Wieder Aufbaugegner bei den "Unabsteigbaren" Preußen in Münster...
von Timo Görner (Vorbericht) & Erik Büttner (Reisetipps)
...oder endlich wieder Punkte für den fixierten Klassenerhalt. Ob in Braunschweig, St. Pauli oder Kiel, der CFC erwies sich in der Rückrunde bislang als willkommener Gast für Vereine in sportlicher Schieflage.
Die Saison 2003/2004 für den SC Preußen bislang:
Absteigkampf heißt es das dritte Spieljahr in Folge in Westfalen. An 26 der 30 Spieltage rangierte der ehemalige Zweitligist auf einem Abstiegsplatz. Lediglich zwischen Runde 5 und 8 konnten die Abstiegsränge verlassen werden. Bis zur Winterpause holte man gerade einmal 18 Zählern.
Bis zum 15. Spieltag konnte erst ein Sieg bejubelt werden (3:1 FC Sachsen/H). Bis dato lag man schon relativ chancenlos zurück, der Abstand zum rettenden 14. Platz betrug stolze 9 Zähler. In den verbleibenden 5 Spielen bis zur spielfreien Zeit konnte man aber den Anschluss durch einen Zwischenspurt (4 Siege, 1 Remis) wiederherstellen und verringerte den Abstand auf einen Punkt. Bemerkenswert waren dabei die Spiele gegen Paderborn (3:1) und St. Pauli (2:0). Es gab also wieder rund um das altehrwürdige "Preußen-Stadion" verhaltenen Optimismus; dies auch mit dem Verweis auf die Steigerung in den letzten beiden Jahren in der Frühjahrsrunde, wo man letztendlich doch noch den Absturz in die Oberliga verhindern konnte.
Der Auftakt nach der Pause gestaltete sich mit einem 0:0 bei Dortmunds Amateuren dann auch nicht so schlecht. Doch insgesamt verlief die Restrückrunde bislang eher durchschnittlich (3 Siege, 5 Remis, 3 Niederlagen) und nicht genügte nicht, um sich unten freizuschwimmen. 14 Gegentore bei 11 Spielen sind noch ordentlich, ins gegnerische Tor traf man allerdings auch erst 13-mal. 4 Remis in Folge waren nach der Winterpause zu vermelden. Dabei wurde gegen Dynamo Dresden ein 2:0-Vorsprung noch verspielt (2:2). Den ersten Sieg landete man dann an Spieltag 25 mit einem knappen 1:0 gegen Mitkonkurrent HSV/A.. Licht (2:1 Kiel/H, 2:1 Uerdingen/A) wechselten sich mit Schatten (1:3 Essen/H, 3:4 Bremen Am./A) ab. Es reichte eben nicht, um sich Luft zu verschaffen. Eine Niederlage am vergangenen Samstag in Krefeld hätte dem SCP mit 5 Zählern Abstand auf´s rettende Ufer wohl eine ganz schwere Aufgabe in den letzten 4 Spielen beschert. Doch nach dem 2:1 bleibt weiterhin die durchaus berechtigte Hoffnung, zum dritten Mal in Folge dem Abstieg zu entrinnen.
Um die trockene Statistik noch ein wenig auszubreiten entsprechende Fakten: Die Heimbilanz ist negativ (5 Siege, 6 Niederlagen), 33 erzielte Tore bedeuten eher unteres Drittel der Liga - der CFC kommt auf 29. Die 42 Gegentreffer sind mittelprächtig. Abgesehen vom Essen-Spiel (1:3) schlug man sich zu Hause gegen die Topvereine aus Wuppertal (1:1), Dresden (2:2) und Paderborn (3:1) recht wacker.
Gewinner der Saison 2003/2004:
Für Angreifer Martin Hauswald (22) hat sich der Wechsel nach Münster nach einer frustrierenden Herbstrunde bei Rot-Weiß Essen (2 Einsätze nach 28 Spielen 2002/2003) durchaus ausgezahlt. Er konnte sich in den letzten 5 Spielen durchgängig für die Stammelf empfehlen und mit 4 Treffern in bislang 11 Spielen für die Preußen seinen Teil dazu beitragen, dass der Klassenerhalt wieder möglich ist. Heiko Kuhn (29) in der Abwehr und dort Stammspieler in der Saison 2000/2001 erlebte in dieser Saison nach 2 zuletzt frustrierenden Jahren ein bemerkenswertes Comeback als feste Größe.
Verlierer der Saison 2003/2004:
Carsten Gockel (31) und Tino Milde (31) kamen vom Regionalliga-Absteiger SC Verl nach Münster. Milde mit der Empfehlung von insgesamt 37 Toren (78 Spiele) für die Schwarz-Weißen in den letzten 3 Jahren, Gockel auch noch mit "15 aus 35". Die Erwartungen von beiden Seiten waren gegeben, bislang aber schaffte keiner der Zwei den Status "feste Größe". Gockel ist fast durchgängig Reservist geblieben und Milde rutschte gegen Ende der Herbstrunde in diese Abteilung ab.
Für Nachwuchshoffnung Christian Bienemann (21) verlief die Saison 2003/2004 nach der verheißungsvollen Vorsaison (27 Spiele, 5 Tore) bislang aufgrund von Verletzungsproblemen enttäuschend mit lediglich 5 Spielen in der Startphase der Saison. Er verlässt den Verein nach Saisonende wieder und geht zum FC Eintracht Rheine in die Oberliga Westfalen.
Delegierungen seit dem Hinspiel:
Einem Abgang steht mit Martin Hauswald (22) aus Essen ein Neuzugang gegenüber. Den SC Preußen verlassen hat der Türke Bekir Burak Yarar (25) aus der Abwehr, der aber bis zur Winterpause keine Rolle in der Regionalliga-Mannschaft spielte.
Bestarbeiter im Kollektiv:
Im Tor ist mit Frederic Gößling (26) Neuzugang Nummer 3 aus Verl bislang klare Nummer 1. In der nominellen Defensive verdienen Heiko Kuhn (29), Peter Schyrba (23) und der Senegalese Adama Niang (29) eine entsprechende Erwähnung. Im Mittelfeld sind die Jens Bäumer (25), Stephan Küsters (32) und mit Thomas Piorunek (24, Braunschweig) ein weiterer Neuzugang. In der Abteilung "Tore, Tore, Tore" sorgte mit Marco Antwerpen (31) einer der Torjäger der RL Nord der letzten Jahre (109 Spiele, 38 Tore) für 6 Treffer. "CFC-Schreck" Tino Milde (31) traf bislang 5-mal. Martin Hauswald (22) benötigte lediglich 11 Spiele, um mit 4 Treffern aufzuschließen.
Der Trainer:
Für Kenner der Regionalliga Nord ist Hans-Werner Moors (53) kein Unbekannter. Bis Spieltag 6 war er noch Coach in Kiel. Seit 12.11.2003 ist er verantwortlich in Münster, wie bereits schon mal von Juli 1991 bis Mai 1994. Weitere Stationen in der RL Nord vor und nach 2000 waren der VfL Osnabrück, der SV Wilhelmshaven und zuletzt Holstein Kiel. Im ersten Spiel unter seiner Leitung wurde der SC Paderborn mit 3:1 besiegt, insgesamt wurden 24 Punkte aus 15 Spielen geholt. Hier hat sich der Trainerwechsel durchaus gelohnt.
Das Umfeld/Stimmung/Fans:
Als man in der Saison 2000/2001 nur knapp am Aufstieg in die 2. Liga vorbeischrammte, sahen die Spiele im "Preußen-Stadion" im Schnitt noch knapp 4.900 Besucher. Mittlerweile hat sich der Zuspruch in den Heimspielen auf rund 3.300 bewegt und die Entwicklung erinnert an den CFC. Den größten Ansturm erlebte man gegen Essen vor knapp 2 Wochen mit 8.700 Enthusiasten, davon allerdings auch ca. 5.000 aus dem Pott. Der FC St. Pauli brachte mit 7.100 Fußballfreunden noch mal ein Lächeln ins Gesicht des Schatzmeisters. Ansonsten kristallisierte sich in dieser Saison ein "harter Kern" von 2.000 Preußen-Fans heraus, das "Heimspiel vor Essen" wollten 2.600 gegen Holstein Kiel sehen, zuvor waren es 2.000 gegen die HSV-Amateure.
Die Lizenz für die kommende Saison wurde verständlicherweise nur für die Regionalliga beantragt und erhalten, allerdings erneut mit Auflagen und Bedingungen. So muss der Verein bis 06.06.2004 eine Liquiditätsreserve nachweisen, dessen Höhe sich im sechsstelligen Bereich bewegen soll, laut Preußen-Vereinsführung aber machbar ist. Einnahmen aus dem DFB-Pokal nächste Saison kann man nicht einkalkulieren, im Viertelfinale des Westfalenpokals war gegen Ligakonkurrent SC Paderborn Endstation (0:2).
Sportlich wie wirtschaftlich muss der SC Preußen kämpfen, für die sportliche Rettung will man am Samstag gegen den CFC im "Preußen-Stadion" ohne Gegentor bleiben und sich die 3 "goldenen Zähler" sichern. Bleibt zu hoffen das wir nach diesem Spiel den restlichen 3 Spielen nun endlich geruhsam entgegen sehen können...
Das Stadion
Dass das Preussen-Stadion gelinde gesagt in die Jahre gekommen ist, ist spätestens seit unseren 2 Gastspielen dort kein Geheimnis mehr. Zwar gönnte man der 1926 errichteten Mehrzweckarena (Kapazität jetzt 15.500, davon 1350 überdachte Sitzplätze) im Sommer 2001 eine Wellness-Kur - die Tribüne wurde mit Sitzschalen aus Leverkusens BayArena neu bestückt, neue Toilettenhäuschen gebaut, die Stehränge saniert und eine „putzige“ Lautsprecheranlage aufgestellt – dennoch stellt sich das Stadion altersschwach dar.
Diesem Fakt verschließt sich auch niemand in Münster, einzig an Abhilfe mangelt es. An Ideen jedoch nicht: Fast unzählbar sind mittlerweile die Vorschläge zu einem Aus-, Um- oder Neubau. Sie reichen vom legendären Preussenpark-Projekt (1996) bis hin zur Emigration ins Münsterland (2003). Mehr als 15 Jahren sind seit den ersten Gedanken vergangen, doch nichts ist passiert.
Und so schnell wird auch nichts geschehen, eine neue magische Zahl heißt 2008. Bis dahin hat sich nämlich die Stadt Münster quasi beim SC Preussen eingekauft, damit man dort Ruhe gibt. Jährlich 250.000 EUR fließen bis 2008 in die mehr als leeren Adler-Kassen. Damit soll unter anderem das alte Preussen-Stadion am Leben gehalten werden und eine Mannschaft mit einigermaßen Perspektive aufgebaut werden. In den verbleibenden 4 Jahren will die Stadt Münster an ihrem favorisiertem Standort “Nieberdingstraße“ Baurecht geschaffen haben, um dann vielleicht endlich – es wären dann fast 20 Jahre – Bagger rollen zu lassen.
Doch es ist wohl eher nicht damit zu rechnen, dass mit der Zahlung des „Schweigegelds“ Ruhe in die Stadion-Diskussion kommt. Zum Beispiel ist da immer noch die ominöse Lohmann-Gruppe um einen Dr. Josef Sobek aktiv, die immer wieder neue Ideen und Konzepte vorlegt, um andere zu blockieren. Doch außer viel heiße Luft hat diese auch „Pro Stadion“ genannte Gruppierung auch noch nicht produziert. Zu letzt sorgte diese Ansammlung von „Möchtegern-Investoren“ im Dezember 2003 für Wirbel, als sie sich für einen Neubau im ca. 10km von Münster entfernten Gewerbegebiet Senden-Bösenell stark machten. Doch nicht nur die Stadt Münster reagierte (verständlicherweise) auf diesen Vorschlag verschnupft, auch der Verein zeigte sich wenig begeistert. Denn auch beim SCP sieht man inzwischen in den “Nieberdingstraße“-Plänen die größten Realisierungschancen und bildet deshalb einen Schulterschluss mit der Stadt, um in Ruhe dieses Konzept voranbringen zu können.
Die Fans der Preussen haben sich zum Teil auf der Tribüne niedergelassen, ein anderer Teil steht noch immer auf der Gegengeraden. Den Gästen ist die der Hammer Straße abgewandte Kurve vorbehalten. Eintritt erhält man im Tausch gegen 7 Euros (ermäßigt 4,50/Kind 3). Die Bratwurst soll nach Angaben der Preussen-Fans "fantastisch" sein. Trotzdem erhält man auch Pommes oder kleine Süssigkeiten. Zum Spülen gibt es promillehaltiges Herforder Pilsner oder auch Cola, Fanta, Wasser und Kaffee.
Die Route
Der Weg führt diesmal in den Nord-Westen Deutschlands. Trotzdem, zunächst geht es die bekannte West-Strecke, entlang der A4, vorbei an Gera, Jena, Erfurt, bis zum Kirchheimer Dreieck (31/86) hinüber. Von da ab führt der Weg nun Richtung Norden und damit auf Kassel zu. Kurz vor der Hessenmetropole, biegt man am Kasseler Kreuz (80/70) ab und zwar auf die A44 Richtung Dortmund.
Dieser Autobahn folgt man nun bis Unna. Erst hier muss man die A44 zu Gunsten der A1 verlassen. Das ganz geschieht am Kreuz Unna (52/84) und richtungstechnisch geht es nun auf Münster bzw. Osnabrück zu.
Nach gut 45km fährt man am Kreuz Münster-Süd (78/1) auf die B51 (A43) Richtung Münster/Warendorf. Dann auf der Umgehungsstraße (B51) nach Münster hineindüsen und an der Kreuzung mit der Hammer Straße (B54) auf diese wechseln (rechts halten!). Anschließend ein Stück stadtauswärts fahren und gleich hinter der Eisenbahnbrücke rechts auf den Parkplatz. Zusammen mit anderen Stellmöglichkeiten reicht dieser für ca. 3000 Autos, das sollte eigentlich reichen. Ansonsten gibt es sicher noch am Containerbahnhof an Siemensstraße ein paar Lücken.