Spielbericht // Saison 2004/2005

 
FC Sachsen Leipzig
FC Sachsen Leipzig2:1 n.V.Chemnitzer FC
Chemnitzer FC
Finale - Sachsenpokal - Saison 2004/2005
Mittwoch, 04. Mai 2005, 19:30 Uhr
Zentralstadion, Leipzig
Zuschauer: 8.592
Schiedsrichter: Wehnert (Haselbachthal)
FC Sachsen LeipzigTorfolgeChemnitzer FC
T Burmeister
A Kittler
A Gerster
A Jack
A BaumGelbe Karte (97. Boltze)
M Toku (62. Wejsfelt)
M Niestroj
M Ferl (33. NollGelbe Karte)
M Seifert
S SchwesingerGelbe Karte
S Kujat

Trainer: Frank
1:0 Jack (59.)
1:1 Stark (65.)
2:1 Schwesinger (119.)

T Süssner
A Stark
A Becker
A BaumannGelbe Karte (84. Calicchio)
A Kanitz
M Mehlhorn
M Meyer (46. Pinto)
M OkekeGelbe Karte
M GöhlertGelbe Karte
M Schindler
S Schmidt (77. Arzt)

Trainer: Demuth
Spielbericht

Von Erik Büttner

Nichts ist aus den Pokalträumen und damit auch einer Motivationsspritze für den Abstiegskampf des Chemnitzer FC geworden. Die Himmelblauen unterlagen am Mittwochabend dem Oberligisten FC Sachsen Leipzig mit 1:2 nach Verlängerung.

CFC-Trainer Dietmar Demuth musste sich für das Pokalspiel kaum Gedanken um die Aufstellung machen. Die ergab sich beinahe zwangsläufig aus den übrig gebliebenen, einsatzfähigen Spielern. Es fehlten Ahlf, Devoli verletzt und Fillinger gesperrt. Meyer wurde zur Halbzeit ausgewechselt, wohl aufgrund einer Verletzung.

Die erste Halbzeit vor 8592 Zuschauern im Leipziger Zentralstadion begann wegen des hohen Andrangs mit 10 Minuten Verspätung. Das gab auch Staustehern aus allen Himmelsrichtungen die Gelegenheit noch einigermaßen pünktlich zum Spiel zu erscheinen.
Die ersten 5 Minuten vom Anpfiff weg gehörten dem FC Sachsen. Dann hatte sich der CFC gefangen und begann sein Spiel aufzuziehen. Das Problem an der Sache war nur, dass nichts effektives dabei heraussprang. Der junge Kenny Schmidt war in vorderster Front völlig abgemeldet. Die Pässe in die Spitze wurden grundsätzlich Beute der Sachsen-Abwehr.
Die Gastgeber suchten ihre Chancen ausschließlich in Standards. Die Himmelblauen taten ihnen auch den gefallen und holten die Grün-Weißen regelmäßig von den Füßen. So hatte der CFC Glück bei einer Ecke (19.) und einem Freistoß (44.), dass der Ball neben das Tor ging. Einen weiteren Freistoß entschärfte Süssner. Der Chemnitzer Torwart rettete zudem in höchster Not, als Stark mit einem zu kurzen Rückpass Leipzigs Schwesinger in Szene setzte (43.). Dagegen stand nur ein Freistoß vom überragenden Ulf Mehlhorn, der knapp über das Dreiangel strich.
Nach dem Seitenwechsel wurde das Spiel lebhafter. Schmidt verstolperte im Strafraum nach Flanke des agilen Pinto die Führung (54.). Die erzielte dann der FC Sachsen. Wieder war es ein Standard. Der Freistoß kam von links flach in den Strafraum und dort traf Jack im Getümmel mit Schmidt aus 5 Metern zum 1:0 (59.) für die Gastgeber.
Doch das Tor gab den Grün-Weißen keine Sicherheit. Nach einer Kanitz-Flanke ließ Sachsentorwart Burmeister den eigentlich locker abzufangenden Ball fallen und hatte dabei noch Glück, dass die Kugel einen Meter neben dem Pfosten ins Aus ging (63.). Dann schlug die Minute des CFC. Nach einer Ecke wird der Ball (wie fast immer bei Ecken) von den Leutzschern in den Rückraum abgewehrt. Dort aber stand diesmal Rene Stark. Der nahm den Ball volley und drosch ihn über die herausrückende Abwehr und den zu weit vorm Tor stehenden Burmeister in die Maschen. 1300 Himmelblaue waren aus dem Häuschen. Und viel wichtiger, der CFC war schnell zurück in die Partie gekommen.
Von nun an spielte fast nur noch der CFC. Der FC Sachsen zog sich in die eigne Hälfte zurück und lauerte durch Schwesinger auf Konter. Chemnitz versuchte die Hausherren einzuschnüren, scheiterte aber immer wieder am eignen Unvermögen, so dass Schmidts Heber (74.) aus der zweiten Reihe, der am Pfosten noch abgefangen wurde, die einzigste gefährlich Aktion blieb. Auf der Gegenseite drosch Gerster den Ball freistehend von links über das Tor (90.).

Und so blieb Schiedsrichter Wehnert nichts anderes übrig, als beide Mannschaften in die Verlängerung zu bitten. Diese verlief in ähnlicher Weise, wie die Minuten seit den beiden Toren: Der CFC zeigte sich engagiert ohne wirklich großen Druck aufzubauen. Der FC Sachsen wartete in Person von Schwesinger auf Schnitzer in der CFC-Abwehr. So tingelte die Finalpartie bis zur 119. Minute. Da gab es wieder Freistoß für den FCS, diesmal rund 5 Meter von der Eckfahne entfernt. Süssner segelte an der Freistoßflanke vorbei. Schwesinger bedankt sich und verwandelt zum 2:1 Siegtor. Einmal noch schaffte es der CFC vor das Sachsen-Tor. Sieger blieb wieder die Grün-Weiße Defensive.

So feiert am Ende der FC Sachsen Leipzig den Finalsieg und der CFC schaut dumm aus der Wäsche. Wie schon bei Union Berlin standen Aufwand und Nutzen in einem klarem Missverhältnis. Vor dem Tor sind die Himmelblauen an Harmlosigkeit kaum zu überbieten. Das liegt zum Einen am mangelnden Durchsetzungsvermögen der Angreifer, aber auch an den teilweise zu schlacksigen Anspielen durch die Mittelfeldspieler. Dazu kommt, dass es Spielern wie Okeke oder Schindler an Biss, vor allem in der Defensivarbeit fehlt. Einen solchen Spieler kann eine Mannschaft kompensieren, bei mehreren wird es schwierig.
Dem Chemnitzer FC bleibt nun nichts anderes übrig, als die Wunden zu lecken und den Kopf wieder frei für das wichtige Duell mit dem SC Paderborn zu bekommen. Denn so wichtig wie der Finalerfolg mit seiner Qualifikation für den DFB-Pokal gewesen wäre, um längen wichtiger sind die Erfolge in der Meisterschaft.

Bleiben noch ein paar Bemerkungen zum Rahmen des Spiels zu machen:
Die Stimmung in den beiden Fansektoren war prächtig. Die himmelblaue wie die grün-weiße Anhängerschar war fast ununterbrochen im Einsatz und beide verstanden es bestens, das gerade mal zu 1/5 gefüllte Stadion mit richtig viel Leben zu erfüllen.
Bisweilen peinlich wirkte allerdings die Animation durch den FCS-Stadionsprecher und die auf der Videowand eingespielten Stimmungssequenzen aus dem Sachsen-Block, die darüber hinaus auch noch aus einem anderen Spiel stammten. Das war dann auch der Anzeigetafel selbst zuviel, so dass sie kurzzeitig bei der Auswechslung von Daniel Ferl den Geist aufgab. Doch den Blick für die graue Fußballrealität scheint man unter den FCS-Anhängern eh nicht zu haben. Und durch den Pokalerfolg wurde die grün-weiße Traumwelt auch noch unverhofft weiter ausgebaut. Unter den CFC-Anhängern herrschte derweil Enttäuschung und Niedergeschlagenheit.

Wertung: 3,5 (Die Partie lebte nur von der Spannung, Fußballgenuss war das nicht)

Beste Himmelblaue: Mehlhorn, Kanitz, Becker

Pressestimmen

Leipziger Volkszeitung
Irrer Pokalfight mit Happyend [..] Mittwoch Abend, Zentralstadion, die letzte Minute der Verlängerung, es steht 1:1. Die Fußballspieler sind am Ende ihrer Kräfte, helfen sich beim Rausdrücken von Krämpfen, auf den Trainerbänken werden Zettel mit Elfmeterschützen bekritzelt.
Der Logik einer beschi ... Leutzscher Saison folgend, wird der Chemnitzer FC das sächsische Pokalfinale gewinnen. In letzter Sekunde. Durch einen abgefälschten Schuss. Im Elfmeterschießen. Irgendwie eben. Weil der Fußballgott seit Monaten kein Chemiker mehr ist, hat sich kurz vor 22 Uhr auch Präsident Rolf Heller vorauseilend gefügt. "Klasse gefightet, nach Verlängerung oder Elferschießen verloren: Damit hätte ich leben können." Heller muss damit nicht leben. Frank Gerster schindet einen letzten Freistoß, Pico Niestroj haut das Ding parallel zur Torlinie knallhart in den Fünfmeterraum, Andreas Schwesinger hält den blonden Schädel hin.
Das Netz beult sich, 2:1!, der ekstatische TOOORschrei von über 8000 Sachsen-Fans schallt bis zum Bayrischen Bahnhof, wenige Sekunden später ist die Sensation perfekt: Sachsen Leipzig hat den klassenhöheren und permanent feldüberlegenen CFC geschlagen, zieht in die DFB-Pokal-Hauptrunde. Dort werden Träume wahr, warten Bayern München, Schalke oder auch Dynamo Dresden. BERLIN, BERLIN, WIR FAHRENNACHBERLIN!!! Für den grün-weißen Anhang ist klar: So stoppt unsere Lieblinge keiner, so kommen wir bis ins Endspiel nach Berlin, so kehren wir auf die große Fußball-Bühne zurück.

Freie Presse
CFC: Zu wenige krempelten die Ärmel hoch [..] Wenn nicht alle Spieler hundertprozent geben und bis an ihre Leistungsgrenze gehen, dann ist auch bei einem Oberligisten nichts zu holen. Das ist die bittere Erkenntnis für den Chemnitzer FC nach dem Pokal-Debakel am späten Mittwochabend in Leipzig. Beim FC Sachsen zogen die Himmelblauen mit 1:2 (0:0, 1:1) nach Verlängerung den Kürzeren. Damit vergaben sie nicht nur die Möglichkeit, sich in der ersten Runde des DFB-Pokals auf Bundesebene zu präsentieren, die Chemnitzer stehen auch finanziell mit leeren Händen da. Denn die 50.000 Euro, die es dafür gibt, waren im Saisonetat schon fest eingeplant. [..] Die Ursachen der Pokal-Blamage des CFC liegen eindeutig im zu großen Leistungsgefälle in der Mannschaft. Zu wenige krempelten im Zentralstadion die Ärmel hoch und zeigten den Einsatz und Kampfgeist, den der Trainer verlangt hatte.

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