Spielbericht // Saison 2004/2005

 
Holstein Kiel
Holstein Kiel3:1Chemnitzer FC
Chemnitzer FC
9. Spieltag - Regionalliga Nord - Saison 2004/2005
Samstag, 18. September 2004, 14:00 Uhr
Holsteinstadion, Kiel
Zuschauer: 2.650
Schiedsrichter: Kleve (Nordhorn)
Holstein KielTorfolgeChemnitzer FC
T Henzler
A Sandmann
A Boy
A Molata
A Tutas
M Tornieporth
M Kühne
M Hansen
M Breitenreiter
S Würll (76. Guemari)
S PiorunekGelbe Karte (71. Dobry)

Trainer: Neubarth
1:0 Piorunek (25.)
2:0 Tornieporth (42.)
3:0 Breitenreiter (65.)
3:1 Karl (74.)

T Süssner
A Karl
A Ahlf
A JendrossekRote Karte
M Stark (41. Meyer)
M Göhlert
M Gillert (51. Pinto)
M Kanitz
S Meissner (65. Lenk)
S FillingerGelbe Karte
S Schindler

Trainer: Rohde
Spielbericht

Mitnahme-Mentalität auch von Holstein Kiel!

Von Peter Rohleder

Die Deutschen haben eine Mitnahme-Mentalität! Unbeeindruckt von diesen kürzlichen Kanzlerworten nahm Holstein Kiel drei Punkte von seinem Gast aus Chemnitz mit, der seit Wochen die Gegnerschaft in Liga 3 beglückt. Auch beim Auftritt an der Kieler Förde zeigten sich die Himmelblauen sehr freigiebig, verteilten ihre Geschenke und marschieren stramm auf die düsteren Gefilde der Oberliga Nordost-Süd zu. Während Kiel nun weiter vorne mitspielt, beendete die 1:3-Niederlage die Arbeit von „Wuschi“ Rohde beim Club aus Sachsen.

Etwa 40 Chemnitzer Fans bewältigten den langen Weg nach Norden und genossen bei spätsommerlichen Wetter ein Bad in der Sonne. Überraschenderweise spielte Sascha Gillert von Anfang an im linken Sturm. Mit dem wackeren Kanitz fand er sich zu gelegentlichem Doppelpaß, durchsetzen konnte er sich aber selten. Wer es wie der CFC unterläßt, Stürmer von Format zu verpflichten und weiter auf das Unvermögen eines Stefan Meissner setzt, wird von der Realität hart bestraft. Nach 25 Minuten lag der Ball dann auch in Süssners Kasten und alles ging seinen sozialistischen Gang. Der Beifall der Kieler Zuschauer galt wohl dabei mehr der Schönheit dieses Treffers als der Tatsache einer 1:0-Führung gegen den Tabellenletzten aus Chemnitz. Thomas Piorunek traf mit schönem Seitfallzieher von halblinks. Nun erhöhten die Störche den Druck, um noch vor der Pause Klarheit zu schaffen und sich ein ruhiges Leben nach der Pause zu ermöglichen. Wie schon im Vorjahr überrannte Dennis Tornieporth ein ums andere die verunsicherte CFC-Abwehr und traf in der 42. Minute dann flach von der rechten Seite. Gegenwehr erfuhren die Störche kaum, denn die Himmelblauen waren mit sich selbst beschäftigt und von Anfang an nur auf Schadensbegrenzung aus. Nach vorn ging überhaupt nichts, da die wenigen zaghaften Versuche schnell eine Beute der sich nicht überanstrengenden Kieler wurden. Das zentrale Mittelfeld entpuppte sich als ein großes schwarzes Loch, in dem die von Göhlert und Co. gespielten Bälle für immer verschwanden.

In der Pause genossen 2650 Kleinsponsoren Getränke, Würste und das Wetter in diesem einseitigen, aber nicht langweiligem Spiel. Nach einer Ecke von links köpft dann in der 65. Minute der Ex-HSVer Andre Breitenreiter völlig unbedrängt zum 3:0 ein und beendete das Toreschießen auf Kieler Seite. Bereits vorher traf Tornieporth mit einer Flanke nur die Latte, ebenso Torben Tutas etwa 10 Minuten vor dem Ende. Auf Chemnitzer Seite versuchte sich Steffen Karl mit Distanzschüssen, von denen in der 75. Minute einer als Freistoß seinen Weg in Henzlers Maschen fand. Damit schloß „Eisenkarl“ zum bisherigen Spitzenreiter der CFC-Torschützentabelle Falk Schindler auf. Kurz vor Ende der Partie vergab der eingewechselte Brasilianer Pinto eine vom MDR völlig ignorierte Riesenchance, als er aus Nahdistanz nur den Kieler Keeper anköpfte. Ein 2:3 hätte jedoch auch Spielverlauf und vor allem das derzeitige Leistungsvermögen des Chemnitzer FC Lügen gestraft.

Lediglich der teilweise übermotivierte Fillinger sowie der heute kopfballstarke Ahlf ließen an der Ostsee Regionalliga-Tauglichkeit erkennen. Während Kanitz noch ordentlich rackerte und Süssner hielt, was zu halten war, zeigte der Rest der Elf sehr deutlich, weshalb man das schlechteste Team in Liga drei ist. Jendrossek kassierte obendrein noch Rot (80.) und fällt einige Spiele aus. Der Chemnitzer FC von 2004/2005 ist nur ein Schatten seiner selbst, ohne Struktur und zur Zeit auch ohne das spielerische Können, die Hoffnung auf einen Klassenerhalt macht.

Gut gespielt: Fillinger, Kanitz, Ahlf, Süssner
Bemüht: Gillert, Jendrossek, Karl, Lenk
Nicht mitgespielt: Meissner, Göhlert, Schindler, Starke, Pinto, Meyer

Beste Himmelblaue: Fillinger, Kanitz, Ahlf, Süssner

Pressestimmen

Freie Presse
Ohne echten Siegeswillen [..] CFC-Trainer Frank Rohde wusste am Sonnabend, 15.43 Uhr, dass der Abpfiff von Schiedsrichter Kleve auch für ihn ein ganz persönliches Ende bedeuten würde. [..] Einen echten Siegeswillen ließ der CFC nicht erkennen, dazu fehlten ihm aber auch die spielerischen Mittel.

Kieler Nachrichten
Sehenswerte Tore bei Holsteins Arbeitssieg [..] Mit Rohdes Recken hatten die "Störche" auf dem Rasen wenig Mühe. Chemnitz, das mit einer 3-6-1-Formation die eigene Spielhälfte bevölkerte, als gelte es, jeden Quadratmeter zu verteidigen, kämpfte zwar durchaus engagiert, aber mit gebremsten Vorwärtsdrang.

<< 8. Spieltag 10. Spieltag >>