Spielbericht // Saison 2000/2001

 
Chemnitzer FC
Chemnitzer FC0:0SV Waldhof Mannheim
SV Waldhof Mannheim
29. Spieltag - 2. Bundesliga - Saison 2000/2001
Donnerstag, 12. April 2001, 19:00 Uhr
Fischerwiese, Chemnitz
Zuschauer: 2.920
Schiedsrichter: Wezel
Chemnitzer FCTorfolgeSV Waldhof Mannheim
T Ananiev
A Mehlhorn
A BittermannGelbe Karte
A Schmidt
M Renn
M Podunavac
M KlugeGelbe Karte
M Göhlert
M Oswald (72. Anders)
S TetznerGelbe Karte
S Podszus (72. Jendrossek)

Trainer: Karkuth
Tore Fehlanzeige

T Hollerieth
A Balitsch
A Pasieka
A Boukadida
A Rehm (45. Catic)
M LichtGelbe Karte
M Vata (56. Kies)
M Montero
M Protzel
S Skela (62. Teber)
S Klausz

Trainer: Rapolder
Spielbericht

3 Tore auf der Fischerwiese, aber kein (himmelblauer) Sieger

Von Frank Neubert

Ja bitte, es ging doch - gegen den 1.FCN wurde im letzten Heimspiel tapfer ein Punkt ertrotzt, warum also nicht auch gegen die Waldhöfer !? Oder vielleicht sogar mehr - denn irgendwann muß es vor der Zeitskala der Fussballgeschichte doch einmal möglich sein, das eine Chemnitzer Mannschaft gegen ein Team aus Mannheim gewinnt. Noch nicht mal dem PSV aus Vorkriegszeiten war dies vergönnt. Es wäre also wirklich an der Zeit.
Andererseits spielt der SVW noch hochmotiviert um den dritten Aufstiegsplatz mit, so daß mit Schlafwagenfussball a'la FCN wohl eher nicht zu rechnen war. Naja, wie auch immer - eine Konstante blieb, und zwar das regelmässig zu den Heimspielen auftauchende Mistwetter, wobei dieser Ausdruck wirklich noch geschmeichelt war.
Vor dem Spiel gab es noch eine Plakataktion in den Blöcken 6 und 3, welche sich gegen die provokatorische Behandlung der friedlichen CFC-Fans in Ahlen richtete, wobei ein für die CFC-Fans zuständiger Chemnitzer Beamter durch sein Nichtstun in Ahlen zur Zielscheibe der Aktion wurde (Bild, Quelle: Härtel).

Zur Freude der knapp 3000 Zuschauer begann der CFC von Beginn an mit druckvollem Offensivfussball. Die Mannschaft machte nahtlos dort weiter, wo sie gegen Nürnberg aufgehört hatte. Die erste gute Chance ergab sich für den von Mönchengladbach heiss umworbenen Peer Kluge, welcher sich im Mittelfeld durchsetzen kann und ein kurzes Solo mit einem straffen Schuss abschließt. Kurz darauf eine weitere gute Möglichlkeit durch einen Freistoss in Nähe des SVW-Strafraumes. Der agile Tetzner hebt den Ball geschickt über die Mauer, aber Hollerieth fliegt in die richtige Ecke.
Mit dem Spiel zogen auch die mittlerweile gewöhnten dunklen Wolken auf. Nicht das diese dem wetterfesten Fan direkt stören würden, aber irgendwie ist diese permanente Regelmässigkeit zum Anlass des CFC-Heimspiels schon eine nervige Angelegenheit. Kurz darauf erste Schneeschauer und lecker Graupel dazu. Nun wurden auch die Mannheimer wach und trauten sich zum ersten Mal richtig gefährlich in den Chemnitzer Strafraum. Balitsch flankt von rechts und der gefährliche Vata köpft knapp neben den rechten Pfosten. Nach dieser Schrecksekunde aber wieder die Himmelblauen am Drücker - Kluge und Tetzner im Zusammenspiel, Tetze zieht unvermittelt ab, doch erneut ist der Keeper der Waldhöfer auf dem Posten. Der CFC nun mit richtig guten Chancen, in Führung zu gehen.
Die Fans machten mächtig Stimmung in der Südkurve, was Wunder, spielte doch der CFC mal ganz ordentlichen Fussball und schließlich feierte man sich ob seiner Wetterfestigkeit auch selbst. Da die ersten Schneeschauer nicht liegenblieben, konnte man mit Bemerkungen wie "Guck mal, die Rasenheizung ist an" natürlich Punkte machen.
Nun wieder der SVW - mit Ecke von links. Ananiew kommt nicht an den Ball, Vata köpft gegen seine Laufrichtung, aber zum Glück steht Renn auf der Linie und kann den Ball aus der Gefahrenzone schlagen. Puh, erstmal durchschnaufen, das war die beste Gästechance bisher. Aber dies konnte nicht darüber hinwegtäuschen, das der Tabellenletzte aus Sachsen das beherztere und auch bessere Spiel anbot - nix zu sehen vom Aufstiegsanwärter, welcher mit einem Sieg St.Pauli vom dritten Platz hätte verdrängen können. Der CFC nun mit Macht - ein gefährlicher 30m-Hinterhaltschuss (29.min) von Mehlhorn findet wiederum im Mannheimer Torhüter seinen Bezwinger. Schade, gegen den FCN hatte es damit noch geklappt. Dann setzt sich Daniel Göhlert auf der rechten Seite durch, übersteigt halb fallend noch einen Mannheimer und stürmt aus spitzen Winkel auf das Tor zu. Ein schöner Knaller aus spitzen Winkel - leider streicht auch dieser Schuss am langen Pfosten vorbei.
Schade für den CFC, es war die letzte Aktion vor der Halbzeit - eine Führung für die Gastgeber wäre aufgrund der höheren Spielanteile und des besseren Chancen durchaus verdient gewesen. Selbst das Wetter zog sich nun wahrscheinlich in die (Mannheimer!?) Kabine zurück, denn genau in der Halbzeit schneeregnete es mal nicht.

Zum Beginn der zweiten Halbzeit hatten die Fans in der Südkurve erstmal viel Spass dabei, den in der Kurve unter den Mannheimer Wechselspielern agierenden ehemaligen Chemnitzer Marco "Abseits" Dittgen gebührend zu empfangen. Sein Wechseltheater vom letzten Sommer lag da vielen sicher noch schwer im Magen. Aber viel Zeit zum Auspfeifen blieb nicht, denn der CFC machte weiter Druck und Mannheim hechelte hinterher. Der wenig auffallende Podzus kämpft sich einmal auf der rechten Aussenbahn durch, passt nach innen zu Tetzner - dieser zieht ab und wieder zischt die Kugel knapp am gegnerischen Kasten vorbei. Und weiter ging es mit himmelblauer Herrlichkeit, diesmal rollt ein Konter über den wirklich starken Tetzner, der passt auf Höhe der Mittellinie zu Renn, dieser geht mit dem Ball Richtung Tor und schliesst aus 25m kallhart ab - nur mit den Fingerspitzen kann Hollerieth den Einschlag im Dreiangel verhindern - Ecke. Das Publikum ging jetzt leidenschaftlich mit - jeder merkte, das das erste Tor in der schneehaltigen Luft lag. Und es sollte kommen - die Ecke wird zunächst abgewehrt, aber das Leder landet Podunavac vor den Füßen, der mit einem Schlenzer aus dem Stand das Lattenkreuz trifft. Der abspringende Ball wird vom vorstürmenden Schmidt über die Linie geschossen - Tor !!! Denkste - entsetzte Gesichter bei Spielern und Fans - Jan Schmidt soll im Abseits gestanden haben. Wütende Proteste, aber was hilft's - es galt nicht, auch die Fernsehbilder konnten später nicht auflösen, ob der Treffer korrekt war oder nicht. Dann durften die Waldhöfer auch wieder mitspielen. Der zweite Ex-Chemnitzer in Waldhofs Diensten, Erwin Skela, der sich auch paar einzelne Pfiffe anhören durfte, brachte 60. Minuten nix zustande und wurde gegen Teber ausgewechselt. Und noch ehe sich die CFC-Abwehr das Konterfei dieses Spielers so richtig eingeprägt hatte, war dieser auch schon in Aktion gewesen. Eine weite Flanke von links (69.min) segelt ungestört bis auf seinen Kopf und von da ins himmelblaue Gehäuse - Tor für Mannheim. Nee, denkste, auch wieder nix - das Männlein an der Linie hatte Abseits gewunken, zu Recht, denn Teber stand ca. 1m vor seinen CFC-Kollegen. Uff - scheinbar kennt der Fussballgott doch noch ne' Art ausgleichende Gerechtigkeit, auch für Tabellenletzte.
Das Wetter legte nun auch noch einen drauf und spendierte zu dem Eisregen einen scharfen Wind, so daß man teilweise den Blick nicht zum Spielfeld richten konnte, ohne einen Hagelschaden im Gesicht mit nach Hause zu nehmen. Das alles tat der guten Stimmung aber keinen Abbruch und beim allergrössten Mistwetter wurde in der Südkurve sogar eine Uffta intoniert.
Nach zwei guten Chancen auf beiden Seiten näherte man sich der 80. Spielminute. Mittlerweile hatte Trainer Karkuth mit Jendrossek und Anders zwei frische Offensivleute gebracht, wobei Letztgenannter aufgrund seiner Jugenderfahrungen und seiner Körpergröße als Stürmer agieren sollte. Und wieder geht es über die rechte Seite und Peer Kluge ab - eine genaue Flanke von ihm in den Strafraum - Anders ist goldrichtig mit dem Kopf zur Stelle - Tor für Chemnitz !! Jubelknäule auf dem mittlerweile weißen Rasen und den Rängen. Umsonst - der erbarmungslose Linienrichter hatte wieder die Fahne oben. Und diesmal zu Unrecht, wie später auch die Fernsehbilder bewiesen. Wütende Proteste von den Rängen und von der Trainerbank - es sollte einfach nicht sein, die Seuchensaison ist und bleibt himmelblaue Realität.
Und wie so ein Spiel dann meistens läuft, da kriegt der Gegner noch seine letzte Chance, die er dann in der Regel auch eiskalt nutzt. So auch hier - 6 Minuten vor Schluss hämmert Balitsch den Ball in Richtung Ananiew. Dieser bekommt die Faust nicht rechtzeitig hoch - und das Leder knallt - zum Glück - an die Querlatte, die letzte Schrecksekunde für die Hausherren. Dann pfiff der Schieri zum letzten Mal, und es war Schluss in einem Spiel, welches nach Abseitstoren 2:1 bzw. nach regulären Toren 1:0 für den CFC geendet hätte.
Stadionsprecher Kadner ließ das 2:1 nochmals im weiten Rund verkünden, was ihm später den Rüffel eines DFB-Bevollmächtigten einbrachte. Trainer Karkuth nahm ihn dabei trotz erfolgter Kieferoperation und eigentlicher Bettruhe lautstark in Schutz, was dem Reporter der Freien Presse, Mario Schmidt, nicht zu billig war, auf der Pressekonferenz nachzufragen, weshalb der CFC-Coach trotz verbaler Fähigkeiten nur durch Co-Trainer Schulz vertreten worden ist.

Fazit: Der Chemnitzer FC ist kein Fallobst mehr. Wie schon gegen Nürnberg kann auch in diesem Spiel die Frage gestellt werden, welche Mannschaft denn eigentlich um den Aufstieg spielt und welche der erste Absteiger ist. Dank an den Trainer und die Spieler, welche mit dieser Einstellung bewiesen haben, das sie doch ein würdiger Zweitligist sein können. Mit dieser Leistung muß dem CFC vor Regionalliga nicht bange sein, selbst wenn 3 - 4 Stammspieler den Verein verlassen werden.
Andererseits darf aber auch die Frage erlaubt sein, warum Spieler wie Tetzner und Podunavac gerade jetzt ihr Talent wiederentdeckt haben, wo es darum geht, neue Vereine zu finden oder vom CFC ein besseres Angebot zu bekommen. Ein Schelm, wer Arges dabei denkt...

Wertung: 2,0

Beste Himmelblaue: Tetzner, Kluge, Schmidt

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