Spielbericht // Saison 2004/2005

 
Chemnitzer FC
Chemnitzer FC0:2Wuppertaler SV
Wuppertaler SV
8. Spieltag - Regionalliga Nord - Saison 2004/2005
Dienstag, 14. September 2004, 19:30 Uhr
Fischerwiese, Chemnitz
Zuschauer: 2.900
Schiedsrichter: Frank (Hannover)
Chemnitzer FCTorfolgeWuppertaler SV
T Süssner
A Karl
A Ahlf
A Jendrossek
M Stark (55. Meyer)
M Zivic (41. Midzaiti)
M Göhlert (79. Lenk)
M KanitzGelbe Karte
S Meissner
S Schindler
S FillingerGelbe Karte

Trainer: Rohde
0:1 Reckert (15.)
0:2 Tavarez (37.)

T Maly
A Baumann
A Narewsky
A Stuckmann
M Bayertz
M Pfingsten
M KohoutGelbe Karte
S TavarezGelbe Karte (76.Kobylanski)
S Reckert (63.Nachtigall)
S Gensler (71.Sowilso)
S HyzaGelbe Karte

Trainer: Kasper
Spielbericht

Eine einzige Enttäuschung

Von Pierre Schönfeld

Der Chemnitzer FC kann oder besser gesagt muß seit Dienstagabend für die Oberliga planen. Das ist die bittere Erkenntnis am achten Spieltag der Regionalliga Nord an dem die Fans von ihren Himmelblauen wieder einmal böse enttäuscht wurden. Anstatt sich mit einem Sieg gegen den SV Wuppertal selber aus dem größten Schlamassel zu ziehen, verloren die Rohde-Kicker gegen den bis dato ebenfalls noch sieglosen Tabellenvorletzten sang- und klanglos mit 0:2. Damit ziert der CFC, nun endgültig abgeschlagen, weiterhin das Tabellenende.

Vor offiziell 2.900 Zuschauern, darunter auch einer Busladung "Wuppis", startete der CFC zunächst gut in die Partie. Die Zweikämpfe wurden angenommen und man setzte auch mal energisch nach, wenn der Ball verloren wurde. Es war zu erkennen, dass die Mannschaft sich etwas vorgenommen hatte. Doch dann, es war gerade mal eine Viertelstunde gespielt, kam der SVW durch einen Standard erstmals gefährlich vor das Chemnitzer Tor. Ein Freistoß wurde von Pfingsten in den Chemnitzer Strafraum getreten und Baumann kam unbedrängt zum Kopfball, Süßner und Jendrossek konnten zunächst noch retten, doch gegen den Nachschuß von Reckert waren sie machtlos. 0:1 und alle taktischen Konzepte waren über den Haufen geworfen!

Der CFC versuchte sofort zurückzuschlagen. Eine Zivic-Flanke verpasste Markus Ahlf nur knapp. Zehn Minuten später hatte Meissner die Riesenchance den himmelblauen Torknoten (noch kein Feldtor!) endlich zu durchschlagen. Freigespielt von Ahlf kam er im Strafraum an die Kugel. Doch anstatt einfach mal abzuziehen, wartete er so lange, bis ihm die WSV-Verteidiger gemeinschaftlich die Kugel abgenommen hatten (23.). Hier zeigte sich die ganze Misere des himmelblauen "Angriff"spiels. Der darauffolgende Schuss von Schindler - weit über das Tor von Maly - hatte schon den Anschein von Verzweiflung. Die weiteren Angriffsversuche der Himmelblauen verpufften, weil Ideen, Mittel und Durchsetzungsvermögen fehlten. Der agile Fillinger versuchte es zumindest, suchte immer wieder das Dribbling und konnte von den Wuppertalern meist nur durch Fouls gestoppt werden. Sämtliche Standards der Himmelblauen, ob Freistöße oder Ecken (Kanitz), waren leichte Beute der Wuppertaler Abwehr. Der SVW, mit der Führung im Rücken, spielte nur sporadisch nach vorn, war dabei aber stets gefährlich. So nach einer halben Stunde als Kohout Kanitz und Göhlert auf der rechten Seite aussteigen ließ und das Leder nur knapp am langen Pfosten vorbeischoß. Nur zwei Minuten später ging es plötzlich ganz schnell. Angriff des SVW über rechts, wobei Kohout Sek aussteigen ließ. Kohout passte nach innen auf Gensler, welcher Tavarez in die Gasse laufen sah. Schneller Pass in den Strafraum, Tavarez zog ab und Suessner war zum zweiten mal geschlagen. Die Verteidigung des CFC bei diesem schönen Angriff nur der Statistenrolle. Damit war der Riemen bei den Himmelblauen endgültig runter - es ging so gut wie nichts mehr. Kanitz und Jendrossek durften sich nach Frustfouls Gelb abholen. Ein Zeichen setzten sie damit nicht. Im Gegenteil, fast hätte man noch vor der Pause das dritte Gegentor kassiert, als Kohout nach einer Flanke einfach mal direkt ab- und nur knapp verzog. Klasse gemacht, nur schade, dass man sowas nicht mal von einem himmelblauen Spieler sieht.

Ihren Unmut über das "Dargebotene" machten jetzt auch die viele Fans deutlich. Schon nach dem 0:1 gab es die ersten "Rohde-raus" und "Oberliga"-Rufe. Auf Transpis in der Südkurve wurden mehr- oder weniger sinnvolle Sprüche gezeigt. Mit "Ihr spielt wie Zwickau!" tat man den Westsachsen sicherlich unrecht, denn so unterirdisch wie der CFC derzeit kann man eigenlich nicht noch einmal spielen. Auch wenn die Zwickauer ähnlich viel Punkte haben wie der Club. Und "Wo Rohdes Kräfte sinnlos walten, ist der Absturz nicht mehr aufzuhalten", ist zwar nett gereimt, stellt aber den Trainer unberechtigt als einzige Ursache für die Misere des CFC dar. Die Ursachen sind auf jeden Fall tieferliegend und ob sie von einem Eberhard Vogel, der eb ebenfalls per Spruchband gefordert wurde, zu lösen wären, ist keinesfalls sicher. Auch wenn Vogel einstmals ein grosser Spieler des FCK war. Waren die Spruchbänder zumindest diskussionswürdig, so kann man über die Aktion einiger frustrierter Fans, in der Halbzeitpause die Heinrich-Schütz-Strasse zu blockieren, nur den Kopf schütteln.

Gellende Pfiffe begleiteten die CFC-Kicker zur Halbzeit in die Kabine. Dort muß es eine laute u.v.a. kurze Ansprache von Wuschi gegeben haben, denn bereits fünf Minuten vor Wiederanpfiff standen die Himmelblauen wieder auf dem Platz. Wer jetzt dachte, es würde noch einmal ein Ruck durch die Mannschaft gehen, wurde wieder (zum wievielten Mal eigentlich?) schwer enttäuscht. Was der CFC darbot, spottete jeder Beschreibung, glich einem Faustschlag ins Gesicht jedes CFC-Anhängers. Man sah keine Mannschaft, die eigentlich ums Überleben kämpfen müßte. Mit wenigen Ausnahmen - Ahlf, Süssner und Fillinger seien hier ausdrücklich genannt - sah man eine Ansammlung von - so hart das auch klingen mag - Weicheiern, wo jeder die Verantwortung zum nächsten schob. Wer den Ball hatte, war sprichwörtlich die ärmste Sau. Nicht einen einzigen Ball mußte WSV-Keeper Maly in der zweiten Halbzeit halten - allein das sagt schon viel. Symptomatisch eine Szene in der 80. Minute als Kanitz eine kurze Ecke auf den eingewechselten Midzaiti spielen will, der aber den Ball verpasst und dadurch ein gegnerischer Angriff eingeleitet wird. Mit Wehmut erinnerte man sich nicht nur in dieser Szene an die Zeiten als der FCK/CFC auf der Fischerwiese den Gegner noch an die Wand spielte.

Dass es am Ende nur beim 0:2 blieb, hatte man der "Schlampigkeit" der Wuppertaler zu verdanken. Die hatten nach Kontern noch richtig dicke Gelegenheiten den CFC regelrecht aus dem eigenen Stadion zu schiessen. Doch Gensler (50., Kopfball, neben das Tor; 52., Schuß, Außennetz) und Kobylanski (82., Pfosten) vergaben knapp. In der 89. Minute rettete Süßner stark gegen den freistehenden Pfingsten. Nach dem Schlusspfiff von Schiri Frank bejubelten die Wuppertaler Spieler zusammen mit ihren Fans ausgiebigst den Auswärtserfolg. Zurecht, denn mit dem Sieg haben sich die Wuppis aus eigener Kraft aus dem gröbsten Schlamassel gezogen - dank einer kämpferischen und leidenschaftlichen Vorstellung. Tugenden, die dem CFC 2004 schlichtweg fehlen...

Von den Spielern trauten sich nur Ahlf, Kanitz und Suessner auf die Stadionrunde. Meissner brach die Runde nach wüsten Beschimpfungen am Zaun kurzerhand ab. Etwa 350 Fans versammelten sich nach dem Spiel vor dem Haupteingang um ihrem Ärger über die Leistung der Spieler lautstark Luft zu machen. In der aufgeheizten Atmosphäre stellten sich einige Spieler u.a. Kay-Uwe Jendrossek, der als ehemaliger Schachti auch viel Dünnes an den Kopf geworfen bekam und Tino Wächtler, sowie Verantwortliche, darunter Erwin Trageser, Frank Kapp und auch Rico Steinmann. Zu echten Ergebnissen konnte dieser Protest naturgemäß nicht führen, aber den Spielern und Verantwortlichen des CFC wurde klar vor Augen geführt, dass die Fans dem Niedergang ihres Vereins nicht tatenlos zusehen werden.

Fazit: Auch wenn man als CFC-Fan durch die Erlebnisse in den vergangenen vier Jahren schon einigermassen abgehärtet ist, so sind die Geschehnisse vom Dienstag ein historischer Tiefpunkt in der Geschichte des Vereins. Die Himmelblauen stehen erstmals in ihrer Vereinsgeschichte fast schon aussichtslos vor dem Fall in die Viertklassigkeit und das nach nicht mal einem Viertel der Saison. Sowieso hat die Mannschaft vom Potential her nur dann eine Chance, den Klassenerhalt zu schaffen, wenn sie mit 100 Prozent Einsatz, Kampf und Geschlossenheit auftritt. Wenn aber selbst das nicht mehr stimmt, sind Desaster wie gegen Wuppertal vorprogrammiert. Dann können sich die leidgeprüften CFC-Fans auf eine pleitenreiche Abschiedstour aus der Regionalliga einstellen.
Wuschi Rohde durfte bekanntlich noch gegen Kiel auf der Bank sitzen und wurde nach der neuerlichen Niederlage entlassen. Der Autor findet es persönlich schade um den kantigen aber stets grundehrlichen Berliner, dem man in Sachen Trainingsarbeit auch keinerlei Vorwürfe machen kann. Doch nach der Bilanz von Rohde blieb den Verantwortlichen des CFC keine andere Wahl. Seinem Nachfolger ist zu wünschen, dass er es irgendwie schafft, der Mannschaft wieder Leben einzuhauchen und einige Spieler, insbesondere im Kopf, wieder klarzubekommen. Vielleicht gibt es ja dann doch noch so etwas wie ein himmelblaues Wunder...

Wertung: 6-, unterirdisch!

Beste Himmelblaue: Süssner, Fillinger, Ahlf

Pressestimmen

Freie Presse
Selbst für die Oberliga zu wenig [..] Der Fußball-Regionalligist kann langfristig für die kommende Oberligasaison planen. Denn das, was die Himmelblauen gegen den Wuppertaler SV bei der 0:2 (0:2)-Niederlage boten, genügte nicht einmal Oberliga-Ansprüchen. [..] Ein Hoffnungsschimmer ist weit und breit nicht zu sehen.

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