Dickes Brett zum verspäteten Auftakt 2026 …
von Timo Görner
… denn der 1. FC Magdeburg II zeigte uns im Hinspiel seine Qualitäten, mischte die Liga mit seiner Offensivstärke danach immer wieder auf. Es braucht eine enorme Steigerung zur fahrigen Vorstellung am 4. Spieltag, um dort was mitzunehmen.
Die Saison unseres Gegners bisher:
Die Verantwortlichen dürften zufrieden sein, der überragende Meister der Oberliga Nordost Süd präsentierte sich absolut ligatauglich und ist auf dem Weg mindestens zum vorzeitigen Klassenerhalt. Der Trumpf der Mannschaft ist die sehr solide, erfolgreiche Offensive. Beleg für die enorme Spielstärke, welche schon im Vorjahr eindrucksvoll demonstriert wurde. Es gab keinen echten Negativlauf in der bisherigen Spielzeit in der wichtig war, dass die Aufgaben gegen die vermeintlichen direkten Mitkonkurrenten um den Klassenverbleib aus dem Tabellenkeller in der Regel gemeistert wurden.
Ambivalent der Saisonstart mit 2 Auswärtssiegen und 2 Heimniederlagen. Zu Hause ging das Derby gegen Halle (0:1) verloren, wie das Gastspiel der Luckenwalder (1:2). Dafür holten sich die Blau-Weißen die Punkte in Leutzsch (2:0) und zu unserem Leidwesen gegen einen defensiv allerdings auch reichlich indisponierten CFC bei der Verabschiedung des nicht nur damals vermissten Abwehrchefs. Mit dem ersten Heimsieg beim 4:3 gegen den BFC Dynamo standen sehr gute 9 Punkte aus 5 Spielen und Rang 5 zu Buche, wurden schon 11 Tore erzielt.
Es schloss sich eine kleine Ergebniskrise an, 3 sieglose Spiele folgten. Keine Punkte bei den starken Gastgebern in Erfurt (1:3), Zwickau (0:1). Greifswald machte in Magdeburg in Überzahl noch den Ausgleich. Aber kein Einbruch. Im eigenen Revier wurde Hertha BSC II 6:0 demontiert, war nach 36 Minuten mit 4:0 alles geklärt. Ebenso chancenlos Eilenburg, die mit 0:4 abreisten. Einer der Dreier gegen Teams, die als Rivalen um den Klassenerhalt galten. Dazu kamen die Erfolge gegen Chemie (2:1) und Zehlendorf (1:0). Wie der CFC gab es 3 Punkte beim Heimspiel Schlusslicht Babelsberg. Hier deutlicher beim 3:1.
Einziger richtiger Wermutstropfen die 1:5-Klatsche gegen Titelverteidiger Lok. Im eigenen Stadion der Saldo knapp positiv: 5-1-4, 20:14 Tore wurden verbucht. Mehr Tore hat kein anderes Team der Staffel erzielt. Allerdings sind 9 hier defensiv besser. Auf Reisen reicht es zu Rang 10. Der FCM II hat den viertbesten Angriff und die zehntbeste Defensive. In der Vorbereitung ging es in den beiden Testspielen torreich zu. Gegen Drittligist Havelse hieß es 3:4, Chemie Leipzig wurde 5:3 besiegt.
Delegierungen seit dem Hinspiel:
Rechtsverteidiger Kenan Aydin (21/FC St. Pauli II) wechselte in die Nord-Staffel, blieb in der Herbstrunde ohne Bedeutung. Dass die einzige Veränderung im Kader, dazu kam, was eindeutig überwiegt, der Trainerwechsel aufgrund der sportlichen Probleme in der Profiabteilung.
Die sportliche Leitung:
Nach dem Aus von Markus Fiedler für die Erste Mannschaft rückte das gleichberechtigte Trainerduo Petrik Sander (65) und Pascal Ibold (36) zu den Profis auf. Zunächst nur als Interimslösung, blieb es nach dem positivem Trend dabei.
Chef der II. ist seitdem Daniel Wölfel (36), der Name dürfte einigen ein Begriff sein. Von 2007 bis 2015 in der II. des CFC, danach Videoanalyst für 3 Jahre. Erste Trainerstation die U17 des FC Carl Zeiss Jena bis 2020, bevor es in die Domstadt ging. Dort Coach der U17 und U19. Mit der A-Lizenz dann die Lösung für die Regionalliga-Mannschaft. Bruder von Marco Wölfel (40), 2005 bis 2007 Teil der Ersten Mannschaft des CFC mit 36 Einsätzen. Die Keeper betreut weiterhin Maximilian Heidel (27), das seit 2022.
Das Spieler-Kollektiv:
Im Tor durften sich 2 beweisen mit dem Deutsch-Polen Robert Kampa (20) und Noah Kruth (22). Beim Hinspiel stand Ersterer im Kasten. Beide im Kader der Zweitligamannschaft. Mit dem Unterschied, dass Kruth näher an einem Einsatz dort scheint wie Kampa. Da der FCM seinen Einsatz in der 2. Bundesliga ebenfalls Freitag hat dürfte wohl wieder Kampa im Tor stehen. Tom Schlitter (23), Felix Güldner (19) kommen dahinter, sind noch ohne Spielpraxis.
In der Abwehr spielt der FCM II die Viererkette, nicht ungewöhnlich für eine U23, dass sich hier kein echtes Gerüst gebildet hat. So gibt es im Grunde nur einen Eckpfeiler mit dem Bosnier und Innenverteidiger Mihailo Trkulja (23). Daneben ist der etatmäßige Vize-Kapitän Julius Pfennig (22) zu nennen. Marvin Pohl (19) gelang der Durchbruch noch nicht, im Vorjahr feste Größe bei Absteiger Viktoria. Routinier Tarek Chahed (29) aus der Ersten erhielt 2 Spiele nach Verletzung für den Wiedereinstieg. Links konnte sich Marcel Zajusch (19) mehrmalige Berufungen für die Startelf erkämpfen. Conner Schulze (21) spielt kaum eine Rolle. In Halle vertrauten die Trainer auf Felix Vogler (18), nominell rechter Verteidiger. Weitere Option der Luxemburger Eldin Dzogovic (22), auch aus dem Zweitligakader. Durfte 4-mal in der 2. Bundesliga ran.
Das System der Elbestädter war bis Halle das 4-3-3. Dort gab es die Doppel-6 im 4-4-2. Als einer der "6er" läuft es für Timo Birk (21) ordentlich, ausgebildet beim SC Freiburg. Seit 2022 in Magdeburg. Dazu Tim Giesen (22), im Vorjahr lange verletzt. Unterwegs zuvor im Nachwuchs des 1. FC Köln, Fortuna Köln, Dynamo Dresden. Willi Kamm (23) gilt als "8er", ebenso Leon Mergner (19/2). Bis Mitte Oktober agierte da Connor Krempicki (31), Profi-Stammspieler der Jahre zuvor. Die Außenbahnen sind nicht klar besetzt. In der offensiven Zentrale ist Kapitän Robert Leipertz (33/4) der starke Mann. 6 Torbeteiligungen wie enorme Erfahrung aus Aachen, Heidenheim, Ingolstadt, Paderborn, Ulm und 250 Spielen in der 2. Bundesliga bei 52 Treffern + 34 Vorlagen. Einer der herausragenden Akteure dieser Liga. Gut kann sich hier weiter Nick Meier (20) präsentieren. Ausbildung bei Hannover 96. Klar vorn gegen Hector Hink (22).
Die Nr. 1 im Angriff stellt Linksaußen Albert Millgramm (22/5) dar: 10 Torbeteiligungen. Beim Hinspiel mit Treffer und Vorlage. Einer der "Matchwinner". Auf der Position gesetzt gegen Stefan Korsch (27), Magnus Baars (19). Der rechte Flügel ist von Elisio Widmann (21), dem Ivorer Malick Sanogo (21) besetzt. Widmann 3-mal Vorbereiter. In der Mitte wirbelt der Montenegriner Aleksa Marusic (26/5). 2024 nach Magdeburg gewechselt, in der Vorsaison verliehen an den FC Sheriff Tiraspol in Rumänien. Gedacht für die Profis, dort aber ohne Bedeutung. Der Kosovare Enis Bytyqi (23/3), Joonas Frenzel (19) können die Position auch spielen.
Der gemeldete Kader der II umfasst 27 inkl. 4 Keeper. 22,8 Jahre im Schnitt unterbietet nur Hertha BSC II mit 22,0. 21 gelten als Amateure, insgesamt 18 aus dem Profikader kamen zum Einsatz. Davon haben 4 den Club in der Zwischenzeit verlassen. Die Gründe für den hohen Anteil sind unterschiedlich. Mal sollten Spieler nach Verletzungen wieder herangeführt werden, nur für wenige Begegnungen wie Chahed. Daneben galt es, Anschlusskadern der Profis Spielpraxis zu geben, siehe Baars, Kampa, Kruth im Tor als Reservisten hinter Dominik Reimann. Beide diesjährigen Aufsteiger sind keine "normalen Neulinge". Sowohl der Kader des FCM II wie der Preußen ist sehr gut besetzt. Mit Potential für einen einstelligen Tabellenplatz.
Die Transferbilanz:
Es gab nicht übermäßig viel Bewegung Richtung Magdeburg, 9 Neuzugänge wurden vermeldet. Das Durchschnittsalter bei gerade mal 19,7 Jahre.
Von diesen konnte sich Mihailo Trkulja (Holstein Kiel II) und erfreulicherweise Leon Mergner (U19) etablieren. Tim Giesen (Schalke 04 II) gelang dies zumindest über mehrere Begegnungen, das nach der langen Ausfallzeit aufgrund Verletzung von Oktober 2024 bis fast Saisonende. Mit Malick Sanogo und Marvin Pohl schafften da zwei Kicker der Regionalliga 2024/2025 weniger. Der Rest spielte keine Rolle, allerdings kamen auch 2 weitere aus der eigenen U19.
Fazit: schwer zu bewerten, da die U23 anders zu sehen ist als eine "normale Mannschaft" dieser Liga. Durch die personelle Struktur mit der schon existenten Qualität und Wechselbewegung aus dem Zweitligakader irgendwie auch zu verschmerzen.
Gewinner der Saison bislang:
Tim Giesen hatte 2024/2025 Verletzungspech, fiel wie beschrieben monatelang aus. Bei der FCM II ohne derlei Probleme und öfters gesetzt. Tendenz klar positiv. Leon Mergner war Teil der Aufstiegsmannschaft, schaffte den Sprung aus der Oberliga in die 4. Liga und überzeugte hier.
Krankenlager / Strafbank:
Aktuell liegt hier so nichts vor.
Prognose:
Mit dem Abstiegskampf wird man nichts zu tun bekommen. Am Ende sollte es ein einstelliger Platz werden. Allerdings hat dies auch einen Haken.
Bilanz gegen unseren Gegner:
Sieht im Punktekampf nur das Hinspiel beim 2:4 aus unserer Sicht.
Das Umfeld / Wirtschaft / Stimmung:
Sportlich hat man sich in dieser Saison mehr als gut geschlagen, was aber nicht komplett überraschte. Allerdings kann das Abschneiden am Ende wertlos werden. Denn der Weg der Ersten in der 2. Bundesliga kann die Sache verhageln. Im Fall des Abstiegs müsste die II. in die Oberliga zurück aufgrund der Regularien. Die Mannschaft von Petrik Sander und Pascal Iboldt war schon auf einem guten Weg vor der Winterpause Richtung gesichertes Mittelfeld. Durch die beiden Niederlagen im eigenen Stadion beim "Elb-Classico" gegen Dynamo und den Verein von Ex-Coach Christian Titz, zuzüglich der Punktgewinne der direkten Konkurrenten aus Dresden, Fürth, Düsseldorf ist die Lage wieder angespannter. Nicht nur wegen der normalen Verbundenheit zu den Profis dürfte man deshalb am Freitagabend mit einem Ohr dem Geschehen in Franken lauschen.
Der FCM II zählt zu den U23-Mannschaften der 1. und 2. Bundesliga, welche keine eigene Spielstätte haben. In der Elbestadt gibt es zwar das altehrwürdige "Heinrich-Germer-Stadion" im Stadtteil Sudenburg, 20 Autominuten entfernt von der "Avnet-Arena". Der Leser wird sich erinnern, zeitweise Heimstätte des Vereins, als das "Ernst-Grube-Stadion" von Mai 1979 bis Mai 1981 saniert wurde. Neben DDR-Oberliga und FDGB-Pokal gab es hier Europapokal u. a. gegen den FC Arsenal London, AC Turin. Februar 2005 bis Ende 2006 noch mal das Ausweichen der Ersten, als die heutige Avnet-Arena entstand. Damals mit umfangreichen Arbeiten zur Genehmigung des NOFV. 4.990 dürften hier zuschauen. 15 Sitzplätze und 100 Stehplätze sind überdacht. Allerdings ist der Zustand so, dass eine Sanierung zur regionalligatauglichen Spielstätte immense Kosten im siebenstelligen Bereich beinhaltet. Und lt. Stadt fehlen dafür eigentlich die finanziellen Spielräume. Allein das fehlende Flutlicht – hier sei an die Nachmittagsspiele im Europapokal erinnert, stellt ein Problem dar. Eine der Auflagen des NOFV.
Im Vorjahr alles so machbar, in der Oberliga Nordost Süd mit einem Gesamtschnitt von 211, beim FCM II 114. Spitzenreiter Halberstadt lag bei 410. Kein Gast dort, welcher den Verantwortlichen Stirnrunzeln verursacht hätte. Komplett andere Gegebenheiten nun mit den Vereinen aus Halle, Leipzig (2x), Berlin, Chemnitz, Jena, Erfurt, Zwickau. Erwartbar, dass sich der Zuspruch auf den Rängen erhöht hat. Der Schnitt 1.044 ist Mittelfeld der Staffel. In 3 Spielen wurden mehr als 2.000 begrüßt. "Kassenschlager" der Auftritt des BFC Dynamo (2.425). Lok und Chemie mit je 2.114, 2.080 dahinter. Ausgerechnet das potentiell attraktivste Spiel sahen im Grunde fast nur Gästefans. Aufgrund des bekanntlich nie geklärten Todes eines Magdeburgers boykottierten die FCM-Fans die Begegnung. Somit waren es nur 1.156. Am Freitagabend dürften die himmelblauen Auswärtsfahrer vermutlich knapp in der Mehrheit sein. Das parallele wichtige Spiel der Profis in Fürth lockt einen nicht geringen Teil ins Frankenland oder an die heimische Kiste, sofern im Sky Abo-Modus.