Spielbericht // Saison 2004/2005

 
Chemnitzer FC
Chemnitzer FC3:1Borussia Dortmund II
Borussia Dortmund II
36. Spieltag - Regionalliga Nord - Saison 2004/2005
Samstag, 21. Mai 2005, 14:00 Uhr
Fischerwiese, Chemnitz
Zuschauer: 3.005
Schiedsrichter: Bornhöft (Bad Segeberg)
Chemnitzer FCTorfolgeBorussia Dortmund II
T Süssner
A StarkGelbe Karte
A GöhlertGelbe Karte
A Becker
A Kanitz
M Mehlhorn (49. Baumann)
M Devoli
M Okeke
M Fillinger
S Calicchio (73. Meyer)
S SchmidtGelbe Karte (46. Pinto)

Trainer: Demuth
1:0 Devoli (8.)
2:0 Okeke (80.)
2:1 Steegmann (90.)
3:1 Fillinger (90.)

T Samulewecz
A ÖztürkGelbe Karte (46. Saglik)
A Heitmeier (84. Topolewski)
A Hünemeier
A Kohlmann
M Parensen
M HorzGelbe Karte
M Seggewiß
S Akgün
S Steegmann
S Caliskan (46. Solga)

Trainer: Schneider
Spielbericht

Per Deja-vu der Abstiegszone entflohen

Von Erik Büttner

Es war das erhoffte Deja-vu-Erlebnis, was den Anhängern des Chemnitzer FC im Heimspiel gegen die Amateure von Borussia Dortmund zu Teil wurde. Exakt 350 Tage nach der Sicherung des Klassenerhaltes durch ein 2:0 im Stadion "Rote Erde" zu Dortmund wurden auch auf der Fischerwiese die schwarz-gelben "Bubis" - diesmal mit 3:1 - geschlagen.

Semir Devoli markierte mit einem sensationellen Freistoß die himmelblaue FührungCFC-Trainer Dietmar Demuth hatte nach der peinlichen Schlappe von Bielefeld die Mannschaft wieder kräftig durchgemischt. Die größte Überraschung: Olivio Calicchio stürmte von Beginn an, neben Kenny Schmidt. Auch Chibuike Okeke stand wieder in der Startelf. Für Fabio Pinto und Sebastian Meyer gab es zunächst keinen Platz auf dem Spielfeld.
Dortmund war mit großen Personalsorgen angereist. Die Profis kämpften fast zeitgleich noch um einen UEFA-Pokal-Startplatz, deshalb gab es keine Profiverstärkung für die Amateure. Zudem hatten sich die gesamte Torwartelite des BVB verletzt, so dass der junge Sascha Samulewicz in der Regionalliga debütierte. Darüber hinaus standen 5 A-Jugendliche in der Anfangsformation der Westfalen.

Die Ausgangslage vor diesem Spiel war so hart wie klar. Nur ein Sieg der Himmelblauen würde die Klassenerhaltshoffnungen am Leben erhalten. Damit einher gehen würde der Sprung aus der Abstiegszone – es wäre das erst Mal nach Spieltag 2.
Der CFC zeigte sich vom Anpfiff weg engagiert und wurde früh dafür belohnt. Nach einem Handspiel von Dortmunds Uwe Hünemeier gab es einen Freistoß etwa 20m leicht rechts vor dem Tor. Während das ganze Stadion "Uuuuulf" forderte, schnappte sich Semir Devoli den Ball und zirkelte ihn ins rechte Toreck. Die himmelblaue Anhängerschar jubelte befreit auf. Besser konnte man kaum in ein solch bedeutungsvolles Spiel starten.
In der Folge spielte der Chemnitzer FC auf das 2:0. Doch die alten Probleme der Sachsen standen dem Erfolg einmal mehr im Weg. Selbst gegen die teilweise sehr jungen Abwehrspieler des BVB sahen die Stürmer Schmidt und Calicchio kaum einen Stich. Erschwerend kommt hinzu, dass die vorderste Offensivereihe permanent nur mit langen Bällen angespielt wird. Das Flügelspiel scheint man in Chemnitz wieder gänzlich vergessen zu haben. So blieb es dann bis zur Pause bei wenigen und harmlosen Chancen von Mario Fillinger, Calicchio und Okeke.
Der BVB seinerseits überließ dem CFC weitgehend die Spielgestaltung und versuchte sich im Konterspiel über die pfeilschnellen Nizamettin Caliskan und Marcus Steegmann. Ein Distanzschuss über das Tor und eine 100%ig Tor Ausgleichmöglichkeit resultierten daraus. Letzte vereitelte aber der sichere Steffen Süssner im Duell Mann-gegen-Mann hervorragend. Er schupste mit dem Pausenpfiff dem durchgestarteten Caliskan den Ball von der Fußspitze.

Nach diese herzinfarktprovozierenden Einlage bereitete sich das Chemnitzer Publikum auf die zweiten 45 Zitterminuten vor. Beide Trainer nutzten die Pause für Personalwechsel. Beim CFC ging Schmidt, der nicht seinen besten Tag hatte und auch von einem Platzverweis nicht mehr so weit entfernt war, für Fabio Pinto vom Feld. Beim BVB kam Mahir Saglik mit der Empfehlung von 11 Toren für Kurtulus Öztürk sowie David Solga für Caliskan ins Spiel.
Die himmelblaue Abwehr musste nun auch auf die ordnende Hand von Mehlhorn verzichten. Der ging 4 Minuten nach dem Seitenwechsel unter großem Applaus von Feld und begab sich umgehende in die Betreuung der Physiotherapeuten. Die CFC-Abwehr mit den "Jungspunden" Mike Baumann und Tobias Becker in der Innenverteidigung sah sich nun einer forscher auftretenden Borussen-Elf gegenüber und hatte bisweilen ihre liebe Not, die flinken Angreifer unter Kontrolle zu halten. Zum Glück wurden die Torschüsse von Saglik immer sichere Beute der Balljungen oder von Süssner.
Die Chemnitzer Fußballer suchten ihr Heil nun im Kontern. Das allerdings brachte auch nur mäßig Erfolg. So verflachte das Spiel zusehens und um die 65. Minuten wurden erste Pfiffe im Stadion laut. Doch der CFC fing sich wieder und versuchte den BVB – jetzt auch wieder mit forciertem Flügelspiel durch die Einwechslung von Meyer - unter Druck zu setzten. Das animierte zwar wieder das Publikum, brachte aber unterm Strich nur mäßig Effektives.
Abpfiff. Die Dortmunder Spieler am Boden.Und so musste dann ein glücklicher Zufall für das erlösende 2:0 herhalten. Nach einem Doppelpass wurde Meyers Pass von der schwarz-gelben Abwehr heraus geschlagen, landete aber wieder in den himmelblauen Reihen. Okeke wurde hoch angespielt und zog volley auf. Dortmunds Heitmann fälschte den Ball ab, so dass Samulewicz in die falsche Ecke sprang und der Ball ins Tor hoppelt. Himmelblaue Glückseligkeit regierte auf den Rängen und dem Rasen.
Doch noch war das Spiel nicht zu Ende. Der BVB spielte jetzt mit offenem Visir. Das ermöglichte dem CFC eine weitere gute Chance. Aber Okeke verpasste Göhlerts Pass von rechts. Auf der anderen Seite zwang Uwe Segewiß nach einem Freistoß Süssner zu einer spektakulär aussehenden Parade. Und nach einer Ecke mit Strafraumgewühl lag der Ball im Tor. Steegmann hatte das Leder über die Linie befördert.
Aber Schiri Bornhöft wollte noch immer nicht abpfeifen. Deshalb schnappte sich Fillinger die Kugel an der Mittellinie, wanderte an der linken Spielfeldbegrenzung Richtung Tor und schlenzte dann vom 5-m-Raum-Eck den Ball ins Tor. Der himmelblaue Jubel brachte nun den Sonnenberg zum Beben und der Schlusspfiff ging um Jubel unter. Sehr viele der 3005 Zuschauer verharrten (anders als sonst) noch kurz auf den Rängen und feierten die Mannschaft.

Dieser Erfolg über die BVB-Amateure war nicht mehr als ein Pflichtsieg, um nicht schon die Regionalliga am 36. Spieltag abhaken zu können. Der Sprung aus der Abstiegszone ist sicher Balsam auf die geplagten himmelblauen Seelen. Doch er ist auch nicht mehr als eine Momentaufnahme, denn entscheidend ist immer noch der Rang nach Spieltag 38.
Der Chemnitzer FC hat gegen die Borussen-Amateure das gezeigt, was man von ihm erwartete: Engagement. Dass es zu großer Fußballkunst nicht reicht, ist nicht neu. Dass im Sturm Flaute herrscht auch nicht. Beides wird man an den letzten beiden Spieltagen auch nicht mehr beheben können. In den beiden verbleibenden Spielen gegen zumindest in der Rückrunde erfolgreiche Gegner muss der Kampfgeist das alles überragende Motiv sein. Alles andere kommt von allein. Und dass der CFC auch mit stärkeren Gegnern mithalten kann, dass haben zuletzt Spiele wie das gegen St. Pauli oder gegen Tabellenführer Paderborn gezeigt. Von daher kann das Motto nur lauten: Der Klassenerhalt liegt vor uns, als packen wir ihn uns mit aller Kraft!

Wertung: 3 (Ein spannendes Spiel mit Sonne und Wolken)

Beste Himmelblaue: Mehlhorn, Okeke, Süssner

Pressestimmen

Freie Presse
Mehr gezittert als gespielt [..] Der Chemnitzer FC hat am Sonnabend zwar das erste von drei "Endspielen" im Kampf um den Klassenerhalt in der Fußball-Regionalliga Nord mit 3:1 (1:0) gegen die Amateure von Borussia Dortmund gewonnen, ob es aber ein "Big Point" war, das werden die Partien in Düsseldorf und gegen Lübeck zeigen müssen. Denn die spielerische Vorstellung der Himmelblauen war mehr als dürftig. Letztlich machten drei Einzelleistungen den Erfolg perfekt.

MDR
Chemnitz mit Big Point [..] Der Chemnitzer FC schöpft im Abstiegskampf neue Hoffnung. Im Abstiegsspiel gegen die Amateure von Borussia Dortmund behielt der CFC beim 3:1 kühlen Kopf. Nach dem Sieg tauschten die Himmelblauen mit den Borussen, die nun auf einem Abstiegsplatz stehen, die Plätze.

Sächsische Zeitung
Chemnitzer stehen am Abgrund

Morgenpost am Sonntag
Standing Ovations für tolle CFC-Fighter [..] Überzeugender Sieg nährt Hoffnung auf den Klassenerhalt

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