Spielbericht // Saison 2015/2016

 
Holstein Kiel
Holstein Kiel5:2Chemnitzer FC
Chemnitzer FC
23. Spieltag - 3. Liga - Saison 2015/2016
Samstag, 30. Januar 2016, 14:00 Uhr
Holsteinstadion, Kiel
Zuschauer: 4.126
Schiedsrichter: Sippel (München)
Holstein KielTorfolgeChemnitzer FC
T Zentner
A HerrmannGelbe Karte
A Sigurbjörnsson
A Czichos
A Kohlmann
M LewerenzGelbe Karte (74. Schäffler)
M Evseev (62. Schmidt)
M Siedschlag
M Schnellhardt
S Fetsch
S Heider (84. Weidlich)

Trainer: Neitzel
0:1 Türpitz (8.)
1:1 Lewerenz (10.)
2:1 Lewerenz (17.)
3:1 Fetsch (26.)
4:1 Evseev (29.)
4:2 Türpitz (50.)
5:2 Lewerenz (72.)

T Gersbeck
A Stenzel
A Röseler
A Endres (81. Uzoma)
A Bittroff (46. Koch)
M Türpitz
M Dem
M Danneberg
M Cincotta (46. König)
S Fink
S Frahn

Trainer: Heine
Spielbericht

Himmelblauer Systemabsturz in Halbzeit 1

Von Petro

4:1 zur Halbzeit verkündete die Anzeigetafel Zum Ende des Spiels wehte ein eisiger Nordost in das Stadion hinein. Es passte zur Stimmung der mehr als 150 mitgereisten himmelblauen Anhänger, welche die höchste Niederlage der Heine-Ära mit ansehen durften. Nicht nur in der Tabelle, auch in den Köpfen und Herzen vieler Fans erfolgte an diesem Nachmittag ein Totalabsturz in Richtung Keller.

Zum 16. Mal duellierten sich heute zwei Teams, welche vor diesem Spieltag zwei Dinge verbanden: Das schlechteste Heimteam der Liga empfing die zweitschlechteste Auswärtsmannschaft zu einem Duell. Wie so oft freute sich diesmal auch die Störchen-Truppe von der Ostsee, denn mit Chemnitz kam eine Elf, welche traditionell ihre Punkte an Krisenmannschaften verschenkt. Dass es aber diesmal so heftig kommen würde, daran glaubte wohl keiner der Zuschauer im Stadion und an vielen Livetickern zuhause. Dabei hatte der Wettergott noch ein Einsehen, als nach fast 24 Stunden Dauerregen und starken Winden kurz vor Spielbeginn sogar auch einmal die Sonne schien. Eine gute Drainage in dem nur halb gefüllten Holstein-Stadion verhinderte einen matschigen Rasen, und so konnte niemand etwas auf die äußeren Bedingungen schieben.

Beide Mannschaften traten zunächst mit ihren drei Neuzugängen an. Während auf Kieler Seite vor allem Fetsch (Dresden) sofort zum Leistungsträger wurde, stotterte beim CFC der Motor noch gewaltig. Der zuverlässige Kunz schmorte auf der Bank und Neuzugang Marius Gersbeck postierte sich statt ins Tor weit vor seinen himmelblauen Strafraum. Keine Experimente mochte man schon zu Beginn des Spiel Trainer Heine zurufen, denn seine Idee – Gersbeck als quasi Libero und vor ihm eine weit aufgerückte Abwehr – ging völlig in die Hose. Dabei hatte es noch sehr gut angefangen, der erste Angriff führte zum 1:0 für Chemnitz. Philip Türpitz, heute einer der besten, schloss mit einem straffen Schuss rechts unten in die Ecke zum 1:0 ab. Dann nahm das Unheil seinen Lauf. Schon im Gegenzug fiel der Ausgleich und die neue Nummer 1 war daran nicht ganz schuldlos. Weit vor seinem Tor schoss Gersbeck Endres an, und den umherschwirrenden Ball fand man Sekunden später als Bogenlampe im CFC-Kasten wieder. Von diesem Schock erholte sich der Chemnitzer FC nicht.

Die Störche überrannten nun im Minutentakt eine völlig konfuse Deckung der Gäste, welche vor allem links mit Bittroff ihre Schwachstelle hatte. Ein ums andere Mal wurde der Neuzugang umspielt und die Aussagen der Verantwortlichen, man würde nur Spieler holen, die sofort weiterhelfen, Lügen gestraft. Es schien wie ein Systemabsturz am Rechner, ein schwarzer Bildschirm und nichts geht mehr. Immerhin setzte Alexander Bittroff (27) mit einem schönen Schrägschuss kurz vor Halbzeit noch ein Zeichen, dass es so nicht weitergehen kann.

In der Kabine muss es wohl gekracht haben. Sofort nach Wiederanpfiff stürmten die Himmelblauen los und wieder war es Türpitz mit einem satten Fernschuss links oben, der für minimale Glücksgefühle sorgte. Etwa ab der 60. Minute verflachte das Spiel. Holstein verwaltete und Chemnitz konnte nicht mehr. Neuzugang Frahn wurde manngedeckt, König gewann keine Zweikämpfe und Fink schoss miserable Standards. Der eingewechselte Neuzugang Uzoma schaute später den an ihm vorbeizischenden Bällen verzweifelt hinterher. BEGEISTERT waren nur die Kieler Auf den Kieler Rängen widmete man sich nun anderen schönen Dingen, genoss Bier und Bratwurst, sprach über die Handball-EM oder Angelique Kerber. Auf Vorlage von Koch (CFC) schloss Lewerenz in der 72. Minute zum 5:2 für Holstein ab und lies die 4100 Zuschauer endgültig feiern.

Bereit zu begeistern, so steht es auf dem Bus des Chemnitzer FC. Der Spruch wurde heute mit Leben erfüllt – denn die Kieler Zuschauer waren hoch begeistert. Immerhin stellten sich noch einige Spieler den Fans in der Kurve, welche auch Heine-raus skandierten und ihren Frust freien Lauf ließen. Die herbeigeeilte Security (Willms) musste jedoch nicht eingreifen. Unsere Himmelblauen befinden sich in Abstiegsgefahr. Trainer Karsten Heine hat es in drei Jahren nicht geschafft, eine Mannschaft aufzubauen, welche konstant auf hohem Niveau spielt. 71 Spieler kamen und gingen. Das ist zu viel, und es sollte nun ein Ende haben.

Beste Himmelblaue: Türpitz, Röseler

Trainerstimmen

Karsten Heine (CFC) bei MDR-Online:
"Wir haben uns den Punktspielstart natürlich wesentlich anders vorgestellt. Wir sind hoffnungsvoll gestartet mit dem frühen Tor. Dann haben wir in der Folge aber zu einfache Gegentore bekommen. Der Sieg für Kiel geht daher absolut in Ordnung. Das fünfte Tor war typisch für uns heute, dass haben wir dem Gegner selbst vorgelegt."

Karsten Neitzel (Kiel) bei MDR-Online:
"Angesichts des Ergebnisses war das ein sehr gelungener Tag für Holstein Kiel. Wir sind zwar sehr schnell in Rückstand geraten, haben dann aber die Geschenke des Gegners angenommen. So konnten wir das Spiel schon vor der Pause entscheiden. Für uns ist es wichtig zu sehen, dass wir ein Spiel auch nach einem Rückstand drehen können und dass wir auch mehr als zwei Tore in einem Spiel erzielen können."

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