Auch Saisonziel Nr. 2 erreichen, beim Überraschungsteam in "Karl-May-Stadt"...
von Timo Görner
...denn nach dem Klassenerhalt gilt es den angestrebten Sachsenpokal zu holen. Zwar klar favorisiert wird der Trip zum VfL kein Selbstläufer für die Himmelblauen.
Die aktuelle Saison unseres Gegners bislang
4 Spiele vor dem Finale ist der VfL eine von 3 Gemeinschaften, die noch um den 2. Platz in Richtung Oberliga Nordost Süd mitspielen, neben dem Heidenauer SV - CFC-Gegner im Viertelfinale - und dem SV Einheit Kamenz.
Grundlage des guten Abschneidens in der diesjährigen Sachsenliga ist zweifellos die Heimstärke. 11 der 13 Begegnungen wurden gewonnen, lediglich 2 Spiele verloren. Die Gewinner hießen Markranstädt und Eilenburg mit jeweils 3:1. Danach blieb Hohenstein auf eigenem Rasen nicht nur ungeschlagen, sondern gestaltet auch alle folgenden 10 Spiele siegreich. Wichtig waren dabei der Dreier gegen Kamenz (3:1) und das 4:1 über RB Leipzig II. Der allerdings auch durch vereinsinterne Querelen arg gehandicapte Aufsteiger Merkur Oelsnitz ging gar mit 0:7 unter. Damit stellt der VfL die zweitbeste Platz bauende Gemeinschaft dieser Liga. Mehr Tore (37) hat keiner Zuhause erzielt, Staffelprimus Markranstädt nur mehr Punkte geholt. Als Gastgemeinschaft tat man sich wesentlich schwerer. Zwar ragten die Siege in Heidenau (1:0) und Eilenburg (2:0) positiv heraus. Doch in Oelsnitz (2:4), Grimma (0:3) und Neugersdorf (0:4) blieb „HOT“ deutlich unter den eigenen Möglichkeiten und Erwartungen. Beim designierten Oberligisten aus dem Leipziger "Speckgürtel" war der VfL mit 0:4 ebenfalls chancenlos. 11 Mannschaften sind auf Reisen erfolgreicher, 12:23 Tore sprechen für eine wenig durchschlagskräftige Offensive bei den Gastspielen.
Insgesamt sprechen 49:39 Tore für eine sehr starke Offensive, aber auch eine eher anfällige Defensive (12.). Im Sachsenpokal sorgte Hohenstein-Ernstthal für Furore: Mit dem Halbfinalsieg gegen Regionalligist VFC Plauen löste man dort einige Querelen aus.
Der Einzug ins Sensationsfinale begann mit den Stationen beim VfK BW Leipzig (Hauptrunde 2, 7:0), dem Radebeuler BC 08 (3:1) und in Hoyerswerda (3:1). In den letzten beiden Runden schaltete man dann höherklassige Kollektive aus. Erst scheiterte Budissa Bautzen mit 1:0, dann Plauen mit 2:1. Diese Resultate und die Pokalpleiten des SV Babelsberg 03 und zuletzt Oberhausen sollten unserer Mannschaft die nötige Konzentration beschaffen. Für den VfL geht die Saison nach dem Finale mit den beiden wohl entscheidenden Begegnungen in Kamenz und am Ende gegen den Heidenauer SV weiter. Beide sind ja die Mitkonkurrenten um den Aufstieg. Die "Generalprobe" für das Pokalfinale gelang, wenn auch mit einem Kraftakt. Gegen den FC Oberlausitz Neugersdorf musste man ein 0:2 hinnehmen, drehte die Begegnung dann aber und siegte noch mit 3:2. Das war enorm wichtigm da die beiden Rivalen aus Heidenau und Kamenz ebenfalls gewannen.
Delegierungen für diese Saison
2 Spieler waren gegangen, 5 wurden geholt. Und hier sind doch interessante Personalien zu beachten, die den Ehrgeiz des VfL erkennen lassen.
Die 2 abgegangenen Akteure spielen mittlerweile in Chemnitz; Felix Nobis (20) beim Chemnitzer FC II, Robert Bemmann (24) beim VfB Fortuna Chemnitz. Beide sind im Mittelfeld ansässig. Auch bei den Neuzugängen gibt es Bezug zur Bezirkshauptstadt. In der Abwehr stieß Patrick Grandner (24) vom FC Erzgebirge Aue II zum VfL. Mittelfeldlenker Marcus Jazwinski (25) brach vor der Saison nach 5 Jahren seine Zelte beim FSV Zwickau ab. 2005/2006 war er ja noch in der damalig drittklassigen Regionalliga Nord für den Absteiger in Himmelblau am Ball. Allerdings wechselte "Jasch" in der Winterpause vom VfL zur Rapid nach Chemnitz. 3 Spieler wurden für den Angriff delegiert. Einen gewissen Bekanntheitsgrad hat hier bei für Kenner der 4. und 5. Liga Roy Blankenburg (24), gekommen vom Regionalliga-Aufsteiger Germania Halberstadt. Den gebürtigen Zschopauer Marc Benduhn (23) kennt der CFC-Freund wohl auf alle Fälle. Guido Heßmann (21) wiederum kam im "Doppelpack" mit Grandner.
Der Trainer
Auch auf der Trainerbank findest sich ein ganz bekannter Name: Sven Günther (38). Als Spieler kann er eine durchaus bemerkenswerte Vita vorweisen. 245 Zweitligaspiele für den FSV Zwickau, Nürnberg, Eintracht Frankfurt, Aue und Jena stehen zu Buche. Dazu kommen immerhin noch mal 45 Einsätze in der 1. Bundesliga für die Franken und die Hessen. 2008 folgte der Wechsel aus Thüringen zurück nach Zwickau. Während der Saison 2008/2009, als der FSV vor der erneuten Insolvenz stand, beendete er seine Laufbahn bei den Rot-Weißen. Er absolvierte übrigens 113 Spiele unter Gerd Schädlich. Es wird also auch ein kleines Duelle des "Schülers gegen seinen (ehemaligen) Meister".
Die Mannschaft
Klare Nr. 1 im Tor ist Toni Grabowski (24). Die Abwehr bilden Andreas Schütz (23), Thomas Kochte (27), Patrick Grandner (23) und Ronny Liebold (26). Im Mittelfeld finden sich Florian Kubatzky (22), Kai Enold (25) sowie der Litauer Eric Eirinas Freidgeim (21). Marcus Jazwinski (26) kam erst auf 9 Einsätze, weil er erneut mit Verletzungsproblemen wie zuvor in Chemnitz und Zwickau zu kämpfen hat. Sein letztes Punktspiel am 29.10.2011 bestritt er gegen Neugersdorf. Herausragender Akteur im Angriff wie auch im Ligamaßstab ist mit Marc Benduhn (23) ein Neuzugang für diese Saison. Bilanz: 26 Einsätze - 14 Tore, davon 2x im "Doppelpack", zuletzt beim 3:2-Heimsieg am vergangenen Wochenende gegen den FC Oberlausitz. 3x war er vom Elfmeterpunkt erfolgreich. Mit Sebastian Helbig (35) bietet der VfL 05 einen weiteren Spieler auf, der schon höherklassig agiert hat. Für ihn stehen 146 Begegnungen in der 2. Bundesliga zu Buche, die Stationen waren Cottbus, Köln, Unterhaching, Aue, Jena. Hinzu kommen auch noch 65x Bundesliga 1 wiederum in Cottbus und Köln. 2008 der wechselte er zum FSV Zwickau, den er wie Günther im Zuge der massiven finanziellen Probleme frustriert noch in der gleichen Saison verließ. Aktuelle Ausbeute: 4 Tore. Damit liegt er hinter Roy Blankenburg (24), der sich in 8 Fällen als Torschütze auszeichnen konnte. Mit Benduhn, Helbig und Blankenburg ist der Sturm des VfL für diese Landesliga sehr gut besetzt. Alles in allem ein mehr als solider Kader, der das Zeug haben kann, auch die Oberliga zu bewältigen. Kostproben des Könnens gab man im Halbfinale gegen Plauen ab, der VFC wurde absolut verdient besiegt.
Das Umfeld
Für den Verein aus der Karl-May-Stadt ist das Pokalfinale zweifellos das Highlight der letzten Jahre. Der Zuspruch in der aktuellen Spielzeit beträgt 319 Besucher im Schnitt. 4 Vereine können mehr Zuschauer aufweisen. Die beiden Leipziger Vereine aus Leutzsch mit der BSG Chemie als Primus, die immerhin 1.046 pro Heimspiel mobilisieren können. Dazu Gelb-Weiß Görlitz und der SSV Markranstädt. Den größten Ansturm auf die Kassen erlebte man auch gegen die grün-weißen Leipziger mit 535 zahlenden Fußballfreunden. Oelsnitz interessierte hingegen nur derer 214. Das Finale im eigenen Stadion auszutragen war erkennbarer Ehrgeiz der Verantwortlichen, dazu wurde die Kapazität der Anlage an der A4 auf rund 4.500 aufgestockt. Normal können sich dort offiziell 3.000 Enthusiasten versammeln. Am Mittwoch könnten 4.500 Freunde des runden Leders Einlass finden. Der VfL ist optimistisch, eine "volle Hütte" zu bekommen. Das siegreiche Halbfinale gegen den VFC Plauen sahen 813 Fans.
Vorgänger des VfL war die BSG Motor Hohenstein-Ernstthal, 1953 aus der erst 2 Jahre zuvor gegründeten BSG Stahl hervorgegangen. Im Oktober 2010 entstand daraus wiederum dann der VfL. Brustsponsor der 1. Mannschaft ist die Sparkasse Chemnitz, auch wieder eine Querverbindung zum CFC, auch wenn die Bänker bei uns nicht in der Bedeutung wie beim VfL agieren. Ansonsten entspricht die Struktur der Trägerbetriebe der Vereine im Nordosten. Auch hier unterstützt ein beim CFC seit vielen Jahren mitwirkender Energieversorger. Vereinschef ist Heiko Fröhlich (51), seines Zeichens auch stellvertretender Vorsitzender des SFV-Kreisverbandes.