Spielbericht // Saison 2004/2005

 
Chemnitzer FC
Chemnitzer FC5:1Arminia Bielefeld II
Arminia Bielefeld II
16. Spieltag - Regionalliga Nord - Saison 2004/2005
Samstag, 06. November 2004, 14:00 Uhr
Fischerwiese, Chemnitz
Zuschauer: 2.150
Schiedsrichter: Kasper (Kattlenburg-Lindau)
Chemnitzer FCTorfolgeArminia Bielefeld II
T Süssner
A Ahlf
A Mehlhorn
A Gillert
M Meyer
M Karl (73. Stark)
M Göhlert
M Fillinger
M Okeke
S Pinto
S Lenk (46. Schindler)

Trainer: Barsikow
0:1 Loose (7.)
1:1 Pinto (28.)
2:1 Okeke (40.)
3:1 Mehlhorn (45.)
4:1 Fillinger (63.)
5:1 Meyer (87.)

Besondere Vorkommnisse:
Schulze-Happe hält Elfmeter von Fillinger (52.)

T KockelGelbe Karte (45. Schulze-Happe)
A Rump
A Özkara
A Meyer
M Fink
M Fischer
M GrunwaldGelbe Karte
M WieczorekGelbrote Karte
S Loose
S Maric
S Holsing (46. SchmidtGelbe Karte)

Trainer: Walpurgis
Spielbericht

Himmelblaue überrollen dezimierte Jung-Arminen

Von Erik Büttner

Als Schiedsrichter Lars Kasper um 15:52 Uhr die Regionalligabegegnung zwischen dem Chemnitzer FC und den Amateuren von Arminia Bielefeld beendete, konnten viele der 2150 Zuschauer noch nicht richtig fassen, was sie da in den knapp 2 zurückliegenden Stunden gesehen hatten. 6 Tore waren in diesem Spiel gefallen – okay, das hatte es schon mal im Mai diesen Jahres beim blamablen 0:6 gegen Schalke/A. gegeben – doch 5 der 6 Treffer hatten die Männer in himmelblau-weiß erzielt.
5:1 strahlte es unter Flutlicht von der Anzeigetafel in den regenverhangenen Himmel über der Chemnitzer Fischerwiese. Himmelhochjauchzen auf CFC-Seite, zu Tode betrübt auf der Bielefelder. Die Gäste hatten einen rabenschwarzen Tag erwischt. Sie verloren nicht nur 1:5, sondern auch noch 2 ihrer Mannschaftskollegen.

Der Feldverweis für den Arminen Wieczorek und die verletzungsbedingte Auswechslung von Torwart Kockel, waren sicher die beiden entscheidenden Szenen des Spiels. Besonders die Gelb-Rote Karte für den Gegenspieler von Sebastian Meyer dürfte dem Spiel eine ganz neue Richtung gegeben haben. Denn bis dato deutete nicht viel auf den höchsten Sieg der Chemnitzer seit mehr als 3 Jahren hin.
Der Zahlenschieber mußte tief in die Kiste greifen Zwar präsentierte sich der CFC von Beginn an siegeswillig, bekam aber umgehen auch wieder eine kalte Dusche. Bereits nach 2 Minuten hatte Karl nach einem Okeke-Freistoß von rechts die Reflexe von Arminen-Torwart Kockel geprüft. 3 Minuten später setzte Fillinger einen Schuss von der Strafraumgrenze an den Pfosten. Bielefeld zeigte sich im Anschluss das erste Mal vor Steffen Süssner. Nach einem Einwurf kam der Ball zu Loose, der von Mehlhorn und Kollegen nicht gestellt werden konnte und der das Leder trocken auf glitschigem Boden im rechten unteren Eck versenkte.
In Chemnitz erwachten böse Erinnerungen an die 0:1 gegen die Amateure des Hamburger SV sowie des 1.FC Köln. Und wie in diesen beiden Spielen verliefen auch die kommenden Minuten. Chemnitz rannte in strömendem Regen gegen ein westfälisches Bollwerk an und musste mächtig auf Konter aufpassen. Maric köpfte – Ahlf entwicht – nach Flanke von Holsing zum Glück über den Kasten. Der CFC suchte aufopferungsvoll, aber durch den Rückstand gehemmt seine Chancen und fand sie auch. Fillinger zog zweimal ab, jedoch gegen Kockel auch den Kürzeren.
Fillinger war es auch, der in Minute 28 eine Ecke von links in den Bielefelder Strafraum schlug. Dort schraubte sich Fabio Pinto am höchsten und köpfte zum 1:1 Ausgleich ein. Und wie ein Zeichen entflammten just in diesem Moment auch die ersten Strahler des Flutlichts und Chemnitz sah wieder Licht am Ende des Tunnels.

Der Ball rollte nach dem Tor gerade wieder, da spitzelte Meyer Wieczorek mit der Hacke den Ball von den Füße, machte sich auf in Richtung Kockel-Tor und wurde durch Wieczorek am Trikot daran gehindert. Für so etwas muss man nicht, aber man kann Gelb geben. Dumm, wenn man wie der Armine schon verwarnt war. Und so endete der Arbeitstag für Wieczorek nach einer halben Stunde Spielzeit.
Bielefeld musste sich nun neu sortieren und dabei den CFC noch fern von seinem Tor halten. Das gelang ganz passabel, verhinderte aber keine Standardsituationen. Und so segelte erneut eine Eckballflanke in den Strafraum, kurzes Gewühl und die Südkurve der Fischerwiese jagte einen Jubelsturm in das Regengrau. Okeke hatte den Ball hinter die Füße bekommen und spitzelte ihn mit der Hacke an Kockel vorbei ins Tor. Einen Rückstand umgebogen, auch das hatte es in Chemnitz lange nicht mehr gegeben.

Doch die erste Halbzeit war noch nicht vorbei. Meyer, von Pinto angespielt, wurde knapp innerhalb des Strafraums gefällt und Schieri Kasper entschied auf Freistoß außerhalb des 16-Meter-Raums. Es war die Wiederholung einer Szene, die sich Minuten vorher am linken Strafraumeck schon einmal ereignet hatte. Doch bevor der Freistoß ausgeführt werden konnte, wurde zunächst ein Bielefelder Feldspieler behandelt und plötzlich lag auch Torwart Kockel vor seinem Tor. Bange Blicke von den Rängen. Hatte ihn etwas getroffen? Könnte der mögliche Sieg am Grünen Tisch noch entfleuchen? Doch dafür blieben die Spieler zu ruhig, beschwerten sich nicht beim Schiedsrichter. Kockel wurde behandelt und verließ schließlich auf der Trage das Spielfeld. Später stellte sich heraus, dass er akute Probleme im Unterleib bekommen hatte, weshalb er auch sofort im Krankenhaus operiert wurde.
Sein Vertreter Schulze-Happe kam ins Tor und sah sich dem Freistoßschützen Ulf Mehlhorn gegenüber. Und der tat alles, damit sein Mythos in Chemnitz noch größer wird. Er schob den Ball unter der hochspringenden Mauer hindurch zum 3:1 Pausenstand. Auf den Rängen herrschte Jubel, Trubel, Heiterkeit – 3 Heimtore hatte es schließlich seit August 2003 (3:1 gegen Neumünster) nicht mehr gegeben.

Um kurz nach 15 Uhr wurde dann die Party an der Gellertstraße fortgesetzt. Chemnitz war weiter um Tore bemüht, aber nicht mehr um jeden Preis. Und trotzdem ergaben sich gute Chancen. Falk Schindler konnte Schulze-Happe mit seinem Schüsschen jedoch nicht wirklich herausfordern. Dann schon eher Mario Fillinger – vom Elfmeterpunkt. Meyer war – zumindest nach Meinung von Schieri Kasper – von Grunwald unfair im Strafraum zu Fall gebracht worden. Fillinger führte den Strafstoß aus und Schulze-Happe fischte den Schuss aus dem rechten unteren Eck.
Schön: Tiefe Niedergeschlagenheit beim GegnerDie Partie nahm nun immer mehr den Charakter eines Trainingsspiels an. Der CFC spielte wie im Handball um die Bielefelder Deckung herum und lauerte auf die Lücke. Die fand zuerst Göhlert, der den Ball im Tor versenkte. Leider stand er im Abseits, weshalb Schieri Kasper das Tor korrekterweise nicht in die Statistik aufnahm. Doch dann stand plötzlich Fillinger in solch einer Lücke. Eine Flanke von rechts nahm er ungestört mit der Brust an und mit dem Fuß volley – 4:1, 63. Minute. Tore, wie man sie schießt, wenn das Selbstvertrauen zurückgekehrt ist.

Die Spannung auf dem Feld nahm nun stetig ab, weshalb sich das Publikum mit anderen Dingen beschäftigte. Erstmals seit seligen Zweitligazeiten kamen die Zuschauer auf der Tribüne wieder einmal der Aufforderung "Steht auf, wenn ihr Chem’tzer seid!" nach, "Laola" schwappte durch das Stadion und "Oh, wie ist das schön" schallte es den Sonnenberg hinauf...
Und mitten in diese Feierstimmung schoss Sebastian Meyer das 5:1. Nach schönem Solo von Falk Schinder stand er goldrichtig, um einen geblockten Schuss freistehend von rechts ins Tor zu schieben. 87 Minuten waren da bereits absolviert. Und so bleibt nur noch zu erwähnen, dass Bielefeld in der Nachspielzeit den ersten Schuss in Hälfte 2 in Richtung Tor brachte. Und der verfehlte sein Ziel auch noch recht deutlich.
Am Ende gab’s dann natürlich die perfekte Welle mit Mannschaft und Südkurve und von einem Block-3-Besucher je eine Tafel Milka-Schokolade (wieso eigentlich Milka, bei dieser Farbe?! ;-) ) für die entscheidenden Torschützen Fabio Pinto und Chibuike Okeke.

Noch schöner: Jubelnde himmelblaue Sieger !Der Aufwärtstrend nach dem Trainerwechsel scheint keine Momentaufnahme zu sein. 11 Punkte aus 7 Spielen und zuletzt 4 ungeschlagene Spiele in Folge sprechen für sich, auch wenn der Chemnitzer FC seine bezüglich der Gegentore weiße Weste nicht halten kann(wie auch bei diesem Matschwetter? ;-) ). So darf der 5:1-Sieg nun auch gebührend gefeiert werden, doch bleibt keine Zeit um sich auszuruhen. Denn so hoch und verdient der Sieg auch ausgefallen ist, so glücklich kam er auch zu Stande. Der Platzverweis spielt dabei eine große Rolle, ein Platzverweis, der nicht von jedem Schiedsrichter verhängt wird und ein Platzverweis, der einen schon schwachen Gegner Schachmatt setzte.
Doch glücklich hin, und Platzverweis her, am Ende zählt nur das 5:1. Denn lediglich diese Ergebnis wird in die Bücher aufgenommen, genau wie die 3 damit verbunden Zähler und die hat der CFC weiter bitter nötig. Es wird noch ein langer Weg zum Klassenerhalt, auch wenn er momentan nicht mehr ganz so steinig scheint...

Wertung: 1,5 (Allein das Ergebnis ist diese Note wert)

Beste Himmelblaue: Okeke, Pinto, Mehlhorn, Meyer

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