Vorbericht

9. Spieltag - 3. Liga - Saison 2017/2018
Chemnitzer FC
Chemnitzer FC
1:2
SC Fortuna Köln
SC Fortuna Köln

Himmelblau gegen den "Lieblings-Heimgegner" …

von Timo Görner

… nach der bitteren Pleite in Wiesbaden. Von den 18 Punktspielen seit 1992 konnte der CFC immerhin 11 gewinnen, verlor nur 4 Spiele. Februar 1995 gab es die bislang letzte Heimpleite gegen die Rot-Weißen mit 0:1. Die letzten 5 Heimspiele wurden alle gewonnen, dabei zuletzt 4-mal in Folge mit 3:1. Um diese Serie zu halten, wird man sich mächtig strecken müssen. Die Kölner sind noch ungeschlagen.

Die letzte Saison unseres Gegners: 

Das Ziel war "vorzeitiger Klassenerhalt + x". Das Ziel wurde am 36. Spieltag erreicht, das Punktekonto auf 46 ausgebaut. Das am Ende dennoch Unzufriedenheit beim kleinen Club aus der Südstadt überwog, lag an einer schwachen Endphase mit 5 Niederlagen in 6 Spielen und der Niederlage im Landespokal, damit wurde die wirtschaftlich enorm wichtige Teilnahme am DFB-Pokal 2017/2018 verpasst. Zur Winterpause war die Bilanz mit 28 Punkten als 10. bei 8 Punkten zum 18., aber mit leichter Tuchfühlung auf die Plätze 3 und 2 in Ordnung. Der Start optimal in Magdeburg (3:0) und gegen Bremen II (2:0). Bis zur Winterpause mit 22 Zählern aus 17 Begegnungen erwies sich die Fortuna als "launisch", wechselhaft erfolgreich ohne klare Tendenz. Die Tiefpunkte blieben die Heimspiele gegen Aalen, Rostock (0:2) und Auftritte in Wiesbaden, Erfurt (0:3) und vor allem das 0:6-Debakel beim FSV Frankfurt/M. Geriet man in Rückstand, wurde fast immer verloren. Bei eigener Führung wurde hingegen meist gewonnen. Erfolgreich neben Magdeburg die Dienstreisen nach Lotte (1:0), Großaspach (3:2). 19:27 Tore waren damals offensiv eindeutig zu wenig als viertschlechteste Bilanz. Im Landespokal Mittelrhein stürmte man über Bezirksligist SV Wachtberg (6:0) und Viertligist Alemannia Aachen (1:0) ins Viertelfinale. Für die Frühjahrsrunde sollten erstmal schnell die fehlenden 17 Punkte für den Ligaerhalt her. Das gelang 3 Spiele vor Ende in Osnabrück (2:1), als die Formkurve deutlich nach unten zeigte, Fortuna sich über die Runden quälte. Dabei gelang der Start ins Jahr 2017, wieder Sieg gegen Magdeburg (2:1) und der Sprung auf Rang 5. Nah dran an Platz 3 mit noch 2 Zählern Rückstand. Das Niveau wurde nicht gehalten, vor allem die Auswärtsschwäche machte den Rheinländern zu schaffen. Die Reise-Bilanz im Frühjahr 2017: 1 Sieg – 3 Remis – 6 Niederlagen. Mit vielen Gegentoren in Kiel (1:5), Mainz (0:4), Aalen (0:3), Münster (2:4), Chemnitz (1:3). Im eigenen Stadion war man erfolgreicher, aber nicht genug, um noch mal weiter oben anzugreifen und verlor wie schon 2015/2016 noch mehrere Partien in Folge gegen Ende. Anfang April 2017 wurde Lotte (3:0) noch mal geschlagen, das war's. 37:59 Tore waren für die Offensive Platz 16 und die Defensive "Rote Laterne". Zufriedenheit war nicht so sehr zu verspüren, Frust erst recht nach dem 0:1 im Landespokalfinale beim Bonner SC. Eine durchwachsene Saison mit einem bitteren Schlusspunkt.

Delegierungen für diese Saison bislang: 

14 Spieler gingen, 11 kamen. Ein durchaus veritabler Umbruch also.

In der Abwehr ging Kapitän Daniel Flottmann (33) nach 5 Jahren in der Südstadt zu Regionalligist SV Rödinghausen. Der Ghanae Kusi Kwame (27) verließ Fortuna ohne neuen Verein. Im Mittelfeld zog es den Brasilianer Cauly Oliveira Souza (21/Duisburg) in die 2. Bundesliga. Das die einzigen erwähnenswerten Abgänge.

Für das Tor wurde Jannik Bruhns (18) aus der A-Jugend des 1. FC Köln verpflichtet. Im "Doppelpack" mit Bruhns kam Aaron Eichhorn (19) für die Defensive. Dazu Dominik Ernst (27/Alemannia Aachen) und der Ghanae Bernard Kyere (22/Kaiserslautern II) ebenfalls aus der Regionalliga. Ernst empfahl sich in Aachen mit 4 Toren und 3 Vorlagen als torgefährlicher Verteidiger. Der bekannteste Neuzugang ist im Mittelfeld mit dem Deutsch-Spanier Manuel Farrona Pulido (24) zu finden, beim 1. FC Magdeburg 2016/2017 mit 24 Spielen in Liga 3 bei 3 Toren und 3 Vorlagen, 12-mal als Stammspieler. Er vermisste dort die Wertschätzung, verließ den FCM auf eigenen Wunsch. Ebenfalls aus Liga 4 stießen Robin Scheu (22/Offenbach), Nico Brandenburger (22/Mönchengladbach II), Moritz Fritz (24/Dortmund II) zum SC. Scheu und Brandenburger waren Eckpfeiler bei ihren Vereinen. Fritz kam durch Verletzung erst in der Frühjahrsrunde 2017 zum Zug. Okan Kurt (22) spielte bis Mitte Februar 2017 beim niederländischen Zweitligisten Fortuna Sittard, stammt aus der Jugend des FC St. Pauli. Ali Ceylan (19) ist intern aus der A-Jugend gekommen. 2 neue Spieler wurden im Angriff an Land gezogen. Daniel Keita-Ruel (27) war in Wattenscheid in der Vorsaison der überragende Stürmer mit 12 Torerfolgen, legte dazu 5-mal für den Viertligisten auf. Letzter Neuzugang war der Deutsch-Palästinenser Amir Falahen (24) vor wenigen Tagen als Ersatz für den länger ausfallenden schwer verletzten Maurice Exlager. Ausgebildet beim SC Freiburg, verließ er den Erstligisten im Juli 2017, kam als großes Talent der Jugendabteilung und Topstürmer der II. Mannschaft bei den Profis nicht zum Durchbruch.

Der Trainer: 

Uwe Koschinat (46) ist seit mittlerweile 6 Jahren und über 2 Monaten der Chef der Profis. Sein Vertrag läuft noch bis Ende der Saison. Er stand nach der schwachen Schlussphase der letzten Spielzeit und vor allem dem verlorenen Landespokal-Finale gegen den Bonner SC enorm unter Beschuss bei Teilen der Fans, sitzt derzeit aber wieder fest im Sattel. Unter seiner Leitung bestritten die Fortunen 244 Pflichtspiele.

Die aktuelle Saison bislang: 

Der Trend zum Ende der letzten Spielzeit wurde umgekehrt, Fortuna Köln ist bislang die Überraschungsmannschaft der Liga mit Platz 2 und 18 Punkten aus den ersten 8 Spielen. Der Start erneut stark, diesmal sogar mit 3 Siegen in Folge. Im "Südstadion" wurden Aalen (1:0) und Osnabrück (3:0) besiegt, in Jena hoch verdient (2:0) und bislang noch keine Niederlage kassiert. Das "Meisterstück" lieferten die Rheinländer gegen Karlsruhe ab, deklassierten die favorisierten Badener mit 4:0. Nur in Unterhaching (2:2), in Wiesbaden und zuletzt gegen Halle (jeweils 1:1) wurde nicht gewonnen. Die "Schießbude" 2016/2017 ist defensiv mit erst 4 Gegentoren enorm stark, aus der "Roten Laterne" wurde hier die Nr. 1 gemeinsam mit Rostock. 16 erzielte Treffer sind offensiv ebenfalls bislang aufstiegsreif, mehr hat nur Paderborn. Hauptgrund sind die Neuzugänge, welche überwiegend bislang eingeschlagen haben und Verstärkungen wurden. Ziel für diese Saison bleibt der Landespokal Mittelrhein, stärkste Konkurrenten hier der FC Viktoria, Alemannia Aachen, der Bonner SC.

Die Mannschaft: 

Im Tor hat derzeit der gebürtige Kölner Tim Boss (24) die Nase vorn, ausgebildet bei Bayer 04 Leverkusen und 2015 aus Wattenscheid gekommen. Routinier und Ex-Stammkeeper André Poggenborg (33) fungiert in dieser Saison als Standby der Nr. 2 Jannik Bruhns (18). In der Abwehr gelten Dominik Ernst (27/Rechts), der Deutsch-Mosambikaner Boné Uaferro (25/Innen), Markus Pazurek (25/Links) als die festen Größen. Der Kongolese und Ex-Cottbuser Cédric Mimbala (31) als Innenverteidiger war dies in den ersten 4 Spielen auch, wurde dann freigestellt, um "ein paar persönliche Themen zu ordnen". Über die Gründe übten Spieler und Verein Stillschweigen. Gegen Halle war er wieder gesetzt. In seine Lücke sprang Bernard Kyere (22). Zuletzt begann man in der Abwehr mit Bender – Kyere Mensah – Mimbala – Pazurek. Dominik Ernst (27) fehlte "Gelb-Rot-Gesperrt". Im Mittelfeld haben sich Robin Scheu (22/Rechts), Maik Kegel (27/Zentral), Manuel Farrona Pulido (24/Links), hinter den Spitzen der bislang enorm starke Kapitän Hamdi Dahmani (29) und Nico Brandenburger (22) als "Sechser" vor der Abwehr etabliert. Lars Bender (29) als Eckpfeiler 2016/2017 zählt hier bislang nicht zum Gerüst, begann gegen den HFC in der Viererkette. Okan Kurt (22) ist reiner Ergänzungsspieler mit Kurzeinsätzen, der gegen Kegel und Dahmani derzeit kaum eine Chance hat wie Christopher Theisen (24). Klare Nr. 1 im Sturm ist die Wattenscheider Delegierung Daniel Keita-Ruel (27) mit 3 Toren und 1 Vorlage, beim Ex-Verein schmerzlich vermisst, der nach guter Vorsaison gegen den Abstieg aus der Regionalliga kämpfen muss. Maurice Exslager (26) fällt noch die komplette Spielzeit aus, ihn soll "Last-Minute"-Neuzugang Amir Falahen (24) ersetzen. 2 Tore steuerten Scheu, Dahmani bei. Der herausragende Vorbereiter auch in der Liga ist Manuel Farrona Pulido mit 4 Vorlagen. Der Kader wurde durch den Umbruch verbessert, ist stärker als in den letzten Jahren. Von den Neuzugängen konnten sich immerhin mit Ernst, Farrona Pulido, Scheu, Keita-Ruel, Brandenburger 6 Akteure durchsetzen. Farrona Pulido und Keita-Ruel sind echte "Glücksgriffe". Kyere könnte dies ebenfalls gelingen wie auch Falahen.

Das Krankenlager/Strafbank: 

In der Abwehr erlitt der Deutsch-Mosambikaner Boné Uaferro (25) Anfang September einen Kreuzbandriss. Im Mittelfeld fällt der Belgier Kristoffer Andersen (31) aus gleichem Grund aus, hier seit Ende April wie auch Stürmer Maurice Exslager (26). Besonders bitter für den Ex-Magdeburger, es ist bereits der 2. in diesem Jahr und dieser gleich in der ersten Trainingseinheit nach der Rückkehr ins Team. Er wird diese Saison vermutlich komplett ausfallen wie bei uns damals Tom Scheffel.

Prognose: 

Die Mannschaft steht derzeit nicht zufällig so weit oben, die meisten Neuzugänge sind echte Verstärkungen. Der Abstiegskampf ist diesmal kein Thema, ob es für eine Sensation wie Jahn Regensburg reicht, bleibt abzuwarten. Tipp: Platz 8 bis 10.

Das Umfeld:

Als der FC Viktoria Köln haarscharf am Aufstieg zur 3. Liga vorbeischrammte, dürfte man in der Kölner Südstadt erleichtert gewesen sein. Der Status als wenn auch kleine Nr. 2 hinter dem großen 1. FC Köln war vorerst gesichert. Der FCV vom Höhenberg wäre ein starker sportlicher und vor allem wirtschaftlicher Rivale in der gleichen Liga gewesen, verbunden durchaus mit dem einen oder anderen Abgang oder dem Nachsehen bei Neuzugängen. Fortuna ist und bleibt der Stadtteilverein aus dem Süden, hielt letzte Saison einen Zuschauerschnitt von 2.128. Weniger hatten nur Großaspach, Bremen und Mainz II. Minimal der Anstieg zu 2.036 aus der Vorsaison. „Richtig voll“ wurde es gegen Zweitligaabsteiger MSV Duisburg mit 8.314, als die "Zebras" ihren ersehnten Aufstieg feierten und mit entsprechend Gästefans anreisten. Deutlich über dem Schnitt noch Magdeburg bei 3.076 und ebenfalls reisefreudigen Anhängern. Tristesse dafür gegen Großaspach mit 971 oder den CFC bei 1.487. 2 Spiele von 12 mit weniger als 2.000 zahlenden Fußballfreunden. Der "EffZeh" ist die eine Konkurrenz mit der man nicht konkurrieren kann, dazu kommen die Platzhirsche im Eishockey und Basketball mit den Kölner Haien und RheinStars Köln. Problematisch bleibt zudem das eigene Stadion, welches auch von den Verantwortlichen als nicht mehr zeitgemäß gesehen wird. Die finanziellen Verhältnisse bleiben ein Geheimnis, gehütet vor allem von Medienunternehmer Michael W. Schwetje, seit 2008 beim SC Fortuna engagiert als Investor und Geschäftsführer der Spielbetriebs-GmbH seit 2015. Der Etat hat sich zur Vorsaison nicht verändert, sagt man. Auch beim Ex-Zweitligisten bleibt der Sprung aus der 3. Liga das Ziel, in der man lt. Schwetje "kaum Geld verdient." Dazu braucht es wesentlich mehr Zuschauer als gegen den HFC mit 2.879. Den größten Andrang an den Stadiontoren gab es gegen Karlsruhe mit 3.886 Besuchern. Osnabrück sahen deren 3.423.
9. Spieltag - 3. Liga - Saison 2017/2018
Mittwoch, 20. September 2017, 19:00 Uhr
Fischerwiese, Chemnitz
Zuschauer: 5.493
Schiedsrichter: Schütz (Westhofen)


Tore

Die Tabellenverläufe

Tabellenhistorie

Der Vergleich