Spielbericht // Saison 2003/2004

 
Chemnitzer FC
Chemnitzer FC1:1FC Sachsen Leipzig
FC Sachsen Leipzig
18. Spieltag - Regionalliga Nord - Saison 2003/2004
Samstag, 29. November 2003, 14:00 Uhr
Fischerwiese, Chemnitz
Zuschauer: 3.450
Schiedsrichter: Hoyzer (Berlin)
Chemnitzer FCTorfolgeFC Sachsen Leipzig
T Süssner
A KarlGelbe Karte
A Ahlf
A Teichmann (6. Baumann/72. Simic)
M Wächtler (58. Prymula)
M GöhlertGelbe Karte
M Schindler
M Mehlhorn
M MeissnerGelbe KarteRote Karte
S Rolleder
S Arzt

Trainer: Rohde
0:1 Geissler (46.)
1:1 Göhlert (90.)

T Rechner
A Bergner
A Kittler
A Bach
M Thielemann (61. RadojicicGelbe Karte)
M GeisslerGelbe Karte (74. Kanitz)
M Kujat
M Schönberg
M Cramer
S Koslov (88. Nemec)
S Zimmermann

Trainer: Pleß
Spielbericht

Das Glück stand mal den Himmelblauen bei

Von Erik Büttner

Es war am Samstag kurz nach Dreiviertel Vier als auf der Chemnitzer Fischerwiese alle Dämme brachen. Auf den Rängen fielen sich wildfremde Menschen in die Arme. Alles was auf dem Grün versammelt war, sank zu Boden. Die Himmelblauen begruben dabei Daniel Göhlert unter sich, die Gäste vom FC Sachsen Leipzig wären am liebsten ganz im Rasen versunken. "Goldköpfchen" Göhlert hatte Sekunden vorher in der Nachspielzeit zum 1:1-Ausgleich für den Chemnitzer FC getroffen.
Das Regionalliga-Spiel zwischen dem Chemnitzer FC und dem FC Sachsen Leipzig hatte fast alles im Repertoir, was man für ein Derby braucht: Abstiegskampf, umstrittene Schiedsrichterentscheidungen, einen Platzverweis und ein dramatisches Ende.

Choreo der Ultras in der SüdkurveBeim CFC fielen wieder einmal eine handvoll Spieler aus. Holger Hiemann war nach seiner Ellenbogenverletzung noch nicht wieder einsatzfähig. Ebenso mussten Sebastian Meyer verletzt und Andreas Biermann nach seiner 5. Gelben Karte von der Tribüne aus zusehen. Für Biermann spielte Sebastian Arzt erstmalig von Beginn an und das ganz ordentlich. Tomislav Zivic war zwar wieder genesen, wurde aber noch von Trainer Frank Rohde geschont. Und als ob das nicht schon reichen würde, kam Sven Teichmann bei einem Luftzweikampf so unglücklich auf, das er sich am Außenband verletzte. Nach nur 6 Spielminuten musste er durch den jungen Mike Baumann ersetzt werden.

Die Partie begann holprig und es wurde schnell klar, warum die zwei agierenden Mannschaften in der unteren Tabellenhälfte residieren. Der FC Sachsen tat erst einmal fast gar nichts, schaute sich das Treiben gemütlich an. Der CFC versuchte wenigstens ein wenig was für das Spiel zu tun, blieb aber insgesamt genau so harmlos. Auch permanente Anfeuerungsrufe von den Rängen konnten die Hausherren nicht beflügeln.
So konnten die Himmelblauen bis zur Halbzeit auf keine richtig gefährliche Torchance zurückblicken. Nur Arzt zweimal (19., 14.) und Mehlhorn brachten Schüsse überhaupt Richtung Tor. Diese hatten aber eher den Charakter einer Rückgabe. "Chemie" war dahingehend aber auch nur etwas besser. Thielemann (33.) und Koslov (44.) spielten den Ball ebenfalls mehr in die Arme von Süssner, als dass sie aufs Tor schossen. Lediglich nach einem Strafraumgewühl und einer missglückten Abwehraktion vom schwachen Wächtler musste Schindler auf der Linie für den geschlagenen Süssner retten (28.). So ging es folgerichtig torlos in die Pause.

Nach dem Seitenwechsel wurde es dann richtig interessant. Freude hatten aber zunächst nur die Gäste und ihre knapp 1000 mitgereisten Anhänger. Eine lange Flanke auf den Flügel verpasst der sonst solide agierende Baumann. An die anschließende Flanke von Koslov in den Strafraum kommt Süssner nicht richtig heran, verlängert auf einem "Chemiker" und der angespielte, freistehende Tom Geissler befördert den Ball per Dropkick ins Netz.
Nun war Rom offen auf der Fischerwiese. Die Elf vom FC Sachsen hatte ihre Souveränität gefunden und konterte den CFC aus einer massiven Abwehr aus. Bergner, Koslov, Zimmermann und Kramer hatten das 2:0 auf den Füssen, scheiterten aber teils kläglich. So brachte Koslov den Ball nicht im leeren Tor unter (55.).
Beim CFC war das letzte bisschen Selbstvertrauen mit dem Gegentor entwichen. Es folgte ein Fehlpassfestival, ein Spiel in totaler Verunsicherung. Ordentliche Spielzüge kamen kaum zustande, geschweige denn Torchancen. Die 2 einzigsten konnten dann zudem nicht genutzt werden. Göhlert drosch den Ball in die Wolken. Und bei seinem zweiten Schuss, der im Tor landete wollte Schiedsrichter Hoyzer ein Foul von Ahlf gesehen haben.

Doch eines konnte man dem Himmelblauen nicht absprechen und das war Wille und Kampf. Deshalb schien die Auforderung von den Rängen "Wir woll'n Euch kämpfen seh'n" auch etwas unangepasst.
Die Chemnitzer Elf rackerte und kämpfte, auch wenn vieles nicht klappte. Ausdruck dessen war zum Beispiel Markus Ahlf. Als wieder einmal ein Leipziger Spieler sich Minutenlang auf dem Rasen behandeln ließ (Schiri Hoyzer sah interessiert zu, griff da ebenso wenig ein, wie bei Geisslers Tobsuchtsanfall gegen Meissner), stürmte der CFC-Verteidiger los und brachte die Trage an den Behandlungsort.
Doch die Minuten verrannen und der "Chemie"-Strafraum schien vernagelt. Zu allem Unglück holte Meissner dann noch Kanitz von den Füßen, Hoyzer zog sofort Rot (88.). Zwar hätte Meissner in jedem Falle gehen müssen, aber Gelb-Rot hätte es auch getan. Damit fehlt Meissner zumindest gegen die FC Köln Amateure, dazu auch noch Karl, der die 5. Gelbe Karte sah - genau das, was der CFC mit seinem eh schon dezimierten Kader jetzt braucht.
Aber auch die Karte konnte den Kampfgeist der Himmelblauen noch nicht brechen. Bis in die Nachspielzeit wurde weiter auf den Ausgleich gedrängt. Dann ein Foul an Arzt (wo blieb die Karte für den Leipziger?!). Schindler trat den Freistoß herein, Göhlert köpfte, der Rest waren Jubelarien. Diesen Treffer jedenfalls hatte sich der CFC verdient und hart erarbeitet. Pech für die Zuschauer, die schon auf den Weg nach Hause waren; sie verpassten das Beste.

Das Unentschieden hilft dem Chemnitzer FC zwar tabellentechnisch nicht sonderlich weiter, aber zumindest wurde ein Konkurrent auf Abstand gehalten und Seelenmassage betrieben. Dass man ein Spiel auch mal in den letzten Minuten noch gedreht hat - und nicht nur immer aus der Hand gegeben - dürfte Balsam für geplagt Spielerseelen sein. Denn gerade nach dem Rückstand war das Selbstvertrauen wieder komplett dahin.
Für den CFC gilt es nun nur noch das Spiel in Köln mit Anstand über die Bühne zu bringen. In der Winterpause kann und muss dann neue Kraft geschöpft und Defizite abgestellt werden. Damit kann man dann in der Frühjahrsrunde neu angreifen, vielleicht ja auch mit Verstärkungen.

Wertung: 3,5 (Schlechter Kick, aber gute Dramaturgie)

Beste Himmelblaue: Göhlert, Ahlf


Pressestimmen

Freie Presse
Goldköpfchen Göhlert ganz wichtig für den Kopf
[..] Mit dem Glück im Bunde hielt der CFC das Spiel noch bis zum Schluss offen, auch weil der Kontrahent ebenso harmlos in der Offensive agierte wie die Gastgeber. [..] Und die Himmelblauen? Die fußballerischen Defizite traten erneut offen zu Tage, zudem blieben klare Chancen diesmal Mangelware. Doch eines konnte man Mannen von Trainer Frank Rohde nicht absprechen: Einsatzfreude. [..] Und mit Verlaub: Mit Fußball hatte das Treiben auf dem Rasen meist nicht viel zu tun.

Chemnitzer Morgenpost
Das traurige Sachsen-Derby hatte keinen Sieger verdient
Die Himmel-blauen taumelten vor Freude und die Grün-Weißen verbargen ihre Trauer nach dem 1:1 hinter vorgehaltenen Händen! [..] Das niveaulose Sachsen-Derby hatte aber auch keinen Sieger verdient. [..] Man merkte es beiden Teams schnell an, dass sie in dieser Saison nur noch gegen den Abstieg kämpfen. Entsprechend verkrampft wurde fast 90 Minuten lang auf der 'Gellertwiese' rumgestochert. [..]

Leipziger Volkszeitung
Konzentrationsschwäche kostet FC Sachsen zwei Punkte
[..] Wieder einmal gelang es ihr (Pleß' Mannschaft) nicht, einen Vorsprung über die Zeit zu bringen, was gegen eine erschreckend schwache Chemnitzer Mannschaft möglich war. [..] Die erste Hälfte des Spieles in Chemnitz versank in Fehlpässen und betontem Sicherheitsspiel beiderseits. [..] Erster Eckball nach gut einer halben Stunde für die Leipziger, die auch ihre gefährlichste Situation selbst zunichte machten. [..]

KICKER
In einem niveauarmen Kampfspiel vergaben die Leipziger zwei Punkte leichtfertig. [..] Letztlich hatten sich die Chemnitzer auf Grund ihrer Moral den Punktgewinn verdient.

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