am 33. Spieltag vorzeitig Meister geworden. So hieß die Partie lediglich: Nichtaufsteiger gegen den zukünftigen Drittligisten. Die Frage war, wer sich hier - trotz der entschiedenen Meisterschaft - noch einmal richtig reinhängen wollte.

Bankert trifft per Kopf zum 1:0Das Motivationsgefüge der Wolfsburger wurde garantiert nicht aufgebaut, als es vor dem Anpfiff die Meisterehrung für den CFC und die Übergabe der NOFV-Schale gab. Damit wurde quasi noch einmal verdeutlicht, daß die Aufholjagd der jungen Wölfe beendet und nutzlos war. Und genau so fühlten sich die ersten Minuten des Spiels dann auch an. Der Wolfsburger Nachwuchs gedanklich nicht anwesend, der Club dafür mit der breiten Brust eines Aufsteigers. Unterstützt von 1 500 (!) mitgereisten Schlachtenbummlern, die im Gästeblock ordentlich für Lärm sorgten, war der Club sofort im Spiel. Etwas überraschend, aber keineswegs unverdient, schepperte es bereits nach einer Viertelstunde im Wolfsburger Kasten. Der aufgerückte Bankert vollendete nach einer Ecke von Garbuschewski per Kopf zum 1:0. Doch damit nicht genug, denn Bankert war auch nach einer halben Stunde zur Stelle, um das fällige 2:0 zu markieren. Diesmal hatte Löwe mit einer Flanke die Vorlage gegeben. Der Club präsentierte sich als wahrer Meister, die Kombinationen, der Siegeswille, und die frühen Tore erinnerten an die glorreichen Spiele der Hinrunde, wo viele Gegner bereits in der ersten Halbzeit mürbe gespielt und mit laufintensiven Galafussball besiegt wurden. Wolfsburg lief in Gefahr, zu genau solch einem Opfer zu werden.

Die kleinen Wölfe waren kaum aus der Kabine, da schlug es erneut bei Keeper Deumeland ein. Der zum Deutschen Meister wechselnde Löwe setzte sich auf der linken Seite bravourös durch und flankte nach innen, Garbuschewski stand am langen Pfosten goldrichtig und vollendete mit einerm perfekten Seitfallzieher zum 3:0! Damit war das Spiel praktisch entschieden und im Gästeblock steigerte sich die eh schon gute Stimmung zur Endlos-Party. Der Club lieferte tatsächlich noch einmal eines der endgeilen Hinrundenspiele und sein endgültiges Meisterstück ab! 3:0 beim ärgsten und gefährlichsten Verfolger! Doch die gute Laune sollte sich noch steigern - Klos stiefelte bei einem Konter allein auf Schmidt zu und stürzte über dessen Handschuhe. Ein Pfiff, Elfmeter! Und Schmidt, der Teufelskerl, der Pentke bei dessen Viruserkrankung bestens vertrat und genau deshalb die Ehre bekam, im letzten RL-Spiel erneut im Tor stehen zu dürfen, parierte den von Schulze ausgeführten Elfer! Nachdem Schulze auch den Nachschuss an die Latte genagelt hatte, setzten sich die Aufstiegsfeierlichkeiten im himmeblauen Block hemmungslos fort. Jeder Spieler wurde nun namentlich gefeiert.

Schmidt pariert den Elfer!Gut zehn Minuten vor dem Schlußpfiff saßen die ersten Chemnitzer auf dem Zaun. Feiernde Fans neben sportlich motivierten Jungs. Dann hüpften die ersten in den Innenraum. Was nun folgte, wird wahrscheinlich nie zu klären sein. Erst öffnete sich ein Fluchttor, etwas später folgten die anderen im Gästeblock. Warum? Wolfsburger Erstliga-Ordner standen direkt daneben und staunten. Oder waren es Chemnitzer Hände im Innernraum, die für die Öffnung sorgten? Zu diesem Zeitpunkt waren noch knapp 10 Minuten zu spielen! Und ca. 500 Chemnitzer turnten frei auf der Tartanbahn herum! Schiedsrichter Stein gefiel das überhaupt nicht und er unterbrach das Spiel. Nun sorgten vor allem himmelbaue Spieler, Chemnitzer Althaken und Teile der UC dafür, daß alle Club-Fans wieder brav in den Block stiefelten. Es funktionierte, und die Frage blieb, wer eigentlich die Tore (sinnloserweise) geöffnet hatte. Das Spiel wurde nach 8 Minuten fortgesetzt und Simon Tüting sorgte nach einem Garbu-Freistoß mit einem herrlichen Kopfball zum 4:0 für das perfekte Endergebnis für den Meister aus Chemnitz..

Nach dem Schlußpfiff sprangen erneut die auf dem Zaun sitzenden Fans in den Innenraum und die Blocktore wurden geöffnet - ein Patzsturm folgte. Doch anstatt - wie daheim gegen RB Leipzig daheim auf der Fischerwiese - friedlich zu feiern, wurde der Rasen als Rollfeld in Richtung Heimblock genutzt. Die Jungs, die sich mit dem beeindruckenden 4:0 den allerersten Dank verdient gehabt hätten, wurden von der sportlichen Fraktion eiskalt missachtet und das Augenmerk ging Richtung Heimblock, wo die einheimischen Allesfahrer mit dem Banner "Weekend Brothers" ihre Anwesenheit bekundet hatten. Knaller und Gegenstände flogen über den Zaun - und die große Feier mit der Meisterelf über das sensationelle 4:0 fiel einfach ins Wasser. Enttäuschend. Traurig. Peinlich. Szenen, die eines Drittligaaufsteigers schlicht und ergreifend nicht würdig waren. Wer sich die Mühe machte, die himmelblauen Helden noch am Abend im Sportforum nach deren Rückkehr zu besuchen, konnte diese Katerstimmung mit Händen und Füßen greifen...

Fazit: Der Club hat seinem ärgsten Verfolger in diesem Ananas-Spiel eine derart klare Kante gezeigt, daß jedliche Diskussion über den Verdienst der Meisterschaft absolut hinfällig sind. Besser geht es nicht! Was aber definitv besser geht, bzw. gehen muss, ist die Außendarstellung der Club-Fans. Wer tatsächlich glaubt, sich bei einem Meisterstück des Clubs mit anwesenden Jubelpersern eines Plastikvereins wie Wolfsburg anlegen zu müssen, anstatt die eigene Mannschaft grandios zu feiern, der hat nicht nur den letzten Schuß nicht gehört, sondern auch nicht verstanden, was Tradition seit 1966 bedeutet. Unseren Jungs hat das in keinster Weise gefallen - wer in dieser Hinsicht etwas gut zu machen hat, möge bitte in Leipzig erscheinen und die himmelbauen Farben reumütig zum Sieg brüllen!

Wertung: 1,0

Beste Himmelblaue: Schmidt, Bankert, Löwe


Pressestimmen

Freie Presse

Chemnitzer trumpfen nach Belieben auf

Die Abschlusstabelle der Fußball-Regionalliga Nord können sich die CFC-Spieler getrost einrahmen. 82 Punkte und ein Torverhältnis von 82:23 werden für die Himmelblauen nicht gleich wieder zu Buche stehen. [..] Nicht Torschützenkönig Benjamin Förster, sondern Linksverteidiger Bankert gelang dabei in der ersten Spielhälfte ein Doppelpack: Zunächst wuchtete der ehemalige Magdeburger per Kopf eine Garbuschewski-Ecke von rechts ins Netz (14.), dann legte er mit schöner Direktabnahme nach Vorarbeit von Chris Löwe nach (28.). Die Himmelblauen agierten in der ersten Hälfte insgesamt sehr spielfreudig, ballsicher im Aufbau und beweglich im Mittelfeld. Die Wolfsburger hingegen, die in der Rückrunde noch kein Spiel verloren hatten, suchten vergeblich ihre spielerische Linie. [..] In der zweiten Hälfte kontrollierte der Drittliga-Aufsteiger das Geschehen. Das 3:0 durch einen akrobatischen Torschuss von Ronny Garbuschewski nach Löwe-Flanke von der Grundlinie (54.) spielte den Sachsen dabei in die Karten. [..] Als CFC-Torhüter Schmidt den durchgebrochenen Klos foulte, gab es zu Recht Elfmeter. Doch Schulze scheiterte gleich doppelt, erst an Schmidt, dann an der Lattenunterkante (67.). Danach war die Luft in der Partie weitgehend raus, es passierte nicht mehr viel. Nach Garbuschewski-Freistoß sorgte Tüting per Kopf aus elf Metern für den Endstand (90.+1). [..]

Wolfsburger Allgemeine

VfL II verliert 0:4 gegen Chemnitz

Erste Heimniederlage in dieser Saison für den VfL Wolfsburg II: Am letzten Spieltag der Fußball-Regionalliga unterlag das Team von Trainer Lorenz-Günther Köstner vor 1800 Zuschauern gegen Meister Chemnitzer FC mit 0:4 (0:2). Es ging um nichts mehr im Top-Spiel der Regionalliga. Die Gäste aus Chemnitz hatten den Titel schon vor einer Woche klargemacht, gingen mit vier Punkten Vorsprung vor dem VfL in die Partie. Den Gastgebern merkte man an, dass die Spannung raus war. Unkonzentriert, leichte Abspielfehler, wenig Aggressivität in den Zweikämpfen – so konnte man den Chemnitzern nicht gefährlich werden. Anders der Meister, der den VfL früh unter Druck setzte. Und schnell die Führung erzielte. [..]

MDR-Online

Chemnitz krönt die Saison

Meister Chemnitzer FC hat einen perfekten Saison-Abschluss geschafft. Beim Tabellenzweiten VfL Wolfsburg II gewannen die Himmelblauen in überzeugender Manier mit 4:0. Besonders in der ersten Hälfte ließen die Sachsen den Ball wie ein Spitzenteam durch die eigenen Reihen sausen und führten durch einen Doppelschlag von Bankert mit 2:0. [..] Wolfsburg tat sich weiter schwer, hatte aber auch etwas Pech. Als CFC-Torhüter Schmidt den durchgebrochenen Klos foulte, gab es zu Recht Elfmeter: Doch Schulze scheiterte gleich doppelt, erst an Schmidt, dann an der Lattenunterkante (67.). Torwart Schmidt war für Stammkeeper Pentke gekommen, als Dank für gute Leistungen zu Beginn der Rückrunde, als Pentke erkrankt war. [..]


Trainerstimmen

Lorenz-Günther Köstner (www.vfl-wolfsburg.de):
"Nach dem Halle-Spiel, als wir das Ergebnis aus Chemnitz erfuhren, waren meine Spieler schon sehr enttäuscht. Das hat man heute immer noch in irgendeiner Weise gemerkt. Wir hätten den Chemnitzern heute ebenbürtig sein können. Da hätten wir allerdings anders agieren müssen. Dass sich einige meiner Spieler nicht mehr wie zuletzt präsentiert haben, enttäuscht mich schon. Als kleine Entschuldigung muss man ihnen aber zu Gute halten: Die Spannung war raus. Das hat man deutlich gemerkt. Nichtsdestotrotz: Wie haben insgesamt eine sehr starke Saison gespielt."

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