Spielbericht // Saison 2004/2005

 
VfB Lübeck
VfB Lübeck2:0Chemnitzer FC
Chemnitzer FC
19. Spieltag - Regionalliga Nord - Saison 2004/2005
Samstag, 27. November 2004, 14:00 Uhr
Stadion an der Lohmühle, Lübeck
Zuschauer: 3.000
Schiedsrichter: Steinhaus (Bad Lauterberg)
VfB LübeckTorfolgeChemnitzer FC
T Frech
A Schröder
A Dogan
A Laaser
A Neumann
M Mbidzo (64. Bugri)
M Zimmermann
M KulligGelbe Karte
S Thomas
S Kampf (53. Karadas)
S SchweinsteigerGelbe Karte (81. Thorwart)

Trainer: Böger
1:0 Schweinsteiger (29.)
2:0 Neumann (76.)

T Süssner
A Ahlf
A Göhlert
A MehlhornGelbe Karte
M Kanitz
M Karl
M SchindlerGelbe Karte (77. Kunert)
M Fillinger
M OkekeGelbe Karte
S Lenk (60. Gillert)
S Pinto

Trainer: Barsikow
Spielbericht

Kein Naschen am Lübecker Marzipan

Von Peter Rohleder

Am 18. Spieltag riß die kleine Erfolgsserie des CFC. Hoch im Norden an der Lübecker Lohmühle kassierten die Himmelblauen ihre fünfte Auswärtsniederlage und schafften es nicht, den Abstand zu den Nichtabstiegsplätzen zu verkürzen. Dabei spiegelt das 0:2 weder den Spielverlauf noch die Chancenverteilung in diesem niveauarmen Spiel wider.
Bei recht annehmbarem Fußballwetter verzichteten die Chemnitzer auf sturen Mauerfußball und versuchten ihr Glück im offensiven Spiel. Karl agierte vor der Abwehr und verteilte die Bälle routiniert im Mittelfeld. Okeke bediente die Spitzen Pinto und Lenk, und hinten organisierte Göhlert die Abwehr. In den ersten Minuten kontrollierten Barsikows Kicker Spiel und Gegner, der sich zurückzog und auf seine Konterchancen wartete. Während des gesamten Spiels war nicht zu sehen, wer Aufsteiger und wer Absteiger werden sollte. Erst in der 7. Minute schoß Kullig erstmals auf Süssners Kasten, jedoch erfolglos, ebenso wie anschließend Timo Neumann, dessen Schuß Ahlf noch zur Ecke klären konnte. Gefährlich wurde es in der 17. Minute, aber Süssner pariert den Kopfball von Lars Kampf. Nach 20 Minuten tauchten auch die Himmelblauen vor dem gegnerischen Strafraum auf, Fillingers Freistoß von halbrechts parierte jedoch Tormann Frech. Beide Mannschaften neutralisierten sich im Mittelfeld, was insbesondere an der hohen Fehlpassquote und der Unbeweglichkeit sowohl des Lübecker als auch des Chemnitzer Mittelfeldes lag. Aus dieser Gemengelage heraus entstand das 1:0 nach einer halben Stunde, als ein weiter Ball aus der Heimhälfte heraus über das Mittelfeld segelte, vom ungedeckten Kullig (wovon träumten gerade die Chemnitzer Nr. 10, 11 und 15?) direkt an Schweinsteiger weitergeleitet wurde und dieser nach einigen Schritten an Süssner vorbei schob.
Dieses 1:0 überraschte sämtliche Anwesende im Stadion und selbst die jubelschwachen Lübecker Zuschauer staunten nicht schlecht. Direkt im Gegenzug ergab sich dann die einzige Großchance des CFC in Halbzeit eins. Nach einem Angriff von links über Okeke und Fillinger verzieht Kanitz unter Bedrängnis nur knapp und bleibt anschließend angeschlagen liegen. Auf Lübecker Seite brachte ein zweiter gefährlicher Konter in der 45. Minute nichts mehr ein.
In der 2. Halbzeit erhöhte Chemnitz den Druck, ohne wirklich richtig gefährlich zu werden. Lübeck deckte hart, verengte die Räume, und der Rest ergab sich aus dem himmelblauen Unvermögen, den Ball sauber zum Nebenmann zu spielen. Trotzdem spielte sich noch einiges vor den Toren ab:

48. Minute: Freistoß Lübeck von halblinks, Süssner hält.
58. Minute: Langes Solo von Pinto, Tormann Frech hält den Schuß
59. Minute: Ecke CFC, anschließend zwei Riesenchancen u.a. durch Göhlert
65. Minute: Nach Foul an Kanitz schießt Mehlhorn einen Freistoß Frech in die Arme
70. Minute: 3. Konter Lübeck, Schweinsteiger verzieht
72. Minute: 4. Konter Lübeck, Süssner hält gegen Zimmermann

Eine Viertelstunde vor Schluß fällt die Entscheidung: Nach einem Eckball von links schießt Kullig Gillert an, von dessen Körper der Ball zu Neumann hochspringt und dieser aus Nahdistanz einköpft. Ein kurioses und sehr unglückliches Tor, zumal Süssner von einem Mitspieler behindert wird. Damit erfüllten die Marzipanstädter ihr Soll, und für Chemnitz reichte es wieder nicht. Unmittelbar vor Schluß traf Ahlf nach Okeke-Freistoß noch den rechten Lübecker Pfosten. Ein Tor sollte aber nicht mehr gelingen. Trotz einer optischen Feldüberlegenheit und fast 60 Prozent Ballbesitz in Spiel bestiegen die Himmelblauen ohne Punkte den Voit-Bus und hatten auf einer langen Rückreise Gelegenheit, mit dem Fußballgott zu hadern. Bemerkenswert bleibt jedoch die Einwechslung des A-Junioren Christian Kunert in der 77. Minute, womit ein weiteres Zeichen in eine hoffnungsvolle Zukunft gesetzt wurde.

Für einigen Unmut sorgte die Pausenversorgung im Gästeblock des Lohmühlen-Stadions. Kalte Bockwürste, übel schmeckendes, alkoholfreies Bier und dünnster Kaffee waren an diesem Novembertag nicht zum Aufwärmen der ca. 120 angereisten Fans geeignet. Zumindest sorgte aber das kühle Spätherbstwetter für eine entspannte Parkplatzsituation, da viele Lübecker zu Hause blieben oder sich lieber ins vorweihnachtliche Kaufhausgewimmel stürzten.

Wertung: 4-5

Beste Himmelblaue: Kanitz, Pinto, Mehlhorn


Pressestimmen

Lübecker Nachrichten
Nach dem 2:0 gegen Chemnitz: "Wir wollen aufsteigen" [..] Schütt meinte [..] diese Mannschaft ist stark genug, um aufzusteigen. Sie hat große Fähigkeiten." Die bewies der VfB gestern in einigen Szenen. Die Chemnitzer waren der erwartet unangenehme Gegner. Die Sachsen, seit fünf Spielen ungeschlagen, standen kompakt und attackierten bereits an der Mittellinie. [..] "Die Bälle, die er gehalten hat, waren eigentlich unhaltbar", lobte Schütt den Torhüter (der Lübecker, d. Red.).

MDR
Chemnitz ohne Durchschlagskraft [..] Der CFC zeigte sich hoch motiviert und ging entschlossen in die Zweikämpfe. Der selbsternannte Aufstiegsaspirant Lübeck spielte zunächst abwartend. [..] Chemnitz versteckte sich auch nach dem Gegentreffer nicht, blieb aber zu harmlos. [..] Beim 2:0 durch Neumann schien CFC-Torwart Süßner im Strafraumgewühl behindert worden zu sein. Doch der Schiedsrichter zeigte zum Punkt. Chemnitz bäumte sich nochmals kurz auf. Kurz vor Schluss traf Ahlf per Kopf den Pfosten.

Freie Presse
Wo war der Siegeswille? [..] Nach dem Schlusspfiff haderte CFC-Trainer Dirk Barsikow mit seiner Mannschaft. "Bei einigen Akteuren hat der nötige Biss gefehlt. Beide Lübecker Treffer waren durchaus vermeidbar. Wir sind einfach nicht aggressiv genug in die Zweikämpfe gegangen, waren im Mittelfeld und Angriff viel zu zögerlich". [..] Über 90 Minuten gesehen, geht der Lübecker Sieg in Ordnung. Die Chemnitzer hätten sicher nicht mit leeren Händen dagestanden, wenn sich alle Akteure der Situation im Kampf um den Klassenerhalt bewusst gewesen wären.

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