Spielbericht // Saison 2004/2005

 
Chemnitzer FC
Chemnitzer FC1:0Hertha BSC Berlin II
Hertha BSC Berlin II
26. Spieltag - Regionalliga Nord - Saison 2004/2005
Samstag, 19. März 2005, 14:00 Uhr
Fischerwiese, Chemnitz
Zuschauer: 2.810
Schiedsrichter: Joerend (Lübbecke)
Chemnitzer FCTorfolgeHertha BSC Berlin II
T Klömich
A Stark
A Ahlf
A Gillert
A Kanitz
M Mehlhorn
M Fillinger (71. Göhlert)
M Okeke
M DevoliGelbe Karte
S  Meyer
S Pinto (71. Calicchio)

Trainer: Demuth
1:0 Pinto (25.)

T Semghoun
A ChahedGelbe Karte
A Samba
A Bieler
A Cagara (46. Schrödter)
M Dejagha
M Schmidt (77. Schumann)
M Covic
M BoatengGelbrote Karte
M Ludwig
S Krecitlo (46. Wallschläger)

Trainer: Heine
Spielbericht

1. Halbzeit versetzte CFC-Fans in Verzückung

Von Erik Büttner

Nach 45 Minuten konnten die 2810 CFC-Anhänger nicht fassen, was sie gerade gesehen hatten. War das wirklich ihr CFC? Die Spieler von Trainer Dietmar Demuth hatten eine Halbzeit zelebriert, wie sie die himmelblaue Welt lange nicht mehr gesehen hatten.

Vom Anpfiff weg bließen die 11 Chemnitzer Akteure zur Attacke auf das Hertha-Tor.
Aktivposten im Angriff: Fabio Pinto im Duell gegen zwei HerthanerCFC-Trainer Demuth ließ wieder mit einer Viererkette um Rene Stark, Markus Ahlf, Sascha Gillert und Nico Kanitz spielen. Sie mussten nur die Bälle wegräumen, die ein überragender Ulf Mehlhorn noch übrig gelassen hatte. Vor diesem Defensivblock wirbelten Semir Devoli, Chibuike Okeke und Mario Fillinger sowie Sebastian Meyer und Fabio Pinto in vorderster Front. Daniel Göhlert und Robin Lenk sowie Olivio Calicchio und einige Nachwuchsspieler mussten zunächst auf der Bank Platz nehmen.
Diese Elf sorgte für reichlich Arbeit der jungen Hertha-Abwehr. In den Anfangsminuten gelang es den Gästen noch sporadisch sich vor das Tor von Sebastian Klömich vorzutasten. Doch nur ein einziges Mal in der gesamten 1. Halbzeit musste der Chemnitzer Torhüter tätig werden.
Auf der anderen Spielfeldseite wurde aus allen Rohren auf das Hertha-Tor geballert. Den Anfang machte Semir Devoli mit einem 35-Meter-Freistoß, der nur Zentimeter über die Querlatte strich. Der gleiche Spieler begeisterte anschließend mit einem Fallrückzieher, der jedoch vom Hertha-Torwart pariert und von Schiedsrichter Joerend als regelwidrig eingestuft wurde. Dann war es Fillinger mit einem Schuss aus knapp 25 Metern. Dies war heute besonders auffällig beim CFC: Es wurde aus allen möglichen und unmöglichen Lagen auf das Tor gezielt. Vorbei scheint die Zeit, in der sich die Chemnitzer Kicker den Ball vor des Gegners Tor mit den Worten "Nimm Du ihn!" zuschoben. Jeder wollte heute unbedingt sein Tor machen.
Das Tor war dann schließlich Fabio Pinto vorbehalten. Meyer nahm einen Einwurf von Rene Stark an, drehte sich um seinen Gegenspieler und spielte dann vom rechten Strafraumeck schulbuchmäßig in den 5-Meter-Raum. Dort wartete bereits Fabio Pinto und musste nur noch den Fuß hinhalten. 1:0 für den Chemnitzer FC und das war bereits zu diesem Zeitpunkt hoch verdient.
Aber nun legten die Hausherren erst richtig los! Klömich blieb bisweilen der einzigste Spieler in der CFC-Hälfte. Pinto mit einem Solo, Fillinger mit einem direkten Freistoß von der linken Seite, Stark mit einem abgefälschtem Nachschuss und Fillinger nach einer Eingabe von Meyer wollten das 2:0 unbedingt erzwingen. Ja, sie wollten unter allen Umständen das 2. Tor! Die Himmelblauen ruhten sich nicht auf dem Vorsprung aus.
Wie eine Erlösung muss den Hauptstädtern der Halbzeitpfiff von Schiedsrichter Joerend vorgekommen sein. Der CFC selbst, hätte sicher gern noch etwas weiter gespielt - das 2:0 war eigentlich nur noch eine Frage der Zeit.

Von den Herthanern kaum zu stellen: Sebastian MeyerDoch leider fanden die Himmelblauen in den zweiten 45 Minuten nicht wieder in ihren begeisternden Fußball zurück. Hertha-Trainer Heine schien seiner Mannschaft noch einmal Lebensgeister eingehaucht zu haben. Denn auch die Gäste spielten wieder mit und bereiteten der CFC-Viererkette nun ebenfalls Arbeit. Die brenzligste Situation konnte Stefan Schmidt zum Glück nicht nutzen: Ein Diagonalpass fand den Weg durch Ahlfs Beine und genau in den Lauf des nun völlig allein gelassenen Schmidt. Doch Klömich rettet den Vorsprung in großer Manier.
Bei CFC ging nicht mehr viel. Die Zweikämpfe wurden nicht mehr so aggressiv geführt, wie noch in Halbzeit 1 und auch in der Offensive konnten Meyer, Fillinger und Co. kaum noch Akzente setzen. Nur Fillinger hatte nach einem Schuss von Devoli, den der Hertha-Torwart abklatschen ließ, noch eine riesige Möglichkeit zum 2:0.
Als dann Demuth Fillinger und Pinto durch Göhlert und Calicchio ersetzte, war entgültig der Angriffssturm zur Flaute abgeebbt. Seinen Teil dazu trug Calicchio dabei, der nicht einmal Kreisklasse-Format bewies. Er verlor so gut wie jeden Zweikampf und ihm zugetragene Bälle waren umgehend Beute des Gegners. Pässe von ihm kamen überall an, nur nicht beim Mitspieler. Ein Robin Lenk wäre wohl der bessere Ersatz für Pinto gewesen.

Und so quälten sich die Chemnitzer zum Abpfiff, jedoch ohne wirklich noch große Angst um den Sieg haben zu müssen. Denn die Hertha dezimierte sich selbst: Der bereits wegen Meckerns verwarnte Kevin Boateng bettelte mit vielen Fouls geradezu um die 2. gelben Karte. Als er die denn nach einem weiterem Foul am Chemnitzer Strafraum erhielt, muss er noch einige delikate Worte in Richtung Schiedsrichter Joerend los geworden sein. Es schien, als ließ der Unparteiische den gelben Karton unten und zeigte glatt Rot.

Ein Wort noch zur Chemnitzer Fankurve: Das Spiel heute erinnerte an bittere Regionalligazeiten Ende der 90iger. Zu vernehmen waren nur Anti-Gesänge, teilweise mit antisemitischen Inhalt. Die wenigen Initialzündungen für "echte" Stimmung kamen nur aus anderen Blocks. Die "Südkurve" hat arg gelitten. Korrekturmaßnahmen wären sehr wünschenswert...

Bleibt zu resümieren, dass der Trainerwechsel sich eindeutig positiv auszuwirken scheint. Die ersten 45 Minuten des Spiels gegen Hertha darf man getrost als Meßlatte setzen. Für den CFC gilt es, diese zweifelsohne starke Leistung auch in die 2. Hälfte zu transportieren. Gelingt dies, muss einem um den Klassenerhalt nicht Bange sein. Doch es werden Rückschläge kommen. Und über Wohl und Elend im Klassenkampf wird entscheiden, wie gut sich die Jungs von Dietmar Demuth davon erholen werden können.

Wertung: 1 für den tollen Angriffsfußball in Halbzeit 1 - 3,5 für Abstiegskampffußball in Halbzeit 2

Beste Himmelblaue: Mehlhorn, Meyer, Gillert

Pressestimmen

Morgenpost am Sonntag
Meyer flankte, Pinto traf, Keeper Klömich rettete! [..] Die Himmelblauen begannen höllisch aggressiv und waren in den Zweikämpfen bissig wie lange nicht auf der "Gellertwiese". [..] Nach der Pause gab es für das Publikum nichts mehr zum Aufwärmen [..]

Freie Presse
Mit Demuths Mut zum Risiko makellos [..] Zwei Spiele, zwei Siege, 4:0 Tore - durch die makellose Bilanz des neuen CFC-Trainers Dietmar Demuth sehen die Fans wieder Licht am Ende des Tunnels im Abstiegskampf der Regionalliga. Nimmt der Beobachter des 1:0-Sieges am Samstag gegen die Hertha-Amateure nur die erste Halbzeit zum Maßstab, dann hat es unter dem 50-jährigen Coach sogar ein regelrechtes Lichtfluten gegeben. Mit herzerfrischendem Offensivfußball überzeugte der mit viel Tempo und Einsatzwille agierende CFC wie lange nicht bei einem Heimspiel. Allerdings war davon in Spielhälfte zwei nicht mehr viel zu sehen.

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