Auf geht's – Mannschaft, Trainer, Fans …
von Timo Görner
… um Punkte gegen einen Gegner mit viel Qualität und Ambitionen. Es wird viel Leistung und Kampf gefordert. Denn der Greifswalder FC gilt auch in dieser Spielzeit als vielversprechender Mitfavorit auf die Plätze oben. Eine echte Herausforderung schon beim scharfen Start.
Die letzte Saison unseres Gegners:
Der Vizemeister 2023/2024 hatte diesmal mit dem Staffelsieg nicht so richtig was zur tun, was aber auch nicht so komplett total überraschte. Platz 6 war das Endergebnis mit deutlichem Rückstand auf den Meister bei 23 Punkten. Ausschlaggebend dafür war eine durchwachsene Herbstrunde 2024, vor der Winterpause ging der Anschluss an die Spitze vorentscheidend verloren. Aus den 18 Duellen wurden 25 Punkte eingefahren, zum Vergleich im Vorjahr 37 aus 17 mit der Herbstmeisterschaft. Dabei tat sich der GFC im eigenen Revier schwerer als auswärts. Eine Heimmacht war man nicht.
Signifikant waren die ersten 4 Spiele an der Küste, 3-mal schlichen die Rot-Weißen als Verlierer vom Platz. Zählbares gelang nur mit dem (erwarteten) Sieg gegen Meuselwitz (3:0). Gegen starke Gegner aus Jena (1:3) und vom BFC (1:2) dagegen Niederlagen. Enttäuschend der Auftakt gegen Hertha BSC II (0:1). Auf Reisen wurde mehr geholt. In Zwickau (2:0), Babelsberg, bei Chemie (2:1). Um wieder oben anzugreifen zu wenig. Eher Kompensation der Heimschwäche. Die Ergebnisse lagen weiter unter den Erwartungen, in Luckenwalde (1:2) und Plauen (0:2) – danach war Schluss für Cheftrainer Lars Fuchs.
Für ihn gab es die schnelle Lösung Markus Zschiesche, zuvor in Würzburg. Kenner der Liga aus der Zeit bei TeBe und Babelsberg. Zunächst ohne Effekt, allerdings auch mit anspruchsvollen Gegnern. Erfurt gewann 2:1 in Greifswald, wieder eine Heimpleite. Gegen Lok war man dran am Sieg, erst 11 Minuten vor Ende fiel der Ausgleich. Bei Altglienicke reichte es zum 2:2. Bis zum Jahreswechsel aber ein leichter positiver Trend. Siege in Eilenburg (3:0), gegen die starken Zwickauer (2:1). Ärgerlich das 0:1 in Halle.
In der Pause kein "Aufrüsten", 1 Zugang aus der Oberliga. Dafür 4 Abgänge im offensiven Sektor. Der Blick ging Richtung 2025/2026. Das Team konnte sich deutlich steigern, holte aus 16 Begegnungen 29 Punkte. Lieferte starke Partien ab wie beim BFC (4:1), gleiches Ergebnis gegen Viktoria. Dazu ein 3:0 gegen Plauen, zum Abschluss wurde der HFC 4:0 nach Hause geschickt. Auch kam man bei Lok zum Remis. Ärgerlich war das 1:2 in Meuselwitz. Als Heimteam ging es 2025 hoch auf 5, der GFC war da ungeschlagen. Auf Reisen war es der 6. 53:34 Tore stellten die siebtbeste Offensive und viertbeste Defensive. Das Ziel 1. Runde DFB-Pokal 2025/2026 wurde verpasst, im Viertelfinale war Zweitligaabsteiger Hansa in Greifswald knapp 1:0 vorn.
Delegierungen für diese Saison:
12 Ab – und 11 Neuzugänge sprechen für einen doch veritablen Umbruch.
Manndecker Pascal Schmedemann (25) zog es nach Halle, lieferte 6 Torvorlagen. Linksverteidiger Jacob Engel (24/SVG Freiberg) ging in die Südwest-Staffel. Kapitän Niklas Brandt (32/BFC Preußen) blieb wie Schmedemann in der Liga, der "6er" wechselte zum Aufsteiger. Kehrte in die Geburtsstadt zurück. Offensiv-Allrounder Guido Kocer (36) erhielt keinen neuen Vertrag. Mit ihm und Brandt gingen zwei Stützen der erfolgreichen Mannschaft aus 2023/2024.
Der Rest spielte keine oder keine wichtige Rolle.
"Kracher" gab es beiden Neuen nicht, aber interessante Personalien. Für das Tor Luca Petzold (23/Bahlinger SC) aus Südwest. Für die Abwehr stießen die Innenverteidiger Edgar Kaizer (22/Cottbus), Steffen Eder (28/BFC Dynamo) dazu. Kaizer im Vorjahr 6-mal 3. Liga. 3 in der Stammformation, jeweils gegen Ende. Jason Tomety-Hemazro (24/VfB Oldenburg) verteidigt Links, Tristan Wagner (20/Hansa Rostock II) Rechts. Im Profi-Kader, aber nur in der II. eingesetzt. "8er" Mcmoordy Hüther (25) kam mit Eder. Beim BFC war er meist gesetzt. Gleiche Position Diren-Mehmet Günay (22/Viktoria Berlin). "6er" Lucas Vierling (22) heuerte aus Luckenwalde an, zentral offensiv soll Joe-Joe Richardson (22) wirken. In der Vorsaison war dieser ausgeliehen aus Sandhausen an den HFC. Verwendbar auch anderweitig. Grace Bokake (22/Altglienicke) ist Linksaußen, letzte Saison 7 Torbeteiligungen. Theo Harz (22/Würzburg) bedient den linken Flügel, bei Zschiesches Ex-Verein zeitweise Stammspieler. Der Kosovare Fatlind Memaj (26/SpVgg Torgelow-Ueckermünde) agiert in der Mitte, empfahl sich in der Verbandsliga mit starken 29 Toren.
Die sportliche Leitung:
Markus Zschiesche (43) geht in seine erste Saison als Chefcoach des GFC vom Start weg. Sein Vertrag endet am 30.06.2026. Timur Binerbay (41) unterstützt weiter als Co-Trainer. Stefan Hafermann (52) und Ex-Keeper Christian Person (44) trainieren die Torhüter. Markus Zschiesche fungiert auch als der Sportliche Leiter.
Die aktuelle Saison bislang:
2 der letzten 3 Testspiele vor dem "scharfen Start" fanden gegen starke Gegner statt. Am 05.07.2025 ging es gegen Drittligist Hansa Rostock, gab es ein knappes 2:3 auf eigenem Platz. Am Mittwoch darauf das gleiche Ergebnis, im Duell mit einem weiteren Drittligisten. Diesmal Cottbus, unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Und hier führten die Rot-Weißen aus Norddeutschland zur Halbzeit 2:0. Für die Treffer sorgten Torjäger Benyamina und Neuzugang Günay. Erst in den zweiten 45 Minuten drehte der Favorit den Rückstand. Für die Generalprobe zum Auftakt bei uns hatte man am Dienstagabend Oberligist SV Siedenbollentin eingeladen, der fiel im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser. Der Platz im benachbarten Kemnitz – welch drolliger Zufall, war aufgrund des heftigen Regens auch dort nicht bespielbar.
Das Spieler-Kollektiv:
Der GFC geht vorerst mit 2 Torhütern in die Saison. Unser Ex-Keeper Jakub Jakubov (36) dürfte weiter die klare Nr. 1 bleiben, verlängerte seinen auslaufenden Vertrag ein paar Wochen vor Saisonende bis 2027. Als Nr. 2 steht Noah-Joel Hoffmann (21) bereit. Der gebürtige Chemnitzer wechselte aus der Jugend des VfB Fortuna im Jahr 2018 in die des FC Hansa Rostock.
Im Vorjahr spielte man fast immer mit der Viererkette, kurzzeitig wurde die defensivere Dreierkette aktiviert. Mit der blieb man bis auf eine Begegnung ungeschlagen, so beim 4:0 gegen Halle. Als Manndecker können Kapitän Bastian Strietzel (27), Edgar Kaizer (22) und Steffen Eder (28) agieren. Nicht zu vergessen Mike Eglseder (32). Alles Kandidaten für die Stammformationen, allerdings fällt Strietzel nach wie vor aus. Jason Tomety-Hemazro (24) spielt Links. Rechts sind Jannis Farr (25) und Tristan Wagner (20) zu Hause. Farr war im Vorjahr absoluter Eckpfeiler, dürfte schwierig werden für Wagner.
Einziger nomineller "6er" im Team Lucas Vierling (27), Kapitän in Luckenwalde. Dort 154 Einsätze in 6 Jahren. Vorgesehen als Ersatz für Niklas Brandt. Einer von mehreren Akteuren mit Vergangenheit beim FC Hansa. Auf der "8er" Position ist reichlich Auswahl mit Mcmoordy Hüther (25), David Vogt (24), Lukas Lämmel (27), Oliver Daedlow (25), Diren-Mehmet Günay (22). Lämmel und Daedlow Aktivposten 2023/2024, danach mit Verletzungspech. Günay kam aus der Viktoria-"Insolvenzmasse", dort war er zeitweise Kapitän. Ab Mitte März 2025 nicht mehr im Kader. Hintergründe unbekannt. Der US-Amerikaner Joe-Joe Richardson (22) soll offensiv beleben. Von 2021 bis 2023 war er schon mal beim GFC, dann in Sandhausen und für Spielpraxis zum Halleschen FC verliehen.
Klarer Chef im Angriff Mittelstürmer Soufian Benyamina (35), enorm starke Quote in Greifswald mit 57 Toren in 92 Spielen. Dazu noch 13 Vorlagen, macht 70 Torbeteiligungen. Ein Topstürmer der 4. Liga. Sein Vertrag endet im Sommer 2026. Fatlind Memaj (26) ist die zweite zentrale Spitze. Theo Harz (22) und Rudolf Ndualu (25) bedienen den Rechtsaußen. Ndualu kam im Vorjahr auf 6 Treffer und legte 5-mal auf. Grace Bokake (23) und der Ex-Leipziger Osman Atilgan (25) wirbeln auf dem linken Flügel. Atilgan war nach dem Antritt Oktober 2024 fast immer gesetzt.
Wie der CFC hat der FC aus Greifswald 22 Spieler im Kader, allerdings 1 Feldspieler mehr. 26,1 Jahre im Schnitt sind deutlich über dem Unsrigen. Einige Qualität ist zu verzeichnen, in der Offensive mit Benyamina, Atilgan, Richardsson, Ndualu. In anderen Bereichen mit Daedlow, Lämmel, Vierling, Jakubov, Strietzel, Hüther. Die Ambitionen der Greifswalder dürften mindestens darin liegen, besser als im Vorjahr abzuschneiden.
Krankenlager / Strafbank:
Bastian Strietzel muss noch auf unbekannte Zeit wegen Kreuzbandriss pausieren.
Prognose:
Ganz oben anzugreifen wie 2023/2024 wird nicht so einfach, man wird wohl in einer Art "Lauerstellung" bleiben. Auf alle Fälle sollte ein Platz unter den ersten 5 machbar sein.
Bilanz gegen unseren Gegner:
Erst 6 Duelle gab es bislang und auch nur 1 Sieg für unsere Farben, der am 05.02.2023 mit 2:0 gegen den damaligen Aufsteiger im Abstiegskampf gelang. Allerdings konnten die Rot-Weißen gegen uns auch nicht mehr gewinnen, mit 2:1 am 16.08. im gleichen Jahr. Da unter vollkommen anderen Vorzeichen im Duell "wirtschaftlich noch kriselnder CFC" mit einigen Abgängen gegen den "aufgerüsteten GFC". Der Rest war ein Remis wie im Vorjahr mit 1:1 an der Küste und 2:2 in Chemnitz. Zuletzt gingen wir 3-mal in Führung, konnten den Vorsprung aber leider nicht behaupten.
Das Umfeld / Wirtschaft/ Stimmung:
Das Ziel der Greifswalder bleibt sicher weiter die 3. Liga. Daran hat sich auch nach dem kleineren Rückschritt in 2024/2025 nicht so viel geändert. In Sachen Infrastruktur und vornehmlich ein Stadion, welches die Anforderungen des DFB für diese Spielklasse Genüge leistet, musste man aber im Frühjahr 2025 einen Rückschlag hinnehmen. Mit dem Grundstück, auf dem der Bau der Arena mit einem Fassungsvermögen von 10.000 geplant wurde soll es erhebliche Probleme geben. So der Tenor des Investors Jonas Holtz gegenüber der Öffentlichkeit und dem Verein. Wie viel der umtriebige Unternehmer in den Club bislang finanziell eingebracht hat, ist so nicht bekannt. Vor der vorletzten Spielzeit sollen sich die Zuwendungen etwas reduziert haben, als Gründe gab es Umstrukturierungen in seinen Firmen. Die Firmengruppe unter dem Namen "JoHo.Group" ist weiter der Hauptsponsor, dafür gibt es unterhalb dessen bei den "Exklusiv-Partnern" teils neue Unternehmen. Des Weiteren "Premium-Partner", "Business-Partner" und die "Greifen-Partner" als Pool von eher kleineren Firmen und Privatsponsoren. In dem Bereich ist es damit gelungen, sich deutlich breiter aufzustellen.
Beim Zuspruch gab es 2024/2025 einen gewissen Einbruch zum Jahr davor. 1.423 zahlende Besucher im Schnitt lagen deutlich unter den 2.157 in der Spielzeit der Vizemeisterschaft und des enormen sportlichen Aufschwungs. Damit war man ungefähr auf dem Niveau der ersten Spielzeit in der Regionalliga Nordost angekommen: 1.362. Speziell die durchwachsenen Ergebnisse im Herbst 2024 waren wohl ausschlaggebend. Und danach ging es mehr oder weniger nicht mehr um den Kampf an der und um die Tabellenspitze. Dazu fiel mit Cottbus ein "Kassenschlager" weg, die Lausitzer holten immerhin 3.907 ins Stadion. Absteiger Hansa Rostock II auch noch mal knapp über 3.000. Zwei von 10 Begegnungen im "Volksstadion" waren über 2.000. Den größten Andrang diesmal erlebten die Verantwortlichen gegen den BFC Dynamo (2.644) und zum Ausklang HFC (2.465). Gleich 5-mal blieb es dreistellig, Minuswert Eilenburg bei 673. Den CFC wollten 1.414 Zuschauer sehen. Für die Entwicklung diese Saison wäre ein guter Start enorm wichtig.