Spielbericht // Saison 2012/2013

 
Hallescher FC
Hallescher FC2:0Chemnitzer FC
Chemnitzer FC
27. Spieltag - 3. Liga - Saison 2012/2013
Samstag, 23. Februar 2013, 14:00 Uhr
Erdgas Sportpark, Halle
Zuschauer: 7.581
Schiedsrichter: Steuer (Menden)
Hallescher FCTorfolgeChemnitzer FC
T Horvat
A EismannGelbe Karte (76. Zeiger)
A Kojola
A Ruprecht
A ZiebigGelbe Karte
M MüllerGelbe Karte (60. Sautner)
M Lindenhahn
M Leistner
M Mast
S Ziegenbein
S Furuholm

Trainer: Köhler
1:0 Ruprecht (65.)
2:0 Mast (87.)

Besondere Vorkommnisse:
4 Minuten Spielpause zum Beräumen der Strafraum-Linien (83.)

T Pentke
A Stenzel
A WachsmuthGelbe Karte
A Bankert
A Birk
M SträßerGelbe Karte (73. Hörnig)
M Landeka
M Pfeffer (89. le Beau)
M Kegel
M FörsterGelbe Karte (73. Jansen)
S Fink

Trainer: Schädlich
Spielbericht

Saison beendet!

Von Frank Neubert

Sollte es tatsächlich noch kühne Optimisten gegeben haben, die nach den knappen Heimsiegen gegen Rostock und Heidenheim an eine himmelblaue Serie, eine Wiederkehr des Spielglücks als Ausgleich zu den in der Hinrunde liegengelassenen Punkten, und einen stillen Angriff auf den Relegationsplatz träumten - mit der 0:2-Niederlage in Halle dürfte dieser Chemnitzer Tagtraum endgültig beendet sein. Der durchaus nett anzuschauende CFC-Auftritt, bei dem man lange das Gefühl hatte "da geht was", und das letztlich doch wieder verlorene Spiel passt perfekt zur Wischi-Waschi-Saison 2012-13. Mit 37 Punkten und Platz 7 bildet der Club zusammen mit Unterhaching (Platz 6, 39 Punkte) das derzeitige Mittelfeld der 3. Liga. Mit 13 Punkten Abstand zu Platz 4 (der für die Teilnahme am DFB-Pokal interessant wäre) und ebenso 13 Punkten nach unten zu Platz 18 ist die Saison für den CFC quasi beendet. Um nicht ketzerisch zu wirken - es ist ein respektables Abschneiden für den Chemnitzer FC im oftmals schwierigen zweiten Jahr in einer neuen Spielklasse, und so mancher Verein wäre froh, den Punktestand der Himmelblauen sein eigen nennen zu können!

In Chemnitz hatte der Auftritt in der Saalestadt für einen Ausverkauf des Gästeblocks gesorgt. Da lockte neben der Sightseeing-Tour zum neuen Stadion auch die kürzeste Distanz zu einem Auswärtsspiel und natürlich die Hoffnung auf das Fortbestehen der 6 Spiele ohne Niederlage. Der Eingang zum Gästeblock befindet sich noch immer an der gleichen Stelle, aber dort, wo man sich im alten Kurt-Wabbel-Stadion entspannt in der ganzen Kurve tummeln konnte, ist nur eine der neumodischen V-Ecken entstanden, in der die Gästefans stehend abgeparkt werden. Der mit 1.250 Karten ausverkaufte Block 11 erweckte zudem das Gefühl der Enge, eines zu schmal geratenen Mundloches (ständig Gedränge und Stau) und der sehr engmaschige, mit Spitzen bewehrte Zaun nicht wirklich für Zaunfahnen oder zum Abklatschen geeignet. Beim Neubau vergessen wurde auch ein Capo-Stand, Respekt daher an die Vorsänger der UC`99, die den Block trotzdem gut in Wallung brachten! Generell machte der neue Hallenser Tempel einen grauen, wenig einladenden Eindruck, dem ein paar mehr Tupfer in rot-weißer Farbe augenscheinlich sehr geholfen hätten. Vielerorts hörte man auch Stimmen: "Hoffentlich wirds bei uns mal besser aussehen"...

Gerd Schädlich setzte auf seine erfolgreiche Stammelf, d.h. Kegel spielte und Hörnig saß trotz seines feinen Treffers gegen Heidenheim auf der Bank. Und der Club gab von Beginn an die Richtung vor, ergriff die Initiative im Mittelfeld, grätschte den HFC permanent ab und setzte allein die Maßstäbe in diesem Spiel. Sehr gefällig wurde bei anhaltenden Schneetreiben über zumeist Pfeffer, Förster, Landeka und Stenzel der Weg nach vorn und die Lücke in der HFC-Abwehr gesucht. Was den Himmelblauen bei allen Lob über die vorgetragene Initiative aber völlig fehlte, waren die Abschlüsse. Sowohl aus der Distanz (nasser, seifiger Boden!) als auch aus unmittelbarer Nähe bekam Horvat im HFC-Tor nur wenig zu tun. Der CFC überlegen, aber kaum mit 100-prozentigen Chancen. In der 27. Minute lag der Ball nach einem Landeka-Freistoß und einem Kopfball von Wachsmuth endlich und verdient im Hallenser Netz, aber der Linienrichter hatte zuvor wohl zu Recht auf Abseits entschieden. Nur kurz darauf hatte der CFC erneut eine Lücke gefunden - Förster (gut, lebendig!) stiefelte auf Horvat zu, entschied sich aber für den Querpass auf Landeka, anstatt selbst zu vollstrecken. Landeka scheitert am glänzenden HFC-Keeper, aber bereits beim Pass war die Fahne des Linienrichters erneut wegen Abseits nach oben gegangen.

In der Pause gab es ein wenig Aufregung im rechts neben dem Gästeblock liegenden Sektor 12, wo nach gut 35 Minuten ein zweiter Gästebereich wegen ca. 100 vor dem Stadion stehenden CFC-Fans eröffnet worden war. Die Ordner und Polizei versuchten nun, die dort befindlichen Chemnitzer Anhänger in den oberen Bereich des Blocks abzudrängen - vielleicht wegen den beflockten unteren Stufen (ach, noch ein Kritikpunkt am neuen HFC-Stadion: ja, das Dach ist zu kurz!), vielleicht... nee, keine Ahnung, warum. Sinnlos. Aber wir nehmen für uns mit, es wäre sinnvoll, eine Art Verschiebeblock im neuen Chemnitzer Stadion zu errichten, wenn die Heimblöcke einmal nicht ausverkauft sind und der Gästeanhang durch anwesende Masse unbedingt Geld in die Club-Kasse spülen möchte.

Gleich mit Beginn der zweiten Hälfte merkte man den Gastgebern an, dass sie nun gewillt waren, die dringend benötigten Punkte für den Klassenerhalt einzufahren und ihrem Coach, dem Chemnitzer Urgestein Sven Köhler, einen Sieg zum Geburtstag schenken zu wollen. Es wurde ruppiger & engagierter; der feine und elegante Mittelfeld-Degen des CFC wich auf dem immer mehr mit Schnee bedeckten Rasen dem brachialeren Säbel. Für den ersten Herzkasper auf Chemnitzer Seite sorgte Pentke, der zwar gedankenschnell gegen einen HFC-Spieler herauslief (58.), aber erst im zweiten Anlauf den wiederkehrenden Ball mit einem riskanten Scherenschlag ins Aus befördern konnte. Gut gegangen. Halle drückte nicht, aber war jetzt mit dem CFC auf Augenhöhe. Und prompt nutzte der Aufsteiger seine erste gute Möglichkeit - Birk foult Lindenhahn, Ziebig tritt den Freistoß und findet den Kopf von Rupprecht - 1:0 für den HFC. Bitter, und zu diesem Zeitpunkt etwas überraschend, da Halle zuvor keinen einzigen "Riesen" hatte. Schädlich wechselte, brachte Hörnig und Jansen. Das Bemühen der Himmelblauen um den Ausgleich war offensichtlich, aber wie schon in Hälfte 1 fehlte entweder der entscheidende letzte Pass oder mal ein richtiges Pfund aus der Distanz.

Sieben Minuten vor Schluß unterbrach Schieri Steuer die Partie, weil er die Begrenzung der Strafräume aufgrund des Schneetreibens nicht mehr sehen konnte. Als CFC-Fan kennt man diese Situation spätestens seit dem Sibirien-Kick gegen Münster, als Ordner und Helfer ständig mit Schneeschiebern - während des laufenden Spiels und unter lustigen "Schieber"-Rufen - für klare Sicht auf die Linien sorgten. Nicht so in Halle. Im Erdgas-Sportpark schickte man 2 Typen mit Laubbläser auf das Feld, die im Strafraum die Linien frei-pusten sollten. Klappte auch, aber die Chemnitzer Methode mit den "Schiebern" erschien da wesentlich effektiver. Als der Unparteiische nach vier Minuten wieder anpfiff, war Halle einen Tick wacher als der CFC. Bei einer Abwehraktion spielte Pfeffer den Ball - in einer der unzähligen Aktionen im Spiel, wo der Ball wegen dem Geläuf einfach die falsche Richtung nahm - zu Mast, der gegen Pentke humorlos am kurzen Pfosten zum 2:0 einnetzte. Aus, Ende, vorbei...

Fazit: Feines Geburtstagsgeschenk für Sven Köhler von den Himmelblauen. Der "Köhlei" wird den Dreier für seinen HFC am Ende bitter brauchen. Nix gegen den HFC (nach wie vor freut es den geneigten Fan, dass die Hallenser dem Krösus RBL ebenso wie wir eine lange Nase gedreht haben!), aber mit der spielerischen Überlegenheit des CFC in Hälfte 1 und der Maximalausbeute des HFC (2 Chancen = 2 Tore) könnte es am Ende für Halle ziemlich knapp werden. Da die Fahrt nach Halle für den im Mittelfeld der Tabelle vor Anker gegangenen CFC aber die derzeit kürzeste Auswärtsfahrt darstellt, dürfte dass 0:2 möglicherweise bei einigen reisefreudigen Fans in Vorfreude auf die nächste Saison sogar in Ordnung gehen.

Spielerstimmen

Toni Wachsmuth (Freie Presse):
"Wir haben es nicht geschafft, aus unserer Überlegenheit Kapital zu schlagen. Das 0:1 für Halle war glücklich, denn bis dahin waren wir die überlegene Mannschaft."

Trainerstimmen

Sven Köhler (MDR-Online):
"Der CFC war in der ersten Halbzeit optisch stärker, da haben sie uns den Schneid abgekauft. In der zweiten Hälfte spielten wir mit mehr Herz und waren ebenbürtig. Mit viel Leidenschaft haben wir die wichtige Führung verteidigt. Das 2:0 senkte den Puls erheblich. Es war ein etwas glücklicher, aber dennoch verdienter Sieg. Den Klassenerhalt müssen wir über Heimsiege sichern."

Gerd Schädlich (MDR-Online):
"Es war für uns eine bittere Niederlage. In der ersten Halbzeit haben wir besser ausgesehen, aber nichts daraus gemacht. Wir schossen auch zu wenig auf das Tor. Die zweite Hälfte war dann ausgeglichener und das Spiel schien nur durch einen Standard einen Sieger zu finden. So war es dann auch. Das Tor von Ruprecht nach einem Freistoß war spielentscheidend. Wir hatten noch zwei Chancen. Da war der HFC konsequenter."

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