Spielbericht // Saison 2007/2008

 
Chemnitzer FC
Chemnitzer FC0:0VfB Auerbach
VfB Auerbach
28. Spieltag - Oberliga Nordost-Süd - Saison 2007/2008
Mittwoch, 21. Mai 2008, 19:00 Uhr
Fischerwiese, Chemnitz
Zuschauer: 3.231
Schiedsrichter: Wenkel (Mühlhausen)
Chemnitzer FCTorfolgeVfB Auerbach
T Klömich
A Adamu
A Thönelt
A Sieber
A Kunert
M BeckerGelbe Karte
M Reinhardt (46. Sonnenberg)
M SchlosserGelbe Karte
M Bachmann (85. Schimmel)
S BoltzeGelbe Karte
S Kellig

Trainer: Franke
Tore Fehlanzeige

T Berger
A Vogel
A GorschinekGelbe Karte
A Schuster
A BleyGelbe Karte
M Tomoski
M Pannach
M Wieland (83. Dressel)
M Wemme
S Schuch
S Saalbach (87. Pfoh)

Trainer: Dünger
Spielbericht

"Trotz eines Scheißspiels, wir haben es geschafft!"

Von Erik Büttner

Die Situation wirkte wie von Dr. Karl-Hans Möller, Chefdramaturg am Chemnitzer Theater, inszeniert: Der CFC hatte seine Chance, die Regionalligaqualifikation mit einem Sieg zu sichern, vergeben - war glücklich mit einem 0:0 aus dem Spiel gegen den VfB Auerbach gegangen. Nun standen die himmelblauen Spieler im Kreis und warteten - mit ihnen 3.200 auf den Rängen. Immer wieder vertröstete Stadionsprecher Olaf Kadner: "Das Spiel in Markranstädt ist noch nicht zu Ende." Und dann, um 20:52 brachen die Dämme, auch Markranstädt hatte gepatzt und damit dem Chemnitzer FC die Regionalligaqualifikation gesichert.

Platzsturm und Jubelfeier nach dem Spiel"Ich freue mich, dass wir es geschafft haben, trotz dass es ein Scheißspiel war." brüllte Christoph Franke vor hunderten von Fans auf dem Spielfeld ins Megaphon. Auch wenn Franke es noch mal kurz anriss, es war längst vergessen, dass der CFC 90 Minuten eher Magerkost geboten hatte. Vom Anpfiff weg zeigte Chemnitz noch die Franke-typische kontrollierte Offensive. Doch nachdem in der 20. Minute Marcel Schlosser die erste Torchance hatte, entwickelte sich die Partie zu einem Bolzplatzkick. Auerbach mauerte erwartungsgemäß mehr, als die Berliner Soldaten 1961. Die Himmelblauen fanden kein Gegenmittel und rannten sich immer wieder im schwarz-gelben Bollwerk fest. "Wir haben zu apathisch gespielt." kritisierte Franke. Und so strahlten auch einzig Bachmann (33.) und Kellig (38.) etwas Torgefahr aus. Dann war Pause und mit Carl-Zeiss II (1:1) sowie Meuselwitz (0:1) hatten schon 2 direkte Konkurrenten gepatzt. Diese Endstände verliehen dem Spiel neuen Schwung. Denn auch der VfB witterte noch einmal Regionalligaluft und öffnete zumindest ein klein wenig die massive Torsicherungsanlage. Das spielte dem CFC in die Karten. Die Himmelblauen setzten zum Sturmlauf an und kesselten den VfB in seinem Strafraum ein. Doch einzig der eingewechselten Steven Sonnenberg brachte das Vogtlandgehäuse wenigstens annähernd in Gefahr (48.). Es reichte aber, um das Publikum in Wallung zu bringen. Die 3.200 auf den Rängen peitschten ihre Männer an. Die aber blieben wenigstens ein Tor schuldig.
Und so wurde es richtig dramatisch: Blitzartig stieg der Zigarettenkonsum, nachdem in Minute 65 Auerbachs Steffen Vogel plötzlich allein vorm leeren Tor stand und den Ball an den Pfosten drosch. Und weiter ging es mit einem wenig schönen, aber spannenden Spiel. Mirko Wemme beworb sich als nächstes als Partyschreck (73.), aber auch er ließ den CFC noch am Leben. Dann wieder Sonnenberg (74.), Bachmann (75.) und Schlosser (76.) für Chemnitz mit Tormöglichkeiten im Minutentakt. Doch die Autoren des Drehbuchs hatten offenbar die Treffer vergessen. Und so bekam dann auch Marcel Schuch den Ball nicht im leeren Tor unter (84.). "Wir können froh sein, dass wir mit einem 0:0 aus dem Spiel gegangen sind." blickte Franke schon wieder sichtlich entspannt auf den heißen Schlussakt zurück.

Eine groteske Atmosphäre herrschte schließlich unmittelbar nach dem Schlusspfiff. Ein paar wenige, der himmelblauen Akteure jubelten schon. Die meisten warten wie die Zuschauer auf die Endergebnisse aus den anderen Stadien, insbesondere dem in Markranstädt. Als dann Kadner nach fast 10 Minuten Ungewissheit Markranstädts Niederlage verkündete, da kannte der Jubel keine Zäune mehr. Die Tore wurden geöffnet und in Sekunden ergoss sich die himmelblaue, freudetrunkene Zuschauermasse auf das Spielfeld. Die "Uffta" wurde angestimmt und "Oberliga nie mehr!". Auch wenn nüchtern betrachte das Erreichte eigentlich nur das obligatorische Ziel des CFC war, man muss die Feste feiern, wie sie fallen. Mitten drin, die Chemnitzer Oberbürgermeisterin, die bei ihrer Gratulationsansprache gegen den lautstarken Freudentaumel ankämpfte, Als sie aber das Wort "Franke" sagt, hatte sie plötzlich das Gehör der Hundertschaft vor der Tribüne. Sie gab damit die Initialzündung für die Huldigung des Mannes, der sich spätestens an diesem 21. Mai 2008 für die himmelblaue Welt unsterblich gemacht hat: Christoph Franke. "Ich habe Lust auf Fußball, aber auch Lust meine Hasen zu füttern." beantworte Franke die Frage nach seiner Zukunft beim CFC - einer Zukunft, die zwar immer noch viertklassig ist, aber zumindest schon mal wieder Regionalliga heißt...

Wertung: 3,0 (Ein Spiel, dass von seiner Dramaturgie lebte)

Beste Himmelblaue: Becker, Klömich

Trainerstimmen

Christoph Franke (zum MDR)
"Wir haben schlecht gespielt, sind aber aufgestiegen. Man hat gemerkt, dass die Mannschaft mächtig unter Druck stand. Die erste Halbzeit haben wir nervös bis apathisch agiert und haben deshalb in der zweiten Hälfte versucht, den Druck zu erhöhen. Deshalb agierte die Mannschaft etwas offener. Wir müssen aber sagen, dass wir aufgrund der Konterchancen von Auerbach Glück hatten, das Remis zu holen."

Steffen Dünger (zum MDR):
"Glückwunsch an Chemnitz. Dennoch Hut aber vor meiner Mannschaft, die beabsichtigter Weise in der ersten Halbzeit sehr destruktiv gespielt hat. Es war wichtig, das 0:0 zu halten. Nach dem Wechsel wollten wir selbst mit Kontern noch einmal Druck machen, was in drei bis vier Einzelsituationen auch gelungen ist. Leider hat das letzte Quantchen Glück gefehlt, um in Chemnitz noch als Sieger vom Platz zu gehen."

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