Himmelblaue vor dem "Sack zu machen" gegen Negativserientäter aus Hamburg...
von Timo Görner
...könnte man meinen. Ein Sieg gegen den momentanen 15. der Tabelle, welcher zuletzt 4x in Folge verlor, würde bei gleichzeitigem Punktverlust von Münster in Neumünster ein sattes Polster von 13 Zählern auf die HSV-Amateure und Rang 15 bringen. Damit sollte der CFC in Sachen Abstieg endgültig aller Sorgen ledig sein. Allerdings ist die 2. Garnitur der "Rauten" gegen den CFC noch ungeschlagen.
Die Saison 2003/2004 unseres Gegners bislang:
Noch vor weniger als 4 Wochen schien die Saison für die HSV-Amateure einen hoffnungsvollen weiteren Verlauf zu nehmen. Nach dem "Fast-Sieg" in Dresden (1:1 Gegentreffer in der 87. Minute) erreichte man mit Rang 9 die bis dato beste Platzierung in dieser Spielzeit. Auch wenn der Abstand auf Platz 15 mit 3 Zählern (29 zu 26) wenig beruhigend war.
Vor dem Gang in die Winterpause wurde Abstiegsplatz 16 belegt. Aus den ersten 4 Begegnungen danach holte man 10 von 12 möglichen Punkten. Besiegt wurden dabei sowohl Braunschweig und St. Pauli, jeweils in der AOL-Arena mit 1:0. Und auch in Wattenscheid (3:2), einem direkten Mitkonkurrenten, wurde gewonnen. Den 4. Sieg in Folge verhinderte dann Dynamos Rene Beuchel. Was danach folgte war eine Talfahrt (4 Niederlagen) bei deprimierenden 0:8 Toren und dem 0:4-Heimdebakel gegen überlegene Essener. Statt Rang 9 ist man nun wieder tief im Abstiegssumpf versunken.
Zu Hause präsentierten man sich bislang durchwachsen (4 Siegen, 4 Niederlagen, 5 Remis). Bemerkenswert war das 1:1 gegen Dynamo, sowie die Auftritte gegen Braunschweig und St. Pauli (jeweils 1:0), auch wenn beide Zweitligaabsteiger keine Regionalliga-Spitze darstellten. Deprimierend wirkten dagegen die Heimniederlagen gegen Essen am vergangenen Wochenende (0:4), Uerdingen (0:2) oder auch Wattenscheid (2:3). Ebenso sieglos blieb man in der Hansestadt gegen die potentiellen Absteiger aus Leipzig und Münster (jeweils 1:1).
Auswärts präsentierte man sich dem Tabellenstand insgesamt entsprechend: 12 Punkte - nur 4 weitere Mannschaften sind schlechter. 3 Siege gab es in der Fremde zu verzeichnen, den letzten am 06.03.2004 in Wattenscheid (3:2). Zuvor war man in Uerdingen und Neumünster mit jeweils 1:0 siegreich. Dem gegenüber stehen 7 Niederlagen, u. a. in Münster (0:1) und Kiel (0:2). Das Hamburger Derby beim FC St. Pauli wurde auswärts ebenfalls mit 0:3verloren. In 8 der 13 Auswärtsbegegnungen brachte man kein Tor zustande, dabei blieb man zwischen Spieltag 5 und 16 insgesamt 540 Minuten ohne Torerfolg auf fremden Rasen. 8:22 lautet die Auswärtstorbilanz, keine weitere Mannschaft in dieser Staffel schoss bei seinen Gastspielen weniger als 10 Tore.
Verlierer der Saison 2003/2004:
Für Blaise Mamoum (24) ist die Zeit bei den HSV-Amateuren bislang eher unbefriedigend. In 24 Einsätzen erzielte erst er ein mageres Tor und war bislang bestenfalls ein Mitläufer. Bei den Amateuren des SV Werder Bremen schoss der ehemalige Torjäger der Regionalliga Nord zwischen 2000 und der Winterpause 2002/2003 (danach Mannheim) insgesamt 27 Tore in 56 Spielen. Der erfahrene Ricardo Baich (30/kam von Rot-Weiß Essen) dürfte die Erwartungen ebenfalls nicht erfüllt haben. Er konnte sich bislang nicht als Stammkader empfehlen.
Gewinner der Saison 2003/2004:
Rene Klingbeil (22) konnte als junger Neuzugang aus der Oberliga Nordrhein (Gladbach Am.) bislang voll überzeugen und sich durchgängig als Stammspieler durchsetzen. Er gilt unter den Neuzugängen neben Stephan Hahnke (31, Jahn Regensburg) als Bester.
Delegierungen seit Hinspiel:
Es gab seit dem 0:1-Hinspiel in Hamburg insgesamt 4 Veränderungen in der Winterpause. Als einer von 5 Torhütern im Kader wechselte Benedikt Pliquett (19) zu den Amateuren des VfB Lübeck. Er kam bis zur Winterpause nicht zum Einsatz und kann ironischerweise als "5. Rad am Wagen" bezeichnet werden. Der Däne Lars Jacobsen (24) aus der Abwehr wechselte zum Erstligisten FC Kopenhagen in die Heimat. Er war allerdings auch nur sporadisch für die Amateure vorgesehen. Der Iraner Amir Shapourzadeh (21) wechselte in die Oberliga Nordost Nord zu den "Kollegen" des FC Hansa.
Dafür sind mit Christopher Fernandez (19/Mittelfeld) vom RSC Chaleroi aus Belgien sowie Stürmer Leonhard Haas (20) von den Bayern München-Amateuren 2 Spieler hinzu gekommen.
Bestarbeiter im Kollektiv:
Stammkräfte in der Defensive waren bislang Marco Grote (31), der erst- und zweitligaerfahrene Stephan Hahnke (31/ Leverkusen, St. Pauli, Regensburg) sowie Rene Klingbeil (22). Im nominellen Mittelfeld verdient Fabian Bröcker (21) eine Erwähnung, in der Abteilung Angriff konnte Marcus Steegmann (23) bis Mitte der Hinrunde bei 6 Treffern in den ersten 13 Begegnungen überzeugen. Damit ist er Torschützenkönig der HSV-Reserve. Sein letzter Torerfolg hatte Steegmann allerdings am 26.10.2003.
Bemerkenswert ist bislang Neuzugang Leonhard Haas (20), der in 6 Einsätzen bis dato 3x erfolgreich war und dabei die SG Wattenscheid am 21. Spieltag beim 3:2 in der "Lohrheide" mit 2 Toren quasi "erschoss". Er wartet allerdings auch schon wieder seit 4 Wochen auf ein Tor.
Der Trainer:
Der ehemaliger Mannschaftskamerad unseres Trainers beim BFC und in der DDR-Auswahl, Thomas Doll, hat seit seinem Amtsantritt im Februar 2004 im Vergleich zu seinen Kollegen in Bremen, Dortmund oder Gelsenkirchen kein leichtes Amt. Die HSV-Amateure spielen nach wie vor im Gesamtkonzept der Fußball-Abteilung des Hamburger SV eher eine mittelmäßige Rolle, Einsätze von Erstligaprofis, wie in der letzten Saison "wenn es um den Klassenerhalt" ging, sollten in dieser Saison nicht durchgezogen werden - so hieß es bis zur Winterpause. Danach sah es wieder anders aus, man "drohte" wieder mit Einsätzen von Spielern wie Cardoso u. a.. Großartige Unterstützung von Seiten des Vereins wird "Dolly" nach Einschätzung von Insidern und Experten nicht gerade zuteil. Die Zusammenarbeit Profiabteilung - Amateurmannschaft ist kaum mit der in Bremen oder Dortmund zu vergleichen.
Das Umfeld/Stimmung/Fans:
Nimmt man die Begegnung gegen den FC St. Pauli mit offiziell 11.217 Besuchern in der AOL-Arena beiseite, kämen die HSV-Jungkicker auf einen eher bescheidenen Zuschauerschnitt von 629 Besuchern pro Heimspiel. Ordentlich war noch der Besuch im Nord-Derby gegen Braunschweig (2.200) oder Essen (1.700). Ansonsten bewegen sich die Zuschauerzahlen "tief im dreistelligen Bereich" - den CFC sahen im Hinspiel 400 Leute.
Die Probleme zwischen Profiabteilung und der Regionalliga-Mannschaft als Flagschiff der Nachwuchsabteilung bestehen nach wie vor. Der Sinn dieser Ausbildungsmannschaft wurde durch Dolls Aussage vor mehreren Wochen eher konterkariert, als er sinngemäß meinte ‚wenn Profis für den Klassenerhalt in der RL eingesetzt werden, müssen die jungen Spieler damit klarkommen auf der Tribüne zu sitzen.'. Noch hält man sich damit zurück, lediglich Rodolfo Esteban Cardoso (35) kam nach der Winterpause 5x zum Einsatz. Milan Fukal (28) musste gegen Braunschweig (schoss das 1:0-Siegtor) und den FC St. Pauli jeweils ran.
Angesichts der finanziellen Schieflage des HSV mit einem Minus von 12,5 Millionen Euro für die laufende Saison dürfte ein derartiges Dasein einer Mannschaft in der Regionalliga mit einem geschätzten Etat von 2 Millionen Euro +/- 300.000 eher diskussionswürdig sein, zumal die neue Oberliga Nord wohl leistungsmäßig stärker sein dürfte als die alte Oberliga Hamburg-Schleswig-Holstein.
Es bleibt abzuwarten, wer in den nächsten Spielen so alles für die HSV-Am. auflaufen wird und ob man wirklich mit aller Macht versuchen wird, die U23 in der RL zu halten...