Endspiel Nr. 1 von 14 gegen die "graue Maus" aus Ostwestfalen...
von Timo Görner
...denn für den CFC laufen die 14 Spiele der Frühjahrsrunde wiederum unter einem sportlich entscheidenden Aspekt. Nur kicken unsere Götter diesmal (leider) nicht um die Rückkehr in Liga 2, sondern gegen das Verlassen der Regionalliga in Richtung Liga 4 oder gar noch schlimmer.
Für den Sportclub Verl von 1924 gilt im Grunde dasselbe. Denn statt den Tabellenplatz der vergangenen Saison (11) und der Spielzeit 2000/2001 (6) zu bestätigen und sich weiter in der Mittelklasse dieser Staffel zu etablieren, kämpft der kleine Verein aus der Nähe von Bielefeld diesmal gegen den Abstieg in die Oberliga Westfalen. Nach dem 12. Spieltag wurde Coach Dr. Jörg Weber Opfer des bis dato enttäuschenden sportlichen Abschneidens, welche den SCV auf den 16. Tabellenplatz mit lediglich 11 Punkten geführt hatten. Das 0:3 bei den Amateuren der Dortmunder Borussia war quasi der "Sargnagel" für die Tätigkeit des jungen Trainers an der Verler Poststraße. Noch schwerwiegender dürfte das 0:2 eine Woche zuvor vor heimischer Kulisse und strömenden Regen gegen den Topabstiegskandidaten Dresdner SC gewesen sein, der bis dahin 8 Spiele am Stück sieglos gewesen war und ausgerechnet in Verl mal wieder 3 Zähler entführte.
Schon der Saisonstart verlief für die Verantwortlichen des Vereins frustrierend, denn nach den ersten 3 Spielen gastierte die "Rote Laterne" an der Poststraße. 0:1 bei den Amateuren des SV Werder und 0:2 beim Neuling in Dresden sowie das 3:4 zu Hause gegen Zweitligaabsteiger Babelsberg setzten die Weber-Truppe vor dem Spiel gegen den CFC schon mächtig unter Zugzwang. Dieses Spiel sollte dann Beginn einer unrühmlichen himmelblauen Pannen-Serie werden, denn in dieser Begegnung drehten die Ostwestfalen durch Tino Milde innerhalb von 3 min. (87., 90.) den Spieß um und schickten den eigentlich besseren Gast aus Chemnitz mit einer 2:3-Pleite wieder nach Sachsen. Damit war der vermeintliche Rettungsanker für Weber und Mannschaft erstmal geworfen.
Was folgte war ein Wechselbad der Gefühle für die wenigen treuen Fans. Ein 5:4 in Essen beim damals allerdings auch formschwachen Topfavoriten RWE als unverhofften Lichtblick am 7. Spieltag und ein 2:0 gegen die Amateure des HSV in Verl standen die Niederlagen in Münster (1:2) und zu Hause gegen Kölns Amateure (0:1) gegenüber, bis die Niederlagen in Dortmund und zu Hause gegen den DSC die Verler Mannschaft endgültig in den Tabellenkeller verfrachten ließen. Das Ende der Tätigkeit für Dr. Jörg Weber, der allerdings mit einigen Verletzungsproblemen zu kämpfen hatte, wie dem längerfristigen Ausfall von "CFC-Killer" Tino Milde bis zur Winterpause (vergangene Saison 17 Treffer, bis zum Ausfall nach dem 7. Spieltag auch schon wieder 6 Tore). Dazu stand mit Markus Winter ein weiterer potentieller Stammspieler seit Monaten aufgrund eines Kreuzbandrisses nicht zur Verfügung und konnte erst in der Vorbereitung auf die Frühjahrsrunde wieder eingreifen. Großartige Investitionsmöglichkeiten für entsprechenden adäquaten Ersatz konnte man verständlicherweise nicht umsetzen. Winter wie Milde sollten am Samstag an der Gellertstraße mit auflaufen.
Für Dr. Jörg Weber übernahm mal wieder Dieter Brei am 17.10.2002, als "starker Mann im sportlichen Bereich" über Jahre hinweg schon beim SCV, das Kommando auf der Trainerbank. In den 8 Spielen unter seiner Leitung holten die schwarz-weißen Kicker immerhin 14 Zähler, zuvor unter Weber nur 11 aus 12. Damit verschaffte man sich erstmal Luft im Tabellenkeller und verließ die Abstiegsränge erstmalig wieder bereits 2 Wochen nach der Weber-Entlassung mit dem 3:2-Erfolg bei der U21 von Bayer Leverkusen.
Der Aufwärtstrend setzte sich auch in den folgenden beiden Spielen fort. Das Match gegen Aufstiegsaspirant VfL Osnabrück wurde am 14.12. im Nachholer mit 1:0 gewonnen und das nicht mal unverdient, beim KFC Uerdingen siegten die Brei-Schützlinge mit 2:1. Damit konnten sich die Verler Kicker wieder leicht Richtung gesichertes Mittelfeld orientieren und mit Platz 10 die bis dato beste Saisonplatzierung einnehmen.
Abrupt dann das Loch mit 2 Heimpleiten in Folge innerhalb von 7 Tagen. Erst entführte der ungeliebte Erzrivale aus Paderborn alle drei Zähler aus Verl, dann siegten die Werder-Amateure relativ locker mit 3:1 nach einer 3:0-Führung an der Poststraße. Abgefangen wurde der Absturz mit dem folgenden wichtigen 2:1 in einem der "6-Punkte-Spiele" in Babelsberg und dem erkämpften 0:0 zu Hause gegen die auswärts enorm starken Dynamos aus Dresden.
Was am Ende blieb ist eine recht ordentliche und solide Ausgangsposition im Kampf gegen die Viertklassigkeit, denn zum 15. aus Babelsberg konnte man immerhin 5 Punke Abstand legen. Geht man davon aus das in der letzten Saison 38 Zähler für Rang 14 reichte, benötigt der SCV damit wohl für den vermeintlichen rettenden 14. Rang noch 13-15 Punkte. Rechnet man die Bilanz unter Dieter Brei hoch, so sollte der Klassenerhalt drin sein.
Angesprochen wurden bereits die personellen Probleme. Mit dem Ausfall von Tino Milde Anfang September 2002 wurde das torhungrige Sturm-Duo Milde/Gockel (25 Tore von insgesamt 36 letzte Saison) gesprengt. Dessen Fehlen konnte nur ungenügend kompensiert werden, zumal der Kader mit insgesamt 18 Feldspielern und 2 Torhütern einer der kleineren der RL Nord vor Saisonbeginn war, zudem während der Saison noch aus der A-Jugend Daniel Burger (19, Mittelfeld) und Tobias Wiens (21, Sturm) kamen sowie aus der II. Mannschaft Adam Maurer (24, Abwehr). Eine lobende Erwähnung in dieser Saison unter der Rubrik "Erwartungen mindestens erfüllt" verdienten sich bislang im Angriff Carsten Gockel (18 Spiele, 2 Tore), Stefan Siedschlag (20 Einsätze). Die beste Quote kann der Pole Mariuz Rogowski vorweisen, der bei 9 Einsätzen 2-mal ins Schwarze traf, aber ebenfalls mit Verletzungsproblemen zu kämpfen hatte.
Ex-Dynamo Frank Kaiser (24) im Mittelfeld war in der Regel gesetzt und bekam immerhin 19-mal das Vertrauen ausgesprochen, Stammspieler sowohl unter Weber als auch unter Brei. Oliver Kirch (20), ebenfalls Mittelfeldbereich, kann wohl als "Gewinner der Vorrunde" bezeichnet werden. Er spielte sich 19-mal in die Stammformation und war beim KFC Uerdingen als Torschütze erfolgreich. Er gilt als einer der Hoffnungen in die sportliche Zukunft des SC Verl. Christian Zodrow (24) und Gerald Schröder (27) sowie der erfahrene Ingo Schlösser (30, Hansa Rostock, Leverkusen, Frankfurt, Hertha BSC) machten im bisherigen Saisonverlauf im "Läuferbereich" auch durchaus positiv auf sich aufmerksam, wobei hier der Rumäne Ioan Perdei (26) mit 2 Treffern in 20 Spielen am torgefährlichsten war. In diesem Mannschaftsteil hofft man nunmehr auf stärkere Konkurrenz durch die Rückkehr des langzeitverletzten Markus Winter (26).
In der Abwehr galt und gilt der bundesligaerfahrene Axel Sundermann (35, 139 Bundesligaspiele für den VfL Bochum und SC Freiburg mit 5 Treffern) als gesetzt, hatte aber ebenfalls mit Verletzungsproblemen zu kämpfen. Eine sehr gute Saison spielte bislang Kai Schrieversmann (29) als "Dauerbrenner", der auch gegen den CFC erfolgreich war (Elfer zum 1:1). Ganz ordentlich präsentierte sich auch Christian Schmidt (21) mit 3 Toren im Abwehrbereich, der vor der Saison vom VfB Leipzig nach Verl gekommen war und den Sprung in die Regionalliga ganz gut gepackt zu haben scheint.
Im Tor der Verler gab es im Saisonverlauf bislang einen interessanten Zweikampf zwischen Frederik Gößling (26) und dem erfahrenen Christoph Müller (27, RW Essen, Nürnberg, Frankfurt, Oberhausen). Als eigentliche Nr. 1 galt vor der Saison der Neuzugang aus Essen. In den ersten 11 Saisonspielen stand dieser dann auch im Kasten des SCV, fiel dann jedoch verletzungsbedingt für 3 Spiele aus und musste bis zum 19. Spieltag Gößling trotz Wiedergenesung den Vortritt lassen. Erstmal galt Gößling als Stammkeeper und wird dieses wohl auch am Samstag sein.
In der Winterpause zog Brei seinen Kader Ende Januar zusammen. Es wurde natürlich wie beim CFC und den anderen Vereinen fleißig in Freundschaftsspielen getestet, dabei gegen die Oberliga-Vereine des Wuppertaler SV (Nordrhein), des KSV Hessen Kassel und KSV Baunatal (Hessen) sowie des VfL Bochum Am. (Westfalen). Der sportlich vermeintlich stärkste Gegner waren aber die Sportfreunde Siegen aus der Regionalliga Süd, die an der Poststraße in Verl am 01.02. mit 2:0 besiegt wurden, wobei sich Markus Winter nach 2-jähriger Verletzungspause in die Torschützenliste eintrug. Gegen den Wuppertaler SV, momentan recht deutlicher Tabellenführer der Oberliga Nordrhein, wurde dagegen mit 0:2 verloren, wobei man an diesem Spieltag (26.01.2003) mehr oder weniger noch am Anfang der Vorbereitung stand. Treffsicher und auch ansonsten gut in Schuss zeigte sich Torjäger Carsten Gockel, der u. a. 2x beim 3:0-Sieg gegen Hessen Kassel erfolgreich war, allerdings beide Male vom Elfmeterpunkt. Das Spiel gegen den ehemaligen Zweitligisten bildete auch den letzten ernsthaften Test vor dem Start in die Punktspiele.
Insgesamt sieht man den 14 Spielen bei 6 Heimspielen bis zum, aus Verler Sicht hoffentlich versöhnlichen Ende recht zuversichtlich entgegen, wobei speziell zu Hause bislang zu viele Punkte verschenkt wurden und man hier trotz eines Spiels mehr als der CFC 2 Zähler weniger holte. Erst 3 Siege gelangen in diesen 11 Spielen. Mit 5 Niederlagen und 3 Remis zählt man damit zu den 5 Mannschaften dieser Saison, welche zu Hause "rote Zahlen schreiben". Was den SCV nicht daran hinderte, die beiden Topfavoriten dieser Staffel jeweils zu besiegen (5:4 in Essen, 1:0 gegen Osnabrück/H). Auch den "beiden Clubs aus unserem Sendegebiet" da oben wurden Punkte abgeknöpft (Aue, Dynamo jeweils 0:0/H).
Die eher dürftige Heimbilanz erklärt sich vielleicht auch aus der eher mageren Unterstützung der einheimischen Fans an der Poststraße, die sich seit Jahren knapp über oder unter der 1.000er-Grenze bewegen. In der ersten RL Nord-Saison konnte man im Schnitt exakt 1.501 Zuschauer an der Poststraße begrüßen, vergangene Saison noch 1.420, diese Spielzeit waren es insgesamt bislang 13390 in den 11 Spielen zu Hause - macht einen Schnitt von 1.217 pro Heimspiel. Den Tiefpunkt des Interesses bildete dabei die "Regenschlacht" gegen den Dresdner SC mit exakt 555 Unentwegten, für die Amateurvereine interessierten sich jeweils auch nur immer etwas mehr als 700. Richtig Kasse machten die Verler dagegen beim Nachholheimspiel gegen den VfL Osnabrück am 14.12.2002, als 2.600 Fans die Arena bevölkerten. Aufgrund der guten sportlichen Saison beim VfL mit einer dann immer recht reiselustigen Anhängerschaft und der relativ geringen Entfernung von ca. 65 km dürfte man aber unter den 2.600 sicherlich mindestens 1.300 Osnasen einrechnen. Ebenso dürften am letzten Spieltag der Hinrunde von den 1.800 gegen Dynamo an die 800 bis 900 aus dem schwarz-gelben Lager gekommen sein. Gegen den CFC kamen übrigens offiziell 1.050.
Übrigens soll der DFB den SC Verl mehr oder weniger unter Androhung des Lizenzentzuges aufgefordert haben, sein Stadion auf 10.000 Zuschauer auszubauen und entsprechend in Sachen Sicherheit umzubauen.
Speziell als man in der Saison 2000/2001 eine recht passable Saison hinlegte und einen sehr guten 6. Platz belegte, war die Unterstützung eher mau. Auch deshalb muss man sich in den nächsten Jahren wohl erstmal damit begnügen, den Club einigermaßen sicher in den unruhigen Gewässern der Regionalliga Nord zu halten und für eine immer mal im Raum stehende Zusammenlegung beider Staffeln mit "drohender Relegation" zu wappnen, zumal mit einem möglichen Wiederaufstieg des FC Gütersloh in die dritte Liga ein weiterer Konkurrent im Umland im Kampf um Sponsoren außerhalb der Stadt Verl erwächst.
Der Anfang zur Sicherung der Regionalliga soll bereits am Samstag in Chemnitz gemacht werden, bleibt den anwesenden ich denke mal 20-40 Verler Fanatikern einen guten, aber punktelosen Aufenthalt in der geilsten Stadt der Welt zu wünschen. Und uns wenigstens auf sportlichem Gebiet weitere Lichtblicke in diesen schwierigen Zeiten.