Sieben Spiele war der Hallesche FC ungeschlagen. Dann kam Chemnitz. Nur drei Gegentore hatte Halle bislang kassiert. Dann kam Chemnitz. Sieben Spieltage war Halle unangefochten an der Tabellenspitze. Dann, ja dann, kam Chemnitz!
Als Fan der Himmelblauen hat man es wahrlich nicht leicht. Die Enttäuschungen gehören zur DNA des Vereins, auch in den ersten Saisonspielen der Spielzeit 25/26 überwog die Ernüchterung, so planlos rumpelte der Club durch die Liga. Mit dürftigen Leistungen, Niederlagen gegen Aufsteiger, graues Mittelmaß.
Doch dann gibt es auch Abende wie an diesem Mittwoch, wo der Club zeigte, wozu er imstande ist.

Halle hatte bis dahin sechs Spiele gewonnen, nur gegen Chemie gab es am Wochenende mit einer Nullnummer einen kleinen Fleck auf der blütenweißen Weste. Der CFC hatte überraschend in Babelsberg gewonnen, mit wenig spielerischem Glanz, aber einer kompakten Mannschaftsleistung und Bozic, der vorn und hinten den Unterschied machte. Benjamin Duda vertraute der siegreichen Elf von Babelsberg. Auf der Bank nahmen mit Tobi Müller und Domenico Alberico zwei Rückkehrer Platz. Der rotgesperrte Damer durfte nur beim Halbzeitspiel mit aufs Foto.
Die Anfangsminuten gehörten den in Rot spielenden Hallensern, die nach Siegen der Konkurrenz am Dienstag wieder zurück an die Tabellenspitze wollten. Zur Freude der um die tausend mitgereisten Gästefans erspielte sich der HFC die ersten beiden Kopfballchancen durch Stierlin (8.) und Löhmannsröben (12.), die aber beide knapp vorbei bzw. drüber gingen. Bei einem Freistoß von Polat hatte die Chemnitzer Nummer 1 keine Mühe (19.).
Schon in diesen Anfangsminuten, zeigte sich, trotz besserer Gelegenheiten für die Hallenser, dass der Club heute angetreten war, gegen den Staffelfavoriten etwas mitzunehmen. Mit absoluter Leidenschaft und Intensität wurde verteidigt, um jeden Ball gekämpft. Und der CFC setzte Nadelstiche. Grimaldi, wunderschön von Bozic eingesetzt, hatte das 1:0 auf dem Fuß. Doch seinen Schuß parierte Landgraf auf der Linie (20.) für seinen bereits geschlagenen Keeper. Sieben Minuten später verhinderte Adamczyk den Rückstand gegen Weber.
Dann, eine halbe Stunde war gespielt, schnappte sich Bozic einen Fehlpass der Hallenser - passte zurück, wo Pistol den Ball erlief, noch einen Spieler umkurvte und dann das Leder aus 18 Metern in den Winkel knallte. Wooooohhhaa! Wie geil! 1:0!
Es ging weiter hin und her vor über 6000 Zuschauern auf der elektrisierten Fischwiese. Stierlins Flanke konnte Adamczyk über das Tor lenken (35.), sieben Minuten später köpfte Bozic eine mustergültige Flanke von Ekui nur knapp vorbei. Dann eine Schrecksekunde, Felix Müller lag nach Kopftreffer am Boden. Zum Glück konnte der Verteidiger mit Turban weiterspielen. Es lief schon die Nachspielzeit als der pfeilschnelle Grimaldi in den Strafraum stürmte. Müller konnte ihn nur mit Foul stoppen. Elfer! Bozic trat an - Schuss - rechts unten - Tor. 2:0! Bitte, Danke. Pause.
Doppelwechsel bei den Hallensern zur Pause. U.a. der Neffe der Halleschen Legende, Dariusz Wosz, Joscha Wosz mußte in der Kabine bleiben. Der HFC übernahm erneut das Zepter und drückte auf den Ausgleich. Doch die erste Chance nach dem Pausentee hatte Pistol, der erneut, diesmal aus 20 Metern und flach, Maß nahm - Müller parierte. Beide Mannschaften schenkten sich nichts - es ging hart, aber nicht übertrieben unfair zur Sache. Am Ende standen zehn gelbe Karten zu Buche.

In der 61. Minute verpaßte Fakhro per Kopf nur knapp den Anschluss für die Hallenser, während nur 5 Minuten später Grimaldi und Ekui den Hallenser Keeper aus Nahdistanz zu Glanzparaden zwangen. In der 75. Minute war es erneut Grimaldi, der nach einem Konter in Müller seinen Meister fand. Dafür glänzte Grimaldi als Vorbereiter. Bei einem Konter ging auf der linken Seite die Post ab: Grimaldi auf Ekui, der passte nach innen in den Strafraum wo der eingewechselte Alberico zum 3:0 einschob! Die Fischerwiese bebte!! Fun fact am Rande - das Tor erlebte Niclas Erlbeck von der Seitenlinie, da der Mittelfeldspieler zwischenzeitlich bei einem Zweikampf seinen Schuh verloren hatte und diese tauschen mußte.
Damit war das Spiel entschieden. Marx, Biven und Tobi Müller kamen rein und durften den Sieg über die Zeit bringen. In den Dreifachwechsel fiel eine Szene am Rande - Bozic hatte wohl gefoult und bekam dafür die Gelb-Rote und wird dem CFC im nächsten Spiel fehlen. Auch drei Minuten Nachspielzeit halfen HFC an diesem Abend nix. Endstand: Chemnitz 3 - Halle 0. So nämlich!
Was - für - ein - Abend!!
Der CFC zeigte gegen den Topfavoriten der Regionalliga Nordost eine herausragende Leistung und gewann auch in der Höhe absolut verdient. Grund war eine geschlossene Mannschaftsleistung, wo jeder mit absoluter Leidenschaft und Intensität zu Werke ging. In diesem Spiel zeigte sich, welches Potenzial der Club grundsätzlich hat. Die Routiniers Erlbeck und Baumgart machten das Zentrum dicht, gewannen viele Zweikämpfe und setzten ihre Mitspieler gekonnt ein. Ekui und Pistol zeigten auf den Außen, dass sie mit ihrer Geschwindigkeit eine Waffe sein können. Bochmann - trotz zeitiger gelber Karte und Müller - trotz Kopfverletzung - räumten hinten alles ab. Mit Grimaldi und Alberico hat der CFC einen doppelten Speedy Gonzales, der den Gegner vor Problem stellt. Man könnte jetzt jeden durchgehen - einer sei noch genannt: Artur Mergel. Der gern Gescholtene überzeugte, wie seine Mannschaftskollegen, an diesem Abend. Vielleicht wird‘s ja doch nach was für den ehemaligen Erfurter in Chemnitz.
Kurz. Es war geil. Großartig und sensationell.
Bitte weiter so.
Nächster Halt ist dann am Samstag Erfurt. Das nächste dicke Brett, denn die Rot-Weißen sind nach der Niederlage des HFC neuer Spitzenreiter. Aber das muss ja nicht so bleiben.