Spielbericht // Saison 1989/1990

 
Juventus Turin
Juventus Turin2:1FC Karl-Marx-Stadt
FC Karl-Marx-Stadt
Achtelfinale - UEFA-Cup - Saison 1989/1990
Mittwoch, 22. November 1989, 21:00 Uhr
Stadio Comunale, Turin
Zuschauer: 17.426
Schiedsrichter: Goethals (Belgien)
Juventus TurinTorfolgeFC Karl-Marx-Stadt
T Tacconi
A Fortunato
A de AgostiniGelbe Karte
A Bonetti
A Napoli
M Marocchi
M Sawarow
M Alejnikow (61. Casiraghi)
M Galia
S Schillaci
S Barros

Trainer: Dino Zoff
0:1 Wienhold (70.)
1:1 Schillaci (81.)
2:1 Casiraghi (88.)

T Schmidt
A Barsikow
A Illing
A D. Müller
A Bittermann
M Keller
M Heidrich
M Ziffert
M Köhler
S Steinmann
S Wienhold (78. Mitzscherling)

Trainer: Hans Meyer
Pressestimmen

FuWo

Sehr selbstbewußter FCK steigerte seine Chancen: Von 10:90 auf 40:60

430 FCK-Fans nutzten die offene GrenzeDer Nebel, der sich immer stärker über das Spielfeld legte, von der Pressetribüne aus manches nur noch ahnen ließ ("Ein Spielabbruch stand für mich allerdings nie zur Debate, weil ich stets guten Sichtkontakt zu beiden Linienrichtern hatte", so Referee Goethals), hatte es den italienischen Journalisten angetan. Er fand sich tags darauf in allen Schlagzeilen wieder: "Zwei Lichter im Nebel" (La Stampa), "Alte Dame sprintete durch den Nebel" (Corriero dello Sport) und "Schillaci und Casiraghi setzten zwei Lichter im Nebel" (La Gazetta dello Sport). Den eigentlichen Nebel über dieses Spiel legte aber wohl der FCK. Wenn man ihm vorher ein 1:2 bei diesem italienischen Starensemble mit Nationalspielern aus drei Ländern prophezeit hätte, dann wäre er unter Garantie sichtlich froh gewesen. Dieses gute Ergebnis, das er nun wider Erwarten erreicht hat, findet auch international Beachtung. Es schmeichelt am Ende sogar den Gastgebern, spiegelt nicht den guten Auftritt unseres letzten im Rennen verbliebenen EC-Vertreters wider, der den sichtlich beeindruckten Kontrahenten erst in den letzten zehn Minuten auf die Siegerstraße ließ. Der FCK, von dem man nicht sehr viel wußte, den "Tuttosport" am Tag vor dem Spiel in einer Karikatur mit elf Karl-Marx-Köpfen vorgestellt hatte, beeindruckte im Stadio Comunale in mehrerer Hinsicht.

1. Mit Selbstvertrauen. "Die Mannschaft ist im Herbst gereift", konnte Trainer Hans Meyer auch nach diesen 90 Minuten bescheinigen. Wie sie mit großer Selbstsicherheit an ihre bisher wohl schwerste Aufgabe gegangen ist, das war schon imponierend - nicht nur für die 430 im Sonderzug angereisten Anhänger. Da gab es kein Nervenflattern und ängstliches Verstecken, sondern da wurde gegen- und mitgehalten, die "Alte Dame" mit jugendlichem Elan sichtlich beeindruckt. So und nur so kann man gegen solch einen Gegner überhaupt bestehen. "Dadurch sind unsere Chancen nun von einstmals 10:90 auf 40:60 gestiegen", blickte Hans Meyer realistisch-optimistisch voraus.

Illing klärt vor Schillaci2. Mit Abwehr- und innerer Stabilität. Den Grundstein für diese selbstbewußte Vorstellung legten eine sichere Abwehr und die innere Stabilität der gesamten Mannschaft. Eine festgefügte Deckung mit dem aufmerksamen Schlußmann Schmidt, dem umsichtigen [..] Libero Barsikow, mit den beiden konsequenten Manndeckern Müller (gegen Schillaci) und Illing (gegen Barros) sowie den ebenfalls die Kreise von Sawarow und Galia einengenden Bittermann und Keller bildeten 80 Minuten lang ein unüberwindliches Bollwerk, an dem sich die Gastgeber die Zähne ausbissen, aber eben leider nur 80 Minuten lang. "Dann hat wohl doch die Langzeitkonzentration etwas nachgelassen", begründete Co-Trainer Christoph Franke.

3. Mit Spielsicherheit. Auf dieser gesunden Basis und angesichts der schon bald gewonnenen Erkenntnis, daß die Turiner auch nur mit Wasser kochen und der Anfangselan von Sawarow, Barros, Galia und Napoli schon bald sehr stark eingeengt werden konnte, fanden die Gäste mehr und mehr zu eigenem Mut und Spiel. Insbesondere Steinmann (er setzte mit einem überlegten Heber knapp neben den Pfosten das erste Achtungszeichen/31.), Heidrich und Wienhold fanden sich nun immer besser zusammen, erzwangen Spiel- und Chancengleichheit. Wienhold bot sich nach dem Führungstreffer sogar die Möglichkeit zum sicherlich spielentscheidenden 2:0 (76.). Erst im immer energischeren Aufbegehren fanden die Gastgeber, die lange Zeit nicht mit ihrer Kombinationssicherheit im Mittelfeld und blitzschnellen, genauen Pässen in die Tiefe brillieren konnten, was Trainer Hans Meyer noch wenige Tage beim 2:2 gegen Udinese so beeindruckt hatte, durch Schillaci und den eingewechselten Casiraghi zwei Löcher in der Abwehr [..], die sie eiskalt zum selbst kaum noch erwarteten Erfolg nutzten.

Der FCK ist als krasser Außenseiter in die beiden Vergleiche mit Juventus gestartet. Er hat in den ersten 90 Minuten ein kaum erwartetes Ergebnis geschafft. [..] Mit nun weiter gestiegenen Selbstvertrauen geht es an die gewiß noch schwerere, zweite Aufgabe. Aber Hans Meyer hat eine Mannschaft geformt, die auch die meistern kann!

(Manfred Binkowski)

Fotos: FuWo

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